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Roeds Rock: Arliss Nancy, Timeshares, Antillectual, Smile and Burn, Randy, 31.08.2013 in Holzerath, Wiese mitten im Nichts - Bericht von Gerdistan

Roeds Rock, 31.08.2013 in Holzerath

Roeds Rock, mitten im Nichts, 15 Euro Eintritt, von Münster aus knappe 400km Anreise, aber: Erstes Deutschlandkonzert von Randy the Band seit sieben Jahren, exklusiv sogar! Lange stand der Plan auf der Kippe, bis sich schließlich irgendwann relativ spontan rauskristallisierte: Mariella, Jenz und ich fahren mit dem Ingomobil von Münster über Düsseldorf in die Weltstadt Holzerath. Abfahrtzeit und Wegfindungsprobleme machen leider schnell klar, dass es mit den ersten vier Bands nichts mehr werden wird, was sehr schade ist.
Nach knappen viereinhalb Stunden Fahrt rollen wir durch die Tore des Dorfes Holzerath und es entfährt uns unisono: Das sieht hier ja aus wie in Leiwen! Die Autobahnabfahrt Leiwen hatten wir bereits erfolgreich passiert und jetzt das. Da steht ja einem schönen Punkrockabend an der Mosel nichts mehr im Wege. Die Einfahrt des Festivals besteht aus drei bierseligen alten Herren, die uns schon die Bändchen an den Arm machen wollen, bevor sie überhaupt die Tickets eingesammelt haben. Tickets haben wir ja auch gar nicht, aus unbekannten Gründen steht Mariella aber +2 auf der Gästeliste und so bleibt mir das lustige Ratespiel, unter welchem meiner vielen Pseudonyme ich jetzt auf der Gästeliste stehe, erspart. Uns wird noch mitgeteilt, dass wir das letzte Auto sind, das auf den Parkplatz darf, alle anderen müssen dann wohl im Dorf parken. An der Gabelung links, danke, nächster. Leider habe ich den guten Mann etwas zu wörtlich genommen und bin wirklich an der ersten Gabelung in einen zweifelhaften Feldweg abgebogen, der sich später immer mehr verengte. Links Felswand, rechts steil die Böschung runter. Ähhh... wir haben dann sehr vorsichtig gewendet (immer mit angezogener Handbremse anfahren und so) und sind wieder runter, bei der nächsten Gabelung war dann auch ein großes Schild, dass es links zum Festivalgelände geht. Es hätte so einfach sein können.
Rauf auf den Parkplatz, direkt die ersten (aber auch letzten) bekannten Gesichter gesichtet, Parkplatz suchen. Ein leicht angetrunkener Einweiser lässt uns auf dem abgesperrten Bereich für die Bands parken, sehr nett. "Wenn einer fragt, sagt einfach, ihr gehört zu irgendner Band". Uns hat niemand gefragt und so wird das gute Schloss Edel vom Netto ausgepackt und erst mal nach allen Regeln der Kunst gezecht. Durch unsere Zeitplanung haben wir zwar Disco//Oslo (sehr schade) und Idle Class (auch schade, aber die sieht man ja häufiger) verpasst, dafür aber auch einen 90minütigen Dauerregenschauer. Es hat eben alles auch seine guten Seiten!
Nachdem das erste Schnäpperken gefegt wurde (der gute Trester von Peter Ehlers, Silvio hatte das Kettenfett vergessen), wird mal das Festivalgelände ausgecheckt. Sich dafür ein Wegbier aufzumachen, stellt sich als nicht besonders gute Idee heraus: Nach zwei Minuten sind wir schon da. Aber man kann sein mitgebrachtes Bier problemlos mit aufs Gelände nehmen.
Hier kostet alles mehrere Roedsrock-Dollar, welche für 50 Cent in einem fragwürdigen Verzehrkartensystem zu erstehen sind. Bierpreise sind okay, leider ist es Bitburger und auch dass Pfand auf Einwegbecher gezahlt wird fällt in die Kategorie "eher mäßig". Dafür sind die Helfer alle ehrenamtlich und ganz gut drauf.
Aber was solls, bei nem Festival für schlappe 15 Euro kann man auch mal den einen oder anderen Euro für Bierchen ausgeben. Dann wird es aber schon Zeit für die dritte Band, die ich gerne sehen wollte: Smile and Burn aus der Enthauptstadt! In der Baracke und bei anderen Gelegenheiten bisher immer ausgefallen oder ich nicht dagewesen, heute steht dem nichts im Wege und pünktlich um 19:10 geht es auch los.
Und wie das hier losgeht, meine Fresse. Obwohl das Publikum noch nicht so zahlreich erschienen ist (wie das wohl erst bei den noch früheren, noch unbekannteren Bands ausgesehen haben muss), wird hier amtlich die Scheiße gerockt. Außerdem steht ein kleidsamer Vintage-Holzstuhl auf der Bühne.
Besonders der Sänger ist sich nicht zu schade, auf der Bühne umherzuspringen wie ein Gummifrosch, das Publikum übt sich weiter in Zurückhaltung. Bis auf den einen besoffenen Kiddiepunker natürlich, so einen gibt es wohl auf jedem Konzert.
Es wird dann auch noch dazu aufgefordert, doch etwas näher zu kommen. Was die meisten von uns dann auch machen. Die wenigsten benehmen sich dabei aber albern genug, um später noch für ein lokales Käseblatt fotografiert zu werden. Nein, das waren nicht wir (obwohl man uns später sagte "EXTRA AUS DÜSSELDORF? SCHADE DASS DIE ZEITUNGSLEIT SCHO WEG SAN!").
Stagediven muss natürlich auch sein. Auch wenn nur einer fangen will. Jenz steht fassungslos im Hintergrund, vor dem Busch, in den er vorher noch seine Blase erleichtert hat und dafür von einigen älteren Herren in Jack Wolfskin-Jacken mit Bierbechern und leeren Schnapsbuddeln beworfen und der "mach mir die Schere"-Geste bedacht wurde. Ähh...
Huppala.
Die Band spielt einen Haufen geiler Songs, die entweder nie beim Namen kannte oder mich jetzt nicht mehr daran erinnern kann. Zumindest "Forever second to none" oder wie das Lied heißt war dabei, da hatte ich mich ganz besonders drauf gefreut und wurde auch nicht enttäuscht. Schmissig, schwungvoll, energetisch, Smile and Burn. Kommt mal wieder in die Baracke!
Für vier Roedsrock-Dollar gibt es den leckeren Roedsrock-Schnaps, wenn ich mich korrekt ans Kleingedruckte erinnere, war es irgendein widerlicher Obstler. Buah. Aber es muss ja rein. Oder wie ein großer Philosoph unserer Zeit einmal sagte: "Saufen ist OK".
Die Sonne ist schon untergegangen, der Schnaps von Annes Oma ist leer, auf der Bühne stehen mittlerweile die lustigen Niederländer von Antillectual. Sie versuchen sich in gebrochenem Deutsch, also eigentlich war nur die Ansage, ob Englisch okay wäre, in gebrochenem Deutsch. War okay.
Die Band habe ich bereits zweimal in der Baracke zu Münster verschmäht, weil ich irgendwo anders sein musste, und einmal bin ich sogar in Prag an dem Club vorbeigelatscht, in dem sie abends gespielt hätten, konnte aber niemanden dafür begeistern, mit reinzukommen und war zu feige, mich in einer Metropole Osteuropas alleine rumzutreiben. Dumm gelaufen, Gerd!
Aber die Jungens sind ja recht aktiv und deshalb gibt es noch die eine oder andere Gelegenheit, sich das hier live zu geben, vielleicht demnächst auch mal näher als Holzerath (~400 km) oder München (~800 km) an Münster.
Die Fans haben sich ganz gut mit Merch eingedeckt und so sieht man einige Verstöße gegen Regel 1 vor der Bühne. Von Randy beim ganzen Festival eigentlich kaum, aber die waren so lange nicht auf Tour, dass alle Shirts schon Sammlerstücke sind und gerahmt zu Hause an der Wand hängen.
Jau, Antillectual. Der Name ist eigentlich irreführend, denn der flotte Punkrock hier hat durchaus seine Ansprüche - Nils hört Antillectual immer nur mit Textheft in der Hand, um auch alles mitzukriegen (ja Nils, ich schreibe ALLES in Bierschinkenberichte. Weißte doch).
Jenz ist, wie man sieht, auch recht angetan.
Lightshow und alles. Von den Alben der Band, die es übrigens alle vollständig und umsonst zum Download gibt (sehr sozial!), habe ich nur die "Start from Scratch" einigermaßen parat und freue mich natürlich umso mehr, als der namensgebende Titel gespielt wird. BRING IT ON! LET'S START FROM SCRATCH!
Publikum ist langsam auch etwas mehr los, unteranderem eine Klasse von der Gesamtschule Holzerath, nee Quatsch, sowas gibts da glaube ich auch gar nicht, da steht jedenfalls eine handvoll Teenager, die ihre ersten Gehversuche in Sachen Pogo machen. Was ja auch vollkommen in Ordnung ist, besser als wenn die den ganzen Tag am Auto rumschrauben und dabei Deutschrock hören würden.
Impressionen vom Parkplatz: "Kein Bock auf Nazis"-Bändchen auf Freiwild-Auto. Eine von vielen Dekorationen.
Dann stehen Timeshares aus, äh, ich glaube UK auf der Bühne. Echt komisch, wenn man kein Internet hat, um sowas mal eben nachzugucken! Die sind jedenfalls noch recht jung und machen diesen melodischen Hymnenpunkrock, der derzeit gar nicht so unbeliebt ist.
Da stimmt alles! Haha, oder auch nicht. Auch sehr schön im Hintergrund zu sehen: Der professionelle Drumriser aus Bitburger-Steinie-Kisten. Wenn es doch wenigstens vernünftiges Bier wäre...
Der linke Gitarrist steht weder mit dem Rücken (Stadionrock) noch frontal (normaler Rock) zum Publikum, sondern seitwärts! Öfter mal was Neues probieren.
Zeitweise wird die Bühne von ein paar Tanzwütigen übernommen, die Band nimmt es mit Humor. Passiert denen wahrscheinlich auch nicht alle Tage, dafür ist besoffenes Dorfpublikum doch immer zu gebrauchen!
Viel fällt mir, mangels Songkenntnissen, zu Timeshares nun auch nicht mehr ein, außer dass ich es ganz gut fand und meine Plauze hoffentlich auch irgendwann mal so schön über eine Bassgitarre hängen wird.
Als Zugabe gibt es noch ein schönes Wischiwaschifoto obendrauf. Biddeschön! Timeshares übrigens derzeit mit Antillectual auf Tour! Geht hin!
Publikum ist derweil immer noch mit 1-Mann-Stagediving beschäftigt.
Davon bleibt selbst das kleinste Provinzfestival nicht verschont: Verkleidete Honks. War aber der einzige, wenn ich mich recht entsinne, da will ich ihm das noch mal durchgehen lassen.
Die nächste Band auf der Bühne dann, das neue große Ding von überm Teich, oder so. Auch mal in der Baracke gewesen und jetzt überall: Arliss Nancy. Aufgrund des Keyboards eher optisch interessant, die meisten der Herren tragen nämlich recht ausladende Bärte.
Jenz weiß auch nicht so recht, was er so von der Darbietung halten soll. Auch Volker ist keine große Begeisterung im Gesicht abzulesen.
Bart, so weit das Auge reicht. Am Vorabend sind übrigens auch nur bärtige Männer mit Akustikgitarren aufgetreten und haben Männermusik gemacht. Wurde mir so kolportiert.
Hier nochmal das Keyboard. Joa, schlecht ist das alles hier nicht, mir aber etwas zu angesagt, zu langsam und zu Keyboardlastig. Muss ja jeder selbst wissen, was er sich anhört!
Am Bierstand werden derweil erste Vorkehrungen für die nächste Band getroffen. Bier wird meterweise verkauft, in liebevoll handgezimmerten Tragekästen.
Es gibt übrigens auch den Quadratmeter, auch Turbo-Meter genannt - sogar vier zum Preis von dreien. Leider kostet einer bereits 220 Euro, was sich inklusive Pfand zu einem recht günstigen Becherpreis ausnimmt.
Und dann ist es endlich so weit: Randy the fucking Band live and direct on stage! Ein bisschen gealtert sehen sie ja schon aus, aber das Publikum rastet vollständig aus und ruft dauernd "Randy, Randy, Randy!".
Er hier mit der Jeansweste spielt Gitarre und übernimmt zeitweise den Hauptgesang, da wechselt er sich ab.
Mit ihm hier an der Bassgitarre.
Er hier spielt die zweite Geige, äh, Verzeihung, Gitarre und macht nur Backup-Vocals.
Das Publikum rastet komplett aus, wie dieses Foto eindrucksvoll beweist. Es bildet sich sofort ein anständiger Pogomob, der sich beim dritten Lied "Addicts of Communication" durch gar nichts mehr bremsen lässt.
Die Band spielt dann auch Hit auf Hit aus ihrem umfangreichen Repertoire an Hits. The Human Atom Bombs, Welfare Problems und eines der schönsten Singalongs: Karl Marx and History.
Hier auch mal hochprofessionelles Schlagzeugerfoto. Razorblade und Evil wurden von der letzten Veröffentlichung gespielt, die jetzt auch immerhin schon acht Jahre auf dem Buckel hat. Aber auch ganz alte Schinken werden rausgehauen, Me and the Boys zum Beispiel und das Kiss Me Deadly-Cover. Hach.
Impressionen aus dem Publikum, die Hauptakteure wollten wohl unerkannt bleiben. Bei jeder Stimm- oder sonstwas-Pause immer wieder "Randy, Randy, Randy", Jenz und ich rufen gelegentlich "NERD!" dazwischen. Wer den Witz erkennt, darf ihn behalten.
Stagediving, aufblasbare Gitarren, Riesenstimmung. Ich stelle immer mehr fest, was für eine geile Band da auf der Bühne steht - ich hab zwar nen Haufen Alben von denen und kenne auch so ziemlich jedes Lied, obwohl ich mich nicht entsinnen kann, die mal häufiger und intensiv gehört zu haben. Egal! Geiler Scheiß!
Shape Up! Randy schaffen es irgendwie, flotte Punkrocksongs mit einem fröhlichen 60er-Jahre-Upbeat zu verbinden. Die Menge tobt. Ich hätte mir noch meine zwei Lieblingskracher "Better Than Art" und "I Raise My Fist" gewünscht, letzteres wurde nicht gespielt, obwohl es auf dem Bild hier fast so aussieht!
Und sie schaffen es, erwachsene Männer zu Herzchenhandyfotomachenden Kleinkindern werden zu lassen. Am Zeltplatz hatten wir drei Leute am Tisch, die den Titel "größter Randy-Fan unter der Sonne" für sich beanspruchten und jetzt auch die vorderen Reihen bevölkern. Sollen sie mal machen!
Aufdringliche Fans gibts sogar auch, sonst keine weiteren Zwischenfälle. Nach weniger als einer Stunde ist das wilde Fest dann schon vorbei, für eine oder zwei Zugaben kommen sie noch mal aus dem Backstagebereich, danach ist aber, trotz anhaltender "Randy, Randy, Randy"-Fangesänge, Schicht im Schacht.
Nach einem langatmigen Schwatz über Flughäfen am Bierstand (war eher nicht so begeistert) trinkt Jenz sein Bier aus, in das er aus Versehen reingeascht hatte. Hat dann bestimmt wie Altbier geschmeckt! Dann legen wir uns in unser professionell aufgebautes Zeltlager im abgesperrten Bandparkbereich.
Der Boden war zwar so hart, dass keine Heringe halten wollten, aber zum Glück war es auch nicht so windig. Nach einer eher unentspannten, von Furz- und Schnarchgeräuschen durchtriebenen Nacht stehe ich um sieben Uhr morgens auf, um die anderen zu wecken. Was erstaunlicherweise ganz gut funktioniert. Zelte abgebaut, rein ins Auto, raus aus Holzerath. Da gucken die anderen bestimmt doof, wenn die aufstehen und wir schon weg sind!
Gegen viertel vor 10 in Düsseldorf, halb 12 oder so in Münster. Sachen auspacken, Auto wegbringen, Duschen, Sachen packen, ab zum Bahnhof, zweiwöchige Exkursion nach Jülich/Aachen und München. Vermutlich nicht der erste Konzertbericht, der in einer Jugendherberge geschrieben wurde, aber der erste, der über Eduroam im Forschungszentrum Jülich ins Internet gestellt wurde! Fazit: Roeds Rock, kann man mal machen! Randy echt gut. Rest auch gut. Bis zum nächsten Mal, euer Gerd

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die kleinkinder

07.09.2013 08:20
sind der redaktion namentlich bekannt!!

Gerdistan
(Gerdistan)
08.09.2013 08:02
Mir auch...

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