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Southside-Festival: Kvelertak, Bouncing Souls, Steven Wilson, Jimmy Eat World, NoFX, The Gaslight Anthem, The Smashing Pumpkins, Schmutzki, Torpus & The Art Directors, Tame Impala, Gogol Bordello, Friska Viljor, Portishead, Rammstein, Sigur Ros, Fidlar, Turbostaat, Bloc Party, 21.-23.06.2013 in Neuhausen ob Eck, Take-Off-Park - Bericht von Kabl

Southside-Festival, 21.-23.06.2013 in Neuhausen ob Eck

Zunächst: Sorry für schlechte, bzw. für den Sonntag fehlende Bilder!! Alle Jahre wieder. Seit Jahren tummel ich mich auf dem Southside-Festival, einfach weil es da ein meist großartiges Line-Up gibt, das sehr abwechslungsreich ist. Das Southside ist darüber hinaus für ein Festival dieser Größenordnung sehr gut organisiert. Mein Bericht beginnt mit der Anreise, die bereits Donnerstagvormittag erfolgte:
Wir nutzen das Angebot des Veranstalters und fahren kostenlos Bahn. Wer das Festivalticket vorzeigt, besitzt eine Fahrkarte. Um 10.51 soll der Zug in Dinkelscherben ankommen - natürlich, wie bei der Bahn obligatorisch, gibt es 15 Minuten Verspätung. Wir sind circa 10 Leute und versuchen uns irgendwie mitsamt unserem Krempel in den Zug zu drängen.
Drinnen pöbeln alle Fahrgäste: "Keine Chance, wir sind voll!" und das mit dem "voll" sein stimmt - in zweierlei Hinsichten. Dennoch schaffen wir es irgendwie uns mitsamt einem Bollerwagen in den Gang zu pressen. Vorerst geht es nach Ulm - ich weiß jetzt, wie sich ein Huhn in der Legebatterie fühlen muss. Wenn jemand zum Pippi-machen muss, wird er "Stage-Dive-artig" auf den Händen der anderen Festivalgäste durch den Zug gereicht. Bewegen kann man sich nicht, sogar das "Bier-zum-Mund-führen" stellt sich als Herausforderung heraus.
In Ulm steigen wir dann um. Mein Rucksack ist zwar sauschwer, aber man hält es aus. In Ulm ist der Zug dann sogar überpünktlich und wir bekommen einen Sitz. Mit uns im Abteil sind ein paar lustige Gesellen, die eine Gitarre dabei haben. Natürlich reißen wir uns sie unter den Nagel und beschallen das Abteil mit Hits: Die Lokalmatadore, die Geggen Gaggas, sowie das Tote-Hosen-Cover "Ich brech auf der Wiesn" werden geschmettert. Ein paar Bier später sind wir schon in Tuttlingen.
Es ist arschheiß. Shuttlebuse fahren nach Neuhausen ob Eck. Nach knapp 15 Minuten anstehen haben wir einen Platz ergattert. Der Bus fährt wiederum knapp eine viertel Stunde. Dann sind wir am Festivalgelände. Erst mal Bändchen holen (wir stehen, trotz erheblich langer Schlange, keine 10 Minuten an). Nach und nach haben alle ihr Eintrittsband. So wird der Campingplatz bezogen.
Wir entscheiden uns für einen Platz, ziemlich zentral, Laufweg knapp 10 Minuten zur Bühne. Jetzt ist es 16.30 Uhr. Respekt. So schnell und problemlos hat die Anreise noch nie funktioniert. Zugfahren zum Southside - kann ich definitiv empfehlen. Dann geh ich Bier kaufen. Habe mich entschlossen, das Bier vor Ort zu kaufen (die Dose ist knapp 30 Cent teurer wenn man sie im Uncle-Emma-Laden kauft und das war es mir wert, sonst hätte ich mehr schleppen müssen). Mächtig. Dann: Gewitter. Erträglich, alles steht noch. Nach ein paar Halben geht's ins Bett.
Time-Table für Freitag.
Bereits um 7.00 Uhr wache ich auf. Duschen. Ist bestimmt noch nix los um die Uhrzeit. So ist es auch. Aber, arschkalt, pfui. Letztes Jahr gab es wärmeres Wasser. Unsere lustige Camprunde vermehrt sich im Laufe des Tages. Am Schluss sind es 24 Leute. Der Freitag ist bandmäßig für mich schon der stärkste Tag.
Ich begebe mich pünktlich um 15.00 Uhr zur ersten Band auf der Green-Stage. KVELERTAK. Ich halte das jedoch keine zwei Lieder aus. Scheinbar muss der Soundmann noch den Sound einpegeln.
Im Anschluss: BOUNCING SOULS. Der Sound ist besser. Diese Band kenne ich vom Namen her, ich stelle mich auf richtig schönen, schnellen Punkrock ein.
So ist es dann auch. Etwas gewöhnlich, Standard, für Freunde von Hot-Water-Music, No-Use-For-A-Name und Konsorten.
Witzig ist der Sänger: Der tänzelt leichtfüßig wie eine Gazelle auf der Bühne herum, grinst penetrant und passt so gar nicht zum druckvoll-schnellen Sound. Das gibt dem aber eine sehr sympathische Note.
Bereits beim zweiten Song sucht er den Kontakt zum Publikum und lässt die Leute mitgrölen. Netter Einstieg.
Nach kurzer Pause zur Red-Stage: STEVEN WILSON. Der Kopf von Porcupine-Tree tritt mit seinem Soloprojekt auf. Um es vorweg zu nehmen: Genial!
Zwar werden nur ca. fünf Lieder gespielt (die dauern alle um die 10 Minuten, bei einer Spielzeit von 45 Minuten ist nicht mehr drin), aber ich komme aus dem Staunen nicht mehr raus:
Atemberaubend, was die Herren hier aus ihren Instrumenten zaubern. Steven selbst wechselt zwischen Klavier/Synthesizer, Gitarre, Bass und Gesang. Teilweise erinnert sein Auftreten an einen Dirigenten. Die Musik würde ich als Prog-Rock bezeichnen. Nicht sonderlich hart, aber saugut.
Darüber hinaus kommt auch Steven absolut sympathisch rüber - von dem Ruf, ein selbstverliebter Nerd zu sein, keine Spur. Frühes Highlight - mal schauen ob man das noch toppen kann.
Rüber zur Green-Stage. Dort lassen JIMMY EAT WORLD gerade ihren Poppunk auf die Zuhörerschaft los.
Naja, das ist mir etwas zu seicht. Die Hits, allem voran "In The Middle" kommen trotzdem ganz gut.
Jetzt wird es Zeit für NOFX. Natürlich vor dem ersten Wellenbrecher. Schon allein das Miniatur-Banner und der Zusatz "And The Ass Souls" sorgt für Schmunzeln und kann wohl als Seitenhieb auf die auf der selben Bühne auftretenden "Frank Turner And The Sleeping Souls" verstanden werden.
Generell beschimpft Fat Mike heute gerne andere Bands: Die Smashing Pumpkins sind Arschlöcher, alle Bands die Mitsingspielchen mit dem Publikum machen sowieso. Auch wenn sich da die Geister scheiden - mich nerven die Publikumsspiele größtenteils auch.
Ich muss ihm in dieser Hinsicht Recht geben. Musikalisch gibt es eine Hitpallette. Sämtliche Hits werden gebolzt. Vom neuen Album werden nur drei Songs geschmettert, darunter auch der Favorit meines geschätzten Bierschinken-Redaktionskollegen Gerdistan ("72 Hookers"). Über den Song kann man sich streiten, den Text find ich jetzt auch nicht so prall, aber wer den Humor der vier NOFXler kennt, darf ahnen, dass der wohl nicht 100% ernst gemeint ist.
Sonst, gewöhnliche Setlist, alles wird mitgegrölt, ich bin tatsächlich 60 Minuten lang in einer tollen Pogerei, alles ist friedlich, wer hinfällt, dem wird aufgeholfen. Super.
Im Anschluss meine Herz/Magen/Nieren-Band: THE GASLIGHT ANTHEM. Kein Album wie "The 59-Sound" und "Sink Or Swim" hat mich die letzten Jahre so mitgenommen. Dennoch bleibt wegen des Sängers aufgrund seiner steinzeitlichen Meinung zum Thema Evolution und Religion ein sehr komischer Beigeschmack, vor allem beim Live-Konsum der Musik.
Also: Die Setlist ist stark. Zwar etwas langwierig in der Mitte und meiner Meinung nach zu viel vom neuen Album - aber mit "Wooderson" und "1930" sind endlich zwei meiner Favoriten vom ersten Album dabei, die ich bisher nie live erleben durfte. Das ist nämlich bei "Gaslight Anthem" das tolle: Die Setlist variiert bei jedem Gig und zwar werden nicht nur 1-2 Lieder ausgetauscht, sämtliche Songs können zum Einsatz kommen.
Jetzt zur Kritik: So lang die Band ihre Lieder spielt ist alles gut. So zum Beispiel am Anfang des Sets: Die ersten vier werden ohne Pause runtergeholzt, jeder ist fröhlich, grölt und tanzt. Aber sobald der Sänger zwischen den Songs seinen Mund aufmacht, hätte man am liebsten Lust, ihm den selbigen zu stopfen. Nicht jedem liegen Ansagen, aber man muss nicht so arroganten und unsympathischen Quatsch von sich geben. Teilweise brabbelt er nur noch, teilweise schämt man sich für ihn.
Die anderen Bandmitglieder schauen auch so aus, als ob sie keinen allzu großen Spaß an diesem Getue hätten. Und somit bestätigt sich wieder meine Meinung zur Band: Absolut tolle, erhabene, hymnische Musik, mit einem Sänger, der für einen etwas ranzigen Beigeschmack verantwortlich ist. Und das soll nicht auf seine Gesangsleistung bezogen sein. Ach ja: Das Ramones-Cover "Bonzo Goes To Bitburg" wurde auch gespielt. Auch mit Verweis auf den damaligen Präsidenten Reagan in Amerika.
Nun entscheide ich mich dafür, die SMASHING PUMPKINS anzuschauen. Kenn ich nichts, weiß nicht mal was die für Musik spielen. Nach den ersten drei Liedern will ich schon fast wieder gehen. Es wird auch zunehmend leerer - ob das an der Band liegt oder an den parallel spielenden Queens Of The Stone Age, kann ich nicht sagen.
Ich schau mir den Auftritt dann doch bis zum Schluss an. Die SMASHING PUMPKINS spielen eine Mischung aus komplett abgedrehten Noise-Nummern und absolut zerbrechlichen Balladen. Irgendwie interessante Mischung. Die Band gefällt mir auch von Song zu Song besser.
Naja, die "Band" ist etwas unglücklich ausgedrückt, die Songs gefallen mir von Song zu Song besser. Denn die "Band" kann man eigentlich fast nicht als solche bezeichnen. Es macht hier den Eindruck, als ob jeder Musiker für sich alleine spielt und steht. Und der Sänger Billy Corgan sagt wirklich nichts. Einmal sagt er: "Thank you, everybody, thank you, thank you". Mich zerreißt es fast vor Spannung - wird er diesen Kommunikationsausbruch noch übertrumpfen können?
Und tatsächlich, nach dem letzten Lied holt er zum zweiten Schlag aus. Ich traue meinen Ohren kaum: "God bless you and god bless America". Das muss ich erst mal sacken lassen. Ein Auftritt der mir musikalisch echt gut gefallen hat, wird durch eine Schlussbemerkung wieder in einen faden Beigeschmack gezogen. Bin ich zu kritisch? Ich weiß es nicht.
Time-Table für Samstag
Fazit von Tag 1: The Bouncing Souls: Gut, wenn auch etwas unspektakulär. Steven Wilson: Highlight, grandios!. Jimmy Eat World: Nicht ganz meine Tasse Tee aber nett. NOFX: Vollbedienung, da weiß man was man kriegt, lustig und Pogo! Gaslight Anthem und Smashing Pumpkins: Geile Musik mit eigenartigem Beigeschmack aufgrund der Sänger
Mich erreicht eine SMS von Metal-Berten, dem genialen Gitarristen der Superfreunde. Es findet heute nämlich ein zweites Festival statt, kaum 650 Kilometer von Tuttlingen entfernt: Line-Up: Zwakkelmann, Supernichts, Knochenfabrik und die Superfreunde. Halt. Man muss es noch mal lesen um dieses historisch einmalig geniale Line-Up schätzen zu wissen: Zwakkelmann, Supernichts, Knochenfabrik und die Superfreunde.
Und ich sitze hier. Egal. Auch auf dem Southside stehen heute (mittlerweile ist es Samstag) wieder einige Highlights auf dem Programm. Mittlerweile hat sich auch die Playlist auf dem Campingplatz bei uns durchgesetzt: Das Hip-Hop-Lied mit vielen Fäkalwörtern vom letzten Jahr, "Rendl" von den Geggen Gaggas, 90er Jahre Techno von "Das Modul" und so ein Werbespot von einer Toten-Hosen-CD (Kauf mich) über eine Kettensäge, werden im Wechsel abgefeiert. Ab und zu läuft auch was Normales oder Cannibal Corpse. Läuft. Außerdem habe ich den Eindruck, dass die Leute von Tag zu Tag auf einem Festival asozialer werden. Am Donnerstag ging's noch, am Freitag steigerte man sich und heute wird nur noch bescheuert randaliert, gepöbelt und gemüllt. "Highlight" dieser Menschengruppe, die vermutlich mal ein Wochenende von zu Hause und/oder dem spießigen Job entkommen konnte: Mit einem Gummiband werden volle Bierdosen mitten in andere Menschen geschossen. Am lustigsten ist, wenn die Dose jemanden trifft sodass es weh tut. Ich muss es in dieser Sprache sagen: Bleibt das nächste Mal daheim, ihr Arschlöcher.
Bands. Ich schau mir um 12.30 Uhr SCHMUTZKI an. Hintergrund: Ich hatte vor ein paar Wochen einen Auftritt in Stuttgart. Der Veranstalter erzählte mir, dass letztens ebendiese Band da war und nun nicht mehr bei ihnen auftreten dürfe, da sie auf der Bühne alles kaputt gemacht und randaliert haben. Klingt ja ganz interessant und passt gut zum Southside-Publikum.
Von Randale aber keine Spur. Eher klingt die Band bemüht, die pseudefäkalischen Witze von Jennifer Rostock zu übertrumpfen. Teenie-Punk wie man ihn maßgeschneiderter nicht mehr liefern könnte. Dennoch eigentlich ganz kurzweilig. Auch der Bassist ist toll: Er zieht penetrant eine Fresse, wie ich sie nicht nachmachen kann.
Grausiger Tiefpunkt des Konzerts: Das berühmte "Hinsetzen und wieder Aufstehen"-Spielchen. Ich verlasse das Zelt, da ich sonst brechen müsste. ICH KANN ES NICHT MEHR SEHEN! Das war bei den Ärzten am Anfang mal ganz nett, nervt mittlerweile aber nur noch. Dennoch prophezeie ich, dass SCHMUTZKI noch größere Sachen spielen werden - genau auf sowas steht eben der Großteil des recht jungen Publikums. Und Laune hat's ja gemacht.
Auf der Blue-Stage spielen TORPUS & THE ART DIRECTORS ganz coole Musik, die mich an Mumford And Sons erinnert.
Nach kurzer Pause geht's zu TAME IMPALA. Ich würde das als Drogenrock bezeichnen. Ob die Bandmitglieder wirklich Drogen nehmen weiß ich nicht, aber das hört sich so dermaßen nach 70er Jahre und Kiffen an, dass mir keine treffendere Bezeichnung einfällt. Der Sänger schaut megabreit aus.
Die Musik kann alles - auch wenn viele über die Retrowelle schimpfen, feier ich ebendiese ab. Plötzlich ist der gesamte Sound weg. Tonproblem, wird aber nach einer halben Minute wieder behoben. Jeder der auf erdige, psychedelische Gitarrenmusik steht, soll sich TAME IMPALA anhören. Super Sound!
Laura findet TAME IMPALA auch voll gut!
Dann schnell rüber zu GOGOL BORDELLO. Zugegeben, ich habe deren Musik jetzt nie sonderlich abgefeiert, aber die Band macht einen echt sympathischen Eindruck und der Hintergrund dieser Formation verdient auch Respekt. Heute gefallen mir die überraschenderweise echt gut. Sehr launig, auch mit Publikumsanimation, aber dies ist der Beweis, dass es auch unpeinlich geht.
Nun spielen "The Hives" und "Friska Viljor" parallel. Ich entscheide mich für FRISKA VILJOR, da mir deren Song "Shotgun Sister" sehr gut gefällt. Sonst kenn ich nix von denen. Im Zelt ist es rammelvoll und das Publikum ist sehr enthusiastisch. FRISKA VILJOR machen alles richtig, haben Spaß, machen Spaß - nur bei mir springt der Funke nicht über.
Habe mir etwas anderes erwartet, mehr im Stil von "Shotgun Sister", doch dieses Lied ist wohl die Ausnahme. Die anderen Songs gehen eher in die Richtung tanzbarer, Gute-Laune-Indie. Definitiv gut, aber nicht ganz meine Wellenlänge.
Kurze Zeltpause. Dann zu PORTISHEAD. Megageil. Die Sängerin singt die ersten Töne auf der Bühne und man kann die Gänsehaut des Publikums förmlich spüren. Der elektronisch angehauchte Trip-Hop wird von passenden Videos auf der großen Leinwand untermalt. Ich bin geflashed.
Mal wieder kenn ich kein Lied - aber das mit dem schier endlos langen Tunnel, der in Zeitlupe durchwandert wird, strahlt eine dermaßen bedrohlich/düstere Atmosphäre aus, dass sich mir die Nackenhaare aufstellen. Die schau ich mir auf jeden Fall wieder an, aber ganz. Denn jetzt habe ich einen Fehler gemacht:
Nach knapp 45 Minuten gehe ich zu RAMMSTEIN. Noch vor dem ersten Lied bereue ich diese Entscheidung. Nicht weil Rammstein schlecht sind, sondern weil hier absolut kein Durchkommen ist. Geschätzt alle Leute des Campingplatzes, plus nochmal so viele die vermutlich nur zu Rammstein kommen und dann wieder abfahren stehen vor der Green Stage.
Nach vorne kommen: Unmöglich. Von der Mitte aus etwas sehen: Unmöglich. Wir versuchen es, ganz nach hinten zu kommen (erweist sich als Kraftakt - Leute mit Platzangst wären vermutlich ausgeflippt), um wenigstens auf die Leinwände zu sehen. Gelingt so mittelmäßig.
Wir schauen so 5-6 Lieder an. Was ich von der Show mitbekomme ist schon gigantisch: Überall Feuer, Keyboarder Flake wird bei "Mein Teil" gekocht, geschlagen und läuft während er spielt auf einem Laufband. Aber wir gehen dann. Wir bekommen zu wenig mit - wer Rammstein mal auf so einer Veranstaltung sehen will, dem habe ich einen Tipp: 2-3 Bands vorher in den vorderen Wellenbrecher gehen, dann klappts. Haben ein paar unserer Reisegruppe gemacht - die hatten zwar enorme Angst zerquetscht zu werden, sind aber dennoch heil da raus gekommen.
Ich sichere mir währenddessen einen gute Platz bei SIGUR ROS - mein diesjähriger Hauptgrund auf das Festival zu fahren. Dieser Hauptgrund bestätigt sich, Highlight des Line-Ups. Gigantisch. "Svefn-g-englar" und das abschließende "Popplagid" treiben den Anwesenden Tränen in die Augen. Der Sänger bearbeitet seine E-Gitarre mit einem Geigenbogen. Ansonsten weitere 15 Leute auf der Bühne, teilweise zwei Schlagzeuger, ein Chor, Bläser, unglaublich. Meine Campkollegen fragen mich nach dem Stil der Band. Ich habe echt Probleme damit, den Stil von SIGUR ROS zu beschreiben. Elfenmusik, mit einem Sänger, der höher als jede Opernsängerin singt, seine Gitarre mit Geigenbogen bearbeitet und so klingt, als sei die Musik von irgendeinem anderen Planeten.
Außerdem stammen die Leute aus Island, singen aber nur teilweise auf isländisch - teilweise kommt "vonlenska" zum Einsatz, eine erfundene Fantasiesprache. Neulich habe ich eine recht passenden Kritik zum neuen, etwas härterem Album gelesen, das fand ich ganz treffend: "Die oft zur Beschreibung ihres Sounds herangezogenen Elfen, Feen und Trolle spießt die Band auf die Spitzen rostiger Gitterzäune und schaut ihnen genüsslich beim Ausbluten zu." (laut.de). Kurz und knapp: Festivalhighlight, atemberaubend.
Nächster Tag, Sonntag. Ab jetzt hat der Fotoapparat den Geist endgültig aufgegeben. Dieses war das vorletzte Bild. Kategorie: Spaß am Campingplatz. Der Bericht geht trotzdem weiter.
Time-Table vom Sonntag.
Fazit von Tag 2:
Schmutzki: Ganz kurzweiliger, wenn auch gewöhnlicher Teenierock. Tame Impale: Geiler Retrosound. Gogol Bordello: Enormer Spaß. Friska Viljor: Bestimmt saugut, aber nicht ganz meins. Portishead und Sigur Ros: Gigantisch, mitreißend. Rammstein: Bestimmt gut, aber nichts gesehen.
Der meiner Meinung nach vom Line-Up her schwächste Tag. Jeder Nachteil hat auch eine positive Seite: So packen wir zeitig zusammen, um am späten Nachmittag abzuhauen. Ich wage mich um 12.00 Uhr mittags zu FIDLAR, die auf der Green Stage dreckig-rotzigen Punkrock bolzen. Green-Stage, erste Reihe, yeah - ca. 12 Stunden vorher: Green Stage, 527ste Reihe, nicht yeah.
FIDLAR sind die Entdeckung des Festivals für mich: Songs, kaum länger als zwei Minuten, die so dermaßen nach vorne gehen, dass es eine Wonne ist. Ein ironisch-verschmitzter Sänger (ob er wirklich Stimmenprobleme hatte und deshalb der Gitarrist alles singen musste, bleibt unklar, vielleicht war dies auch nur seine Art von Humor) und gnadenloses Gebretter. Die Descendents (Suburban Home) werden auch gecovert. Werde ich mir wieder in einem kleinen, stinkigen Club anschauen. Mächtig, da hat sich das frühe Aufstehen gelohnt. Ja, mich interessiert an diesem Tag echt wenig.
TURBOSTAAT darf man sich natürlich nicht entgehen lassen. Die Band macht ihre Sache an diesem Tag auch so gut, dass es absolut nichts zu meckern gibt. Zwar gibt's nix vom besten, ersten Album, aber Sachen wie "Harm Rochel", "Schwan", "Fraukes Ende", "Urlaub auf Fuhferden" und allen voran "Insel" kommen dermaßen gut, dass ich der Band die Höchstnote gebe. Auch die neuen Sachen fügen sich perfekt ein. TURBOSTAAT - so klingt es, wenn eine Band trotz immer größeren Konzerten auf dem Boden bleibt und den Bock an der Musik nicht verliert. Weltklasse.
Zum Abschluss lassen wir es gemütlich bei BLOC PARTY ausklingen. Echt cooler Indie-Sound und vor allem der Hit "Banquet" macht Spaß. Schade, die Band will vermutlich eine längere Pause machen, hat mir gut gefallen. Wir hauen dann so langsam ab - einige wollen noch SKA-P sehen, die halte ich aber für gänzlich überschätzt. Die Headliner "Deichkind", "Arctic Monkeys" und "Parkway Drive" reißen mich auch nicht vom Hocker. Heimreise verlief ohne Zwischenfälle.
Fazit Tag 3:
Fidlar und Turbostaat: Genialer Punk, Bestnote. Bloc Party: Netter Ausklang. Bei der Southsideorganisation gab es für mich wenig zu motzen - etwas wärmere Duschen wären cool, außerdem würde ich es in Zukunft vermeiden, eine solch große Band wie Rammstein zu buchen. Geld lieber auf ein starkes Mittelfeld setzen. Doch dieses war schon dieses Jahr zweifellos heftig gut besetzt: Wir sind immer ein sehr unterschiedlich zusammengewürfelter Haufen. Von Hip-Hop-Fans, Electro-Liebhaber, Folker, Punks, etc. ist alles dabei. Von unseren über 20 Leuten wurde das unterschiedlichste Zeug angeschaut. Beim Southside trifft die Floskel "für jeden war was dabei" also definitiv zu. Jeder war ständig beim Bandkucken und keiner hat gemotzt. STARKES LINE-UP.
Die Campbesucher waren teilweise wieder an Asozialität nicht mehr zu überbieten - ich bin bewusst nicht auf die Details eingegangen. Sauft doch einfach daheim und randaliert euer eigenes Zeug kaputt. Ansonsten kann ich nur loben: Bändchenvergabe, Müllpfand, Einlasskontrollen, Anfahrt ging reibungslos und schnell. Bühnen waren (außer Rammstein) nie zu überfüllt. Uncle-Emma-Laden rockt. Essensauswahl auf dem Festival gut (Handbrot ist guad!). Fazit: Southside 2013 war wieder ein tolles Festival, mit ganz wenigen Kritikpunkten meinerseits und fast ausschließlich guten Bands. Gerne wieder.

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Berichte auf anderen Webseiten:

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Lux

24.06.2013 20:27
Fantastisch. Schullandheimberichte auf der Bierschinken-Seite. Endlich. "Bouncing Souls kenne ich vom Namen her" - Crazy Punker-Jugendliche bitte umgehend von Farid Bang verschellen lassen.
Kiki

25.06.2013 09:10
Nofx spielten alle ihre Hits??Wie lange hatten die Spielzeit, 7 Stunden?
P.S.: Du duscht auf Festivals? Das ist aber kein Heavy Metal!!
schlossi

25.06.2013 09:22
7 stunden "kill all the white man"? wer will das denn hören?!
Kabl

25.06.2013 09:55
Setlist:

http://www.setlist.fm/setlist/nofx/2013/take-off-gewerbepark-neuhausen-ob-eck-germany-bd93182.html
Gerd am Herd
(Gerd am Herd)
25.06.2013 10:23
Handbrot ist wirklich lecker!

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