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Oile Lachpansen, Positano, Michel B., 27.10.2013 in Dortmund, Nordpol - Bericht von Fö

Oile Lachpansen, 27.10.2013 in Dortmund

Mal wieder Abteilung "selbstorganisiert"! Als Oile Lachpansen vor ein paar Monaten anfragte, ob ich für seine Tour nicht irgendwas in Dortmund klarmachen, könnte, sagte ich natürlich erstmal zu. Was ja schon etwas ungewöhnlich ist, normalerweise antworte ich auf Anfragen von Akustik-Künstlern so diplomatische Phrasen wie "diesmal nicht, aber wir können ja in Kontakt bleiben", oder auch "ich meld mich" oder ähnliches. Weil ich einfach selbst nicht gerne auf Akustik-Konzerte gehe. Aber Oile, ach, wer könnte da nein sagen. Die folgende Zeit verbrachte ich also damit, diverse in Frage kommenden Locations abzuklappern und musste zunehmend ernüchtert feststellen, dass, obwohl (zumindest nach meiner Gefühlswelt) tagtäglich überall irgendwelche Akustik-Konzerte stattfinden, man da mitunter ähnliche Probleme beim Finden eines geeigneten Ladens hat wie bei vollverstärkten Sachen. Vielleicht hab ich mich auch einfach doof angestellt. Nunja. Die Rettung kam in Form des Vereins "Nordpol", der sich seit einiger Zeit stark macht für genau das, was Dortmund fehlt: Ein selbstverwalteter Laden, in dem sich die Kultur endlich mal frei und ohne kommerzielle Hintergedanken entfalten kann. Nach langer Suche wurden sie fündig und das Objekt ihrer Wahl sollte sogar nach umfangreichen Renovierungsarbeiten im Oktober eröffnen. Mit den üblichen einzuplanenen Verspätungen findet die Auftakt-Party nun am 2.11. statt, aber nunja, die Location steht, und gegen ein Vorab-Opening ist auch nichts einzuwenden, ziehen wir das Ding also 6 Tage vor eigentlicher Eröffnung durch.
Zum "Nordpol" selbst: Liegt in der Münsterstraße 99 in der Dortmunder Nordstadt, infrastrukturell top gelegen. Früher war hier ne Schlagerkneipe (kein Bierschinken-Bericht ohne Schlager!), nun dürfen auch mal andere Musikstile in voller Lautstärke ertönen. Im Erdgeschoss der Tresenraum mit angenehmen Ausmaßen (kein enges Eckkneipen-Flair, aber auch nicht zu überdimensioniert), alles hübsch neu gestrichen und eingerichtet. Ne Küche (für Vokü o.ä.) ist auch am Start, der Keller bietet auch noch diverse Räumlichkeiten (wie diesen Wasserfall) und die Vereinsleute sind auch noch alle nett und engagiert. Wer den Laden unterstützen will - nur zu! Schaut einfach vorbei, Termine gibt's auf nrdpl.org
Zwei Details im Vorfeld: Das Ding kann erst nächstes Wochenende eröffnen, weil die Schanklizenz noch nicht da ist. Wir haben hier also eine wunderschöne Bar, dürfen aber keine Getränke verticken. Aufgrund der optimalen Lage in der Münsterstraße aber kein Problem, werden die Besucher halt zum Kiosk geschickt. Und zweitens, ne Anlage gibt's auch noch nicht, aber nach langem Hin und Her treffe ich am Vorabend auf Lars von Rilrec und Mustermensch, der sich spontan bereit erklärt, die bei ihm daheim umherfliegende Technik ins Auto zu schleppen, uns zur Verfügung zu stellen und sogar das Mischen zu übernehmen. Gönnerhaft kriegt er dafür ein alkoholfreies Bier von mir, bin ja kein Unmensch.
Nun zu den künstlerischen Darbietungen. Drei "Acts" haben wir heute, den Anfang macht MICHEL B.. Von dem hörte ich schonmal irgendwann, als er im Essener Südrock für die Headlines eröffnen durfte. Dachte aber damals, das sei der Michel von Wilde Zeiten und habe mich geweigert, dem Konzert beizuwohnen. Für's Nordpol-Konzert wurde er mir dann aber näher ans Herz gelegt, also hörte ich mal rein, und schwupps, ist er hier. Die aufstrebende Größe der Songwriter-Szene, so oder ähnlich wird Herr Lachpansen später sagen.
Kommt mir auch erstmal etwas zurückhaltend vor, blüht auf der "Bühne" (man könnte auch "zwei Teppiche" sagen) aber auf. Musik: Tja, so Akustikgeschrammel halt, angenehme Stimmfärbung, hat teilweise was von Götz Widmann - was aber auch daran liegen könnte, dass das einer der wenigen Singer/Songwriter ist, die ich überhaupt kenne. Aber wie auch immer. Michel kann man sich jedenfalls ganz gut anhören.
Vielleicht auch deswegen, weil der Punk-Kontext nicht zu kurz kommt, sowohl vom Optischen her (starkes Sticker-Sammelsurium auf der Gitarre!) als auch von den Songthemen. Da geht's vom Saufen bis hin zum politischen Anspruch, aber natürlich auch jede Menge von dem, was man so Alltagsbeobachtungen nennt, zum Großteil Beobachtungen an sich selber, würde ich mal grob sagen.
Da ich eh keine Lieder von ihm kenne, kann ich hier nicht näher ins Detail gehen. Manchmal singt er auch einfach zu schnell, als dass da mehr als ein paar halbe Sätze überhaupt hängen bleiben, wobei das auch an der Akustik des Raumes gelegen haben kann, da will ich mich nicht festlegen. Zumindest hab ich so meine Probleme, über einen längeren Zeitraum hinweg seinen Texten zu folgen. Trotzdem: Toller Auftritt, sympathischer Mensch, heiß beklatscht, alles super!
Soo, kurz mal checken was sonst so passiert. Dr. Nik höchstselbst hat heute das Bandessen zubereitet und kriegt dafür Lob von allen Seiten, mehrfach sogar. Geil. Nik hat auch sonst einiges für heute in die Wege geleitet und überhaupt erst ermöglicht, dass wir heute in den Nordpol dürfen. Also danke auch dafür!
Als Nächstes auf der Bühne: POSITANO! Derdiedas Nordpol ist mittlerweile amtlich gefüllt, man steht und sitzt sich die Körperteile in den Bauch. Am Ende des Abends werden wir 56 zahlende Gäste haben, was ungefähr doppelt so viel ist wie ich ursprünglich mal erwartet hatte - also alles geil. Klar, selbstverständlich sind auch einige hier, die sich weniger von den Bands haben locken lassen als eher von der Möglichkeit, endlich mal den Nordpol von Innen zu sehen. Vielleicht ist auch deswegen der Geräusch- und Unterhaltungspegel relativ laut, aber das ist ja son Zustand, mit dem man bei Kneipengigs eh zu rechnen hat. Auch dann, wenn die Kneipe nicht in Betrieb ist.
Also, Positano. Zwei Typen aus Bonn, schon seit 10 Jahren aktiv und eigentlich auf Release-Tour für ein Album, was aber doch erst Ende des Jahres fertig werden soll. Gute Freunde von Herrn Lachpansen, oder vielleicht auch nur Geschäftspartner, denn auf seinem ehemaligen Label "Katze Platten" erschien auch die letzte CD der Positanos. Wie auch immer, für ein paar Konzerte sind sie zusammen unterwegs, nun auch heute hier.
Zwei Typen, zwei Sänger, zwei Akustikgitarren, zwischendurch auch son Xylophon-Ding, dazu Musik die (mal wieder) der Singer/Songwriter-Sparte zu zu ordnen ist. Erinnert mich schoon wieder an Götz Widmann. Verdammt, ich sollte meine Vergleiche überdenken! Naja, geht etwas gemächlicher zu als zuvor bei Michel, die zwei Protagonisten ergänzen sich ganz gut, wissen auch immer was zu den Songs zu erzählen.
Vom Niveau her eher die humorvolle Schiene, nicht nur von den Themen her, auch irgendwie von den Reimwörtern, die teilweise doch unerwartet und eher als getarnte Pointe heraus brechen. Ich kenne mal wieder keine Lieder, ganz unterhaltsam sindse aber. Ein Lied reimt diverse Kneipen-Synonyme - am Schönsten fand ich die Improvisation "im Nordpol - fühlte ich mich sofort wohl" oder so ähnlich. Stark.
Unterhaltsamer Auftritt, für meinen Geschmack etwas zu "harmlos", da bin ich dann doch Musik gewöhnt die etwas mehr aufs Gaspedal tritt. Den Besuchern heute scheints aber gut Spaß gemacht zu haben, zumindest haben alle ein eifriges Grinsen auf den Lippen.
Ein Deko-Element des Nordpols wird heute einer neuen Bestimmung zugeführt: Der bissige Tiefseefisch darf als Merchpräsentator herhalten. Caddy hat die zu erwerbenen Devotionalien ansprechend auf dieser Pappmaché-Figur drappiert. Zum Anbeißen.
Dann endlich: OILE LACHPANSEN! Ich bin ja, falls ichs noch nicht erwähnt habe, großer Verehrer seiner ehemaligen Bands Sichelzecken und Mofa. Solo hab ich den Guten noch nie gesehen, aber sein letztes Album "Lachpansia" landet bei mir doch ziemlich häufig in der Playlist. Den gleichnamigen Titeltrack und Opener gibt's heute auch direkt serviert: "Ihr da hinten, wenn ihr euch unterhalten wollt tut das, aber bitte nicht hier drin" - keine Ahnung, ob die Message ankam. Höhö.
Auch sonst, soweit ich das beurteilen kann, zum Großteil Songs von "Lachpansia", obwohl doch pünktlich zur Tour der Nachfolger "Herbstpansia" rausgehauen wurde. Ist aber okay, damit bin ich eh noch nicht so vertraut. Gespielt wird zum Beispiel "With Kid" über die Midlife-Crisis eines Musikers mit Frau aber ohne Kinder. Man merkt: Die Songs sind oft persönlich und, um ne Phrase zu bemühen, aus dem Leben gegriffen. Inklusive spitzfindigen Humor, der seine Art zu Texten doch irgendwie zu etwas Besonderem macht.
Mit dabei leider keine Sichelzecken-Stücke. Als Publikumswunsch immerhin auch "Zahltag" von der ersten Oile-CD, erinnern kann ich mich noch an "Kommunikationsproblem" und "Wir haben eins gemeinsam". Man merkt, ich schaffe es heute tatsächlich mal einigermaßen, dem gesamten Auftritt zu folgen! Super Bild hier übrigens. Poison-Shirt, Gammelsofa - und Handy/Patte/Jacke einfach mal lässig neben sich abgelegt. Geiler Typ.
Die Zuschauer sind ansonsten auch recht angetan, hier und da wird sogar mal mitgesungen, inklusive einem mehrstimmigen Refrains am Ende (verdammt, welcher Song war das? egal!). Trotzdem mal wieder die übliche Gesprächslautstärke im Hintergrund, naja, kann man wohl nix machen. Anlage lauter stellen vielleicht, aber das würde der Musik wohl auch nicht wirklich gerecht werden.
Insgesamt: Toller Auftritt von Herrn Lachpansen! Und sowieso super Abend. Danke an die vielen Besucher, an das Nordpol-Team und alle anderen Beteiligten, das war ganz ganz stark. Oile Lachpansen ist noch ein paar Tage auf Tour, gebt euch das ruhig mal - und der Nordpol freut sich natürlich immer über Besuch. Viel zu tun also, Leute!

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