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Hello Piedpiper, 28.10.2012 in Dortmund, Plateau - Bericht von Fö

Hello Piedpiper, 28.10.2012 in Dortmund

Heute spielt Hello Piedpiper in Dortmund. Mal wieder Singer/Songwriter-Gedöns - nicht meine Baustelle. Aber erstens ist der junge Mann ja nicht gänzlich unbekannt (ob zu recht oder nicht, werden wir sehen), und zweitens habe ich von der heutigen Location noch nie vorher gehört. "Plateau 28", mitten auf der Brückstraße, gegenüber vom Konzerthaus? Hä? Ich fühle mich direkt in meiner Profession als Locationscout angesprochen. Also einfach mal gucken! Die liebe Linda kommt auch mit. Wir beide tragen heute sogar Brille, um beim zu erwartenden Intellektuellenpublikum weniger aufzufallen.
Das Plateau erreicht man über ne unscheinbare Klingel und ein paar Treppenstufen - ein Kunstatelier vollgestellt mit Zeug wie aus Haushaltsauflösungen, aber irgendwie atmosphärisch. Alte Wohnzimmerlampen, gemütliche Omasessel und sowas. Ne Künstler-WG, könnte sich genauso gut auch in nem hippen Viertel in Berlin befinden...freie Platzwahl auf Sofas, Stühlen, Mülleimern, Tischen und Treppenstufen. Getränke gegen Selbstbedienung und Spende. Ebenso als Spende geht das Geld an die Künstler/Acts/Performancer des Abends raus, man kann sogar frei entscheiden wem man wieviel Zaster zudenkt. Und man darf rauchen - "muss aber nicht". Etwas hippiesk, etwas viel Sozialpädagogik/Kunststudenten-Charme - aber sympathisch. Trotzdem hab ich direkt diesen Ohrwurm eines HGich.T-Songs im Kopf.
Ich hab heute nur meine Inkognito-Kamera dabei, deswegen hält sich die Foto-Ausbeutung in Grenzen. Dieses Bildchen hier dient mal als Platzhalter für die Eröffnung des Abends durch die Hausband "The Late Great Wedding Cake" - die spielen ein Stück, vermutlich sowas wie ne Eröffnungsmelodie. Piano-Saxophon-Fahrstuhlmusik. Nett.
Nochmal "nett": die anschließende Lesung. Autor Stefan Schäfer (hier nicht im Bild) bekommt zunächst ein paar Standardfragen gestellt ("Was braucht Dortmund, um sexy zu sein?") und liest nach deren Nichtbeantwortung aus seinem kommenden Werk "Das Gottesprinzip". Physikalisch (angeblich) fundierte Science Fiction. Über eine hochentwickelte Spezies, die so schlau ist dass sie Universen erschaffen und lenken kann - und dadurch zu Gott wird. Interessante Ansätze, mir aber in der Ausarbeitung zu trocken. Vor Allem, wenn man bedenkt, dass das Endwerk irgendwas mit 1600 Seiten enthalten soll. Puh.
Dann: Fabio alias HELLO PIEDPIPER! Auf die Standardfrage, was sexy Dortmund so brauche, antwortet er: "Mehr Läden, in denen Konzerte stattfinden können" und gewinnt dadurch schonmal sämtliche Sympathien. Guter Mann. Jetzt muss nur noch die Musik überzeugen. Ich sach ma: nix, womit ich mich zuhause vor der Stereoanlage anfreunden könnte, live ist das aber doch ganz packend. Akustikgitarrenkrams der ruhigen, aber authentischen Sorte.
Jo, mag ich. Erstens weil der Typ so nett rüberkommt, zweitens aber auch vom stimmlichen Talent her: Singen kann er verdammt gut - etwas zu seicht für meinen Geschmack, aber nicht zuu schmachtig. Erinnert teilweise an Jay Malinowski (Bedouin Soundclash). Drittens: Die Texte, auf englisch und scheinen okay zu sein, aber so wirklich viel Message kommt bei mir Englischbanausen nicht an. Aber er erzählt, was ihn so inspiriert und bei einigen Liedern auch, was die Grundaussage sein soll.
Viertens: Das Musikalische. Ich bin begeistert von seiner kleinen Fußpedalen-Loop-Hall-Effekt-Maschinerie. Bei ein paar Liedern mischt er sich da mal eben Kirchenchor und Begleitband dazu, indem er einfach sich selber live mehrspurig aufnimmt und parallel abspielt. Coole Scheiße. Gitarre spielen kann er auch, pfeifen auch ganz wunderbar, dazu auch mal Schellenkranz oder Shake-Ei, zur Zugabe holt er sogar noch ne Melodica raus - Multitalent! Und trotz Pause dank gerissener E-Saite kommt mir der Auftritt verdammt kurz vor. Angenehmer Spannungsbogen bis hin zur Zugabe.
Dritter "Act" des Abends: ein Trio das noch keinen Namen hat, sich heute aber fast auf "Joey Bauch Trio" oder "Joey Bauchtresen" einigen(?) kann. Jazz-Instrumental-Krams mit Herrn Trese am Piano, einem experimentierfreudigen Schlagzeuger und einem der Plateau-Macher am Kontrabass. Absolut Null mein Fall. "Hat so seine Längen" wäre ein Euphemismus. Ich muss wieder an HGich.T denken, daran dass die 1600 Seiten Science Fiction bestimmt doch ganz spannend sind und daran, dass ich nie wieder Singer/Songwriter langweilig finden werde. Und als absoluten Höhepunkt: An meine letzte Steuererklärung.
Mir fallen die Augen zu, wir scharren unruhig auf unseren Sitzen, und als mir Linda irgendwann zuflüstert bei der nächsten Pause abhauen zu wollen, atme ich erleichtert auf. Wir nehmen die Beine in die Hand und ich spüre, wie uns Einige neidisch hinterher glotzen. Dank der überhasteten Flucht kamen wir auch leider nicht mehr am Spendenbottich vorbei, dickes Sorry an Hello Piedpiper an dieser Stelle - wird nachgeholt!
Fazit: Och, schön da! Nicht ganz meine Welt (nicht abgeranzt genug), aber definitiv ne Bereicherung des hiesigen Kulturlebens - hätte nicht gedacht, dass es in Dortmund überhaupt noch Leute gibt, die solche Nischen besetzen. Schöne Sache. "Plateau28" ist übrigens eine Veranstaltungsreihe, die am 28. jeden Monats stattfindet - kann man also mal im Hinterkopf behalten! So, jetzt aber Kopfhörer auf und ein wenig Grindcore hören. Puh.

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Ø.

30.10.2012 15:23
Hello Piedpiper is super!
Hat letztens inner Brause in Ddorf gespielt und mich voll überzeugt!

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Band:
Hello Piedpiper
Musikstil: Folk, Indie, Singer/Songwriter
Herkunft: Köln
Homepage: www.hellopiedpiper.com
Konzertberichte: 1

Location:

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