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Over The Top, Kommando Zurück, Glasnost AG, 18.10.2012 in Münster, Baracke - Bericht von Gerdistan

Over The Top, 18.10.2012 in Münster

Es ist 18:45 und ich bin 150 Meter Luftlinie von der Baracke entfernt. Dummerweise ziemlich dreckig und im Fußballdress, dabei nach Schweiß riechend. Also muss ich erstmal wieder nach Hause, mich duschen, andere Klamotten an und wieder zurück zur Baracke. Zu Hause wartet Hans bereits auf mich, da ich den Zeitplan etwas aus den Augen verloren habe. Deshalb kann sie mir ein Brot schmieren, während ich unter der Dusche stehe und kurze Zeit später brechen wir erneut gen Aasee auf. Weil der Fahrradfuzzi mein defektes Rad nicht rechtzeitig fertig gekriegt hat, muss ich die ganze Gurkerei auch noch auf dem Eierschleifer meines Mitbewohners zurücklegen, das ist kein Spaß, das lasst euch mal gesagt sein. Aber was tut man nicht alles für ein versifftes 5 Euro-Konzert in der Baracke.
Ungefähr um halb acht kommen wir an einer mäßig gefüllten Baracke an. Bei fünf Bands dachte ich, man sei besser pünktlich, aber eine Band fällt aus und der Zeitplan aus dem Rahmen. Egal, wir haben ja Bier.
Kurz nach 21 Uhr fängt dann auch die erste Band an, wilden Krach auf ihren Instrumenten zu machen, u.a. durch Bierflaschen. Das nennen die wohl ihr Intro.
Der Drummer spielt das halbe Konzert lässig mit Kippe im Mund, die nicht notwendigerweise dabei angezündet sein muss.
Wenn ich vor mir jemanden sehe, bei dem hinten das Schild aus dem T-Shirt guckt, habe ich immer den Drang, es wieder reinzuschieben. ich kann mich aber gerade so beherrschen.
Bier, ja. Das ganze Konzert firmiert als Opener der "It's OK to be drunk"-Tour, die sich nach Deutschland hauptsächlich in Osteuropa bewegt. Hat das Publikum auch ganz gut verstanden. Im Gegensatz zu den Songtexten, da versteht man wirklich kein Wort.
Der Bassist hat sich mit dem Mikrofonständer direkt vor der Bühne breit gemacht, obwohl das gar nicht nötig wäre, denn die Baracke ist proppenvoll. Ein paar Irre springen auch vor der Bühne auf und ab und zelebrieren die dargebotenen Klänge.
Achja, wie ich hinterher rausfand war das die Band "Glasnost AG", die vor 14 Jahren schon mal in der Baracke war. Die Musik ist Crust-HC-Grind-Punk-Irgendwas, also Songs von fünf bis 55 Sekunden Länge mit Geschrei in hoch und tief.
Nach fast 25 Minuten Spielzeit (und wahrscheinlich 30 Songs) ist die Band dann auch schon fertig. In der Toilette steht ein Haufen Ranzpunks (männlich sowie weiblich) rauchend herum und blockiert den Weg zum Waschbecken.
Diese gut angezogenen Irren sind dann Over The Top aus Münster, von denen ich eigentlich dachte, dass sie als letztes spielen. Aber Pustekuchen.
Auf ihrer eigenen Internetseite (auf der es übrigens alle Veröffentlichungen zum Gratis-Download gibt) bezeichnet sich die Band schlicht als Trash. Was sich auch irgendwie in ihrer Kleidung widerspiegelt.
Die Musik ist schneller Hardcore mit kurzen Songs und deutschen Quatschtexten, Szenegrößen wie NxD, AxG oder NxB gar nicht unähnlich. Die Texte erinnern an Alarmstufe Gerd, während die Anzahl von Samples auf der letzten CD doch eher so hoch ist wie bei Napoleon Dynamite.
Das Publikum rastet komplett aus. Ich war schon etwas überrascht, dass die Iropunks, die man sonst nie in der Baracke rumhängen sieht, sich heute bei dieser Art von Musik zeigen.
Während es am Anfang noch einen kleinen Barackenhalbkreis gibt, in dem der Sänger mit der hübschen Jeansweste auf und ab marschiert, gibt es ab der Hälfte der Show nur noch einen großen Moshpit.
Ein paar Songs von der letzten Veröffentlichung erkenne ich auch wieder, zum Beispiel "Hate, Fuck, Fight, Kill" oder "Hau ab".
Ob "Bananaman vs. Spider" noch gespielt wurde, weiß ich gar nicht mehr, im Publikum haben jedenfalls Leute Bananen mit und schmeißen mit den Schalen durch die Gegend.
In den hinteren Reihen wird irgendwo Konfetti geschossen. Noch weiter hinten wird Hansa für nen Euro verkauft, was aufgrund der fehlenden Grundlage ganz gut reinhaut.
Der Drummer trommelt wie ein Tier, muss man ja auch, bei solcher Mucke. Da bleibt auch nicht viel Spielraum für trashige Verkleidungen.
Das Publikum ist bunt gemischt, Asselpunker und halbwegs normale Menschen geben sich die Hand. Oder spritzen sich gegenseitig mit Bier voll, was man halt so macht.
Posing am Instrument muss natürlich auch sind, wird insbesondere vom Bassisten mit der hübschen Frisur ganz hervorragend beherrscht.
Die Ansagen des Sängers beschränken sich größtenteils auf "Findet ihr uns auch so geil wie wir?" und ähnliche überzogene Selbstabfeierei, passt hier aber ins Gesamtkonzept.
Der feine Herr mit dem blauen Bart hatte offensichtlich auch irgendwas zu sagen.
Nach einem viel zu kurzen Set ist dieses Spektakel jedoch schon vorüber.
Schade, hatte mich so auf ein saftiges Stück gefreut. :-(
Doch halt. Ganz vorüber? Oh nein. Nach etwas Konservenkrach hat sich der Sänger ein Bärenkostüm angezogen.
Und sich in Form von diesen beiden Irren Verstärkung am Mikrofon geholt. Was jetzt passiert ist der fließende Übergang von Over The Top zu einem Kollektiv, das sich Kommando Zurück nennt.
Am Anfang sind die Musiker von Over The Top noch dabei, werden aber sukzessive durch einen Synthesizer ersetzt. Ich hab im Vorfeld ein Lied von denen bei Youtube gehört und das erstmal in die Ecke Egotronic oder Deichkind-Verschnitt geschoben.
Aber weit gefehlt, das ganze hier ist noch viel trashiger und klingt eher nach Blümchen als nach irgendwas anderem. Synthetische Bumm-Tschack-Musik mit deutschem Nonsens-Gesang.
Der erste Song heißt High Five und handelt auch davon. Und das Publikum macht auch bereitwillig mit. Es folgen weitere Songs mit Zeilen wie "schlechte Musik hat mich noch nie gestört, ich bin ein Disco-Nerd".
Ein Lied wird mit "das nächste Lied ist gegen Enten füttern!" angekündigt und handelt auch genau davon. Links im Bild: Szeneprominenz, Poetry Slammer Andy Strauß. Das nächste Lied handelt von Natriumglutamat.
Das Publikum feiert das ganze bedingungslos ab. Stagediving, Circle Pit, Bierduschen, fliegende Haare, männliche Nacktheit.
Der Herr mit dem knallroten Iro, stilecht im Taxi angereist und permanent ostentativ ohne Schnürsenkel herumlaufend, hat wohl morgen Geburtstag und kriegt deshalb einen Geburtstagssong im Konjunktiv, da es erst 23 Uhr ist.
Leider entgeht ihm der Scherz und er erklärt wiederholt, dass er erst um null Uhr Geburtstag hat. OK, verstanden. Irgendwann ist das Set zu Ende.
Da das Publikum unaufhörlich Zugaben fordert, werden einfach die ersten zwei Songs nochmal gespielt. Was will man machen? Das Publikum gibt aber nach wie vor keine Ruhe, irgendwann geht der Sänger zum Mischer und bittet ihn, endlich Musik laufen zu lassen, damit sie Ruhe geben.
Das klappt dann auch, Hans und ich bahnen uns durch fertige Menschen, Glasscherben und Schweiß- bzw. Bierpfützen den Weg nach draußen und radeln in bester Stimmung nach Hause. Vorher habe ich aber noch irgendwo Lars getroffen.
Lars trägt neuerdings Schlabberiro und ist Ultra vom RSC Osnabrück, das heißt, er fährt mit 20 anderen Besoffenen zu Rollstuhlbasketballspielen und feuert sein Team durch Transparente und obszöne Gesänge an. Schönes Hobby!
Ich weiß nicht, ob die auf der Barackenseite angekündigte fünfte Band "A.I.O." noch gespielt hat, nach diesem Spektakel wäre es auf jeden Fall ein recht undankbarer Gig gewesen, nehme ich an. Zu Hause esse ich noch einen Teller Kartoffelsalat und leg mich pennen. Bis zum nächsten Mal,

euer Gerd

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Thruntilldeath
(Thruntilldeath)
21.10.2012 22:37
Mononatriumglutamat?
Bönx

24.10.2012 09:08
Nat! Nat! Nat!

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