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Izero Hardcore Fest (Tag 2): Petrol Girls, Matrak Attakk, Questions, Dregs, Spy, Oust, Kovaa Rasvaa, Shoki, Interpunkce, Regres, Astrid Lindgren, Zdrajca, 18.06.2022 in Wolimierz (PL), Atelier Wolimierz - Bericht von verSemmelt

Izero Hardcore Fest (Tag 2), 18.06.2022 in Wolimierz (PL)

Gestern wird schwerlich zu toppen sein. Die angesagten knapp 30°C schreien wieder nach Gewässer. Immerhin ist es nicht ganz so warm wie im Flachland und nach einiger entscheidungsbefreiter Zeit, die womöglich durch den Konsum warmen Dosen-Sternis (pfui) hervorgerufen wurde, quetschen wir irgendwann 9 Leute in 2 Autos rein und ich lass mir noch eine Wegbeschreibung zu einem See mit "Bier 'nen Euro" verbalisieren.
Den neuen Polizeispielplan noch abgespeichert und los geht es diesmal etwa 6 Kilometer südsüdwestlich nach CZ.
Bei Nove Mesto gibt´s neben dutzenden Singletrails für Mountainbikes einen kalten See und zwei Kneipen. Ein richtig guter stopfender 4 Zutaten Cheeseburger wird gemampft. Man muss allerdings Fan von paniertem Käse sein. Der halbe Liter Gezapftes 10° dann umgerechnet 1,21€. Hier kann man fast noch besser die Zeit rumbringen als letztes Jahr an der Talsperre Marklissa. Okay. Etwas Zeiteinplanung fürs Essen. Aber heut ist auch perfektes Wetter für so einen Murks. (Anmerkung: Murks gleichbedeutend mit "Nachkommen zeugen und diese an einen See karren.")
4 Stunden Gesabbel und zwischendurch bringt eine laut vorgelesene Rezi aus dem Ox die Gruppe zum Lachen. Auszug: "Ein [sic] gewisse geheimnisvolle Aura passt auch ganz gut zu ihrem oft etwas ätherischen unirdisch klingenden Sound, den man mit Doom und Black Metal nur sehr unzureichend beschreibt." Und mein persönlicher monatlicher Plattenrezipulitzer in der Kategorie "Satz" geht an Thomas Kerpen für die Rezension von Dolch mit der Platte Nacht. Gratulation. "Klingt ätherisch unirdisch" wandert sofort in mein Vokabular, aber ich werde es wohl eher für den Pups, nachdem man ein Bier-Pfeffi-Gemisch durch den Magen-Darm-Trakt gejagt hat und dieses zu doomig-dunkelmetallischen Bierschissen führt, benutzen. Ich spüre eine geheimnisumwobene Aura schon jetzt. Anyway. Ich transportiere zwischendurch noch 3 Wanderer zum Festival und ehe der Schatten komplett verschwindet, quetscht man sich wieder in die Karren, denn es geht ja auch pünktlich weiter mit den Bands...
ZDRAJCA (=Verräter) eröffnen unter einer noch gut brutzelnden Sonne.
Ich nehme da erstmal noch die wenigen Schattenplätze ein. Band war ganz gut, Hardcorepunk, Texte alle in polnisch. Aber hängen blieb irgendwie nix.
Drinnen sind wieder angenehme Temperaturen und INTERPUNKCE (CZ) bieten stumpfes strammes Geballer. Zwischendurch wird mal in der Band Gitarre und Gesang gewechselt. Passt!
ASTRID LINDGREN (PL) hören wir nur nebenbei. Irgend eine Emocore-Variante. Ohne mich.
Nebenbei am Plattenstand läuft die Band als okayes Hintergrundrauschen.
SHOKI (ITA) liefern harten D-Beat mit a'grrrl'siven Gesang. Gelegentliche Breakdowns lassen so Hardcore Dudes durch die Gegend flattern. Cool.
Erste Verbrauchserscheinungen lassen mich noch etwas auf dem Sofa der Indoorstage verweilen.
Aber ich werde genötigt, doch noch "Journalismus" zu machen. Und das lohnte. DREGS (AUT) sind auf jeden Fall gut divers. Die haben sogar einen Skinhead am Start.
Die scheppern wütenden und spielfreudigen Hardcore auf die Wiese. Da ist man gleich wieder munter.
Dann folgt mein Festivalhighlight mit OUST (sprich: "aust") aus den Niederlanden. Eine knappe halbe Stunde verwandelt sich die Dame am Mikro in eine giftige Bestie, wo Leute mitunter auch mal ein paar Meter durch den Raum gezerrt werden oder beim weiten Weg zurück durchs Publikum, dieses im Kabel eingewickelt wird. Das führte mal dazu, dass das Mikro seinen Geist aufgab. 2-3 mal passierte das bei anderen Bands auch. Hier blieb es im Gedächtnis, weil aus dem 15 Metern Kabel ein vielleicht 2 Meter kürzeres wurde mit dem Gedächtniszitat: "Sorry, now I can´t harass you that much anymore." (Anmerkung: Meterangaben können abweichen)
Musikalisch gibt´s knallharten D-Beat-Punk und sogar die mutig aufgebauten Pedals blieben unversehrt, obwohl da schnell übelst Party war. Texte hochpolitisch und sehr direkt; außerdem gab es sogar einen Rezeptvorschlag mit "Eat the rich with garlic". Ist zwar nicht sonderlich vegan, aber was will mensch machen. Bon Appetit!
Irrsinn. Und ebenso unfotografierbar, weil da scheinbar auch mal kurz in eine andere Dimension gewechselt wird. Ich bin beseelt.
REGRES dann mein einziger richtiger Ausfall des Festivals. Monotones Geschrei - okay nicht schlimm. Aber das ganze Paket war irgendwie so unharmonisch. Einer wollte Melodisches machen - das reicht für 20 Sekunden Intro - dann kommen immer so fürchterlich harte Breaks. Schwer zu beschreiben - das klang als würde jeder gegen jeden arbeiten. Komisch. Spärliches Publikum, möglicherweise genauso ratlos wie ich... Ich vermute Hitzschläge in der Band...
Drinnen eindeutig die abgefahreneren Bands heut. Da kommen jetzt KOVAA RASVAA aus Finnland mit schönem Hardcorepunk. Find ich super.
Eine der wenigen Bands, die auch mal etwas überzog, nachdem der Raum halb leer war, nochmal eine Zugabe für die erfreuten übrig gebliebenen Anwesenden spielte.
Ach finnisch, das sieht immer so schön aus. Bei mir reichts kaum mehr als für yksi kaksi kolme. Dann überlege ich, ob ich denn je eine laminierte Playlist gesehen hab?
Draußen spielten dann schon PETROL GIRLS auf dem nach vorn verlegten Headliner-Spot. Die machen im Gegensatz zu dem Rest hier eher Entspannungsmusik. Weniger entspannt der Aktivismus, mit dem versucht wird, tief durch die Nase bis ins Hirn zu popeln. Grad in Polen ein ungeheuer wichtiges Thema betrifft Abtreibung, wo sich die Rechte diesbezüglich wieder in eine falsche Richtung entwickeln. Und "Baby, I Had An Abortion" ist doch auch ein verdammt cooler Song.
Gespielt wird zum Tourabschluss eine volle Stunde, die ersten Reihen übernehmen FLINTAs. Wäre cooler Festivalabschluss später am Abend gewesen. Verdammter Putin. Zwischendurch wird eine Kruste ordentlich zurechtgewiesen, weil er vor der Box gesprochen hat. Im Nachhinein sagt die Psychologie, dass er bei dem Zwischenfall die Opferrolle einnehmen wird und nicht mehr von Petrol Girls zu bekehren ist?! "Touch Me Again And I Fucking Kill You" ist dann noch viel großartiger und ein Höhepunkt. Ungefähr die Hälfte des Sets ist musikalisch derweil nicht so meins.
SPY aus Kalifornien sind irgendwie gehyped, obwohl die erst in der Pandemie gegründet wurden. Zurecht? Kein Plan. Instrumente sind sehr cool eingesetzt, der Sänger schimpft monoton rum.
Aber 12 oder 13 Minuten dauert die Hardcoreperformance gerade mal und da gibt es sogar noch ruhige Parts. Da hab ich eindeutig mehr erwartet und schenke ein Schulterzucken...
QUESTIONS aus Brasilien dann nochmal was ganz anderes und zwar Old School Hardcore. Die beginnen heut ihre Europatour und beim Tourplakat hab ich mich gefragt, wer denn so etwas zusammenschustert: Italien - Cottbus - Freiburg - Berlin - Kopenhagen - Potsdam. Da fehlt am Ende eigentlich nur noch >>Warschau - Eberswalde<< und dem Booker würde ich eine Landkarte oder einen Therapeuten empfehlen.
Ich fand´s ganz cool. So bisschen Sepultura, bisschen Agnostic Front. Angesprochene zieht man sich ja auch schon lang nicht mehr freiwillig rein. Wobei ich gar nicht weiß, ob "Se Paltschar" immer noch existiert. Ich hoffe nicht! Da ist das echt schön solche Musik mal in so einem angenehmen beschaulichen Rahmen zu hören. Die letzten 10 Minuten verkacken die es aber etwas. Aufforderung zu Circle Pit, Mitklatschen sowie Gruppenfoto mit den Anwesenden. Alter. Aber ich bin so ein Getue auch nicht gewohnt... Daher Pfostenschuss.
Und zum Abschluss machen MATRAK ATTAKK (FRA/ITA) dann nochmal crustiges Geholze mit krassen Gesang. Stark. Ich schlürfe noch mein mittlerweile alkoholfreies Bier weg und leg mich erneut beizeiten pennen. Angeblich waren lange noch tiefe Bassbeats zu hören. Ich werde wie ein Stein schlafen...
Die vielen Hunde haben sich doch jetzt endlich auch wieder die Ruhe verdient. Es waren etwas weniger Leute als letztes Jahr da und das versteh ich immer nicht. Stellt man immer dieselben Bands hin, kommen die Leute ungefragt. Hier gab es Bands aus 13 verschiedenen Ländern, wobei sogar noch 3 Länder mehr geplant waren. Was für eine Quote! Und FLINTA dürfte auch 50/50 sein. Das Izero ist und bleibt weiterhin ein toller Geheimtipp im Juni.
Ich verfrachte dann meinen Bruder wieder in den Zug und bin erstaunt, mit was so Cottbus Werbung auf Zügen macht. Mutig, aber auch passend. Paar Leute kamen derweil mit Corona vom Festival. Wie die das immer kriegen?! Die Woche vor dem Back To Future bleib ich im Keller! 
Merkt man dem Bericht an, dass ich ein Großteil erst 2 Wochen später geschafft hab zu verfassen? Mir fallen dann immer noch so Sachen ein, die mit unterschiedlich hoher Wahrscheinlichkeit präzisiert werden könnten oder komplett falsch sind. Questions spielten Sepultura, aber welcher Song? Bei Petrol Girls gab es einen Stromausfall während einer Ansage. War das Loch vor der Bühne tatsächlich immer noch vom letzten Jahr da? Was stank da auf den 4-5 Metern zwischen großer Bühne und "Fluß". Wie lange wird diese Europalette zur Flußüberquerung eigentlich noch halten. Ist Fluß das richtige Wort. Wie muss eigentlich ein Festival sein, dass es okay für Hunde ist? Wenn ich in Seen baden gehen würde - wie kalt war dann das Wasser; wo ist eigentlich diese "crazy bridge" und steht dieses in die Straße reinragende Haus in Pobiedna nächstes Jahr noch. Da stellen sich doch auch Fragen, dass man einfach wieder hinfahren wird - ich bin gespannt! Aber zuallererst natürlich was da auf dem Band-Teller landet. Am 16. und 17.06.2023 macht man hier im Isergebirge ganz bestimmt nix falsch!

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