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The Menzingers, Red Tape Parade, Idle Class, Goodbye Fairground, PJ Bond, Mark McCabe, 07.05.2012 in Münster, Lorenz Süd - Bericht von Fö

The Menzingers, 07.05.2012 in Münster

Mal wieder Konzert. Und schon wieder Münster! Man könnte ja fast schon behaupten, dass diese "Stadt" zum zweiten Standbein unseres beschaulichen Gossenjournalismus-Imperiums wird. Heute ein weiteres Konzert der Reihe "subventioniere ich mir ganz easy selber, weil ich nicht zum Groezrock gefahren bin". The Menzingers. Großartige Band, bisher aber nie live sehen können. Dazu ein Haufen vielversprechender Vorbands. Nur der Eintrittspreis von 10 Euro ist ungefähr einen Cent über dem "einstellige Eintrittspreise sind ja irgendwie doch noch Punk"-Limit. Mit VVK-Gedöns sogar 51 Cent drüber, von den 201 Cent Abendkasse will ich mal gar nicht reden. Und nein, ich will jetzt keine Diskussion vom Stapel reißen, dass Bands arm und ich ignorant wäre. Aber egal, ihr wisst ja, Subventionierung heißt das Zauberwort! Noch zwei Worte: Die "gute Tat"! The Menzingers wurden letztens ausgeraubt und können jeden Cent gebrauchen (soviel zur "arme Bands"-Thematik).
Eine weitere Besonderheit der von mir selten frequentierten Konzerte der Kategorie "zweistellige Eintrittspreise": Es gibt Hardtickets! Linda stolpert über ihre eigenen Erklärungen, warum diese Mario-rot und nicht Luigi-grün sind und empfiehlt mir am Ende ihrer Ausführungen, ihr Geschwafel doch bitte in den Bericht aufzunehmen. Liebste Linda, du darfst gerne unten in den Kommentaren alles ergänzen, was dir auf dem Herzen liegt!
Immerhin den unpünktlichen Beginn haben sich die Veranstalter (Werbung: Stahl & Panik Entertainment sowie Cheap Shot Youth Concerts) von den einstellige-Eintrittspreise-Konzerten abgeschaut. Wir verbringen trotzdem den halben Auftritt von GOODBYE FAIRGROUND noch vor der Tür, einfach so, weil is ja auch irgendwie Pank.
Ich war ja schon etwas gespannt, was die Band live so kann, nachdem die EP doch in etwas zu ruhigen Gefilden werkelte. Aber live fehlt mir dann doch das Tempo, und trotz der drei Gitarren könnte der Sound etwas mehr Druck vertragen. Dafür lässt man Raum für verspieltes Gitarrengeklimper.
Verbuche ich mal unter "Indie-Einflüsse". Ansonsten wäre wohl Postpunk die passende Umschreibung, obwohl der Begriff ja ähnlich vielsagend ist wie "Indie". Geschenkt. Sehr angetan bin ich von der angerauten Stimme des Sängers, die ein wenig über der zurückhaltenden Instrumentierung zu schweben scheint - auch wenn der Gute heute etwas heiser ist.
Die Songs: Uiuiui. Ziemlich hymnenhaft, beinahe episch. Und, ohne Scheiß, Hitpotential. Ich kenn ja nur besagte EP (Album soll dieses Jahr noch kommen), aber die Songs haben alle was. Aufbauend, packend. Aber, wie ich bereits erwähnte, das könnte alles etwas fetter und druckvoller daher kommen. Oder schielt man etwa tatsächlich auf die glattgebügelte zweistellige-Eintrittspreise-Liga?
Achja, zwei Details noch: Erstens, die Jungs und das Mädel haben tatsächlich Band-Tattoos - scheinen es also entweder ernst zu meinen oder sind mal gemeinsam betrunken beim Tätowierer aufgewacht. Zweitens: Witzige Ansage vom Sänger, wir sollen doch bitte auch bei den anderen Bands so bereitwillig klatschen, besonders als vierte Band des Abends habe man es ja oft schwer. Ein Juxbold!
Ab zur zweiten Bühne! Bitte was?! Ja richtig, spontanerweise gibt's im Barbereich auch noch Programm: Die Akustikbarden Mark McCabe und PJ Bond haben gestern ihre fünfwöchige Europa-Tour beendet und üben sich heute im "Gig-Crashing". Cool! MARK MCCABE aus Schottland macht den Anfang. Akustik-Songwriter-Mucke, mehr Folk als Punk, gute Stimme, gute Songs.
Bin froh, den Typen vor einigen Monaten auf Bandcamp (reinhören! downloaden!) entdeckt zu haben und so immerhin keinen gänzlich Unbekannten vor mir zu haben. Gibt leider nur 3 Songs zu hören, aber die machen Laune. Besonders freue ich mich über "I Used To Be Eloquent", für mich so ziemlich der Hit der CD "When I Grow Up"
Nach dieser willkommenen Pausenunterhaltung geht's weiter mit IDLE CLASS! Das neue "Ding" aus Münster, mit Leuten von Stand Fast, und, Überraschung, Goodbye Fairground. Erinnert mich primär, vor allem durch den Gesang, an Stand Fast, bloß dass das hier etwas rotziger daher kommt.
Hat dann mehr was von melodischen Punk-Kapellen wie Red City Radio, Polar Bear Club und wie sie alle heißen, als diese Rise-Against-mäßige Core-Ecke, in die Stand Fast sich eher orientieren. Find ich gut. Ne Bereicherung auch der GF-Bassist, der ein amtliches Schrei-Organ an den Tag legt
Danke übrigens an Gerdistan für seine Recherche-Arbeit, dass beim letzten Münster-Auftritt noch irgendwann die Gitarre gegen (oder in?) die Wand flog - das erklärt auch, warum der Gitarrengurt mit (grünem!) Gaffa geflickt wurde. Und warum die Band ständig solche Anspielungen macht.
Hinweisen möchte ich natürlich auch noch auf den anderen Gitarristen, den von Stand Fast nämlich, weil der so einen wunderschönen Schnäuzer hat, der hier auf den Fotos gar nicht richtig zur Geltung kommt. Und sein Engagement, einfach mal ohne Mikrofon in den Raum zu reden, lässt mich die Sache mit dem zweistelligen ihr-wisst-schon fast vergessen. Sowas geht halt einfach nur auf kleinen Bühnen.
Ziemlich kurzes Set, was vermutlich daran liegt, dass die Band neu ist und die Lieder erst noch geschrieben werden müssen. Trotzdem amtlich, ich glaube da kommt was auf uns zu!
Anschließend mal wieder was Unverstärktes: PJ BOND aus New Jersey! Gitarrengeplänkel mit feiner und doch ausdrucksstarker Stimme. Muss ja zugeben, dass mir seine konservierten Aufnahmen (ich verweise mal wieder auf Bandcamp) bisher nur bedingt zusagten, einfach zu ruhig für meinen Geschmack. Aber live fesselt das doch ganz ordentlich!
Auch wieder 3 Stücke. Bei "I'm in a bad way" begleitet ihn Mark McCabe mit geschlossenen Augenlidern (und am Gesang). Gibt auch einige im Publikum, die sich als mitsingsicher erweisen. Kommt gut an, die Gigcrasher-Aktion - besonders, wenn die Täter solch charmante Musikanten sind und keine nervigen Hippie-Schrammler, an die ich immer panisch denken muss, wenn ich ne Akustikgitarre sehe.
Anschließend: RED TAPE PARADE! Eine Band, auf die ich mich ja ehrlich gefreut habe. Eine der wenigen deutschen (naja okay...Bayern...) Bands, die einigermaßen mit ihren offensichtlichen Vorbildern mithalten können - ob sie nun Jawbreaker, Good Riddance, Propagandhi oder Hot Water Music heißen.
Zusammen mit letzteren habe ich die Band ja vor einiger Zeit in Dortmund gesehen. Kannte damals kein Lied, was heute glücklicherweise anders aussieht. "Always Stubborn, Sometimes Hateful" ist ein großartiger Opener, "Anything else is progress" klappt auch ohne Joey Cape am Gast-Mikro, und auch der Rest braucht sich nicht zu verstecken.
Mein persönliches Highlight: "You can only say what it is in french" - echt mal, einer der stärksten Songs, die je aus diesem Melody-Post-Punk-Genre gekommen sind. Naja, ehrlich gesagt hab ich das Stück schon echt lange nicht gehört, zündet live aber sofort. Herrlich.
Weitere Songs gehen raus an die Veranstalter und die anderen Bands, ein Lied wird dem kürzlich verstorbenen Beastie Boy MCA gewidmet - mit der Bemerkung, dass wohl kaum eine andere Band so viele Künstler quer durch alle Musiksparten beeinflusst hat. Ich glaube, das kann man unterstreichen.
Gut gelaunt erzählt der Sänger noch von ihrem Merchandiser, der gestern in Aachen unter Whiskey-Einfluss halbnackt in einem Springbrunnen tanzte - und er sucht nach Anregungen, was man denn in Münster nachts Irres anstellen könnte. Naja, da bin ich überfragt, so als Auswärtiger.
Fazit: Schöner Auftritt der Red Tape Parade, sehr engagiert (ja, auch der Gang ins Publikum wird gewagt) und gut eingespielt. Gute Band. Auch wenn sie sich irgendwie zu sehr auf die Rolle als ewiger Support fixiert haben (derzeit mit Bouncing Souls und Menzingers, im Juni wieder mit HWM in Dortmund, im August mit Boysetsfire...)
Puh, vier Bands an einem Montag Abend, dazu noch die beiden Songwriter, schlaucht langsam ganz schön. Aber zu THE MENZINGERS sammelt sich selbstverständlich alles wieder brav vor der Bühne. Super Band. Das Debütalbum "A lesson in the abuse of information technology" war großartig, die EP "Hold On Dodge" ein Kracher, "Chamberlain Waits" ein Meisterwerk...
...achja, und dann kam das verflixte dritte Album. Keine Frage, "On The Impossible Past" ist super. Aber eben so ne Platte der Marke "Musiker entdecken, dass sie Musiker sind". Ausgefeiltes Songwriting, poppige Melodien, schön catchy - aber mir fehlt da was, dieses Unangepasst-Raue der ersten Platte. Jaja ich weiß, ich kann diese "früher war alles besser"-Idioten auch nicht ab.
Wäre auch alles nicht so schlimm, wenn doch bloß die Songauswahl etwas ausgeglichener wäre. Man, ich will echt nicht meckern, aber etwas enttäuscht bin ich ja schon. Scheiße ey! Ich betone nochmal, das aktuelle Album ist echt gut, auch live, aber, ach, ey, ihr wisst schon. Muss an dieser zweistellige-Eintrittspreise-Welt liegen, dass ich damit nicht klarkomme.
Fast nur Stücke vom neuen Album, ein paar vom letzten, vor der Bühne feiern alle wie Sau, grölen eifrig alles mit, klatschen, schreien, tanzen, springen und ich lasse mich sogar bereitwillig mitreißen, ignoriere diese massive Einseitigkeit der Setlist, was auch größtenteils gelingt.
Ausnahme: "Alpha Kappa Fall Of A Balcony", sowas wie mein Lieblingssong der Menzingers und der einzige vom Debütalbum, der sich ins Set geschlichen hat - aber bis auf 2-3 Ausraster im Pogogetümmel wird der geradezu nüchtern vom Publikum aufgenommen. Ich glaube, ich werde alt. Und früher war WIRKLICH alles besser. Dabei ist die Platte grad mal 5 Jahre alt.
Naja, wat solls. Abgesehen von meiner Grauhaariger-Punk-Opa-Mentalität kann man den Gig echt als gelungen bezeichnen. Schönes Abgefeier in den ersten Reihen, Textsicherheit soweit das Auge reicht, glückliche Gesichter und triefnasse Oberkörper. Ordentliche Sause.
Zum Ende hin (dürfte dann bei "The Obituaries" gewesen sein) wird sogar die Bühne gestürmt und alle fucken this gemeinsam up. Ich geb's ja zu, The Menzingers haben echt keinen Song der KEIN Hit ist.
Zugabe. Die Amis bringen uns die Demokratie (Riesenwitz!) und lassen das Publikum entscheiden, was noch zu spielen sei - was immerhin zeigt, dass sie einiges mehr in petto haben als nur das aktuelle Album runter zu dudeln. Die Wahl fällt zum Einen auf "Casey". Und wenn euch meine Meinung interessiert: Bester Song des neuen Albums.
Zum Anderen, und da bin ich den Lied-Wünschern echt unendlich dankbar: "Straight To Hell"! Das ist nicht nur vom ersten Album, sondern auch noch ein Coverstück von The Clash, womit mein Punk-Sinneszentrum befriedigt wäre. Da kann ich auch mal Faust und Stimme recken, diese wohltuende Gänsehaut genießen und in der Musik aufgehen. Herrlich.
Zusammengefasst: Mal abgesehen von der Lieder-Auswahl ein wirklich guter Auftritt der Menzingers (mein Hinterkopf sagt mir: "Spricht ja nicht gerade für die Band, wenn das beste Lied ein Coverstück ist..."), die Vorbands durch die Bank weg super, die spontanen Akustik-Gäste eine willkommene Bereicherung und der Abend durchweg gelungen. Trotzdem ist jetzt mal gut mit Amipunk-Genöle. Ich schalte meine Musiksynapsen (und den mp3-Player) zurück auf die einzig große und ewige Liebe: stumpfer Deutschpunk.
....haaaach...

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