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N.O.E., Rasta Knast, No Exit, Fluchtweg, Kafkas, 14.05.2011 in Berlin, Hof 23 - Bericht von Fö

N.O.E., Rasta Knast, No Exit, Fluchtweg, Kafkas, 14.05.2011 in Berlin

N.O.E. waren damals ein wichtiger Bestandteil meiner Deutschpunk-Asozialisation. Weil die eben keinen typischen Deutschpunk spielten, sogar ein Keyboard zum Bestandteil ihrer Musik machten, was man sich in den 90ern im D-Punk eigentlich nicht erlauben konnte - ihrer Zeit ein Jahrzehnt voraus, würde ich sagen. Live gesehen habe ich die Band nie, obwohl ich zu ihren Lebzeiten sogar in Sachsen wohnte, aber damals war meine Deutschpunk-Asozialisation einfach noch nicht weit fortgeschritten. Unverhofft kommt oft, und so stolper ich eher zufällig über die Mitteilung, dass N.O.E. einen exklusiven und einmaligen Gig im Rahmen der 20-Jahres-Feier von No Exit geben - uff! Pflicht! Hin!
Ab nach Berlin-Weißensee! Ist mit Auto nicht mal so weit von Kreuzberg weg, zumindest nicht so weit wie Bönx' Erinnerungen uns sagen wollten. Das H.O.F. 23 ist so ne Art Jugendzentrum, recht groß. Beeindruckender finden wir aber das Autohaus gegenüber. Anton, Platz!
Rein da! Rechteckiger Kasten mit Empore, Getränkeständen und Außenbereich samt Grill. An Getränken gibt es neben Bier und Jägermeißter [sic] noch zig weitere Alkoholika, aber kein alkfreies Bier. Hm. Ist hier wahrscheinlich eh fehl am Platze. Von der ersten Band "Botox" kriegen wir nur die letzten Töne mit, dafür fangen kurz später die KAFKAS an.
Eine Band, bei der ich nicht recht weiß, was ich von ihr halten soll. Immerhin gibt es sie schon gefühlte Ewigkeiten und sie scheinen ihr Ding durchzuziehen, wobei keiner so genau weiß, was ihr Ding denn nun eigentlich ist. Gespalten waren auch die Meinungen zur letzten, recht Synthie-lastigen Platte "Paula" - das war ja fast schon Elektropop.
Eigentlich könnte man erwarten, dass die Band anlässlich des 20jährigen Bestehens von No Exit vielleicht ein etwas anderes Set spielt, eins mit dem die "älteren" Punks etwas anfangen können - aber Pustekuchen. Fast ausschließlich neue Töne. Mit "90 Minuten" und "Wenn es eine Hölle gibt" beginnt das Set.
Zugegeben, es sind schon kleine Hits und nach mehrfachem Hören ist "Paula" ein durchweg gelungenes Album. Aber halt kein Deutschpunk. Und so muss der Schlagzeuger immer mal zum Laptop wechseln, um die richtigen Beats zur Musik zu fabrizieren.
Okay, irgendwann doch noch ein älteres Stück. "Lebensrezeptur" ist immerhin fast so alt wie die Auflösung von N.O.E. - wird aber von den anwesenden Punkern mit derselben lethargischen Euphorie aufgenommen wie die Songs zuvor.
Keine Ahnung, ob Sänger und Bandchef Markus überhaupt mit dem anwesenden Publikum klar kommt oder ob er da irgendwie drüber steht. Seine Ansagen zumindest wirken ziemlich zynisch, wenn er betont, wie gut die Berliner aussehen und wie gütig sie doch alle seien. Nebenbei aber auch vernünftig anmutende Ansagen gegen Nazis und wofür Atomunfälle gut sein können.
Oh, hatten wir schon lange nicht mehr! Etwa 24 Stunden her, dass ich die letzte Polonaise gesehen habe. Da zieht sich anscheinend ein Trend quer durch alle Musiksparten! Zu "Klatsch in die Hände" (mit Elektrobeats) fordert Markus die Zuschauer zu ner amtlichen Polonaise auf. Na endlich Stimmung in der Bude!
Wobei, auch hier wieder die übliche Polarisation: Ein Großteil des Publikums findet die Aktion dann doch irgendwie zu bunt und verzieht sich in den Außenbereich. Mir ist das auch zu bunt. Aber die Brille ist so lustig.
Nächster Song: Nenas "nur geträumt" wird durch den Kakao gezogen, endlich singen sogar welche mit. Wollten Kafkas nicht mal ne ernste Band sein? Sowas kommt also dabei rum, hm. Mit "Vegetarier können nicht tanzen" ist immerhin noch ein älteres Stück im Set, aber insgesamt muss ich heute feststellen: Nicht meine Welt, diese Kafkas. Auf Platte tatsächlich besser.
Mal schauen ob das auch auf die nächste Band zutrifft! N.O.E.! Endlich! Habe mich ja monatelang auf diesen Auftritt gefreut. Geiles Gefühl diese Band endlich mal auf ner Bühne zu sehen. 13 Jahre nach der Auflösung - und 10 Jahre kein Instrument in der Hand gehabt, wie der Sänger feststellt.
Genauso wird aber auch darauf hingewiesen, dass in 29 Minuten wieder Schluss mit dieser Band ist. Will da etwa jemand die Ankündigung einer "exklusiven" Reunion tatsächlich durchführen? Das wäre immerhin konsequenter als so manch andere Band, die überraschend feststellen musste, wieder "Blut geleckt" zu haben.
Achja, da war ja was. 30 Minuten Spielzeit - viel zu wenig für so eine Band, aber ich will nicht meckern. Bevor ihr fragt: Das komplette Konzert hat ein tapferer Altruist mitgefilmt und stellt es hier bei Youtube zur Verfügung. Damit muss ich zum Konzert selbst eigentlich wenig schreiben, hähä.
Zunächst mal Meckerei: Außer dass es zu kurz war, kamen mir die Lieder teilweise zu langsam vor, und auch die Auswahl ließ zu Wünschen übrig. Fast nur Songs von der "Deutsche Fratze", dabei hat die "Handypunk" (neben dem fast kultigen Cover) auch ne ziemliche Hitdichte zu bieten - wird heute aber nur mit "Ein Fest ohne dich" und "Na operativ entfernt" gewürdigt. Ey, und für nen Song von der "Rattenpapst" wär ich gestorben. Fast.
Egal. Trotzdem ist der Band hoch anzurechnen, dass sie nochmal den Arsch hochgekriegt hat, sich die Songs reingequält hat und diese sogar spieltechnisch gut rüberbringt, ohne dass es zu großen Ausfällen kommt.
Publikum. Ein kleiner Laden ist das H.O.F. 23 nicht, weswegen sich doch einige Lücken in den Zuschauerreihen finden. Aber gefeiert wird hier trotzdem! Bei Stücken wie "Nie Genug", "Du nicht" oder "Partysanen" kann sich halt keiner zurückhalten. Alles wird fleißig mitgegrölt, und auch ich brülle was ich kann.
Das Konzept des "Two songs in a row" kriegt diese Band nicht hin. Naja, muss ja auch nicht. Laberei zwischen den Liedern kommt ja auch immer gut. Aber der Bassist meint, damals hätten sie noch deutlich mehr Schwachfug gelabert.
Die komplette Band übrigens in Shirts ihrer eigenen Band. Kein Punkrock sowat, wie der gewiefte Leser weiß. Obwohl die Shirts ja schon ganz "spaßig" sind. Wo war eigentlich der Merchstand?
Das Publikum gibt sein Geld eh lieber für Bier, Pfeffi und Jägermeißter aus, so scheint mir. Und irgendwas scheint hier in den Getränken zu sein - Menschen, mit denen man sich vorher noch normal unterhalten hat, mutieren ein Getränk später zur brüllenden Zombies. Gehirn operativ entfernt.
Egal, zurück zur Band. Der Auftritt hat wirklich Spaß gemacht, aber viel zu oft ertappe ich mich dabei, dass ich auf die Uhr gucke - nicht weils so langweilig ist sondern ganz im Gegenteil, aus Sorge die halbe Stunde würde viel zu schnell rumgehen. Was sie dann auch tat. Ich glaub, ich werd mir das Konzert gleich nochmal auf Video geben...
Is klar, ohne Zugabe werden N.O.E. nicht von der Bühne gelassen - aber diese haben sie nicht wirklich parat. Und so wird "Du nicht" ein zweites Mal geboten, diesmal mit Rio von No Exit am Gesang, der das schon als Coverstück auf der "Fick die Erinnerung" gut hingekriegt hat.
So, das war's mit N.O.E. Nie wieder. Oder? Einerseits sollte man konsequent sein, aber andererseits würde ich mir wünschen, die Band ließe es nicht bei einem Auftritt - und haut vielleicht beim nächsten Mal ein paar mehr Songs raus? Naja, Wunschdenken, Spekulation. Auftritt war super und ich war dabei, das zählt. Ätsch.
So, kurz raus, Luft schnappen - hier drinnen kann man diese nämlich schneiden. So verpassen wir auch die ersten Töne der nächsten Band: FLUCHTWEG. Eine Band, die mich nie großartig interessiert hat, von der ich auch keine Platte besitze, aber die mich heute tatsächlich positiv überraschen kann.
Dachte ja immer, das wäre ganz simpler Schrammel-Deutschpunk. Wie mir Frank erzählt, hat die Band sich wohl schon des Öfteren schon gewandelt, bis hin zur Big Band - und das hat seine Spuren hinterlassen. So sind heute Bläser auf der Bühne, und sogar zwei Background-Sängerinnen unterstützen ab und zu die Refrains.
Und trotzdem bleibt die Musik unverkennbar Ostpunk. Irgendwie. Mehr Puhdys als Schleimkeim, aber Bönx meint sogar etwas Rammstein raus zu hören. Ich glaube, das war eher auf die Texte bezogen. Musikalisch ist das alles durchaus stimmig, kann man sich mal geben.
Vor der Bühne ist auch irgendwie mehr los als bei N.O.E. Kann ich persönlich zwar nicht nachvollziehen, soll mich aber auch nicht weiter stören. Irgendwie gibts auch im Punkrock immer noch ne Mauer in den Köpfen, ich bezweifle dass Fluchtweg in Westberlin auch so ne Relevanz haben. Oder?
Wie gesagt, Bläser mit dabei. Kriegen eh nur noch die zweite Hälfte des Konzertes mit, reicht aber eigentlich um sich ein Bild von der Band zu machen. Die zeigt sich ziemlich engagiert auf der Bühne, insbesondere der Sänger ist son klassischer Sympathikus.
Da isser. Was so gespielt wurde? Keine Ahnung, kenn ja die Lieder nicht. Mein persönliches Highlight: "Big Fat Trucker", einziges Lied was ich kannte. Nagut, ich kenns von N.O.E. und der Split mit Fluchtweg. Funktioniert mit Bläsern übrigens super!
Background-Chor in ner Punkband? Naja, Fluchtweg sind halt eh etwas mehr als das. Die Band gibts glaub ich auch schon seit den 80ern, vielleicht wirds ja mittlerweile mal Zeit dass ich mich mal etwas mit ihnen befasse, der Auftritt zumindest war durchaus kurzweilig
Highlight: Am Schluss wird Tequila an die durstigen Massen verteilt. Eigentlich nur an No Exit und die anderen Bands, aber irgendwann durfte jeder mal, der schnell genug zum Tablett hasten konnte.
Scheint ne Bandhymne zu sein: Ein Lied über Tequila! "Tequilamond" nennt sich das, wird vom ganzen Saal begeistert abgefeiert, und No Exit (alias die "Band, deren Namen wir nicht nennen wollen") dürfen als Gastsänger auch mal wieder an die Mikros.
Anschließend: RASTA KNAST! Zweiter Grund, warum wir hier sind. Die Band sieht man ja relativ häufig auf irgendwelchen Bühnen, weswegen ich heute nicht wirklich mit viel Erwartung an den Auftritt heran gegangen bin - oft genug gesehen. Dachte ich. Dachte ich eigentlich auch immer bei den letzten gesehenen Gigs, und jedes Mal wurde ich überrascht, wie geil diese Band doch ist. Heute übrigens auch.
Auch wenn Rasta Knast seit Ewigkeiten mit demselben Set durch die Länder ziehen und die letzte Veröffentlichung "Tertius Decimus" nicht wirklich viel neues Material zu bieten hatte - das, was sie spielen, spielen sie gut. Und nach wie vor sind Rasta Knast eine absolute Ausnahmeband im deutschen Punkbereich.
Songs mit jeder Menge Energie, Kraft und Melodie, das schafft einfach keine zweite Band. Ein Lied geiler als das andere. Irgendwann stehe ich fast durchgehend mit ausgestrecktem Punkrockfinger vor der Bühne und brülle begeistert alle Texte mit. Und das nüchtern. Alter Schwede.
"Wir leben noch", "Eine Revolution gegen das Volk", "Kein Licht", "Blut, Tod & Tränen" - das sind wahre Hymnen, echt jetzt. Vor der Bühne ist es übrigens wieder etwas leerer geworden...naja, soll mir recht sein. Dafür ist das Publikum betrunkener.
Obacht, ein neuer Song! "Trug" nennt sich ein frisches Stück im Set - ist, glaube ich, ein Hit. Arbeitet man etwa wieder an einer neuen Veröffentlichung? Wäre wünschenswert!
Einen weiteren Song gabs auch noch, der die Anwesenden ziemlich überraschte: Nämlich einen Coversong, als "Geschenk" an die Jubilare des Abends, No Exit. Das Stück kannte hier irgendwie jeder, also tippe ich auf Ostpunk (Mauer im Kopf, ihr wisst). Wie meine spätere Recherche ergab, traf die Vermutung voll zu: "Spitzel" von Schleimkeim wurde dargeboten. Soso.
Erwähnte ich schon das Publikum? Einige kennen da gar nix und pennen direkt vor der Bühne, wie unserer Freund hier. Ja, dat is mal n Punkkonzert...
Nee, sind nicht alle am Pennen. Bei "Katze beißt in Draht" brüllt wirklich jeder mit, und zur Zugabe glaubt man fast, jeder würde gleich doppelt mitsingen. Äh, oder so. Zugabe war übrigens auf Zuschauerwunsch (habs mit Blick auf die Setlist direkt mal auf Glaubwürdigkeit hin überprüft): Ostberlin! Riesenhit, und der darf hier wirklich nicht fehlen.
Ja, ehrlich: Rasta Knast sind immer ne Reise wert! Großartiger Auftritt, saumäßig geil runtergezockt, bin mehr als zufrieden. Weitermachen!
Fehlt noch eine Band, Headliner und Gastgeber des heutigen und des gestrigen Abends: NO EXIT! Eine Band, die ich vor etwa 10 Jahren ziemlich oft gehört habe, die mich mittlerweile aber kaum noch interessiert. Naja, da gehöre ich heute wohl zu ner Minderheit. Gemessen an den Publikumsreaktionen ist der Headlinerstatus durchaus berechtigt.
Rio fegt wild über die Bühne, motiviert mit seiner rauen Stimme die Fans zum Durchhalten und brüllt seine Texte durch den Saal. Übrigens alles ziemlich mitsingtaugliche Songs, muss ich gestehen - auch wenn ich dies nicht tue. Ätsch.
Ansonsten halt Deutschpunk. Respekt, dass die Band das schon seit 20 Jahren durchhält. Rio fragt auch durch den Raum, wer denn damals beim ersten Auftritt (mit Fluchtweg übrigens) schon dabei war - 3-4 Handzeichen kann ich ausmachen. Na, immerhin!
Naja, mein persönliches Deutschpunk-Kontingent für heute ist aber aufgebraucht, so wirklich Bock macht der Auftritt nicht, da hilft es auch nicht sonderlich, dass ich kein Lied kenne. Überlassen wir unsere Plätze lieber den Leuten, deren Helden hier auf der Bühne stehen...
Also Tschüß. War ein wirklich lohnenswertes Konzert, nicht nur dank N.O.E. - manchmal muss halt einfach etwas Deutschpunk sein, hähä. Danke an No Exit für die Feier. Na dann mal schauen was zum 30jährigen geboten wird...
Uns schleppt Jacho noch ins Franken, wo bei Trash-Musik und Platten-Verlosung die Zeit rumgebracht wird, bis irgendwer auf die Idee kommt, die Kneipe zu wechseln. Alle Versuche, die Saufmeute in andere Richtungen zu lenken, schlagen fehl: Es geht natürlich in die Milchbar, bis es hell wird! And again! And again and again and again!

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RedOne

17.05.2011 18:01
Haha sag ich doch AND AGAIN!!!!
der Fö
(der Fö)
17.05.2011 18:03
;)
Bönx

18.05.2011 13:32
Huppala, das Foto kommt mir aber schon irgendwie bekannt vor...
frauw

19.05.2011 11:26
Huppala? :) Ja wir können bald ein Bildband veröffentlichen.

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