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The Driftwood Fairytales, The Affected, Snareset, Plummie Racket, 02.02.2013 in Münster, Baracke - Bericht von Fö

The Driftwood Fairytales, 02.02.2013 in Münster

Viele erfolgreiche Romanautoren stellen ihren Geschichten ja oft irgendein Zitat voran, meist von irgendnem großen Denker, manchmal hat das Zitat sogar über drei Ecken irgendwas mit der Romanhandlung zu tun, oft wirkt es aber eher so, als wolle sich der Romanautor irgendwie wichtig machen, indem er nen großen Denker zitiert. Und der mündige Leser sieht dieses Zitat und geht direkt in sich, versucht sich hinein zu versetzen, versucht zu interpretieren, was dieses Zitat an dieser Stelle zu sagen hat - und damit hat der Autor auch schon geschafft, was 10 Seiten Prolog nicht erreichen würden: Den Leser zum Denken anregen. Und das bevor er auch nur einen Satz selbst geschrieben hat! Irre gewieft, diese Romanautoren. Mein Zitat für heute:

Punkrockcity Münstertown, lass uns hier sofort abhauen, diesen ganzen Scheiß abbauen oder alle Räder klauen!
(Supernichts)


Soviel zur Einleitung.
Baracke. Konzerttempel Nummer eins in Münster, zumindest für gehobenes Publikum (Karohemden, Chucks, enge Hosen, Bärte & Tattoos sehe ich mal als gehoben an). Wir, also neben mir noch Dr. Katja (deren Rad übrigens kürzlich geklaut wurde), kommen exakt 3 Minuten nach 20 Uhr an, was immerhin noch 27 Minuten vor der auf Facebook angegebenen Startzeit ist, und somit exakt in dem Moment, als THE AFFECTED ihren Auftritt beginnen. Münsteraner Pünktlichkeit!
Damit hat selbst der Bierschinken-Münster-Zweigstellen-Leiter Dr. Gerdistan nicht gerechnet, der etwa 30 Sekunden vor Ende des Auftrittes den Laden betritt. Oh, bleibt es also an mir hängen, was zur Band zu sagen. Also. 3 Typen (sie waren aber auch schonmal 4). Direkt als erste Ansage sinngemäß sowas wie "normalerweise sind wir witziger", was ich als Ansage nun wirklich extreeem witzig finde. Anscheinend habe man heute einfach nicht ausreichend Spielzeit, um ausreichend witzige Ansagen an den Mann / die Frau / den Münsteraner / die Münsteranerin zu bringen.
Musik: Hm, wie sacht man? Skatepunk, Poppunk, Funpunk, Melodycore, olé olé? Tief im 90er-Bottich gegraben, flotte Melodien, hier und da ein paar Kaugummi-Blasen und, vermutlich, zumindest wenn hier jemand die Texte kennen würde, auch ein wenig Singalong-Faktor. Der Sänger betont zwischendurch nochmal, dass sie ja normalerweise witzig seien - eigentlich ein ziemlich origineller Running Gag, oder was meint ihr?
An näheren Details ist mir offen gestanden nicht soo viel in Erinnerung geblieben. Der Bassist (der übrigens sonst witziger ist) schraubt leider ausversehen grade an seinem Amp rum, als der Sänger ihm Zeit gibt, auch mal ne Ansage zu bringen. Bühnenkommunikation und so. Erstaunlicherweise finde ich die Wortklauberei-Bälle, die sich Sänger und Bassist zwischendurch zuwerfen, tatsächlich unterhaltsam. Nicht so gezwungen-witzig. Also, vielleicht ist das ja sonst so, wenn sie witziger sind. Weiß ich ja nicht. Aber das heutige Witzigkeits-Level geht voll klar.
Achja, ein Lied blieb mir noch in Erinnerung: "Trash TV" gegen das deutsche Fernsehprogramm zwischen RTL und RTL2. Aha. Ja, dann guck den Scheiß halt nicht! Mach ich doch auch nicht! Naja, äh, egal. Am Ende gab's noch einen Coversong von Pinhead Gunpowder - da ich die Band nur vom Namen her kenne, kann ich nichts weiter sagen als "netter Song". Der gewiefte Pinhead-Gunpowder-Fan darf anhand dieser Setlist selbst heraus klamüsern, welcher Song das war.
Nächste Band: SNARESET aus Greven bei Münster. Gerdistan ist übrigens Fan. Ich find die auch ziemlich gut. Die Musik ist wohl mit ähnlichen Vorbildern behaftet wie zuvor bei The Affected, bloß dass Snareset noch ne Portion mehr Räudigkeit reinbringen - der Sänger hat ein schön raues Organ. Ansonsten sind wir erstaunt, wie jung die alle aussehen. Vielleicht finde ich die ja deswegen gut, Welpenbonus und so.
An dieser Stelle kommt mir wieder Gerds Zitat aus dem EP-Booklet in den Sinn, wo sie sich bei anderen Bands bedanken "for always being nice to us". Ich hab da son Bild vor Augen: Snareset sitzen im Backstage, da kommen die großen bärtigen "anderen Bands" vorbei, streicheln ihnen über den Kopf und verteilen Lollis. Voll nice.
Egal, jetzt mal abgesehen vom Welpenbonus: Kann was! Druckvoller Midtempo-Singalong-Punkrock - diesmal sogar insoweit singalong, dass zwischendurch 2-3 Leute mitsingen. Und das, obwohl die EP erst in knapp 3 Wochen (Release-Konzert-tralala Infos hier) released wird. Der Sänger macht uns darauf aufmerksam, dass die EP ein schönes Artwork hat und dass man sie sich am Merchstand anschauen kann. Reicht ja auch.
Der Gitarrist (also der da rechts) kommt mir übrigens wie ne exakte Minime-Version von Bluff-Michi vor. Look & Körperhaltung wirklich ziemlich 1:1! Witzig. Außerdem bringt er die Ansage des Tages, nämlich als er uns viel Spaß mit den Goodbye Fairytales wünscht. Harhar! Aber, äh, offen gestanden war es nichtmal das erste Mal, dass ich diese Verhaspelung gehört habe. Besagte Bands sollten mal zusammen auf Tour gehen.
Driftwood Fairytales sind stattdessen auf Tour mit: PLUMMIE! Und zwar relativ spontan. Ein Freund des Aushilfsdrummers aus Südengland, heute mal ganz überraschenderweise mit ins Line-Up gerutscht. Apropos Line-Up: Eigentlich wären heute auch noch Smile & Burn dabei, mussten aber kurzfristig absagen wegen Zahn-Aua. Gutes Heilfleisch wünsche ich an dieser Stelle. Immerhin kamen wir dadurch in den Genuss von The Affected.
Nun aber zurück zu PLUMMIE! Toller Name, man kann ihn nicht oft genug schreiben. Voll ausgeschrieben übrigens "Plummie Racket", wie meine Recherchen zeigten. Plummie spricht und singt englisch (ach!) und spielt dazu Akustikgitarre. Seine Art zu singen hat irgendwie was von Shane MacGowan, zumindest verstehe ich von dem Genuschel so ungefähr kein Wort. Ansonsten kommen mir noch The Libertines in den Sinn. Mit einer gewissen folky attitude. Dass die drinking attitude stimmt, darüber brauchen wir hier nicht zu reden.
Die Songs können aber was. Haben teilweise son bisschen Storyteller-Style, viel Text zu monotonem Fingerpicking. Ganz cool. Auch wenn "viel Text" im Zusammenhang mit "viel Genuschel" nicht wirklich "viel Message" rüber bringt, aber mysteriöserweise fühlt man sich trotzdem glänzend unterhalten.
Fotografen-Problem bei so Songwriter-Geschichten: Viel Abwechslung ist da, rein optisch, nicht. Glücklicherweise springt Sidekick Gerdistan schnell an meine Seite, als Plummie seine Kapuze abnimmt: Jetzt wäre doch DER Augenblick, ein zweites Fotomotiv wahr zu nehmen. Juhu! Gesagt, getan. Achja, letzter Song. Eine Bruce-Springsteen-Nummer. Hier und da singen sogar Leute mit. Und schon wieder den Singalong-Faktor erfüllt!
Nu aber! THE DRIFTWOOD FAIRYTALES! Endlich mal konnt ich's wahrnehmen, diese Band mal live zu sehen. Bisher aus niederen Umständen immer verpasst, aber heute, äh, yeah. Wer sie nicht kennt: Nachholen. Nicht zum ersten Mal in Münster zu Gast, aber zum ersten Mal nicht-akustik (obwohl Zekis Gitarre fast was anderes verspricht), aber die, äh, nennen wir sie mal Fanbase, steht. Amtlich gefüllt, und der berüchtigte Barackenhalbkreis wird schon innerhalb der ersten 5 Sekunden durchbrochen.
Punkrock, Indiepop, Folk, und so weiter. Um das mit den Schubladen abgehakt zu haben. Son bisschen ne Mischung aus den üblichen Verdächtigen (Gaslight Anthem, Against Me!, Hot Water Music, Frank Turner...), aber so detailverliebt, dass man die Eigenständigkeit stets heraus hört. Das neue Album "Phantoms" ist sogar noch ne Spur "ruhiger" geworden - und trotzdem gelungen. Hat man ja auch selten.
Die Präferenzen des Publikums sind trotzdem klar: als Zeki fragt, ob mit dem Sound so alles in Ordnung sei, wünscht man sich "mehr alte Lieder" - ein Wunsch, der prompt gewährt und dessen Erfüllung mit ausschweifenden Mitschrei-Tanz-Passagen gewürdigt wird. Wie man sieht, können sich auch Karohemden-Träger bewegen.
Übrigens haben wir vorher die Theorie angestellt, die erklären könnte, warum die Karohemden erst zur Hauptband vermehrt auftauchen: Das sind bestimmt alles so Wendehemden. Auf der einen Seite der klassische NoFX-Kapu, einmal umgedreht das hippe Holzfäller-Modell. So muss es sein!
Hinten: Das Fundament. Ich glaube, das hier muss dann wohl mal als Schlagzeuger-Foto durchgehen, auch wenn Basser Benni sich so adrett ins Bild geworfen hat. Der schöne Jan sitzt heute nicht an den Drums, ist irgendwie anderweitig verpflichtet, dafür aushilfsweise Rich - und der macht den Job echt amtlich. Und freut sich die ganze Zeit. Cool.
Nur Hits, um mal diese Floskel zu bemühen. Wobei ich den Eindruck hatte, dass zum Großteil Stücke des neuen Albums geboten wurden, während die älteren dafür mehr gefeiert wurden. Kann aber nur ein Eindruck sein. Ruhige und hektische Stücke wechseln sich ab. Ganz groß die Momente, in denen Mikrofon einfach mal Mikrofon gelassen wird und Zeki, oder wahlweise auch der Rest der Band, einfach unverstärkt in die Baracke ruft. Wie bei "Sleeping on the floor". Puh, Gänsehaut!
Auch sonst gute Songauswahl. The Gold Stone, Can't Stop Moving, Totally Wasted Under Starlit Nights, Don't You Worry 'Bout Harmony, Paralysis, und so weiter. Die Band bestens drauf, Zuschauer auch. Maggus bestellt von der Bühne aus Bier (Szenenapplaus, als er sich für Hansa statt Beck's entscheidet), und ein enthusiastischer junger Mann aus der ersten Reihe bringt es ihm.
Überhaupt geben die Zuschauer heute alles, damit die Band sich wohl fühlt. Ein Typ wird als neuer Band-Ventilator eingestellt und soll fortan dafür sorgen, dass Maggus' Haare schön im Wind wehen, während er seine Soli runterschreddert. Irre.
Ein weiterer Typ (schönen Gruß an dieser Stelle) trampelt mir zwischendurch mehrmals auf die Füße und entschuldigt sich fortlaufend. Wahnsinnige Harmonie, die hier herrscht! Nach dem Konzert will er mir sogar Bier ausgeben, stockt dann aber, als er mein Jever Fun entdeckt. Tjahaha, damit hat hier keiner gerechnet. Nichtmal die nette Thekenkraft, die das Jever Fun zuvor extra aus dem Lager holen musste. Dass Antialkoholiker auch immer so viel Umstände machen müssen.
Apropos, da fällt mir ein (jetzt wird's emotional!): The Driftwood Fairytales retten Leben! Als ich damals, vor 2 Jahren, mit Dengue-Fieber darnieder lag und der Nahtod-Erfahrung zumindest aus der Entfernung winken konnte (okay, ich dramatisiere), habe ich fast ausschließlich die "Trailer Parks And Unicorns" gehört. Zugegeben, die wird wahrscheinlich nichts zur Heilung beigetragen haben. Aber vielleicht hatse ja dafür meine Leber zerstört. Mist. Ich nehm das mit dem Leben retten zurück.
Zurück zur Musik: Voll geil. Bin begeistert. Trotz einiger ruhiger Songs à la "Old Pine Trees" oder "To The Beauty Of Living" wird der Spannungsbogen stetig aufrecht erhalten durch immer neue "große Momente", in denen pure Gänsehaut aus den gereckten Gitarrenhälsen sprüht.
Lezter Song, Mikrofon in die Menge, nochmal alle die Stimmbänder heraus drücken und anschließend zum Ausdruck bringen, dass das doch ein echt gutes Konzert war. Also "echt gut" im Sinne von "überaus überragend, ey", und im Sinne von "Zugabe, Zugabe, Jungs, ey". Was die Band vor das Problem stellt, dass sie erstens nicht von der Bühne gelassen werden aber zweitens nichts mehr spielen können, weil Aushilfsdrummer Rich eben nur die zuvor gespielten 14 Lieder drauf hat. Un' nu?
Zeki (auch solo unter dem anspruchsvollen Namen "Look mum, no hands!" unterwegs) rettet die Situation, indem er uns noch einen weiteren Song janz alleine gewährt, nur er alleine mit Akustikgitarre und Horden begeisterter Zuhörer, die 20 Zentimeter vor seiner Nase schier ausrasten, als er uns "Trusty Chords" von Hot Water Music serviert. HWM+Karohemden+Baracke scheint ne unschlagbare Kombination zu sein.
Auch danach ist die Sache nicht wirklich gegessen (im Gegensatz zum heutigen Bandessen, nämlich der Lasagne, an der sich auch die Konzertgäste noch bedienen dürfen, weil einfach so viel da ist, aber, äh, das ist ein anderes Thema) und Zeki bekommt gar irgendwelche neckischen Drohungen zugeworfen, so dass wir noch Songs von Rocky Votolato und Tim Barry dargeboten bekommen - beides Künstler, die ich nie wirklich viel beachtet habe. Werden trotzdem gut mitgesungen. Also alles gut.
Anschließend noch ein Bier, und, um die Rahmenhandlung zu schließen und aufs eingangs gebrachte Zitat zurück zu kommen: Abhauen!

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