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Herrenmagazin, Albrecht Schrader, 24.02.2016 in Dortmund, FZW - Bericht von Fö

Herrenmagazin, 24.02.2016 in Dortmund

Die famose Band Herrenmagazin, die kürzlich noch ihr 10jähriges ausschweifend zelebrierte, erwähnt leise dass es Zeit wird, selber jetzt zu gehen - und will langsam von der Bildfläche verschwinden. Schönerweise mit der Option, sich irgendwann, wenn man sich bereit fühlt, wieder zurück zu melden - trotzdem schade, war die Band doch immer ein absoluter Topfavorit in meiner persönlichen Hitliste "Bands, die nicht unbedingt Punk machen aber trotzdem schweinegeil sind". Voll toll, dass sie eines ihrer letzten Konzerte in Dortmund geben, da hab ich's nicht weit.
FZW. Für nen Mittwoch gut gefüllt, das freut mich. Ebenso wie einige bekannte Gesichter im Publikum, erwartete wie unerwartete. "Punks mit Sinn für Romantik" war in einem sozialen Netzwerk über das zu erwartende Klientel zu lesen. Oha! Romantisch dann wohl auch das Instrument, das der heutige Support bedient.
Leider kein Konzertflügel, wie ich heimlich gehofft hatte, sondern "nur" die transportable Variante des klassischen Tasteninstrumentes. Bespielt wird es von ALBRECHT SCHRADER. Ich muss zugeben, bei dem Namen hab ich ne bebrillte Streber-Visage erwartet, die pseudoironische Texte über den Alltag im Hipstermilieu vorträgt. Was soll ich sagen, meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht.
Solokünstler im Vorprogramm sind das versinnbildlichte "wir nehmen ja keinen Support mit, der uns an die Wand spielen könnte" und mittlerweile bekomme ich schon nervöse Zuckungen, wenn ich Klarnamen in Konzertankündigungen lese. Immerhin ist es kein bärtiger Typ mit Akustikgitarre, dann hätte ich vermutlich aus Protest mit Baumstämmen geworfen.
Albrecht Schrader kommt aus Hamburg und gibt das sogar zu. Seine Texte sind mal witzig, mal verschroben und mal jenseits meiner Aufnahmefähigkeit. Seine Ansagen transportieren schmierigen Sarkasmus und seine Performance unterhält mich tatsächlich mehr als gedacht. Wer sich selbst ein Bild (oder Ton) machen will: Auf Bandcamp gibt es viel, aber er empfiehlt Soundcloud, da er dort 800 Euro pro Play bekommt. Vielleicht kann er sich ja dann irgendwann mal nen Konzertflügel leisten.
Dann HERRENMAGAZIN! Herr Schrader kann direkt auf der Bühne bleiben, er unterstützt seine Kollegen an Keyboard, dritter Gitarre oder, Obacht, Kuhglocke. Die Kuhglocke ist das beste Instrument wo gibt und stellt sämtliche Konzertflügel dieser Welt in den Schatten. Ich finde es normalerweise scheiße, wenn Bands ihren Live-Sound unbedingt durch zusätzliche Live-Mitglieder aufwerten wollen, aber hey, er hat ne Kuhglocke!
HERRENMAGAZIN starten vor gut gelauntem Publikum (etwa 200 Leute haben den Weg gefunden) mit einem irgendwie eher gemäßigtem Set, das bei mir zunächst nicht so wirklich zünden will, was ich einfach mal dem Keyboard ankreide. Als Albrecht Schrader die Bühne nach ein paar Songs wieder verlässt, wird der Sound nämlich schlagartig knackiger - aber glücklicherweise bleibt das, als er wiederkehrt.
Ja, wat soll ich groß zu HERRENMAGAZIN schreiben. Die Band ist eines der wenigen Überbleibsel in meinem musikalischen Horizont aus einer Zeit, in der ich sogar für Indie zu begeistern war. Das ist glücklicherweise (sonst würdet ihr hier nur noch sterbenslangweilige Texte über das Wirken von Albrecht Schrader finden) lange her, aber HERRENMAGAZIN sind meinem akustischen Herzen immer treu geblieben und zaubern nach wie vor ein Lächeln auf mein Gesicht, wenn ihre Musik erschallt.
Und: HERRENMAGAZIN sind (waren, bleiben, werden sein) eine verdammt gute Liveband. "Gut" nicht immer in Form von "gut eingespielt" (Details darüber hat Sänger Deniz mir verboten zu schreiben, haha!) sondern in Form von "gut gelaunt", "grundsympathisch", "unterhaltsam", "Bock zu spielen" und "sich selbst nicht allzu ernst nehmen". Bei diesem Musikzirkus heutzutage (geil, jetzt klinge ich endlich wie ein waschechter Musikopa) ja keine Selbstverständlichkeit.
Das mit dem "Bock zu spielen" wirft natürlich Fragen auf: Warum lösen die sich dann auf? Ich weiß die Antwort nicht. An der internen Bandchemie kann es nicht liegen, die 5 Leute auf der Bühne harmonieren prima und wenn Deniz am Ende (zugegeben Wodka-Mate-geschwängert) rumposaunt, dies sei eines der schönsten Konzerte ever gewesen, dann ist man sogar geneigt, ihm das zu glauben. Auch schön, wie sie sich über Schnaps auf der Bühne freuen. Noch schöner: Wie Deniz von Zeiten erzählt, als er umgekippte Getränke vom Boden geleckt hat.
Und sonst so? Paul hat gestern seine Diplomarbeit abgegeben, was hin und wieder mal beiläufig erwähnt wird, auch wenn er uns das Thema nicht verraten will. Glückwunsch jedenfalls. Gefeiert wird heute zudem der Release ihres ersten Albums "Atzelgift" - auf Vinyl.  Für mich immer noch das beste Werk der Band, aber ich bin ja auch ein Musikopa. Gemessen an den Publikumsreaktionen scheint "Lnbrg" jedenfalls nach wie vor das beliebteste Stück der Band zu sein.
Achja, Publikum. Ich hatte schlimmes Indiestudentenpack mit verschränkten Armen und schüchternem Am-Tresen-Festhalten erwartet, aber auch hier wurde ich wieder positiv überrascht. Es gibt Zwischenrufe, es gibt Pöbeleien, Songwünsche, nicht zu große Lücken in den vorderen Reihen, es wird mitgesungen, es wird gejubelt und geklatscht - so gefällt mir das.
Die Konzerteuphorie steigert sich mit zunehmendem Verlauf des Abends. Alle werden lockerer, Missgeschicke gekonnt überspielt und alle haben die Mundwinkel weit oben. Gitarrist König Wilhelmsburg lässt sich zu der Aussage hinreißen, genau solche Konzerte seien der Grund gewesen warum er damals in die Band einsteigen wollte. Ach ey, ihr wollt doch nicht wirklich jetzt aufhören?
Als die Band zur Zugabe wieder die Bühne besteigt, kommt ein frommer Wunsch aus dem Publikum: "Pelikan!" - und trifft anscheinend einen Nerv. Wie Deniz erzählt, hätten sie den Song mit Absicht nicht auf die Setlist gepackt, aber beschlossen, den zu spielen, wenn er denn gewünscht wird (falls ihr in diesem Jahr noch ein Herrenmagazin-Konzert besucht: Merkt euch das!). Nach kurzer Diskussion und Lehrgang wie der Song zu spielen sei, wird er gespielt ("Wir erwarten morgen bei Youtube 10 neue Coverversionen von Pelikan!")
Ich wollte ja noch was zur Kuhglocke schreiben. Einen Song, ich weiß nicht mehr welchen, wertet Albrecht Schrader durch exzellenten Einsatz der Kuhglocke unendlich auf. Den breit gegrinsten Reaktionen der Bandmitglieder zufolge, nach spontaner Eingebung. Ach, ich mag die Band.
Wie auch immer. Man soll ja aufhören, wenn's am Schönsten ist. Wäre jetzt eigentlich der richtige Zeitpunkt, sich eine Pacman-Reunion zu wünschen? "Leer wie eine Vodkaflasche" war doch der Soundtrack meiner Jugend! Hier, damit ihr nicht suchen müsst: Anhören! Macht was draus. Gute Nacht. Tschüß Herrenmagazin.

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