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Smoke or Fire, Astpai, Pavement Poetry, 6.4.2013 in Münster, Baracke - Bericht von Gerdistan

Smoke or Fire, 6.4.2013 in Münster

Smoke or Fire aus Boston, gesigned auf Fat Wreck Chords, auf großer Europatour. Zusammen mit Astpai aus Österreich, Tourauftakt in der schönen Baracke in Münster. Eigentlich wollte mich der werte Herr Thrun zu diesem Anlass besuchen, aus diversen Gründen wurde nichts daraus, über einen davon muss ich mich an dieser Stelle kurz auslassen.

Bis vor einem Monat konnte man, sofern man einigermaßen zeitig geplant hat und nicht vollständig xenophob ist, durch sogenannte Internetmitfahrgelegenheiten wunderbar von A nach B kommen oder, wie in Thruns Fall, Leute mitnehmen und so die Spritkosten drücken, die einen bei den heutigen Kraftstoffpreisen ja sonst ziemlich umhauen können. Das ganze funktionierte über eine große deutsche Internetseite, auf der jeder kostenlos seine Fahrten eintragen konnte, aufgrund einer riesigen Nutzerbasis meistens auch ziemlich gut, wenn man nicht gerade mitten in der Nacht von Hodenhagen nach Lamstedt wollte oder ähnlich obskure Strecken angepeilt hat.
Seit dem 27. März hat nun aber die größte deutsche Mitfahrgelegenheitsseite ihre AGB geändert und nun muss jeder ein unflexibles, unnötig kompliziertes Buchungssystem benutzen, man als Fahrer eine Schufa-Prüfung über sich ergehen lassen und zu allem Überfluss soll man auch noch 11% des Spritgelds der Mitfahrer als Gebühren abführen. Diverse kleinere Änderungen wie tolle Statistiken und andere Möglichkeiten, um sich gegenseitig schlecht zu bewerten, will ich hier gar nicht im Detail erläutern. Ich weiß auch, dass das hier eigentlich gar nicht hingehört, aber dass durch die Geldgier weniger einzelner, gepusht durch große Konzerne (die Daimler AG hat sich mit mehreren Millionen Euro beteiligt - wozu braucht man mehrere Millionen Euro zum Betrieb einer werbefinanzierten Internetseite, die prinzipiell nur aus einer Datenbank mit Suchfunktion besteht?) ein gut funktionierendes, sozial- und umweltverträgliches Projekt zerstört wird, regt mich einfach über alle Maßen auf. Klar, es gibt genug kostenlose Alternativen und hoffentlich wird die breite Nutzerbasis auch bald dorthin migrieren, aber im Moment ist das Mitfahrgelegenheitsreisen ziemlich beknackt und die Zukunft eher ungewiss, da ein Großteil der Leute die Maßnahmen vermutlich hinnehmen wird, um überhaupt wen ins Auto zu kriegen. Umsatzsteuer nicht vergessen.

Aber zurück zum Konzert! Alternativ hätte ich an diesem Tag übrigens auch noch zu Reel Big Fish im Skater's Palace gehen können, oder zu Kapelle Petra in die Sputnikhalle. Alternativen über Alternativen! Aber die Baracke ist mal wieder die günstigste und vielversprechendste Variante.
Die meisten Leute, die potenziell mitgekommen wären, leiden unter einem Mangel an ausreichend festem Stuhl, und so sind es am Ende wieder Hans (die eine leere Dose Linsen mit Suppengrün im Fahrradkorb hatte, da hat wohl jemand kürzlich den Wurstblinker nachgefüllt) und ich, die den Weg zur Baracke über die Promenade radeln.
Als wir gegen 20:15 die Baracke betreten, ist es schon einigermaßen gut gefüllt und der im ersten Bild angekündigte Zeitplan wird auch fast eingehalten, wenig später stehen jedenfalls Pavement Poetry aus der Gegend auf der Bühne.
Das sind diese vier jungen Herren hier, die aus irgendeinem Grund immer mit Bands auf der Bühne stehen, die doppelt so schnell spielen wie sie selbst, was diesen Midtempo-Indie-Emo-Post-Punk (ich kann das nicht so gut mit den Schubladen, wenn es Schubladen sind, die ich selber nie öffne) leider nicht besser macht.
Handwerklich sicher gut gemacht, kann ich dem ganzen hier leider nichts abgewinnen, allerdings wirkt die Bühnenperformance doch etwas souveräner als letztes Jahr mit Leagues Apart am selben Ort.
Nach zwei Hansa läuft mir das irgendwie nicht mehr ganz so gut runter und ich stelle fest, dass die Baracke auf eine andere Cola umgestellt hat, die zwar eine größere Flasche bringt, dafür aber nicht mehr so nach aufgelösten Gummibärchen schmeckt, wie die alte. Naja, der Name Oettinger steht ja für Qualität.
Als nächstes: Mal wieder eine Band mit Bühnenbanner. Astpai aus Österreich, genauer gesagt aus der Wiener Neustadt - ich weiß erst seit kurzem, dass das 40km oder so von Wien entfernt liegt und damit eigentlich gar nicht so viel zu tun hat.
Ihre südliche Provenienz können die Herren nicht lange verbergen und spätestens als zum Soundcheck "Aans, Zwaa" ins Mikrofon gesungen wird, kann ich mir ein Grinsen nicht mehr verkneifen.
Auch Astpai hab ich letztes Jahr auf denselben Bühnenbrettern stehen sehen, kann mich allerdings gar nicht so konkret dran erinnern, dass es so gut war, wie heute.
Wahnsinn, was draußen für gutes Wetter ist. Ich bin mal eben Fußball spielen und schreib in zwei Stunden weiter.

So, weiter gehts.
Die Band, auf irgendwelchen Konzertflyern als "HC/Punk" o.ä. angekündigt, spielt in meinen Ohren doch was etwas poppigeres, was in Kombination mit der Stimme des Sängers an so Ami-Collegerock erinnert, etwas rotziger zwar, aber schon son bisschen wie die alten Sachen von Blink 182 etc.
Das meine ich aber gar nicht abwertend, ich find total klasse, was da auf der Bühne passiert und nach einer Handvoll Songs werden auch die Hardcoreeinflüsse deutlicher spürbar.
Auch dem Publikum gefällt das ganze entsprechend gut, durch diverse Auftritte in Münster haben die sich hier auch eine kleine Fanbase erspielt, die vor der Bühne eifrig mitsingt.
Astpai aus Österreich, eine sehr gute Band zum Anhören! Gerne wieder.
In der Baracke entdeckt man jedes Mal wieder was neues. Heute übrigens auch erfreulich wenig glimmende Zigaretten, kann auch daran liegen, dass es draußen eher mild ist und nicht so rattenkalt wie bei meinem letzten Besuch hier.
Und dann ist es auch schon so weit, Smoke or Fire aus Boston, Massachusetts betreten die Bühne. Auf Platte für ganz nett befunden, haut das ganze live dann doch echt gut rein.
Es scheint kalt gewesen zu sein auf der Bühne, anders kann ich mir die hohe Mützendichte nicht erklären.
Die Band spielt so Punk. Recht flott, ins Gesicht, aber durchaus mit dem nötigen Mindestmaß an Melodie, geht gut ab.
Das Publikum ist heute so bunt gemischt wie selten, neben knutschenden Pärchen, kleinen Mädchen mit Jutebeuteln (bevorzugte Motive: Joy Division, Green Hell), den Patchoulipunks im Gang zur Toilette und dem mehr oder weniger normalen Konzertbesuchergesocks (zu dem ich Hans und mich jetzt auch zähle) steht hinter uns auch noch eine Gruppe Niederländer.
Jene Niederländer singen ausschließlich die Hintergrundgesänge mit, die nun mal größtenteils aus "Wohoho" bestehen, das aber nicht immer an der richtigen Stelle und auch nicht immer im richtigen Lied. Nunja. Mijn Paddestoel is ontploft.
Er hier auf der Bühne versuchte irgendwann zu stagediven, leider hatte der Rest des Publikums da nicht so viel Bock drauf, bis sich schließlich einer erbarmte und ihn alleine huckepack durchs Publikum trug. Schön, dass es sowas noch gibt!
Songmäßig wurde einiges rausgehauen, hauptsächlich aber das letzte Album "Speakeasy" nicht vernachlässigt, insbesondere an 1968 und Everything falls apart kann ich mich hier erinnern.
Als irgendwann die Quotenballade ertönt, bin ich kurz pissen. Später wird dann noch ein etwas langsameres Lied angestimmt, direkt danach aber ein flottes, das auch ein großer Haufen Leute mitsingen kann. Nach diesem abschließenden Fiasko geht die Band dann mit gerissenen Saiten und ohne Zugabe von der Bühne.
"Abstürzender Stagediver, im Makromodus fotografiert", G. Vogts, Öl auf Leinwand, 2013.
Joa, so war das. Ein weiterer ereignisreicher Abend in der Baracke, an dem die Bands pünktlich spielen und das Rauchverbot weitgehend eingehalten wurde. So solls sein. Bis zum nächsten Mal,

euer Gerd

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