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Brookland, Kalkavé, ZilpZalp, Curb Stomp, 勢い, 15.04.2016 in Dortmund, Currystübchen - Bericht von der Redaktion

Currystübchen-Festival, 15.04.2016 in Dortmund

Fö: Im Currystübchen findet DAS neue In-Event statt! Ein dickes Festival mit mehreren Floors, Stages und Attraktionen. Megageil! Das weiträumige Areal eignet sich aber auch wirklich prima dafür. Und die Anreise erfrischend unproblematisch. Statt stundenlanger Autofahrt mit fettem Festival-Anreise-Stau kann man einfach nur aus der Haustür torkeln, sich noch ein Bier von der Bude beschaffen und ins Festivalgelände stolpern. Die Gepäckkontrollen werden mit viel Herz durchgeführt, Festivalbändchen gibt es zum selbst ausmalen, und die vielen Bierstände sind tatsächlich billiger als die soeben erwähnte Bude. Der Zeltplatz riecht ein wenig nach Urin, aber dafür sind die Klos sauber. Wie es sich für ein vernünftiges Festival gehört, gibt es auch viel Rahmenprogramm abseits der Musik, von sportlicher Betätigung auf dem eigens angelegten Basketballplatz oder beim legendären Treppenlaufen bis hin zu Extremsportarten aus dem vertikalen Gewerbe (Wallclimbing). Dann wären da noch das Shisha-Zelt, die Hau-den-Lukas-Kirmes-Area, die beliebte Shoppingmeile und natürlich der Tätowier-Stand mit dem Freibier. Echt der helle Wahnsinn, was hier auf die Beine gestellt wurde! Und so richtig sympathisch wird das Ganze erst dadurch, dass das Festival nicht einmal nen eigenen Namen hat.
mrks: Da sagst du was! Heilige Makrele, was war das ein Spektakel. So haben sich die alten Römer das wahrscheinlich vorgestellt, als sie ihren Circus Maximus eröffneten. Etliche Jahre später dürfen wir den römischen Traum nun in Farbe genießen. Ich werde meinen Urenkeln mindestens jeden Tag davon erzählen.  Ach jetzt übertreibe ich vielleicht, aber wen juckt das? 
Fö: Kämpfen wir uns doch mal durch zur Center Stage. Hier machen ZILPZALP den Opener, eine recht junge Band aus Honolulu. Deutschsprachiger Screamo mit ein wenig Gefrickel. Ich hab keinen Bock mich durch die Massen zu schlängeln und genieße das Konzert vor der Leinwand neben dem FOH-Tower.
Fö: Auf der Second Stage spielt parallel dazu BECK, aber als wir ankommen scheint er gerade zuende zu sein. Wir kriegen  noch mit, wie das Backdrop weggetragen wird.
mrks: Habe ZilpZalp nur von weitem vernommen da ich einem Flunkyballturnier am Zeltplatz beiwohnte. Hab natürlich nur beobachtet und mich fremdgeschämt. Leute, die Flunkyball spielen, sind zwar sehr belustigend aber zu einhundert Prozent richtig peinliche Trottel.
Fö: Beim festivaleigenen Zahnarzt kann man sich seine kostenlose Prophylaxe abholen oder Gipsabdrücke fertigen lassen. Letzteres findet später reißenden Absatz, als Leute anfangen, ihre Genitalien auszupacken.
mrks: Apropos Zahnarzt: Bin ich zwar nicht geworden, trotzdem hau ich Zähne raus und handel mit Plomben. Verticke das Pulver aus dem Dixieklo raus. Mache während ZilpZalp ihr Set spielen direkt einen Batzen und stecke ihn in die Spendenbox weil sich das nunmal so gehört.
Fö: Kurz ne Stärkung am veganen Gyros-Stand, wo es schaufelweise Gyros ohne alles gibt. Verdammt lecker! Ebenfalls vor Ort: die Promoteams von Schwarzer Krauser! Der Tabak enthält jetzt 75% Teer.
mrks: Oh Oh Oh da darf tief eingeatmet werden.
Fö: Schlängeln wir uns mal nach vorne durch gen Center Stage. Als wir am ersten Wellenbrecher vorbei sind, ist das Gröbste überstanden und wir stehen quasi auf Augenhöhe mit der Band KALKAVÉ.
Fö: Kalkavé aus Australien wurden ja zuletzt vom Rolling Stone geadelt als die Zukunft des neumodischen Progpop. Man merkt den Bandmitgliedern ihre Erfahrung an, sie agieren wie aus einem Guss.
mrks: Letztes Jahr noch auf kleinerer Bühne mit ihrer Vorgängerband Willy Fog, die trotz überzeugender Festivaltauglichkeit und vom Musikexpress zum Album des Monats im Dezember 2013 gekürter Debütplatte, stets ein Geheimtipp blieben. Heute steil auf dem Weg ganz an den oberen Rand des Festivalflyers, gleich unter den Logos der präsentierenden Fachgazetten (bierschicken und punkrocködnis)
Fö: Wir wechseln mal das Pflaster und latschen rüber zur Hopfen-Bühne. Ein beschaulicher Weg, man kann sich aber auch eine Rikscha mieten, um von Bühne zu Bühne zu kommen. Hier hat sich heute die internationale Skinhead-Elite versammelt, um den Godfathers of Oi! zu huldigen: CURB STOMP aus England.
Fö: Die Streetrock-Legende startet in Kürze ihre Comeback-Tournee und gibt vorab ein exklusives Stelldichein beim Currystübchen-Festival. Heute wird der neue Bassist N.Easy vorgestellt, der sein Bad in der Menge sichtlich genießt.
mrks: Die Securitykräfte vor der Bühne wirken ziemlich eingeschüchtert von den kahlrasierten Skinheadhorden vor und auf der Bühne. Hab die auf dem Zeltplatz noch garnicht wahrgenommen. Wahrscheinlich haben die alle extra Tagestickets für die großen CURB STOMP geholt und fahren nach der Show sofort wieder zurück in ihre Fußballstadien. Macht ja auch fast Sinn bei einem eintägigen Festival auf Spendenbasis. 
mrks: Die gewaltverherrlichenden jugendgefährdenden Texte des orchestralen Oi-Vierers klingen aus 1000 hungrigen Kehlen gegröhlt fast so imposant wie auf Platte. Oder wie ein Kind was sich nackt am Strand eingebuddelt hat. Verstehst du den Witz? IM-PO-SAND. Hast kapiert? Weil am Strand viel Sand ist und so. Naja wie dem auch sei. Die Band beliefert ihr Publikum verlässlich wie gute Postboten. 
Fö: Sehr schön auch die Rap-Einlage (geil, endlich wieder ein Schlagzeugerfoto! Danke übrigens für den Fotopass!), die zeigt, dass Rap'n'Skins United nicht nur ein bloßes Lippenbekenntnis ist.
mrks: Die Jungs zeigen einfach das sie Authentizität groß und vor allem korrekt schreiben können. Das alte Gerücht CURB STOMP wären das Produkt einer britischen Castingshow, kann spätestens ab jetzt als "haltlos" bezeichnet werden.
Fö: Ganz herrlich: Eine Ballade am Schluss! Da können die ganzen Festivalromantiker mal artig ihre Feuerzeuge rauskramen.
mrks: Oder auch die Smartphonedisplays, das macht man alternativ ja auch heutzutage ganz gern mal auf Rockfestivals.
Fö: Eigentlich wollten wir nach diesem besinnlichen Glatzenkonzert noch kurz beim Hair-Metal-Floor vorbei schauen, aber der Zeitplan des Festivals ist leider sehr eng gestrickt. Und ein paar Töne von 勢い wollte ich dann doch noch mitkriegen. Die aus jungen Eskimos bestehende Band hat kürzlich ihr Debütwerk auf Rough Trade rausgebracht und landete damit in sämtlichen Toplisten auf den vordersten Plätzen. Und jetzt spielen sie auf der Center Stage!
mrks: Jep, die Metalparty muss leider ohne uns steigen. An der Centerstage finde ich zwar keine Glatzen vor, allerdings wieder die üblichen Festivalgestalten. Also die Morphsuit Jungs, die Modebloggerin, den auf einem Hund schlafenden Punker und den Typ im Borat-Tanga.
Fö: 勢い liefern tatsächlich die atemberaubendste Performance, die ich seit Langem gesehen habe (wobei, als die ganzen Skinheads gerade alle ihre Zigaretten ansteckten, blieb mir auch kurz der Atem weg...)! Ein echt schwer zu umschreibendes Kleinod an Musik, sehr experimentell und fesselnd. Klaviertöne, ein Glockenspiel, eine pendelnde Glühbirne und viele kleine Spielereien verbinden sich zu einem mitreißenden Wust vielfältiger Eindrücke. Fühlt sich an, wie auf einer Bahnstrecke unvermittelt von zwei ICE's gleichzeitig überholt zu werden.
mrks: Verpasse dieses asiatische Zeichen (der Bandname ist ein asiatisches Zeichen) dann doch leider gänzlich, da ich Geschäfte machen muss und danach in meinem Zelt eine Dose Ravioli kalt genieße. Schade eigentlich, scheint ja ein echtes Highlight gewesen zu sein. Was machen Sachen. Nach der Stärkung zieh ich die Bahn Richtung MainStage, wo die New Yorker Indiedurchstarter BROOKLAND schon mit den Füßen scharren wie zwei gedopte Kampfhähne in einer philippinischen Hinterhofwettarena für teilweise legale Hahnenkämpfe
Fö: Hier warten alle gespannt auf den heutigen Headliner! Auf den anderen Bühnen läuft das Programm nur noch gedämpft, damit auch alle die Chance haben, etwas von den Shoegaze-Heroen BROOKLAND mitzukriegen. Dank Presseausweis schaffen wir es sogar bis ganz nach vorne und werden Zeuge eines Glanzstücks der Musikgeschichte.
Fö: Das charismatische Duo, das sich nach seinem Herkunftsort Brooklyn benannt hat, zaubert direkt von den ersten Tönen an allen Anwesenden ein seliges Lächeln aufs Gesicht. Mit zarten und gleichzeitig erstaunlich robusten Klangmustern wird uns die frohe und ermutigende Botschaft dieser Band eingeprügelt, deren oberste Mission schon immer der Weltfrieden war.
mrks: Oh wie schön ist Panama? Ein glorreicher Auftritt, gutgekleidete Menschen liegen sich, wohin man auch schaut, zum Himmel hoch jauchzend in den Armen. Keine Chance sich den Glücksgefühlen zu entziehen, welche das modisch am Zahn der Zeit nagende Duo mit Hilfe ihrer zahlreichen Hits auf die Crowd abfeuert. Sie nehmen uns mit auf eine Reise ins Brookland. Mein Kopf dreht sich wie die Typen im Moshpit vor der Bühne. Das liegt daran, dass ich am Wunderbaum naschen durfte. 
mrks: Kann ein Festival grandioser ausklingen? Ich wag es zu bezweifeln. Das Currystübchen Festival ist nun offiziell eine DER Topereignisse im Ruhrgebiet. Man kann es nicht anders sagen. Gelungenes Ambiente, ein Line Up was für jeden Geschmack zwei, drei Perlen bereithält, günstige Lage, fairer Eintritt. Sowas kann man sich aus Draht nicht nachbiegen und daher hab ich mir auch schon mein Early Bird Ticket für nächstes Jahr gesichert.
Fö: Wahrlich eine Bereicherung für die internationale Festivallandschaft. Nächstes Mal muss ich unbedingt mehr Zeit mitbringen und die vielen anderen, teils versteckten, Bühnen und Attraktionen besichtigen. Da hat mal jemand etwas so richtig Beeindruckendes auf die Beine gestellt!

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