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Off The Hook, Power, In Tradition, 28.03.2013 in Recklinghausen, AKZ - Bericht von Gerdistan

Off The Hook, 28.03.2013 in Recklinghausen

Das Lösungswort des Kreuzworträtsels der Süddeutschen Zeitung war heute kreativerweise Gründonnerstag. Der nutzlose Tag vor Karfreitag, an dem man abends nicht mehr laut sein darf. Kümmert die Stagnated-Times-Konzertgruppe allerdings wenig und sie machen einfach ein Konzert im AKZ zu Wrecklinghausen, einer Stadt, die ich schon oft mit dem Zug durchfahren habe. Ausgestiegen bin ich höchstens, um mir ein Anschlussticket zu lösen, damals, als es noch kein NRW-weites Semesterticket gab. Nun ja.

Da heute in Recklinghausen eine der Bands spielt, von der ich bekanntlich "Die-Hard-Fan" bin, habe ich also keine Kosten, Mühen und Nüchternheit gescheut, ein paar Leute in ein Auto gesetzt und bin die 70km aus Münster runtergebrettert. Fö kann nicht, weil er viel zu tun hat, Frau Aal ist kzH und muss dieser Tage auch noch umziehen, Jenz kriegts nicht mal gebacken, abzusagen (schwache Vorstellung!), dafür kommt Petrosilius Zwackelmann extra aus Kopenhagen angereist und Hans ist auch wieder mit dabei (nicht ohne sich zu beschweren, dass sie im letzten Konzertbericht nicht namentlich erwähnt wurde).
Heute spielen: Off Power The Intradition Hook. Für runde fünf Euro gewährt man uns Einlass zum AKZ, einem hübschen kleinen Ranzladen unweit eines Porsche-Autohauses. Ist auch schon einiges los, mehr, als jemals in der Baracke um 19:20 los wäre, aber man ist hier wohl informiert, dass die Shows früh losgehen.
Wir betreten gerade den Konzertraum, als In Tradition auch schon losbrettern - perfektes Timing. Haha, denkste, war nur Soundcheck. Ok, noch ne halbe Stunde rumstehen, quatschen, dies das.
Irgendwann dann doch: In Tradition. Erstes Konzert der Gruppierung aus Essen, alle etwas aufgeregt, dafür aber auch viele mitgereiste Fans, die eifrig alles mit Smartphones filmen und Unterwäsche auf die Bühne werfen.
Der Sänger hat einen hübschen aufgemalten Rollkragenpullover. Das This is a Standoff-Shirt des Gitarristen verrät schon, wo wir uns heute musikalisch hinbewegen. Pop Punk/Hardcore, wie Set Your Goals und Konsorten. Wirkt alles noch etwas unprofessionell, vor allem weil der Drummer in den Songpausen immer die Ansagen übertrommelt.
Aber hat durchaus Potenzial, Sound war nicht der allerbeste aber ging schon gut ab, besonders der eine 30-Sekunden-Song hat mir gefallen. Ansonsten wirken die Shirts vielleicht etwas dick aufgetragen, von den ganzen Regel 1-Verstößen mal abgesehen. Mal gucken was draus wird, mehr als fünf Lieder hatten sie bisher nicht anzubieten.
Dann: Tourauftakt für Power aus Kiel. Hiermit die erste Band, über die ich vier Konzertberichte abgeliefert habe, heute sehe ich sie zum ersten Mal nüchtern. Tut dem ganzen aber keinen Abbruch, ist auch musikalisch durchaus ansprechend.
Joyboy hat sich den Iro abrasiert, ein weiteres Wahrzeichen von Kiel ist dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen. Sound hätte auch bei Power besser sein können, der Gesang war etwas leise, aber das kommt dabei raus, wenn Bocky nicht alles persönlich einmetert.
Aber ansonsten stimmt alles. Macko hat wieder seine Lieblingshose ausgepackt und macht sich auf und vor der Bühne zum Affen (Half Circle Culture, wie üblich), Bocky röhrt heisere Hintergrundgesänge ins Mikrofon, die Gitarren fideln und der Drummer feuert aus allen Rohren.
Grazil wie eine Elfe.
Songmäßig wurde zu Beginn erst mal was vom aktuellen Album "Overthrown by Vermin" verheizt, das ich jedem bedingungslos nahelegen kann. Neuerdings auch bei Weltbild bestellbar.
Auch ein paar ältere Kracher wie Sitting Room und Run for your gun wurden zum Besten gegeben. Kill your Ipods und Raise your fist, bicyclist vermisse ich leider, nagut, bin ja auch mit dem Kfz gefahren. Stattdessen gab es irgendeinen 10-Sekunden-Ballersong zu hören, der war mir neu.
"Das nächste Lied handelt davon, was passiert, wenn man in öffentlichen Bussen Aldifrikadellen isst." "Das nächste Lied handelt davon, dass wir alle dankbar sind, dass wir hier spielen durften."
Möchte man ihm nachts in einer dunklen Gasse begegnen?
Stand up, get creative... don't drown in the mud!
Guter Auftritt, vor der Bühne ist zwar deutlich weniger los, als bei den Lokalmatadoren eben, aber ich glaube der ein oder andere hat auch sachte mit dem Fuß gewippt. Ganze 17 Songs gab es auf die Ohren, keine Zugabe, denn der Zeitplan muss eingehalten werden.
Woher wollen die das überhaupt wissen?
Off The Hook aus der Enthauptstadt stehen auch wenig später auf der Bühne und ließen sich kaum davon irritieren, dass ein stark angetrunkener, übergewichtiger Mittfünfziger während des Soundchecks irgendwelches Gebrabbel auf die Bühne gebrüllt hat.
Und ab jetzt gehts voll auf die Zwölf. Wenn die Hardcore-Einflüsse von der ersten zur zweiten Band schon gesteigert wurden, erreichen sie hier ihr Maximum. Bedingungsloser 90er Hardcore fliegt einem hier ins Gesicht, dass es nur so scheppert.
Vor der Bühne vergrößert sich der Halbkreis immens, weil die Tanzgruppe Schneebesen ihrem Hobby nachgeht. Als die jungen Herren sich mal eine Pause erlaubten, wird vom Sänger gleich mokiert, dass man doch bitte etwas nach vorne kommen könnte und ob man das denn auf jeder Show sagen müsste usw.
Überhaupt waren die Ansagen für meinen Geschmack etwas zu negativ, zu angepisst und zu ernst, ne gewisse Prise Humor hätte das deutlich sympathischer rüberkommen lassen, auch wenn es an der Musik absolut nichts auszusetzen gibt. Aber Hardcore ist halt Serious Business.
Irgendwann torkelt ein schlecht rasierter Herr mit Regenjacke und Breithose auf die Bühne und beginnt zu rappen, bevor er vom Sänger mit den Worten "Ey, is hier kein Hiphopkonzert" und vom Publikum mit den Worten "Kasuppke, du Hurensohn!" von derselbigen bugsiert wird.
Da ist noch Schwung drin, da kommt Freude auf. Gelegentlich dürfen sogar mal ein paar Leute aus dem Publikum mitsingen, wie zum Beispiel die titelgebenden Parts des Stücks "Shit you call Life" von der neuen Langspielplatte.
Off The Hook, feinster Schneebesencore aus Berlin!
Mit Off The Hook und In Tradition übrigens zwei Bands mit nachgemachten Descendents-Logos im Angebot, gute Quote. Der Name Power ist vermutlich zu kurz dafür, außerdem haben die sich ja schon bei Pantera bedient.
Als eine Saite reißt, möchte jemand aus dem Publikum "Mehr zocken, weniger labern" auf der Bühne erreichen, kriegt aber nur ein "mehr saufen" von der Bühne zurück, was später noch von Bier auf Saft relativiert wird, zum Glück!
Das Konzert nimmt dann ein leider unschönes Ende, als ein paar Zuschauer beim Tanzen ineinander krachen und sich eine Keilerei entwickelt. Die Band hatte vorher ohnehin schon den letzten Song angekündigt, bricht diesen dann nach der Hälfte wegen der Querelen im Publikum aber ab und geht von der Bühne.
Da die 22 Uhr-Deadline ohnehin schon um eine Viertelstunde überschritten war, hätte es wahrscheinlich eh keine Zugabe gegeben und nach einem kurzen Plausch am Merch machen wir uns auf den Weg nach Münster, ohne rauszufinden, ob der Schneebesen noch seiner Bestimmung zugeführt wurde.
Die Rückfahrt über die verlassene A43 geht ohne weitere Zwischenfälle vonstatten, lauschen der Predigt des Inselpfarrers Ebbe Ebbesen(www.youtube.com/watch?v=xb0Dgmeb-Po) im Autoradio (naja, von CD) und sind um angenehme noch nicht mal halb 12 wohlbehalten wieder zu Hause. Bis zum nächsten Mal,

euer Gerd

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