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Deichkind, Too Strong, Bob Geldof im Rahmen von Anti-Nazi-Veranstaltungen am 05.09.2009 in Dortmund

Deichkind, Too Strong, Bob Geldof am 05.09.09 in Dortmund

Eigentlich schreibe ich diesen Bericht nur, weil nicht jeder von sich behaupten kann, einen Konzertbericht von Bob Geldof geschrieben zu haben. Überhaupt liest sich dieses Line-Up so unverschämt geil: Deichkind, Kickstern, Too Strong und Bob Geldof - kann man das noch toppen? Fehlt vielleicht noch Scooter. Und Marianne&Michael. Aber man kann ja nun wirklich nicht alles haben.
Anlass dieser mehr als ungewöhnlichen Zusammenstellung an Bands ist der so genannte "nationale Antikriegstag", den die Nazis dieses Jahr mal wieder in Dortmund feiern wollen. Weil ja damit dem deutschen Überfall auf Polen gedacht wird. Total Antikrieg, nicht wahr? Aber mit Logik kann man den Faschos ja eh nicht kommen. Lieber mit ca. 30 Gegenveranstaltungen im Dortmunder Stadtgebiet. Mehr als löblich, zumal man der im allerletzten Moment noch genehmigten Nazidemo ja wohl was entgegenstellen muss. Im Grunde zeigt dieser Tag aber mal wieder, wie dickköpfig und kontraproduktiv ein Großteil der "linken Szene" ist. Anstatt sich zusammenzuschließen zu einem großen Demonstrationszug, müssen zwei kleinere Demos angemeldet werden. Und anstatt friedlich zu demonstrieren, wird erstmal randaliert. Okay, wenn mal Flaschen und Steinen gegen Faschos fliegen - vollstes Verständnis. Kann ja mal passieren. Allerdings war es heute wohl unmöglich, zur Nazi-Kundgebung vorzudringen - wodurch sich sämtliche Aggressionen auf andere "Opfer" entluden. Was dann wieder zu einem dementsprechenden Medienecho führt, und alle Welt schreibt wieder über die gewaltbereiten Linken und die friedlichen Nazis. Gut, nicht unschuldig daran natürlich auch unsere Freunde in Grün, die durch ihre undurchschaubaren Kessel-Taktiken erst noch dafür sorgen, dass sich diese Aggressionen selbst in den unbescholtendsten Bürgern anstauen. Naja, lieber 200 "linke" Randalierer (von über 6000 Teilnehmern) als 700 rechte Idioten, die dank Führerinstinkt eh nur auf Befehl zuschlagen können, wie geschehen am ersten Mai diesen Jahres, als eine friedliche Gewerkschaftsdemo angegriffen wurde.
Mehr will ich zur Demo eigentlich auch nicht schreiben, dafür gibt es andere Medien, konzentrieren wir uns mal auf die Musik...
Wie erwähnt, zwei "große" Gegendemos gab es. Wir gesellen uns erstmal zum S5-Bündnis, das kurzfristig am Gerichtsplatz seine Demo starten lassen muss. Zur Unterstützung sind Deichkind aus Hamburg angereist - eine Aktion, die die Credibility der Elektro-Rapper in ungeahnte Höhen schießen lässt.
Trotz der für die Band ungewöhnlichen Anfangszeit (4 Uhr morgens gabs schon mal, aber 11 Uhr?) legen die bunten Jungs sofort gut los. Der Sound auf der kleinen LKW-Bühne ist natürlich alles andere als tauglich für die etwa 2000 Zuschauer, aber das ist nun wirklich nichts, was man heute vorwerfen sollte.
Dafür ist erstmal die Wahl der Location verdammt geil. Das Amtsgericht und die Staatsanwaltschaft im Hintergrund, und vor der Bühne fast ausschließlich schwarz gekleidete Demo-Teilnehmer, was ein herrlicher Kontrast ist zu dem gewöhnlich schrillbunten Deichkind-Publikum, das mich zuletzt bei Deichkind so aufregte.
Das Konzert natürlich recht kurz und mit allerlei Ansagen gegen die Nazis gespickt. Großartig die Textvariation von "Arbeit nervt" zu "Adolf nervt" - super!
Ansonsten erfreulich wenig Deichkind-typische Show-Elemente, die würden hier nur stören. Ohne Kostüme und ohne Schlauchboot hätte ichs trotzdem authentischer gefunden. Und natürlich ohne das abschließende "Remmidemmi", aber dann hätten die ganzen Fans bestimmt geweint.
Immerhin gibt es zu diesem Lied die nächste wichtige Textvariation: "Schmeißt die Nazis aus dem Fenster wir brauchen Platz zum dancen!" - super! Wenn das mal keine tanzbare Revolution ist! Ein kurzweiliger Spaß mit Deichkind, tolle Aktion zu diesem Anlass hier aufzutreten!
Und dann? Recht viele Leute machen sich nach dem Auftritt von Deichkind schon auf den Weg - ob nach Hause weil sie lediglich für Deichkind hier waren (buuhh!) oder ob zur anderen Demo, kann ich nicht beurteilen. Ich bleibe dem Demozug erstmal treu, der sich irgendwann langsam auf den Weg macht - um dann nach wenigen Minuten aufgelöst zu werden.
Und dann? Polizeitaktiken. Es werden einfach mal alle Straßen abgesperrt, keiner kommt mehr durch, nichtmal zur U-Bahn - es sei denn man geht ganz außenrum. Unsere Truppe löst sich auch langsam auf, trifft sich irgendwann am Hauptbahnhof wieder und landet schließlich am Südbad, wo die DGB-Jugend und der AStA Dortmund ein paar Bands präsentieren.
Erste Band: Kickstern. Schon öfter gesehen, heute mit schlechtem Sound und wenig Publikum zu kämpfen, also spare ich mir jegliche weiteren Kommentare. Zumal der Auftritt, wie mir geflüstert wurde, eh nicht repräsentativ war. Was mich nicht daran hindert, den Auftritt hier zu erwähnen. Muahahaha.
Anschließend liest Poetry-Slam-Künstler Andy Strauß ein paar Texte, die zwar gut sind, aber für einen Poetry-Slam-Künstler eher lahm vorgetragen. Von den folgenden "Microphone Mafia" kriegen wir nur ein paar Lieder mit. Hiphop aus Köln, eigentlich auf jeder Veranstaltung zugegegen die sich für ne gute Sache einsetzt, trotzdem nicht das Gelbe vom Ei.
Aufgrund fehlender Informationen geben wir es auf, noch irgendwo zu weiteren Veranstaltungen aufzuschließen, zumal auch die zweite Demo inzwischen aufgelöst wurde. Jetzt heißt es eigentlich nur Zeit überbrücken bis zum Auftritt von Too Strong. Wie das gelöst wurde, sieht man hier.
Quasi die Abschlussveranstaltung des heutigen Tages findet auf dem Friedensplatz statt, veranstaltet durch die Stadt Dortmund, die zwar immer noch leugnet, dass Dortmund die Nazi-Hochburg in NRW ist, aber von den Geschehnissen des 1. Mai immerhin etwas aufgeweckt wurde und nun das kostenlose "Friedensfest" ausrichtet. Ein buntes Programm, inklusive der Didgeridoo-Truppe "Ruhrcraft", von der ich eigentlich die Trommeln am besten fand.
Danach wird es aber Zeit für die Dortmunder Underground-Hiphop-Legende schlechthin. Too Strong, seit 20 Jahren (mit Unterbrechungen) existent, haben sich dem Mainstream immer verweigert und sind trotzdem eine feste Größe des Hip Hop, gerade im Ruhrpott.
Ehrensache, dass in so gut wie jedem Song mindestens einmal die Wörter "Ruhrpott" und "Dortmund" vorkommen - hm, Lokalpatriotismus ist auch nicht unbedingt meine Sache, wird aber dadurch wettgemacht, dass die beiden MCs Der Lange und Pure Doze in so ziemlich jeder Ansage auf die Thematik des heutigen Tages aufmerksam machen: "Für Dortmund, gegen Nazis"
Hiphop ist ja nun wirklich nicht meine Kragenweite. Und von den Liedern von Too Strong kenne ich, im Gegensatz zu den meisten anderen Zuschauern, so ziemlich keins. Macht aber nichts, Stimmung ist ja trotzdem da und das Publikum erfreulich alt.
Am Schluss kann ich dann aber doch mal mitsingen: "Das Schlimmste (ist wenn das Bier alle ist)" von den mächtigen Kassierern wird dargeboten, was eine Hymne! Ich bin schwerstens begeistert! Anschließend bringt das letzte Lied "Rabenschwarze Nacht" auch den Letzten zum Feiern. Super Auftritt, abgehakt, Bier trinken.
Was fehlt noch? Ach ja, Bob Geldof! Mit dof geschrieben und nicht wie dorf. Man, ich hätte wirklich mal im Vorfeld über den Platz laufen sollen und jeden zum Wetten auffordern, wie nun die korrekte Schreibweise lautet. Ich glaube, ich wäre Millionär. Egal. Viel wichtiger die Frage, was Bob Geldof hier eigentlich sucht.
Tja, keine Ahnung. Geld anscheinend nicht, es gibt noch nichtmal irgendwelche Gutmenschen-Ansagen zwischendurch. Vielleicht hat er auch schon vorher genug Geld erhalten (Was das 230-Millionen-Loch im Etat der Stadt Dortmund erklären könnte).
Naja. Der ehemalige Sänger der Boomtown Rats macht mit seiner Band gar nicht mal so schlechte Musik. Rock-Musik, die in den guten Momenten gar an The Clash oder Dire Straits erinnert - wobei ich nicht wissen will, wie viele Coversongs der Gute in sein Set eingestreut hat.
Uns reicht natürlich der Radiohit "I Don?t Like Mondays", selbstverständlich frenetisch abgefeiert und mitgesungen - zumindest von Hö und Fö. Großartig! Danach kann man eigentlich direkt gehen. Cocktails trinken und aus die Maus. Schlussatz? Nö.

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