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La Otra, Cnidari, Orchis Simia, 22.08.2015 in Madrid (ES), La 13-14 Okupada - Bericht von Pinky

La Otra, Cnidari, Orchis Simia, 22.08.2015 in Madrid (ES)

Letztens war ich mit dem Brain unterwegs. Urlaub wird das genannt, wenn sich (mehr oder weniger) Studierende dazu entscheiden, einen festgelegten Zeitraum ihre Freizeit an einem anderen Ort als "da-wo-se-sonst-immer-sind" zu verbringen. Diese ätzenden Menschen kommen dann oft so dermaßen entspannt und unfassbar ausgeglichen zurück, dass ihr direktes Umfeld umgehend in Anspannung verfällt, womit spätestens jetzt begründet sein dürfte, weswegen Urlaub...... Lassen wir das!
Als Abschluss unserer 3 Wochen Entspannung von der Entspannung haben der, die, das Brain und ich jedenfalls 3 Tage in Madrid das gemacht, was wohl als "Szenenluft schnuppern" bezeichnet werden könnte und sind (über diese sehr zu empfehlende Website ) auf dieses wundervolle Konzert gestoßen. Den zugehörigen Bericht hier, muss ich jetzt allerdings alleine verfassen, da Brain schon wieder..... emm, jaa; 4 Wochen U R L A U B !!!
Madrid verfügt über eine sehr lebendige Squat-Szene (meinst abgekürzt: CSO = Centro Social Okupado), die sich im Bereich der Innenstadt hauptsächlich im Stadtteil Lavapies abspielt.
Gegen 20:00 steigen wir an der Metrostation nueva numancia aus und folgen, weil wir über keinen Stadtplan, o.ä. verfolgen einfach einem mit Mikrofon-Stativ bewaffneten Menschen quer durchs Viertel. La 13-14 Okupada befindet sich am Ende der C/ Párroco Don Emilio Franco. Als wir eintreffen sind bereits viele Menschen vor Ort und warten auf das Konzert, welches sich als Soli-Aktion für eine*n inhaftierte*n Antifaschist*in herausstellt.

 ¡Entonces vamos!
Die erste Band ist ORCHIS SIMIA.Was laut Flyer als "Hardflowerpunk" beschrieben wird stellte sich als sehr abwechslungsreiche Mischung aus introvertiertem Lo-Fi Screamo Gefrickel und immer wieder daraus ausbrechendem schnittigem Hardcore heraus. Der Raum ist spärlich gefüllt, "klassisches Halbkreissyndrom"
Ab und an gibt es Probleme mit der Technik, wobei anzumerken ist, dass sowohl Gitarre als auch Bass lediglich über voll aufgerissene, relativ kleine Combos gespielt werden, was für meine Ohren zwar schonend ist und (ich will es kaum glauben) für diesen Raum hier vollkommen ausreicht. Dem weit verbreitetem Phänomen der "Wanderbasedrum" wird hier mit 2 (hoffentlich leeren) 60l Gasflaschen entgegengewirkt. Allerdings eher schlecht als recht, da ich mich an keinen Song erinnern kann, indem nicht mindestens zweimal irgendwer aus dem Publikum das "Wanderbasedrumverhinderungskonstrukt" zurecht rückt. 
ORCHIS SIMIA spielen 10 oder 11 ziemlich abwechslungsreiche Songs, in ca. 30min, die sie zu einem sehr dynamischen, spannenden Set zusammengebastelt haben. Besonders die unterschiedlichen beiden Stimmen machen die Band interessant. Wütendes Geschrei auf  der Bassseite, melodiösere Gesanglinien auf gegenüber. Würde mich sehr freuen, diese Band noch mal zu sehen. Vielleicht ja irgendwann im Pott. Hier könnt ihr euch das 7 Songs umfassende Demo umsonst, oder für Spende runterladen.
Als nächstes sind CNIDARI dran. Selbstbeschreibung: "Punk histèric". Die Drei aus Valencia sind zwar ohne Bassistin, dafür aber mit zahlreicher Unterstützung angereist. Musikalisch wird recht einfach gehaltener Punk dargeboten, mit weit weniger Dampf (auch auf der basedrum) als ORCHIS SIMIA, was mir nicht unbedingt so zusagt, allerdings meine Sorge bezüglich einer bevorstehenden Gasexplosion etwas lindert. 
Ohnehin scheint der Fokus der Band mehr auf den Texten liegt, zumal hier und da zwischen den Songs feministische Lyrik vorgetragen wird. Leider reichen unsere Sprachkenntnisse nicht aus, um alles zu erfassen. Was wir verstehen prangert herrschende Zustände, wie Homonegativität  und allgegenwärtigen Sexismus als notwendige Strategien des Kapitalismusan.
Und es kommt an. Der Raum ist jetzt richtig gut gefüllt und so beobachten wir einen andauernden, ausgelassenen Pogo, indem sich (vermeintliche) Männer nicht deswegen zurückhalten, weil sie mit der Mukke nix anfangen können, sondern weil sie verstanden haben, worum es hier geht. Alles funktioniert anscheinend selbstverständlich, ohne dass es einer Ansage der Band bedarf. Eigentlich ein Verhalten, was ich mir (als Mann) auch für Konzerte wünsche.
CNIDARI würde ich eindeutig als "Riot Girl Band" bezeichnen. Find ich gut!
... soviel zur Toilettenfrage.
Alles wir wieder reinkommen sitzen alle auf dem Boden.
LA OTRA hat gerade angefangen.Sie spielt Westerngitarre, nur mit den Fingern und das ganz leise. Ich brauche einen Moment um mich darauf einzulassen, bemerke dann aber ihre wunderschöne Stimme und bin drin.
 Inhaltlich bekommt das Patriarchat auch hier gehörig was auf die Schnauze, allerdings verpackt LA OTRA ihr Anklage anders als die Band vor ihr. Hier darf durchaus geträumt werden, von einer freieren Gesellschaft, die Menschen nicht nach Aussehen, Geschlecht, Sexualität oder dem, was sie zu leisten im Stande sind, beurteilt. LA OTRA variiert in ihrer Stimme zwischen zerbrechlich gesungenen Melodien und ziemlich schnellen Sprechparts, fast Rap. Hört sich vermutlich für mich umso besser an, da ich nur ausreichend gut castellano spreche.
Die junge Madrilenin scheint hier bekannt zu sein und so geschieht es wie von selbst, dass die vorderen Reihen mitsingen oder gleich ganze Parts übernehmen. Sonst ist es beachtlich, wie ruhig es im Raum ist, obwohl nun so um die 80 Menschen hier sein dürften. Irgendwann fliegt ein Schlüpper auf die Bühne. LA OTRA freut sich und hängt ihn ans Mikro-Stativ. Auf bandcamp bietet sie ihr derzeitiges Album pa' fuera y pa' dentro zum freien download an. Neben (wichtigen) politischen Denkanstößen dient es mir seit 1 Woche zur Vertiefung meiner Sprachkenntnisse. Da kann die Rosetta ihren Stone wieder einpacken, jaja!
Gegen Mitternacht verlassen wir LA 13-14 Okupada und steuern zurück nach Lavapies wat futtern. Toller Abend, sehr angenehme Stimmung, was vielleicht auch daran gelegen haben könnte, dass es im Laden kein Alk gab (in Maßen mit reinnehmen erlaubt!). Unser kurzer Einblick in einen Teil der sehr vielfältigen Punkszene Madrids macht Lust auf mehr. 

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Weitere Infos zu den Bands: Orchis Simia, Cnidari, La Otra
Location:
La 13-14 Okupada
c/ Párroco don Emilio Franco 59
28053 Madrid (Spanien)...Umgebungsplan

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