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Rockstage: Plush Fish, The Coconut Butts, Diagnosis:Different, May The Force Be With You, Glaciersbay, 27.11.2011 in Dortmund, FZW - Bericht von Fö

Rockstage Dortmund am 27.11.2011

Da isset wieder, das Rockstage Dortmund Festival! Läuft ja dieses Jahr nicht mehr ganz so regelmäßig wie früher mal gewohnt, aber in unregelmäßigen Abständen kann man sich trotzdem freuen auf diese Perle Dortmunder Konzertkultur. Oder sagen wir mal, eine der wenigen runden Sachen die es hier überhaupt gibt. 5 Bands für 3 Euro, wer will da meckern - zumal auch immer mal ein paar Besonderheiten ins Programm hoppeln. Heute wären das wohl Plush Fish, eine Skapunkband aus, tada, Moskau! Irre. Aber bevor die spielen, gibts ja noch diverse andere Gruppierungen auf den Brettern zu bestaunen...
Den Anfang machen GLACIERSBAY aus Dortmund. Mir bisher unbekannt, aber ich glaube lange gibt es die Band eh noch nicht. Nach eigener Aussage macht man "Melodic Hardcore". Zunächst mal beide Daumen hoch für die Bühnenpräsenz - vor allem beim Sänger mache ich Augen, der läuft und springt ständig quer über die Bühne und scheint trotzdem nicht aus der Puste zu kommen.
Und das, obwohl ihm bereits beim ersten Song der Fuß wegknickt. Hier mischen sich also noch echte Schmerzensschreie in den brachialen Sound der Jungspunde, haha! Naja, er rappelt sich aber recht schnell wieder hoch, humpelt erst ein wenig und springt dann wieder wie zuvor. Das nenn ich mal tough. Hähä.
Tja, und Musik? Ist halt diese neumodische Form von Hardcore, New School oder Metalcore oder wie auch immer man das nennt. Nicht so mein Ding. Ich brauch da auch immer ein wenig Punk im Unterton, und den spürt man hier nicht, ist zwar alles schön laut, hart und schnell, mir aber einfach nicht rau genug.
Immerhin haben sich für die doch recht frühe Stunde schon einige Besucher eingefunden (und, um dem mal vorweg zu greifen: Das werden im Laufe des Tages nicht mehr, eher im Gegenteil...). Highlight 1 ist ein Typ, der nach der Aufforderung, doch etwas näher an die Bühne zu kommen, seinen Barhocker nach vorne stellt. Highlight 2: der erste Circle Pit des Tages, ausgeführt von zwei Kleinkindern. Witzisch.
Auftritt geht ansonsten in Ordnung, für Fans des Genres sicherlich ganz unterhaltsam, für mich nach ein paar Songs irgendwie eintönig. Danksagungen gehen noch raus an das Rockstage-Team, an das Catering (passiert hier öfter) und an die folgende Band, die nämlich irgendwie für die Historie und Bandbesetzung von Glaciersbay wichtig war. Warum auch immer.
Namentlich wären das MAY THE FORCE BE WITH YOU! Die Metalcore-Helden aus Lünen erweitern das musikalische Spektrum nur bedingt, aber das erwartet hier auch keiner. Dafür kommt der Sound nochmal um einiges dichter und fetter aus den Boxen als bei Glaciersbay.
Auch hier gilt mal wieder: Nicht meine Musik. Aber trotzdem haut mich das um einiges mehr um als die Band zuvor. Brachiales Geschrei, rasende Riffs (klingt fast Maiden-like, sag ich mal), dazu kommen immer mal wieder äußerst melodische Parts. Und die Band selbst: echt ne Macht, würd ich mal sagen. Wie da auf der Bühne gestampft, gesprungen und gerast wird, Wahnsinn!
Was mir auffällt: Nen neuen Gitarristen scheinense zu haben. Wobei "neu" wohl eher relativ zu sehen ist, schließlich hab ich die Band nun mittlerweile auch schon einige Jahre nicht mehr gesehen. Anfang des Jahres erschien ja ihr lang erwartetes Album The Flood (Rezi hier).
Die Band selbst scheint sich etwas uneins zu sein, ob man nun eher alte oder eher neue Songs spielen soll - kann ich jetzt nicht so beurteilen, irgendwie scheint es aber, als würde das Publikum alte wie neue Sachen gleichermaßen abfeiern. Okay, wir haben immer noch nachmittag, aber mittlerweile sind gut 60 Leute im Raum, einige davon ziemlich textsicher!
Die Textsicherheit erreicht ungeahnte Höhen, als überraschenderweise ein Coversong eingestreut wird: Die Ärzte - "Schrei nach Liebe". Super! Und das im herrlich thrashigen Metalcore-Gewand. Großartig! Und gerade nach den jüngsten Vorkommnissen auch ein verdammt wichtiger Song.
Da gewinnen May The Force doch direkt wieder ein paar mehr Sympathiepunkte. Die konnten sie übrigens schon sammeln, als sie, als ich sie das letzte Mal sah, Slime gecovert haben, was mir just in dem Moment wieder einfällt. Schon geil. Deutschpunk meets Crabcore. Harhar.
Und um noch nen weiteren Musikstil einzubringen: Hier wird ja mehr gefeatured als bei nem Hiphop-Festival. Harhar. Nicht nur der Sänger von Glaciersbay darf für einen Song wieder auf die Bühne springen/humpeln, auch dieser junge Herr unterstützt die Force-Leute bei einem Lied.
Nix zu meckern am Auftritt. Selbst zwischen den Songs wird für Unterhaltung gesorgt, als spontan der Running Gag des Abends kreiert wird: Beim Catering gab's zu wenig Ente! Scheint wohl gut gewesen zu sein. Der Sänger lässt sich sogar zu der Aussage hinreißen, er rieche schon nach Ente...
...ich geh dann auch mal kurz am übrig gebliebenen Enten-Sud schnuppern. Hachja. Zurück vor der Bühne, spielt auch schon die nächste Band. DIAGNOSIS:DIFFERENT. Hm. Mir ja kein Begriff. Es bleibt bei der harten Musik, zu hören gibt es nämlich Metal.
Und zwar der progressiveren Sorte, was nichts anderes heißt, als dass die Lieder fürchterlich lang sind. Ich dachte ja erst, der Sänger wäre sich zu fein dazu, Ansagen zu machen - aber da war mangels Pausen auch einfach keine Zeit zu. Grob geschätzt 10 Minuten Spielzeit gehen pro Lied drauf. Anstrengend.
Der Sänge hat ein recht kraftvolles Organ (wäre auch schade wenn nicht, bei dieser Musik). Ich fühl mich irgendwie an die Heroes del Silencio erinnert, wenn nicht das Musikalische wäre - das bewegt sich eher in Musikregionen, von denen ich noch weniger Ahnung hab. Dream Theater, Opeth und wie sie so heißen. Ihr wisst schon.
Mittlerweile ist übrigens auch Maks im FZW angelangt. Was auch immer der hier will - aber nett von ihm. So muss ich dann nicht alleine über die Bands lästern. Er meinte, er habe solche Musik mit 16 gehört...dann hat er bestimmt auch viel mehr Ahnung von Metal als meine Wenigkeit. Seine Einschätzung des Abends findet sich übrigens hier.
Naja. Also denn, Diagnosis:Different konnten nicht so wirklich meinen Nerv treffen, dafür aber immerhin amtlichen Höflichkeitsapplaus ernten (mehr ist eh nicht drin, die Zuschauerzahlen scheinen sich nochmal halbiert zu haben). Irgendwann wird das letzte Lied angekündigt. Puh, nur noch 10 Minuten...andere Bands schaffen in der Zeit 3 Zugaben. Maks will von welchen gehört haben, die sogar 4 schaffen.
Anschließend: ab in den Vorraum, Zeit vertreiben. Die Umbaupause dauert ne geschätzte Stunde, das ist viel Zeit zum Vertreiben. Alexej und Maja kommen auch noch vorbei und erhöhen die Zuschauerzahlen um Prozente irgendwo im zweistelligen Bereich - die Metalcore-Fans scheinen abgehauen zu sein, schade. Hören die etwa alle kein Ska?
Tschuldigung, Skapunk nennt sich der Musikstil, der nun folgt. Den fand ich vor einiger Zeit noch ziemlich unterhaltsam, mittlerweile gibts vielleicht noch 2-3 Bands aus der Sparte, die mich begeistern können (und bevor wer fragt: Im Ska-Bereich siehts ähnlich aus). Egal, live ist sowas ja trotzdem immer ganz spannend. Es spielen nun: THE COCONUT BUTTS!
Zur Musik kann ich auch nichts weiter sagen als: Skapunk. Keine Folk-, Latino-, Western- oder Soul-Einflüsse, einfach nur Skapunk. Dass es so was noch gibt! Nee, da fällt mir ein, am Ende gab's noch so Polka-Klänge. Egal. Hmja. Aus der Eifel kommen die Jungs, genauer gesagt aus Aachen, und es gibt sie wohl mittlerweile auch schon 2-3 Jahre.
Gibt also die üblichen Zutaten mit Offbeats und Bläserklängen (und Keyboard), die Texte habe ich jetzt nicht so verinnerlicht, aber vermutlich sollen die ebenso gute Laune versprühen wie die farbenfrohe Musik.
Soweit sieht also alles nach der x-beliebigen Skapunkband von umme Ecke aus (wobei, wenn man ehrlich ist, da gibt's in letzter Zeit echt immer weniger von). Den Sänger find ich ganz sympathisch, er trägt nämlich Bart sowie ein Flatliners-Shirt. Gesang ist auch nicht zu aufdringlich. Die Ansagen dafür etwas zu übermotiviert - aber man muss ihm zugute halten, dass er zumindest versucht, das Optimum an Stimmung aus uns heraus zu kitzeln.
Zum Beispiel: lustige Animationsversuche. Zwischendurch gibts ne kurze Tanzeinlage mit dem Posaunisten, inklusive Choreographie und breitem Gute-Laune-Lächeln (würg). Oder eine kurze Tanzeinlage mit dem einsamen Tänzer (formallyy known as Barhocker-Guy) vor der Bühne. Dieser ist übrigens auch ganz amüsant in seinen Versuchen, uns durch exzessives Beleidigen zum Mittanzen überreden zu wollen...
Naja, Spaß beiseite. Ach Mist geht ja nicht, die gute-Laune-Skapunk-Band spielt ja immer noch. Harhar. Nee, wirklich schlecht ist das ja nicht was die da abliefern, mir aber einfach zu sehr Gute Laune. Vermutlich hätte das wirklich besser funktioniert, wenn ein paar mehr Leute vor der Bühne gewesen wären.
Bei der nächsten Aktion verliere ich dann aber doch sämtliches Vertrauen in die Band: Wir sollen doch bitte alle in die Hocke gehen. Spannend. Das fand ich schon bei den etwa 50 Bands, bei denen ich diese Form der Publikumsinteraktion zuvor schon erleben durfte, wenig originell. Immerhin machen fast alle mit. Ich tue schnell so als würde ich fotografieren und Maks als würde er Bier kaufen - nur bloß diesem Schmach entgehen!
Anschließend sind wir mal gespannt, was die nächste Band so zu bieten hat (außer Skapunk). PLUSH FISH nennen sie sich, kommen aus Moskau und starten heute ihre erste Deutschlandtour. Gerade vor ein paar Stunden auf dem Düsseldorfer Flughafen gelandet und jetzt hier auf der Bühne - das ist mal Einsatz!
Die Band hat direkt bei mir gewonnen, als mir die Optik des Posaunisten ins Auge fällt: Verdammt formschöner Schnurrbart! Liebe Musikgruppierungen dieser Welt, merkt euch das: Egal was ihr für Musik macht, die Schnurrbärte sind es die zählen! Ey, es wird mal Zeit für ein eigenes Schnurrbart-Fanzine.
Negativ wäre wohl der etwas übertriebene Lokalpatriotismus anzukreiden. Auf den Bandshirts wird ihre Hauptstadt abgefeiert, nen entsprechenden Song gibt's auch (zum Glück haben wir unseren Russisch-Dolmetscher vor Ort), was vor dem Hintergrund, dass die Band sich ansonsten unpolitisch gibt, doch leicht unseren empfindlichen Nerv trifft.
Aber auf die spezielle politische Relevanz russischer Skabands ist Maks in seinem oben verlinkten Bericht ja bereits eingegangen. Schon krass, man kriegt ja irgendwie eh zu wenig mit von den russischen Verhältnissen, und die wirklich "linken" aktiven russischen Punkbands lassen sich wohl an einer Hand abzählen.
Ganz vorne dabei natürlich Distemper. Alexej trägt heute (son Zufall) ein Shirt von denen, wird auch direkt von der Band darauf angesprochen und kann anschließend mal schön auf russisch über uns ablästern. Nicht nur das, er stellt später sogar fest, dass er den Sänger schonmal getroffen hat, als dieser vor Jahren als "Hund" Distemper auf Tour begleitet hat...
Egal, kommen wir zur Musik! Skapunk halt, live zum Glück nicht ganz so poppig wie die Hörproben auf Facebook im Vorfeld vermitteln wollten, erinnert aber trotzdem stark an die kalifornische Schiene, nur eben mit russischen Texten.
Sänger und Posaunist richten immer mal wieder das Wort ans Publikum und bedanken sich in geradebrechtem Englisch für den Abend. Man muss sich schon ziemlich konzentrieren, um sie zu verstehen - aber immerhin haben sie außer "dankeschön" auch bereits weitere deutsche Wörter gelernt: "Lutsch meinen Schwanz".
Letzteres ist wohl auch das Niveau mancher Texte der Band, in denen auch mal über die Brüste russischer Frauen gesungen wird. Falls ich damit der Band Unrecht tue und sie womöglich weitaus ausgefeiltere Lyrics zu bieten hat, bitte ich meine Aussage zu entschuldigen - mein Russisch ist etwas eingerostet. Der Sänger bringt uns sogar noch "Lutsch meinen Schwanz" auf russisch bei - aber sorry, wieder vergessen. Tja.
Stimmung! Sogar einen kleinen Circle Pit gibt's, ansonsten ist bei der dürftigen Zuschauerzahl eher wenig raus zu holen. Kleine Ausnahme ist natürlich unser einsamer Tänzer, der heute demonstriert, dass violent dancing auch zu Ska-Musik möglich ist. Er kommt übrigens aus Münster - dürfte der beweglichste Münsteraner sein, den ich jemals gesehen habe. Sogar Radschlagen ist drin!
Als letzten Song gibts noch einen ohne Bläser und über die Liebe zur Musik (oder so) und damit wäre der Auftritt beendet. Ja doch, war ganz unterhaltsam. Aber hab jetzt echt erst mal genug von Ska-Getute...

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