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Reset Festival: Herrenmagazin, 03.09.2011 in Münster, Clubschiene - Bericht von Fö

Herrenmagazin, 03.09.2011 in Münster

Kaum zu glauben: Schon knapp 5 Jahre her, dass ich Herrenmagazin zuletzt gesehen habe! Dabei halte ich sie doch eigentlich für eine der derzeit besten Indie-Bands hierzulande. Okay, zugegeben, ich bin jetzt nicht unbedingt der Indie-Profi. Was daran liegt, dass 90% aller Indie-Bands scheiße sind. Engen wir das Feld weiter an auf deutschsprachige Indie-Bands, haben wir immer noch 90% Scheiße. Vielleicht passen Herrenmagazin auch genauer in die Sparte Hamburger-Schule-Indie-Rock - naja, auch hier: 90% scheiße. Zu den übrigen 10% gehören, ihr ahnt es, Herrenmagazin. Keine Ahnung warum. Böse Stimmen könnten jetzt behaupten, es liegt ganz einfach an der persönlichen Befangenheit, weil ich Sänger Deniz nun mittlerweile auch schon ne ganze Weile kenne - aber das glaube ich nicht. Schließlich kenne ich auch genug Leute die langweilige Musik machen.
Naja, egal. André (boah, voll gut wär jetzt ein Seitenhieb auf langweilige Musik! Hahaha!) mag Herrenmagazin jedenfalls auch, und hat sogar die Ehre, auf demselben Festival zu spielen - nur an nem anderen Tag. Muahaha. Naja, jedenfalls beschließen wir, dass es Zeit wird, Herrenmagazin mal einen Besuch abzustatten. Linda bietet sich netterweise als Fahrerin an, und jetzt kommt die praktische Koinzidenz des Abends: Ich weile heute eigentlich in Herne, um dort Supershirt zu gucken - und André selbst hat einen Auftritt in Herne. Schon beachtlich, dass sich Herne gleich mehrere Veranstaltungen an einem Tag gönnt! Also holen mich Linda und André Punkt 22 Uhr ab, los gehts nach Münster! Die Herren Herrenmagazin spielen heute auf dem "Reset Festival", Auftritt um 22:45, und selbstverständlich schaffen wir es nicht wirklich, pünktlich da zu sein. Aber, noch son toller Zufall: Der Zeitplan hinkt hinterher, wir kriegen sogar noch die letzten paar Minuten von Videoclub (Indie, langweilig) mit.
Dann Herrenmagazin (Indie, spannend)! Location heute Abend ist die "Clubschiene" in Münster, gelegen irgendwo zwischen den Gleisen, neben dem Amp. Ganz netter Laden eigentlich, aber durch seinen pseudo-alternativen Charakter auch irgendwie typisch Münster. Bezeichnend dafür: Es gibt, voll cool und total gegen den Mainstream, Afri-Cola - aber als Bier natürlich Beck's. Ürgs. Die Preise weiß ich nicht mehr, waren irgendwie auch typisch Münster - und es gab kein alkfreies Bier. Pöh.
Achja, wir waren ja schon bei der Band. Herrenmagazin haben einen neuen Gitarristen, sonst bleibt alles beim Alten. Wunderschöne Lieder, die eine perfekte Symbiose aus Musik, Text und Gesang eingehen. Nie zu traurig, nie zu optimistisch, aber immer nachdenklich und geradezu ernst, was nen krassen Gegensatz zur Band darstellt - denn die zeigt sich bestens gelaunt und scherzt eifrig vor sich hin.
Gute Laune also! Selbst wenn mal ein Lied 2-3 mal neu anfangen muss, weil wieder irgendwas nicht klappt. Gibts stattdessen halt ein wenig Spaß in den Backen. Schlagzeuger Rasmus Engler (hier bitte in Gedanken "Morsbach ist so klein" anstimmen) hat auch kein Problem, über die Vorband "VHS-Club" und ihr Vintage-Schlagzeug her zu ziehen. Oder über das Publikum. Bestens!
Deniz hingegen will sich mit dem Publikum wohl eher gut stellen. Erzählt, dass sein Vater hier geboren wurde (und weg zog und nie wieder kam), und dass er sonst eher über seine Mutter redet, die bekifft durch Amsterdam läuft. Die Ansagen sind sowieso irgendwie wie bekifft, irgendwie muss man immer lachen obwohl es keine wirklichen Pointen gibt. Stumpfsinn ist Stärke, ihr wisst schon.
Achja, Musik gabs auch noch! Herrlich träumerisch-melancholisch-treibende Songs, das Debütalbum "Atzelgift" wird ebenso ausgiebig gewürdigt wie der phänomenale Nachfolger "Das wird alles einmal dir gehören". Stücke wie "Erinnern", "Hals über Kopf", "In den dunkelsten Stunden", "Lilly Lametta", "Lnbrg", "Alle sind so"...um nur einige zu nennen. Fantastische Lieder.
Das Reset-Festival hat neben der Musik auch noch Kleinkunst, Ausstellungen und sonstiges zu bieten. Vermutlich mit ein Grund, warum diverse Projektoren das Bühnenbild etwas bunter gestalten. Im heutigen Backstage stehen übrigens ein paar Exponate von Künstlern, die irgendwas "zwischen Traum und Wirklichkeit" zeigen wollen, wie Rasmus erzählt. Er meint, er fände das unheimlich originell. Und wischt sich kurz den Sarkasmus mit dem Handtuch weg.
Womit wir auch schon fast bei meiner Lieblingsbeschäftigung wären: Übers Publikum lästern! Yuppie-Spießer-Hipster in Flanellhemden, die mit geschlossenen Augen schunkeln und denen die Arroganz aus allen Poren tropft. CDU- oder FDP-Wähler die sich für total weltoffen und alternativ halten. Münsteraner Studentenpack geht gar nicht! Ich hab ja diesen Vorurteilen früher nie so geglaubt, aber je öfter ich in Münster bin desto mehr sehe ich sie bestätigt.
Naja, egal. Es könnte schlimmer sein. Die Leute könnten sitzen. Oder gähnen. Übrigens besitzt hier jeder zweite eine digitale Spiegelreflexkamera, weil er ja eigentlich BWL studiert aber nebenbei doch auch total kreativ ist, und so fühle ich mich hier teilweise wie auf irgendner Pressekonferenz, auf der sich die Fotografen eifrig die vorderen Plätze sichern. In solchen Momenten schäme ich mich selbst dafür, Fotos zu machen. Hähä.
Boah, jetz is aber mal genug mit Lästern! Herrenmagazin spielen schließlich, und deswegen bin ich ja hier. Verdammt sympathische Band, durch und durch, schön aufm Teppich, wunderschöne Lieder, alles super. Die Stücke zünden live auch nochmal deutlich besser als auf CD (naja, eigentlich zu erwarten). "Früher war ich meistens traurig" entwickelt eine geradezu unheimliche Intensität - da bin ich glatt kurz davor, selbst die Augen zu schließen und zu schunkeln. Nein, das war ein Scherz.
Ja, durchaus gelungener Auftritt von Herrenmagazin, es fehlt nur ein wenig das gedrängte und feiernde Publikum in Mitgröllaune. Oh, ich wollte ja nicht mehr lästern. Irgendwann ist das Konzert dann auch, viel zu schnell, vorbei - und nicht einmal eine Zugabe wird uns gewährt. Schade aber auch.
Also denn. Übrigens, kleiner Tipp für alle heimlichen Indie-Popper unter euch gefährlichen Punker-Lesern: Am 25.11. spielen Herrenmagazin in Oberhausen, mit dabei so tolle Bands wie Willy Fog, Findus und Frau Potz - könnte man sich mal geben! Wir hingegen geben uns jetzt erstmal die Heimfahrt. Und für euch gibts, weil ihrs euch nach dem Lesen dieses Berichtes verdient habt, nur eines: Ein kräftiges SIEGFRIED UND ROY - OI OI OI!

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Gerdistan
(Gerdistan)
12.09.2011 17:56
Vielleicht hättest du weniger Vorurteile gegenüber Münster, wenn du dich nicht auf so bekackten Indieshows in bekackten Indieschuppen rumtreiben würdest!
schlossi

12.09.2011 21:12
wie kann man gegen münster KEINE vorurteile haben? da gibt's doch nur studenten und den coppenrath-verlag.
kiki

13.09.2011 08:30
ich mag Münster!
schlossi

13.09.2011 09:22
du magst ja auch mario barth.

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