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The Rival Bid, Gloria Swanson, Anina Volkmarí, 13.12.2012 in Dortmund, Klubhaus 1249 - Bericht von Fö

The Rival Bid, 13.12.2012 in Dortmund

Heute kommt mir spontan so ne Sache in den Sinn, die vorn paar Jahren ne Randnotiz in irgendnem Zeitungsartikel war: Dass in Guantanamo die Häftlinge mit Musik von Metallica und AC/DC gefoltert wurden (werden?). Ich weiß, da kann unsereins nur drüber lächeln. Aber jetzt stellt euch mal vor, ihr sitzt in so nem dunklen Verhörzimmer, die Tür öffnet sich und herein kommt ein Typ mit jeder Menge Orden am Revers und ein anderer mit Akustikgitarre. Äh ja, den Rest dieser abartigen Phantasie muss ich euch hoffentlich nicht mehr zumuten. Warum mir das heute durch den Kopf geht? Äh, keine Ahnung.
Heute Eröffnung einer neuen Konzertreihe im "Klubhaus 1249", künftig jeden zweiten Donnerstag im Monat, Eintritt frei (also gegen Spende - es ist aber natürlich ausdrücklich erlaubt, der jungen Dame mit dem Spendenhut wutschnaubend ein "Ich dachte der Eintritt wär frei!" entgegen zu schleudern, wenn um die freiwillige Spende gebeten wird). 3 "Acts" (bei manchen Kollaborationen weiß ich nicht, ob man dazu "Band" sagen darf) und Beginn pünktlich 19 Uhr - außer, es schneit. Dann kann die Technik auch mal im Schneechaos versacken und sich der Beginn um anderthalb Stunden verzögern.
Anderthalb Stunden später: Beginn mit der jungen Dame ANINA VOLKMARÍ und ihrem Kompagnon an der Akustikgitarre: Markus alias "och, dann spiele ich halt mal eben in 1000 Bands"-Marki. Zur Musik: kleines Mädchen mit großer Stimme. Blöd nur, dass sich mir beim Gesang die Nackenhaare hochstellen, sowas erträgt mein zartes Gehör einfach nicht. Langgezogene hohe Töne, souliges Gehauche und dieses charismatische Zittern in der Stimme (der Profi sagt "Vibrato"). Englische Texte, ein deutsches Lied war auch dabei, Coversong auch, blabla. Achja, ne Ukulele und ne Melodica wurden auch gesichtet. Man muss ja flexibel bleiben.
Anna selbst bezeichnet ihre Musik als "Schlafmusik", was ich auch schon wieder irgendwie witzig finde. Alexej schlürft neben mir an seinem Cocktail und faselt was von suizidalen Gedanken, während er kurz vorher noch von seinem tollen Tag schwärmte. Und mir fällt irgendwann ein, dass es ja noch deutlich schlimmere Musik gibt (siehe letzte Band von diesem Konzert), und ich lehne mich entspannt zurück. Merke dann aber, dass der Barhocker keine Rückenlehne hat.
Danach: GLORIA SWANSON aus Hagen. Hätte ich mir während dem Konzert Notizen gemacht, würden meine Anmerkungen zu dieser Band ungefähr so aussehen:

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will sagen: ziemlich unspektakulär. Naja, fassen wir mal zusammen: 4 Leute, darunter eine Geigerin. Letzteres ist jetzt nicht unbedingt mein präferiertes Werkzeug und klingt in meinen Ohren wie das instrumentale Gegenstück zum Hochton-Vibrato-Gesang. Versuche ich also, weitestgehend aus meinen Gehörgängen zu streichen. Zusammengefasst ist die Musik bestenfalls Indie, dank Geige mit leicht folkigem Unterton. Eigentlich ganz okay, so zum nebenbei Hören, aber, wie erwähnt, auch ziemlich unspektakulär.
Ein wenig Statistik noch: Ein Jever Fun kostet hier 2,50€, Cocktails dank Happy Hour 4,50€. Der Laden bezeichnet sich als "Sportsbar", liegt mitten zwischen diversen städtischen Verwaltungsinstitutionen, Zielpublikum sind vermutlich Polohemdenprolls und Anzugträger. Die Kellner sind langsam, unfreundlich und vergessen auch mal ne Bestellung. Letzteres stört mich aber nicht weiter - wennse mein Geld nicht nötig haben, behalt ich's halt und schmeiß das lieber später in den Hut. Ja, äh. Klingt jetzt alles ziemlich boshaft, aber so richtig wohl fühl ich mich hier einfach nicht.
Immerhin tragen die Jungs von THE RIVAL BID keine Polohemden. Heute ist Release-Konzert der neuen CD "Hail To Thee", was mehrere Stunden Nachtschicht für Herrn Margraf bedeutete, damit das gute Teil auch wirklich pünktlich heute Abend auf dem Billardtisch ("Sportsbar", you remember) liegen kann. Über The Rival Bid hab ich ja mittlerweile eigentlich schon oft genug irgendwelche Phrasen aufs Papier gebracht, oder, genauer gesagt, in die Tasten gehämmert, also was soll ich schon mehr tun, um euch die Musik nahe zu bringen?
Heute mal als Band zu viert. Und verdammt stimmig. Beim letzten Mal hatte ich ja noch leichte Probleme mit dem Band-Charakter, aber entweder sie haben seitdem ordentlich an den Arrangements geschraubt oder ich bin nach dem Vorprogramm plötzlich dazu geneigt, einfach alles gut zu finden. Wie auch immer. Der Sound heute: Nahe an der Perfektion.
Zur Musik: Langgezogene hohe Töne, souliges Gehauche und dieses charismatische Zittern in der Stimme (der Profi sagt "Vibrato"). Oh, hoppla, da bin ich wohl in der Zeile verrutscht! Maurice singt tatsächlich in Sphären weitab von meinem üblichen musikalischen Gustus, aber ich bin ja bekanntlich extrem tolerant. Wie sacht man, Indie-Wave-Pop-Gedöns. Ich darf mal wieder Alexej zitieren, der sich an "Pulp" erinnert fühlt.
Ich versteh ja immer noch nicht, warum die Band noch keine Stadien füllt. Ist das nicht eigentlich genau das, was die Radiosender den ganzen Tag lang totdudeln? Oder ist das einfach zu gut dafür? Ich tippe mal auf letzteres und hoffe darauf, dass sich The Rival Bid niemals totdudeln. Achso, ich bin mal wieder begeistert.
Was sie auch mitgebracht haben: Ne Lightshow inklusive atmosphärischem Stakkato-Geflacker, Schattenprojektion und, äh, bunten Farben. Kommt gut. Wenn einem nicht gerade das Geflacker die Sehnerven raubt. Und musikalisch natürlich absolut erhaben, viele aufbauende Passagen und trotz gemächlichen Tempo auch genug Druck, um den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten (zumindest bei mir, Alexej starrt lieber gelangweilt auf sein Handy. obwohl der Akku komplett leer ist)
Wat gibt's noch zu erzählen? Zwischendurch fragt Maurice, ob denn hier auch alle aus Dortmund kämen - ich erwarte Schlimmstes, irgendson Lokalpatriotenkack oder, noch schlimmer, irgendwas mit Fußball, stattdessen erzählt er vom ersten Schneefall nach ner durchzechten Nacht. Glück gehabt. Street-Credibility wieder hergestellt.
Jau, alles schön, alles toll. Publikum applaudiert brav, Standing Ovations (naja, eigentlich bin ich nur zum Fotografieren aufgestanden), Zugabe muss auch gegeben werden, ja von mir aus, gerne. Anschließend verlassen wir dann aber fluchtartig das Etablissement und wechseln zum Kiosk, da ist die Bedienung freundlicher. Oi.

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