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Danko Jones, Turbonegro, Smoke Blow, The Durango Riot, 02.11.2012 in Dortmund, FZW - Bericht von Fö

Danko Jones, Turbonegro, Smoke Blow, 02.11.2012 in Dortmund

Die Visons lese ich ja eigentlich schon lange nicht mehr. Zu viele Bands, mit denen ich nichts anfangen kann und die als das "nächste große Ding" angepriesen werden. Zuviel Indie-Musik, zu verkopfter Schreibstil und zu wenig persönliche Note für meinen Geschmack. Manchmal zeigen die Redakteure aber doch mal, dass da Leute sitzen, die sich auch unabhängig von selbstaufbeschworenen Hypes und Werbepartner-Features noch sowas wie nen Musikgeschmack erhalten haben, der ganz gut mit dem meinigen korreliert. Beispielsweise beim Booking für das Westend Indoor Festival. Statt da, wie von den Visions Partys schon fast gewohnt, irgendwelche Bands zusammen zu würfeln, die einfach nicht zusammen passen wollen und von denen mich maximal eine reizt, gibt's beim Westend mehrere Tage, zielgruppengerecht aufgeteilt. Und als im Frühjahr die Bestätigungen für den Freitag reinknallen, komme ich aus dem Staunen nicht heraus. Schon als anfangs Danko Jones und Smoke Blow angepriesen wurden, konnte man sich den Termin rot im Kalender umkreisen, aber bei der Bestätigung von Turbonegro bin ich fast aus den Latschen gekippt. Und dann noch für faire 26 Euro. Karten bestellt und entgegen gefiebert...
Erster Dämpfer: Die erste Band. THE DURANGO RIOT. Ein "Riot" im Bandnamen, das klingt schonmal gut, nach Wut und Zerstörung, nach Auflehnung und Rebellion - und "Durango", da assoziiere ich zumindest den Ramones-Song "Durango 95" und die gleichnamige Band, aber auch son bisschen Western-Romantik und Außenseiter-Gestus. Klingt also schonmal spannend.
Is' aber nicht alles Gold, was glänzt. Irgendwie wie ne lahme Kopie von Mando Diao (kommen ja auch aus Schweden) mit nem Hauch Libertines-mäßigem Britpop. Hm. Bin ja eigentlich immer aufgeschlossen gegenüber Vorbands und schaue sie mir gerne an, aber hier zerstört das dann doch ein wenig die Vorfreude auf die nachfolgenden musikalischen Beiträge.
Wirkt irgendwie, als wär die Band hier nur so reingewürfelt worden. Aber wer weiß, vielleicht bin ich auch einfach nur Banause und ich verpasse das "nächste große Ding"...aber nach ein paar Liedern reicht mir das. Rückzug in den Vorraum, der mittlerweile gut gefüllt ist - anscheinend mit Leuten, die warten, bis die Vorband vorbei ist. Höhö.
So, nu aber! Es folgen: Drei Headliner. Zunächst die Asis von SMOKE BLOW! Weiterhin unterwegs im Rahmen ihrer "letzten Tour". Zuletzt vor rund 2 Wochen gesehen, also kann ich dem Auftritt ganz entspannt begegnen, eventuelle Meckereien beschränken sich lediglich darauf, welche Lieder NICHT gespielt wurden. Hähä.
Nä, geil, wie immer. Die heiteren Recken zeigen halt einfach immer wieder, dass sie auf egal welcher Bühne überzeugen. Und sogar die Turbojugend jubelt ihnen zu, als Letten ankündigt, heute Turbonegro und Danko Jones an die Wand spielen zu wollen. Das übliche Overstatement der Kieler Hardcore-Institution?
Mal schön Smoke Blow in ner ausverkauften 1400er-Halle abfeiern, hat man ja auch nicht alle Tage. Dazu sei noch gesagt: Für die Größenordnung ist die Halle echt super. Breit gebaut, von überall gute Sicht auf die Bühne, alles geil. Vom Sound her kommt mir das anfangs etwas schwammig vor, bessert sich aber merklich.
Oh. Ein Special-Effects-Foto. Meine Kamera hat übrigens einen integrierten Verwacklungs-Schutz. Wat solls. Vorne erwartungsgemäß ordentliches Getümmel, gereckte Fäuste und textsicheres Gegröle. Ganz beiläufig fällt mir auf, dass ich schon lange auf keinem Konzert mehr war mit so vielen groß gewachsenen Menschen. Irgendwie angenehm, mal nicht ständig Angst zu haben, dass man irgendwem die Sicht versperrt. Hähä.
Irgendwann tippt mich Gregor an, berichtet von seiner schmerzenden gebrochenenen Rippe - und stürzt sich wieder in den Moshpit. Großartig! So viel körperliche Hingabe, irgendwie rührend. Smoke Blow reißen eine wie immer großartige Show ab, auch wenn Letten sich über den viel zu großen Graben beschwert - natürlich zu Recht, wir sind ja hier auf ner Punk-Show. Aber irgendwo muss der Rockpalast ja seine Kameraleute hinpacken.
Ja richtig, der komplette Abend wird mitgeschnitten, im Internet live übertragen und wahrscheinlich im Dezember im TV zu sehen sein. Geil! Aber ihr wisst ja: Nix geht über selber dabei sein. Geiles Set von Smoke Blow, natürlich kürzer als auf der restlichen Tour aber von den poppy dancing-hits ("Unbroken") über doomige Oberkörperwipper ("Bruce Lee Coverband") bis hin zum monströsen Tanzflächenfeger ("Alligator Rodeo") alles dabei.
Ich bin mal wieder hellauf begeistert. Wat ne geile Band! Gen Ende des Sets beginne ich mich dann sogar tatsächlich zu fragen, wie Turbonegro das noch toppen wollen?
In der Umbaupause kurz Luft schnappen (Temperatur und Luftfeuchtigkeit in der Halle lassen bereits die Messgeräte platzen) und fast pünktlich zu TURBONEGRO wieder rein. Die Denimgötter begrüßen uns mit "Hello Darkness" und "All My Friends Are Dead", und nachdem ich im Zickzack-Kurs meinen Weg nach vorne geschafft habe, wird mir klar, dass es Turbonegro gar nicht nötig haben, sich über so Sachen wie "andere Bands toppen" Gedanken zu machen.
Durch und durch geil! Zuletzt sah ich die Band ja im letzten Jahr beim ersten Konzert mit neuem Sänger Tony Sylvester, mittlerweile hat die neue Besetzung ja schon so einige Gigs sowie ein neues Album hinter sich gebracht. War Tony damals in Hamburg noch sichtlich zurückhaltend, ist er jetzt endgültig vollwertiges Mitglied und charismatischer Frontmann. Hut ab!
Guter Auftritt! Und auch hier gilt wieder: Irgendwie, trotz der großen Halle, Club-Atmosphäre. Ich hab ja ne natürliche Abneigung gegenüber solch großen Konzerten, aber hier und heute stimmt einfach alles. Insbesondere bei den Herren Norwegern. Die vielen Turbojugend-Kutten im Saal lassen es ja schon vermuten: Wir haben hier den eigentlichen Hauptact vor uns. Ohne Widerworte.
Das neue Album "Sexual Harassment" ist ja ein schöner Bastard geworden, lebt vor allem auch durch den rauen Gesang des Dukes of Nothing, was dem Turbonegro-Sound nen willkommenen neuen alten Anstrich verpasst - und, naja, trotzdem gab's schon bessere Alben. Merkt man auch beim Publikum, das sich bei neuen Sachen à la "Mister Sister" oder "I got a knife" doch leicht zurück hält. Lediglich "You give me worms" wird ähnlich stark abgefeiert wie die älteren Stücke.
Irgendwie witzig auch die Ansage zu "TNA", als Tony sich nach den Nihilisten im Raum erkundigt - und die Reaktionen so verhalten sind, dass ich nur mutmaßen kann, es könnte an Tonys Londoner Straßengenuschel liegen. Wer weiß. Den Song selbst kennen schon wieder mehr Leute.
Auch erwähnenswert und mit Sicherheit ein Statement und Dankeschön an die Fans: Die Band tritt geschlossen in Turbojugend-Kutten auf. Gefällt mir ja doch irgendwie besser als die teilweise doch arg übertriebene Kostümierung der vergangenen Jahre. Insbesondere Tony macht ne super Figur, versteckt sich doch unter seiner Kutte ein monströser zutätowierter Bierbauch. Herrlich!
Top Auftritt, große Hitdichte, auch wenn vermutlich einige Stücke dem straffen Zeitplan zum Opfer fielen. Immerhin gab's auch alte Klassiker wie "Back To Dungaree High" oder "Get It On" zu hören, umjubelt von unzähligen Fans und Jüngern.
Zur Zugabe und zum Intro von "The Age Of Pamparius" kommt Tony Sylvester in leicht modifizierten Outfit zurück: Mit Krone und gülden-samtenen Umhang, dessen Rückseite die britische Nationalfahne ziert. Sind Nationalfahnen nicht Grauzone? Naja, egal. Er is ja Nihilist. Höhö.
Zu "I Got Erection" dürfen die Fans zunächst mal Tony Sylvester huldigen, was diesem sichtlich gefällt - und sich dann in West- und Ostdeutschland aufteilen. Oh, ne Wall of Death. Wie originell. Überspitzt werden wir darauf hingewiesen, dass auch jemand sterben könnte. Geil! Wall of Deathpunk!
Fazit: Siegeszug für Turbonegro mit ihrem neuen Frontschwein. Alles entscheidende Frage: Wie will denn Danko Jones das noch toppen?
Vermutlich mit großem Ego. Harhar. Den Beginn von DANKO JONES verpassen wir wegen Akklimation im Außenbereich, allzu viel Zeit zum Verschnaufen wird einem hier nicht gewährt - aber das ist ja auch ganz gut so. Tjoah. Danko Jones. Schonmal vorweg: Nach Smoke Blow und Turbonegro wirkt das tatsächlich eher wie son Runterkommer, da kann der Kanadier sich noch so sehr ins Zeug legen.
Trotzdem natürlich meilenweit über dem, was normale Bands so abliefern. Ist halt einfach pures Entertainment, auch wenn das konstante Selbstabfeiere vermutlich nicht jedem zusagt. Ansagen wie aus dem Rock'n'Roll-Lehrbuch (natürlich aus einem von Danko Jones höchstpersönlich geschriebenen) und eine durch und durch perfekte Show, was wohl auch der einzige Kritikpunkt ist: Irgendwie gleicht doch jedes Danko-Konzert dem anderen 1:1
Okay, mittlerweile ist es schon ne Weile (15 Monate) her, dass ich das Trio zuletzt gesehen habe. In der Zwischenzeit kam das neue Album "Rock And Roll Is Black And Blue" und natürlich hat sich im Programm auch einiges getan. Mittlerweile auch schon etwas länger dabei ist der neue Drummer "Atom" Willard, der heute mal durch ein ausgiebiges Schlagzeugsolo überzeugen kann.
Ansonsten eigentlich alles geil, aber für Danko-Verhältnisse eben auch nur Standard. Neben Stücken vom neuen Album ("Just A Beautiful Day", "Conceited", "I Believed in God") auch viele ältere Klassiker à la "Mango Kid", "Code of the road", "Lovercall" und und und.
Besondere Vorkommnisse? Da wäre der Monolog über Oralsex - von Mann zu Frau und 12 Stunden lang. Da wäre die Reaktion auf begeisterten Applaus - nämlich nicht "Thank You" sondern "you're right!". Oder auch die Reaktion auf Liederwünsche aus dem Publikum: die werden prinzipiell ignoriert und im Zweifelsfall sogar einfach von der Setlist gestrichen, wie Danko betont. Großartig!
Mal ein Blick nach hinten. Man sieht, das FZW ist gut gefüllt, auch wenn der Anteil der Kuttenträger doch arg geschrumpft ist. Auch nett heute: ich kann keine drei Meter weit gehen, ohne auf irgendeine bekannte Nase zu treffen. Quasi ein wenig Klassentreffen hier!
Jau. Unterhaltsames Konzert. Stark auch, als bei "I think bad thoughts" mal eben Riffs von Black Sabbath und Judas Priest eingestreut werden - und die Zuschauer diese begeistert mitgrölen. Die Gitarre mit-"singen" ist ja etwas, das ich bisher eher in anderen Ländern erlebt habe. Nun also auch hier. Globalisierung olé.
Zum Ende, man kennt's mittlerweile, "Top of the mountain" und die Aufzählung verstorbener Musiker auf dem Rock-Olymp. Standard auf jedem Danko-Konzert, aber auch jedes Mal berührend, welche Musiker in den letzten Jahren so hinzu gekommen sind. Höhepunkt heute und größter Rock'n'Roll-Musiker aller Zeiten: MCA Yauch, Beastie Boys. Frenetischer Jubel.
Und dann? Gegen halb 1 endet das Konzert und im FZW beginnt die Visions Party. Nett, aber mit Musik aus der Konserve kann man mich nun nicht unbedingt begeistern. Also irgendwann weiterziehen gen Stadt, wo wir bis zur Sperrstunde in der Hirsch-Q ausharren. Fantastischer Abend! Wir sehen uns wieder am Donnerstag beim Bierschinken eats FZW! Yeah!

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Chris Crusoe

05.11.2012 22:58
Sehr gelungene Rezension, lieber Fö!
DER Sascha

06.11.2012 08:26
Wieso denn Hut ab? Steht ihm doch ganz gut.

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