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Sziget Festival 2008 Teil 1: Iron Maiden, Anti-Flag, Flogging Molly, Leningrad, Millencolin, Che Sudaka, Die Ärzte, Sex Pistols, Danko Jones,... vom 12.-15.08.2008 in Budapest (HU)

Sziget Festival 2008 Teil 1: 12.-15.08.2008 in Budapest (HU)

Teil 1 (Day 0-3) - Teil 2 (Day 4-6)
Nächste Runde für den Festival-Marathon: Grad vom Open Flair zurück, 3 stunden gepennt und weiter gehts zum Flughafen Köln-Bonn, um die Reise nach Budapest anzutreten. Das Sziget-Festival ruft! Hat mich schon seit Jahren gereizt, nun endlich klappt die Reise mal. Kleiner Wermutstropfen: Die letzten Jahre ging es immer ne ganze Woche, dieses Jahr nur 5 Tage - wenn da Tag 0 nicht wäre, was etwas verwirrend ist. Angekündigt ist das Festival vom 13.-18.08., Bands spielen aber vom 12.-17.08., da der 12. besagter Tag 0 ist und der 18. der Abreisetag. Verwirrt? Tja, so is das halt! Und weil das Festival etwa doppelt so lang ist wie die meisten anderen Festivals, teile ich den Bericht einfach mal in zwei Teile...hier Teil 1!
Gut gelandet, weiter gehts mit Bus und Metro zum Gelände. Auf dem Weg lenen wir Colin und Angelo aus Trier kennen. Die haben schon Leute auf der Insel, also beschließen wir spontan, uns der Truppe anzuschließen. Weiter zur Insel! Ja, wers nicht weiß, das Sziget Festival befindet sich auf einer Donau-Insel...
Die Trierer Jungs ham nen Platz direkt hinter ner Bar gefunden, schön schattig unter Bäumen und Platz für unser Zelt ist auch noch. Supi! Billigstes Bier hier ist übrigens Arany Ászok für 390 Forint (ca 1.80 Euro) in 0.6er Bechern - kein Wunder, dass man das irgendwann nicht mehr trinken konnte...
So, ein wenig übers Gelände latschen. Die ganze Insel ist das Festivalgelände, richtig groß. Und im Gegensatz zu anderen Festivals ist alles nicht so strikt in Bühnen/Stände/Zeltplatz aufgeteilt, alles ist quer verteilt, die ausgewiesenen Zeltplätze sind nur zur Orientierung - theoretisch kann man neben ner Bühne zelten...
So, Bier holen und unsere Nachbarn kennenlernen, nette Finnen.
Mangelnder Schlaf macht sich bemerkbar...erstmal ein wenig Ratzen. Ich versuch noch standhaft zu bleiben, penn aber mitten im Biertrinken ein und werde wach, weil mir das Bier ausm Mund läuft - ups, vorm Runterschlucken eingepennt...
Am heutigen "Day 0" nur zwei Auftritte: Lauren Harris und Iron Maiden. Verwirrend hierbei: Man kommt nur mit Tageskarte oder Campingkarte rein, nicht aber mit Wochenkarte ohne Camping. Tag Null halt. Lauren Harris macht den Anfang, eher langweilig.
Poprock der gerne Metal wär, mit guten Musikern aber ner schlechten Sängerin. Die hat halt nur zufällig das Glück, Tochter von Iron-Maiden-Bassist Steve Harris zu sein und deswegen im Vorprogramm spielen zu dürfen...
Bevor Iron Maiden beginnen, schnell noch mit Annabel zum Bierstand - wenn wir den denn erstmal finden, am ersten Stand gibts nur Wein! Und am Bierstand natürlich lange Wartezeit...
Aber pünktlich zu Iron Maiden wieder da! Die beginnen nicht wie angekündigt um 21:30 sondern 21:00, was wir mit ein wenig Schadenfreude feststellen, schließlich stehen wir schon vor der Bühne, als die berühmte "Churchill Speach" beginnt
Unsere Holland-Mädels und eine Hand ausm Nichts
Iron Maiden sind gerade auf "Somewhere Back In Time"-Tour mit den Hits aus den 80ern, also so ziemlich alles bekannte Stücke. Und nix von den neueren Scheiben, sehr zur Freude der Fans
Der ganze Auftritt ist äußerst pompös, eigentlich wie erwartet - alle paar Songs ändert sich das Bühnenbild
Sänger Bruce Dickinson ändert sein Outfit auch ab und zu, so erinnert das hier (da rechts) wohl an ne Azteken-Gottheit, während das Bühnenbild insgesamt eher ägyptisch angehaucht is
So ägyptisch, dass irgendwann Bandmaskottchen Eddie als Mumienzombie-Gestalt aus dem Bühnenbackground kommt und schaurig-gruselig die Arme nach uns ausstreckt
Getoppt wird das nur durch den Auftritt von Eddie als etwa 4 Meter großen Cyborg, der theatralisch über die Bühne läuft. Insgesamt sehr aufwändige Show und eigentlich auch genau das was ich erwartet hatte, auch wenn einige enttäuscht waren. Bruce Dickinson kündigt auch noch ein neues Album in 1-2 Jahren an, aber wen interessiert sowas schon...
Danach ab zu unserer Zeltplatz-Bar, wo wir so einige Bier-Runden geben, bis es uns irgendwann (viel zu früh, aber total übermüdet) ins Zelt zieht. Erster (oder Nullter?) Tag des Festivals vorbei, ich bin bisher total begeistert
Nächster Morgen ("Day 1"), einkaufen! Aufs Gelände darf man an Getränken nur 0.5er Wasser mitnehmen und muss den Rest aufm Gelände kaufen, was zwar relativ preiswert ist, aber immer noch teurer als im Supermarkt. Fressalien kriegt man rein, drum kaufen wir die im nahegelegenen Auchant-Markt, der ne ziemlich riesige Produktpalette vorweisen kann.
Im Campingkocher kredenzt Dome uns nen schicken Hackfleischtopf mit ordentlich Zwiebeln und Knoblauch, genau das Richtige um gut in den Tag zu starten. Neues Festivalessen! Geht nix über Hackfleischtopf!
Schon gut gebechert hat Aki, der große Finne von nebenan - was ein Tier von Mann! Und dabei ein absolut netter Kerl, dem es nichtmal Probleme macht, morgens schon 10 Bier zu trinken (0.6er natürlich) und danach mit nem Eimer-Cocktail nachzuspülen. Stark!
Irgendwann zum Gelände latschen. Unser Zeltplatz hat ne ganz gute Lage, nicht weit zur Hauptbühne - auch wenn man 2-3 Tage braucht, um sich erstmal irgendwie aufm Gelände orientieren zu können, so groß ist das alles
Erste Band heute: Anti-Flag! Schon vorn paar Tagen aufm Open Flair gesehen, drum erwarten uns heute nicht viele Überraschungen. Die linke Faust darf nicht fehlen, genauso wie der obligatorische Stagedive von Bassist Chris #2
Insgesamt grundsolide Show, auch wenn nicht so recht Stimmung aufkommen will - ist zwar relativ voll vor der Bühne, aber wahrscheinlich noch zu früh
Wie erwartet viele neue Songs, auch der Hippiequatsch mit dem Mitgeklatsche darf nicht fehlen - und natürlich jede menge Uhohuho-Passagen. Das Set eigentlich wie aufm Open Flair, auch die Ansagen: "We sing one-two, you sing one-two-three-four" - hauptsache das Publikum hat was zu Grölen!
Auch der Kinderchor ist wieder dabei. Diesmal ein wesentlich kleinerer, und wenn ich mich richtig erinnere, konnte man sogar ein wenig was von ihnen hören. Vielleicht, weil das Megaphon direkt daneben stand...
Das Wetter übrigens durchweg im obersten Bereich, weswegen freie Oberkörper an der Tagesordnung sind und Pogorunden zur Rutschpartie werden. Aber ein wenig Fremdschweiß kann ja auch nicht schaden - wird eh mit Staub getrocknet
Erstmal zurück zu unserer Stammkneipe, wo wir unseren Flüssigkeitshaushalt mit ein paar Arany Ászok ausgleichen. Halbire Colin freut sich schon auf den gleich anstehenden Gig von Flogging Molly
Und zu denen schaffen wirs auch wieder pünktlich vor die Hauptbühne. Gute stimmung, alle tanzen! Einige Irland-Fahnen haben den Weg gefunden, über die sich Sänger Dave King besonders freut
Bei fast jedem Auftritt vom Sziget sehen wir die Fahnenstange mit dem aufgespießten Puppenkopf, die man hier von hinten sieht. Mollys-Sänger Dave King fragt, ob der Kopf von Iron Maiden sei und intoniert ein wenig "Run to the hills". Höhö. Der alte Metaller
Überall bilden sich kleine fröhliche Pogopits, alle feiern fleißig den Irish-Folk-Punk der Amis
Insgesamt geiler auftritt von Flogging Molly! Gefiel mir deutlich besser als letztens aufm Hurricane Festival
Dixies sind zum Pissen da! Insgesamt lässt sich aber sagen, dass das Sziget deutlich lässiger abläuft als woanders. Weniger Asoziale, weniger Müll, weniger Wildpisser - schließlich muss man ne ganze Woche hier überleben
Das dürfte wohl eine Folge davon sein, dass man Alkohol auf dem Gelände kaufen muss. Vorteil: Weniger besoffene Vollassis, die sich ins Delirium saufen und auf Radau aus sind. Nachteil: Wir können uns nicht mal eben schnell ins Delirium saufen, um danach ein wenig zu randalieren.
Neben dem Bühnenprogramm gibt es noch diverse weiter Angebote auf dem Gelände. Theater, Spielplatz, Kleinkunst, Tanzkurse, Pokerturniere, Bungeejumping - in einer Woche schafft man das alles unmöglich. Unvermittelt stehen hier plötzlich orientalische Tänzerinnen am Wegesrand, weswegen wir die erste halbe Minute von Leningrad verpassen...
Endlich Leningrad! Nie live gesehen, viel von gehört und beim Sziget gehören sie schon zur Stammbesetzung. Die Skapunkband aus St. Petersburg erinnert mit ihrem russischen Gesang an Distemper, von den gezählten 14 Bandmitgliedern spielen auch ein paar bei Spitfire.
Besonders geil der Schubbert der Band: Ein fetter Typ, der nur auf seinem Stuhl sitzt, abfeiert und ab und zu Bierdosen an seinem Kopf zertrümmert. Was ein Tier! Auch der Stuhl muss später dran glauben, der wird einfach auf der Bühne zerschlagen.
Auch super: dieses Schlauchboot, das so einige Male den Weg über die Köpfe des Publikums antreten muss - mit und ohne Inhalt. Stagediver gibt es sowieso en masse, kann auf Dauer recht stressig werden...
Der wilde Stilmix der Russen kann wirklich jeden mitreißen, absolute Empfehlung! Angeblich bestehen die Texte nur aus Vulgärsprache und Sexualthematiken - schade, dass wir kein russisch können
Konzert zuende, die Karawane zieht weiter! An uns vorbei zieht eine Gruppe Festivalbesucher, die tatsächlich eine Schlange aus Bierbechern gebaut haben. Alter Schwede! Das Zählen, wie viele Becher dafür getrunken werden mussten, überlass ich mal euch...
Weiter zu unserer Stamm-"Kneipe", eine aus Holz getrümmerte Bierbude mit ordentlich Sitzmöglichkeiten für uns alle. Dafür verzichte ich dann auch auf Markscheider Kunst (okay, auf die verzichte ich natürlich wegen Knut) und Kultur Shock, zu viele Bands auf einmal sind eh nicht gut, lieber saufen!
Aus den paar Runden am Bierstand werden schnell so einige mehr, so dass es schließlich bald 6 Uhr ist, als wir beschließen, pennen zu gehen - können ja morgen einigermaßen auspennen, ganz im Gegensatz zu Barmann Manek, der zu gar nichts mehr zu gebrauchen ist (außer Rumtorkeln und Umfallen) und morgen um 9 wieder arbeiten muss - Glückwunsch!
Auf dem Weg zu seinem Zelt macht er immer wieder kehrt, um an seinem Arbeitsplatz plötzlich wieder die Entscheidung zu fällen, einfach mal umzukippen - bis sein Chef ihn mit dem Wasserschlauch wecken muss. Ganz großes Tennis!
Als wir schließlich selbst ins Zelt torkeln, isset schon wieder hell. Ein paar Mutige pennen schon, draußen unterm Pavillon - naja, vielleicht ein gutes Mittel gegen den Dieb, der die letzten Nächte sein Unwesen trieb, hat Camcorder geklaut und Zelte aufgeschlitzt - aber nach einer kleinen Verfolgungsjagd durch die Büsche hat er sich nicht mehr hergetraut, hähä
Dritter Tag, oder auch "Day 2": Am nächsten Morgen, nachdem wir uns irgendwann aus den "Federn" quälen, winkt natürlich wieder der Supermarkt und ein stärkender Hackfleischtopf - genau das richtige, um gut Energie zu tanken! Mehr Knoblauch, bitte!
Und die Energie is auch nötig! Besonders für Costas, der seine Wette von gestern einlösen muss. Es ging um die Spielzeit von Leningrad, und da ich mit 19:45 richtig lag, muss er mal eben 50 Liegestütze hinkriegen - bejubelt von den anderen Anwesenden. Geil! Danach erstmal ein Bierchen...
Unser Zeltplatz ist wirklich gut gewählt. Schön schattig unter ein paar Bäumen, zwei Pavillons bieten zusätzlichen Schutz und mit unseren Nachbarn aus Holland, Finnland und Rumänien geben wir ne richtig gute Truppe ab. Als erfahrene Budapester haben sich auch noch ein paar Erasmus-Studenten zu uns gesellt. Große Gruppe also, perfekt
Und weils am Zelt so lustig ist, verzichten wir auch auf die Presidents Of The USA, um uns zu Millencolin dann doch mal auf den Weg zu machen. Naja, oft genug gesehen und darum keine wirklichen Überraschungen - nettes Konzert, mehr eigentlich nicht. Und zudem viel zu staubig vor der Bühne, die knallende Sonne macht sich bemerkbar
Aber die Band selbst hat gut Spaß am Auftritt und reiß lockere Sprüche. Eine Hälfte des Publikums als Kommunisten zu titulieren, verdient eindeutig einen Pokal! Das Set könnte besser sein, besteht wie erwartet größtenteils aus neueren Stücken...
Danach stehen erstmal keine konkreten Termine an - bis auf Saufen an unserer Bierbude natürlich. Direkt gegenüber befindet sich die Theaterbühne, die wir weitesgehend ignorieren - aber ab und zu gibt es ein paar Künstler am Bühnenrand, an dem man ja zwangsläufig vorbeiläuft. Hier ein Akrobat, der mit komischen Stangen hantiert, der Sinn entschließt sich mir.
Der Hauptact heute ist Jamiroquai, der zwar ein guter Haken auf der Liste wäre, aber eindeutig mit Che Sudaka konkurriert, die auf der Wan2-Stage zum Tanze aufspielen - und dorthin machen Chrissi und ich uns auf den Weg. Als wir ankommen, spielen noch "Les Touffes Krétiennes" aus Frankreich
Bisher kannte ich die Band nur vom Namen, aber das soll sich hoffentlich ändern! Mal wieder ne recht mitgliederstarke Gruppierung, die uns einen erfrischenden Stilmix aus Straßenmusik und Skapunk serviert. Man könnte die Band als Allstargroup bezeichnen, Mitglieder von Hurlements d?Leo und Babylon Circus zeigen ihre Erfahrung an den Instrumenten
Das sind zum Großteil Blasinstrumente, was zu einem sehr verquirlten und fröhlichen Sound führt - der aber etwas fetter sein könnte, entweder lässt die Akustik hier in der Zeltbühne einfach nicht mehr zu oder der Mischer hat verpennt, so dumpf wie das alles klingt.
Ebenfalls mit dem dumpfen Sound zu kämpfen haben Che Sudaka, aber das stört nicht so richtig, weil die energiegeladene Show einfach jeden mitreißt! Die Barcelonesen kommen ganz ohne Bläser aus, servieren uns aber eine so treibende Patchanka-Mixtur, dass einfach kein Bein ruhig und kein Hautflecken trocken bleibt.
Etwas schade, dass es so leer in der Zeltbühne ist, da macht sich wohl schon der (fast) zeitgleiche Auftritt von Jamiroquai bemerkbar - und natürlich der Umstand, dass Che Sudaka noch nicht so bekannt sind. Obwohl sie eindeutig das Zeug dazu haben, Bands wie Panteón Rococó und Karamelo Santo vom "Thron" zu stoßen
Che Sudaka erinnern in erster Linie an Manu Chao und eher noch an seine Mano Negra. Latino-Musik mit ordentlich Druck, vielen Stilwechseln und keinen Pausen zwischen den Songs, da wird einfach weitergezockt! Bekannte Stücke der Band wie "Alerta Bihotza" und "Cosmopolitan Time" heizen ebenso wie das Clash-Cover "Revolution Rock" ordentlich ein
Und das Publikum braucht nicht lange, um in den Sound der Gruppe einzutauchen. Ein einziger schwitzender Haufen vor der Bühne, wirklich jeder am Tanzen! Arme und Beine fliegen in die Luft, begeistert wird jeder Ton aufgenommen. Unglaublich, was der Körper so für Energiereserven parat hat, als wären die extra für Che Sudaka reserviert gewesen!
Was soll man noch schreiben - der geilste Auftritt auf dem diesjährigen Sziget! Hat Leningrad noch um Längen getoppt und die waren schon grandios. Lasst euch bei der Band nicht von den eher ruhigen Scheiben beirren, live ist das ein absolutes Brett
Man kennt ja sowieso schon lange die alten Spiele mit dem Hinsetzen und wieder aufspringen, is gerade im Mestizo-Bereich gang und gäbe - hier aber auch ein gutes Mittel, um mal ein wenig durchzuschnaufen
Auch die Nähe zum Publikum ist da, so turnt man nicht nur auf den Boxenwänden rum sondern stürmt auch mal nach vorne, um in ein paar schweißgetränkte Hände zu greifen. Voller Einsatz!
Verdammt geiler Auftritt, ich bin immernoch absolut begeistert! Nach einer umjubelten Zugabe werden nach über 90 Minuten Spielzeit noch T-Shirts für 1000 Forint (4 Euro!) rausgehauen. Da greif ich natürlich sofort zu, meine Bestellung natürlich in perfektem Spanisch. Juhu!
Und danach? Ein wenig Kontrastprogramm. Jamiroquai ist ebenfalls gerade zuende, die anderen treffen wir am Zeltplatz, des Nachts gehts dann noch irgendwann in die Partyarena. Nachts herrscht vor allem elektronische Musik in den zahlreichen Zeltdiscos auf der Insel, also schauen wir uns das ein wenig an
Highlight im Meduza-Zelt: Superman tanzt ekletisch zu den tiefen Bässen vom DJ-Pult. Geil!
Vierter Tag, alias "Day 3". Es ist Freitag, erstmal erfolgt früh unser Standard-Besuch im Supermarkt. Diesmal wird das Hackfleischtopf-Rezept um ein paar Zutaten ergänzt, so dass Dome und Colin uns eine richtig ergiebige Mahlzeit servieren können. Gut sättigend!
Was dafür heute nicht so recht fließen will, ist das Bier. Dieses Arany Ászok in 0.6er Bechern ist zwar recht günstig, schmeckt aber inzwischen sowat von scheiße, dass wir auf Dreher in 0.4er Bechern umsteigen müssen - wird nicht ganz so schnell schal, ist wahrscheinlich genauso gepanscht aber hauptsache man kann es trinken. Preis geht auch in Ordnung, 330 Forint
Ansonsten läuft außer Rumhängen, Rumblödeln und Ja-Nein-Spielen nicht viel, alle sind einfach zu kaputt. Die anstrengenden letzten Tage sind nicht das Einzige, auch das extrem schwüle Wetter mit etwa 38 Celsiusgraden fordert seinen Tribut. Praktischerweise wird heute nachmittag auf den Bühnen eh nicht viel interessantes dargeboten - also beschränken wir uns darauf, erschöpft rumzuhängen und unserem Gehirnbrei verstümmelte Sätze zu entlocken.
Unser erstes Konzert heute hat es dafür voll in sich: Die Ärzte beehren das Sziget Festival nun schon zum dritten Mal, dementsprechend freut sich das Publikum auf den Auftritt. Sind eh beachtlich viele Deutschsprachler auf diesem Festival, die vermutlich alle diesen Auftritt sehen wollen...
Und ja, gute Stimmung vor der Bühne und so einige Einheimische dabei! Bei "Himmelblau" fällt der riesige Vorhang, und spätestens da ist alles am Tanzen. Ein Highlight gleich am Anfang: Ein paar Typen haben tatsächlich nen Ball aus Bierbechern gebaut! Geil! Überlebt leider nicht lange in der Menge, die Securitys ziehen ihn raus. Pf, Spielverderber...
Naja und Ärzte halt wie man sie kennt, außer dass die Ansagen nach einer kurzen Umfrage alle auf englisch gemacht wurden, was schon mal sehr geil war. Viel Rumgelabere, was für einige sicherlich ziemlich verwirrend war, für mich aber sehr belustigend. Gut gelungen auch die Aufforderung, beim "political song" "Deine Schuld" die Fäuste zu heben...
Die Setlist wie erwartet relativ kurz, schließlich sind die Ärzte ja mal nicht die Hauptband (hui), sondern die Sex Pistols. Auf die wird nur mal kurz ne Anspielung gemacht ("Und im Radio spielen sie ein Lied von den Sex Pistols"), während hingegen Danko Jones in den höchsten Tönen gelobt wird, da sollen doch bitte alle gleich hingehen. Yeah!
Sogar die Sitz-Laola oder hier ein schicker Circle Pit werden wieder ausgepackt, wenn auch mit einigen Übermittlungsschwierigkeiten. Sehr geil Farin als Hitlerparodie, als er versucht den Leuten den Ablauf zu erklären. Höhö.
Ne Zugabe gibts natürlich auch, und zu "Unrockbar" soll sich das ganze Publikum auf den Boden setzen, um erst später aufzuspringen. Klappt sogar einigermaßen, hätt ich nicht gedacht! Auch wenn Dome beim Hinsetzen erstmal umkippt.
So, die Ärzte ham mal wieder gezeigt, warum sie die "Best Band of the World" sind - oder sich zumindest so bezeichnen dürfen. Denn dass Danko Jones später am Abend den Auftritt toppen wird, da bin ich mir ziemlich sicher...
Aber erstmal hierbleiben, schließlich spielt gleich ne Legende! Sex Pistols. Für viele gelten sie als die erste Punkband, für andere eher als die erste kommerzielle (Verräter!) Punkband und als Casting-Band - genauso geteilt auch die Meinungen über die Reunionsauftritte. Alles nur Geldmacherei? Oder ein großer Rock'n'Roll-Swindle?
Natürlich alles nur Geldmacherei. Johnny Rotten, zurück aus dem Dschungelcamp, ist anscheinend jedes Mittel recht, um noch ein wenig Popularität zu erhaschen. Naja, wenigstens kann ich behaupten, die Sex Pistols mal gesehen zu haben...
Aber ganz so schlimm ist der Auftritt dann doch nicht. Johnny Rotten is ein ziemlich kranker Vogel (nicht nur vom Armygefieder-Outfit her) und bei seinen Ansagen glaubt man wirklich, dass er die damals schon genauso gemacht hat, so verdrogt wie die klingen. Auch scheut er sich nicht davor, dem Publikum seinen blanken Arsch zu zeigen und die Paparazzi-Fotografen zu beschimpfen.
Aktuellen Bezug gibts aber auch noch, als die Weltöffentlichkeit aufgefordert wird, George Bush zu "erasen" und Allah zu "praisen". Klar, Ehrensache sowat als Punkband zu sagen, aber ganz lustig fand ichs trotzdem.
Vor der Zugabe hauen wir dann schließlich ab, wollen ja schließlich Danko Jones komplett sehen! So kriegen wir dann "Anarchy in the UK" nur vom Wegesrand mit und ohne Sicht auf die Bühne. Aber egal, Pistols gesehen. Und so mies wie erwartet war der Auftritt nicht...
Nun aber ab zur Wan2-Bühne! Danko Jones darf man sich ja schließlich nicht entgehen lassen! Glücklicherweise ist es nicht ganz so heiß hier drinnen wie gestern, was wohl daran liegt dass sich innerhalb weniger Minuten auch die Außentemperaturen um 15 Grad senkten und der Wind uns um die Ohren pfiff...aber das angekündigte Unwetter ist wohl an uns vorbeigezogen.
Dafür gibts ein ordentliches Unwetter in Form von "Mr. Rock'n'Roll" Danko Jones! Mit "Code Of The Road" beginnt ein grandioses Set mit ordentlich Druck, das die Sex Pistols locker in den Schatten stellt. Hinzu kommt auch noch die eher club-mäßige Atmosphäre im Zelt, die schnell für ein paar verschwitzte Leiber sorgt.
Zwar erst vorn paar Tagen aufm Open Flair gesehen, aber heute is deutlich geilere Stimmung. Mich kanns auch nicht halten, stürm ich also nach vorne. Blaue Flecken olé! Das Publikum (bis auf eine kleine Schlägerei, n paar Dumme gibts überall) super drauf, alle lauthals am Mitgrölen - und natürlich am Abfeiern von Dankos geilen Ansagen.
Die Ansagen natürlich dieselben wie vom Open Flair - auch das ist Rock'n'Roll! Kein Klischee wird ausgelassen, gekonnt feiert Danko Jones sich durch den Auftritt. Wer nicht abgeht, erntet strafende Blicke vom Meister. Auch dem Kameramann muss er erstmal deutlich machen, dass die Leinwand hinter der Bühne einzig und allein Danko Jones zeigen soll! Yeah!
Die ganze Show eine einzige Party, unglaublich was eine Band, die nur aus 3 Typen besteht, für einen Druck machen kann! Geile Gitarrenriffs, die keine Fragen offen lassen. Hier herrscht Punkrock, hier herrscht Rock'n'Roll, hier herrscht Danko Jones!
Auch schon bekannt: Danko Jones besteigt den "Top of the Mountain" mit den Köpfen bekannter und verstorbener Rock-Künstler in den Händen. Marvin Gaye, Joey Ramone, Joe Strummer, James Brown - alle dabei. Absolut großartig, wie das Publikum mitgeht!
Und schließlich steigt dann auch die Band wieder ein. Gänsehautfeeling! This heart gets stronger, this skin gets thicker, this mouth gets louder! Fantastischer Auftritt, was sich nicht nur an den Publikumsreaktionen bemerkbar macht: Obwohl es offensichtlich keine Zugabe mehr gibt, brüllt das ganze Zelt noch bestimmt 10 Minuten lang lauthals nach dem Kanadier. Der Wahnsinn!
Und danach? Ab zum Zelt, ab zur Bierbude. Wie bereits erwähnt, hat es sich deutlich abgekühlt, so müssen wir das erste Mal auf diesem Festival die langen Klamotten rauskramen. Aber weil wir alle ziemlich kaputt sind und das Becherbier immer noch nicht richtig schmecken will, dauerts auch nicht mehr lange - ab ins Zelt! Hälfte des Festivals locker überstanden, morgen gehts weiter!

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