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Die Shitlers, 15.09.2013 in Bochum, Alsenstraßenfest - Bericht von tenpints

Die Shitlers, 15.09.2013 in Bochum

Die Shitlers sind sehr gut. Zwar ist ihnen die Krönung ihrer Karriere - ein Auftritt auf dem Bierschinken-eats-FZW-Festival - bislang verwehrt geblieben, aber dafür dürfen sie - wie am Samstag geschehen - auf Veranstaltungen spielen, die "This is for the kids" heißen und im Saarland stattfinden. Auch auf dem Alsenstraßenfest in Bochum laufen einige Kinder rum, da kommen Die Shitlers gerade recht.
Zuvor aber müssen existenzielle Fragen beantwortet werden. Vernünftige Unvernunft, wenn ihr mich fragt! Deshalb bin ich ja auch hier. Könnte auch in Bielefeld sein, wo die hervorragende Smith Street Band aus Australien spielt, aber das Bauchgefühl ist nach einem Liter Bier beim Amateurfußball in Ahlen für Bochum. Schließlich hat Ahlen 4:2 gegen Dornberg gewonnen, und Dornberg ist ein Stadtteil von Bielefeld!
Also ab in den RE gen Westen zum Alsenstraßenfest. Die Alsenstraße ist, wenn ich das beim Drüberlaufen nach mittlerweile eineinhalb Litern Bier richtig gesehen habe, eine Art Ghetto voller gesunder normaler Leute, deren kritisches Bewusstsein beim Urban Gardening sowohl anfängt als auch aufhört. Und ich hab das auf jeden Fall richtig gesehen!! An der Hauptstraße davor hab ich sogar ödp-Plakate gesehen, keine Ahnung, ob das was damit zu tun hat, aber würde schon irgendwie passen. Ganz komische Atmosphäre. Hier oben sehen wir übrigens eine Wickelrockträgerin, die ihr Kind in letzter Sekunde vor den Shitlers rettet.
Die passen hier total gut rein und legen mit "Boah, bist du blöd" auch direkt gut los. Zudem werden Reden geschwungen, die die anwesenden älteren Herren neben mir dazu veranlassen, einmal vorsichtig nachzufragen, wie lange diese Irren wohl so spielen. Der da neben der Bühne aber ist Teil 1 meiner spontan erstellten Fotoserie "Passanten schauen Die Shitlers an". Leider habe ich nicht auf den Auslöser gedrückt, als er minutenlang ungläubig den Mund offen stehen hatte.
Auch dieser Mann schaut ungläubig. Die Shitlers stört das nicht, sie bieten ein abwechslungsreiches Set aus schmissigen Punkrock-Krachern und notdürftig überbrückten Schlagzeugreparierpausen. Martin sitzt am Schlagzeug und beklagt sich in einer Tour darüber, dass er hier ist. Dabei schüttet er Warsteiner aus der Dose in sich hinein, "wegen Axel Stoll". Einen Schritt weiter als Frank ist er damit schon, denn der hat noch nicht ganz realisiert, wo er sich eigentlich befindet, und wähnt sich in Süddeutschland. Und warum sind eigentlich alle Leute hier so zwanghaft freundlich? Auch die Ansagen der Shitlers werden nach einiger Zeit freundlicher und damit auch ein bisschen langweiliger. Ob das so schnell abfärbt? Oder ist man auf dem Weg, eine seriöse Band zu werden? Sogar Gerüchte über einen neuen Schlagzeuger machen die Runde!
Ein neues Lied ist schon da, es heißt "Rocky hat Krebs". Ist ziemlich gut. Im Hintergrund so gerade noch zu sehen: ein Pfandflaschensammler, der sich nicht näher ran traut. Hat wahrscheinlich Angst vor den ganzen jungen Müttern.
Vorne auf der Bühne stehen drei Flaschen Veltins, die Frank Shitler vor dem Auftritt dahin gestellt hat und auch nach dem Auftritt noch mit sich herum tragen wird. Trinken sollte man das Zeug auch eigentlich nicht, passt schon.
Das Lied über die Rancid/NOFX-Split-CD und die dazugehörige Ansage kriege ich nur am Rande mit, weil ich Bier holen muss. Als Frank Shitler wenige Minuten später das Thema Geschlechterrollen, insbesondere die männliche, anspricht, spricht er auch mich an: "Männer trauen sich ja oft nicht, ihre Gefühle zu zeigen. Dieser junge Mann da säuft z.B. lieber." Von Trauer, Frust, Wut und nicht zuletzt Hunger überwältigt, überlege ich kurz, mich auf das direkt neben mir stehende Bandessen zu stürzen. Es sieht gut aus, nicht wahr?
Ich lasse es aber, denn ich will keine Probleme kriegen. Im Alsenstraßenviertel haben die Kinder übrigens auch keine Probleme. (Das steht bei dem Jungen da nämlich auf dem Shirt: "I don't have any problems.") Martin macht Klatsch-Übungen, das Publikum will nicht so recht mitmachen. Aber wortlos Beifall klatschen, das will es und das soll es auch, denn Die Shitlers möchten sich gerne fühlen wie auf einer Theaterbühne und nicht wie in der grünen Vorhölle zwischen lauter komischen Muckerbands und Flohmarkttischen!
Der Junge hat die problemfreie Zeit satt und zieht sich deshalb mit seinen Kumpels erstmal Die Shitlers rein! Gut so. Die spielen mittlerweile einfach einen Hit nach dem anderen, ist ja auch nicht schwer, wenn man ausschließlich Hits im Repertoire hat, z.B. diverse Lieder über Städte und Stadtteile und eins über Swag, bei dem Martin klingt wie Casper, denn er ist heiser. Alles geil! Hab allerdings "Teddy" vermisst. Später kommt noch ein etwa 6jähriger mit seiner natürlich schwer alternativen Mama vorbei, bleibt begeistert stehen und zappelt wild rum. Hab ich leider kein Foto von, Mama zieht ihn dann auch schnell weg.
Aber Die Shitlers begeistern auch ältere Generationen. Dieses Ehepaar da links musste dringend in die Serie rein wegen der geilen Farben, die es trägt. Die mittlere Generation, also z.B. meine Wenigkeit und so ein Langhaariger, ist besonders begeistert an der Stelle, wo der Soundmann aufgrund von Soundproblemen einfach mal den Gesang komplett abstellt, um pünktlich zu dem Wort "Hurensohn" das Kabel wieder reinzustecken.
U.a. wegen dieses Wortes sind Die Shitlers ja personae non grata in gewissen Kreisen. Was die alles verpassen! Die sollen sich doch mal das Motto der Alsenstraße einleuchten lassen: "Die Freiheit ist frei!" Steht da wirklich, sieht man ja. Die Freiheit ist frei. Echt jetzt.
Ich lasse mir das durch den Kopf gehen, kaufe mir am Kiosk zur Sicherheit erstmal ein Fiege und befinde mich zwei Stunden und Bier später im Intershop, wo ich gemeinsam mit einem freundlichen Jungspund einen nicht minder freundlichen Soziologen mit deutlichen Worten und messerscharfen Argumenten von der Existenz der Arbeiterklasse zu überzeugen trachte. Das Vorhaben schlägt erstaunlicherweise fehl. Elegant wie eine Gazelle springe ich daraufhin zum Bahnhof, höre "Somewhere far beyond" von Blind Guardian - die beste Platte aller Zeiten, soviel ist mir in dem Moment klar! - und stehe dann am S-Bahngleis, wo allen Ernstes plötzlich ein leibhaftiger Fuchs auftaucht und natürlich verschwindet, bevor ich ihn fotografieren kann. Hammer. Bahn. Bett. Super Tag!

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