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Trees Not Bombs Vol. 4, Fuck'it'Head, Gin Catatonic, The Coconut Green, 17.06.2016 in Schwerte, Rattenloch - Bericht von Zwen

Trees Not Bombs Vol. 4, 17.06.2016 in Schwerte

Zwen: Heute ist es so weit. Dieser Tag wird als die vierte Runde des Trees Not Bombs gefeiert, aber auch in die Geschichte, als die Schlacht bei Schwerte eingehen. Aber von vorne, wir finden uns gegen 17 Uhr im ehemaligen Lehrschwimmbecken der Friedrich-Kayser-Grundschule ein und kümmern uns um die Vorbereitung. Das Land hier ist fruchtbar und die Bewohner leben in Harmonie und Frieden zusammen. Streitigkeiten werden traditionell bei einer Jawollo-Brause, einem alkoholhaltigen Getränk, dem man eine mystische Wirkung zuspricht, gelöst. Dies sieht dann so aus, dass die Mitglieder der Streitparteien so lange das Getränk zu sich nehmen, bis beide Parteien den Grund des Streits vergessen haben. Heute stören jedoch ein paar Kolonialisten aus dem Osten die ländliche Idylle. Wie es dazu kam, lest ihr im Folgenden.
Peter: Ich komme spät und mit Rückenschmerzen von der Arbeit und fühle mich etwas zerstört, trotzdem habe ich das dringende Bedürfnis, noch ein bisschen unter Leute zu gehen. Im Rattenloch ist heute was mit Bäumen und Bomben. Bands spielen wohl auch. Kurzer Anruf bei der Gang.... ok, die sind schon alle vor Ort. Also entschließe ich mich, mich auch auf nach Schwerte zu machen.
Leider macht mir mein Abendessen fast einen Strich durch die Rechnung. Schon kurz nach dem Essen setzen die ersten Wehen im Unterbauch ein. Na toll, auch das noch! Ich laufe wie ein Tiger in der Wohnung auf und ab und weiß nicht ob ich es wagen kann so vor die Tür zu gehen. Auf gar keinen Fall möchte ich zwangsweise eine Sitzung auf einer Zugtoilette oder dem Klo im Rattenloch einlegen. Aber es hilft nichts, da ich am nächsten Morgen wieder früh aufstehen darf, heißt es "jetzt oder nie". Mit leichter Paranoia und dezentem Schweißfilm auf der Stirn begebe ich mich auf den Weg zum Bahnhof. Eigentlich komme ich entweder grade noch rechtzeitig oder zu spät am Gleis an, heute bin ich ganze 15 Minuten zu früh dran. Die Bahn steht aber bereits am Gleis und ist zu meiner Begeisterung schon gut gefüllt. Ich quetsche mich zwischen zwei laut lästernde 13 jährige Mädchen und einen Typ mit Lockenmähne, der die ganze Zeit mit seiner Mutter telefoniert und dabei schwer genervt ist. Da ich meine Kopfhörer mal wieder vergessen habe muss ich mir das Gelaber von links und rechts die komplette Fahrt lang in all seiner Pracht geben, was mal wieder richtig hässlich macht, wie Supernichts schon vor langer Zeit treffend feststellten. Ich denke kurz daran, wie schön das fahren mit der Bahn doch ist wenn man im Ausland ist und das Gebrabbel um einen herum im besten Fall nicht versteht. Aber mit den ersten paar Bier verschwinden wenigstens langsam die Rückenschmerzen und die Wehen im Unterbauch.
Zwen: Eigentlich fängt alles ganz harmlos an: Gegen 21 Uhr fängt heute die erste Band THE COCONUT GREEN an, uns mit Indie zu beglücken. Neben mir werden gerade Vergleiche zu den Arctic Monkeys gezogen. Das kann ich weder bejahen, noch abstreiten, schließlich kenne ich von den Arctic Monkeys überhaupt nichts. 
Peter: Spät fängt es heute an und ruhig. Das Rattenloch füllt sich nur gemächlich und ein Großteil des Publikums steht noch vor der Tür um einen Bierkasten herum und raucht. Ein Teil von ihnen kommen dann netterweise herein als sie irgendwann freundlich daran erinnert werden, dass nun im Innenraum eine Band spielt. Kann man ja mal vergessen.
Zwen: Was ich weiß, ist, dass The Coconut Green Indie machen. Zum Glück nicht diesen Indie, wo das Boot ganz langsam zur Mitte des Sees paddelt und es dort so geräuschlos mit alle Mann untergeht, dass es wirklich niemand - nicht mal die Seenotrettung - interessiert und auch nicht den belanglosen Indie, den gefühlt nur Anzug tragende Schweden mit mittellangen blonden Haaren machen können.
Peter:Heute Abend ist der Abend der bescheuerten Bandnamen: Als erstes spielen "das Kokosnuss Grün" dann "Gin Katatonisch" und dann der "Head"liner (Achtung Wortwitz) der auch den beklopptesten  Namen hat: "Fick `es` Kopf". Ist halt nen Punkkonzert. 
Zwen: Coconut Green sind da aber anders im Spiel und mehr so die alte Schule-Fraktion. Es gibt also auch ziemlich Rock'n'Rollige-Einflüsse und sogar bei den schnelleren Liedern ein Quäntchen Punk.
Peter: Kokosnuss Grün erinnern mich manchmal an the Hives. Machen ihre Sache soweit ganz gut, die jungen Herren im "Sparkassenmitarbeiter -Look". Ein bisschen Indie, viel Rock und ein ganz klein bisschen Punk.
Zwen: Aber nun zur eigentlichen Schlacht, diese nimmt ihren Lauf nämlich im unten im Pool und beginnt mit einem kleinen Wrestlingmatch zwischen dem Herausforderer "Skinhead Pit" und dem Verteidiger "Semiahmoo John". Beide Kontrahenten schenken sich heute nichts und so gibt es bei einer Mischung aus Material Arts, Teakwondo und vor allem betrunkenen Umhertorkeln eine fulminante Bandbreite an verschiedenen Wrestlinggriffen zu sehen.
Peter: Die beiden lenken fast meine ganze Aufmerksamkeit auf sich. Was ein spannder Kampf/Tanz. Sobald die Band mit einem neuen Song startet beginnt auch eine neue Runde im Ring. Jede Runde beginnt mit einem leichten antanzen, in dem Einflüsse aus Ballett, Pogo und Capoeira zu erkennen sind. Dann steigert sich das ganze in ein Gemisch aus Wrestling, Thai-Boxen und Martial-Arts. Unter Zuhilfenahme der Ring-Seile bzw. Wände und Sprüngen von der Achten Stufe in den Ring, kann sich "Pit" vorerst die Gunst der Punktrichter sichern.
Zwen: Ein spektakulärer Schlagabtausch! Die Wettquoten von 6 zu 1 auf "Skinhead Pit" sprechen eigentlich eine klare Sprache und zunächst sieht es auch so aus, als müsste John diesmal, trotz sehr ausgefeilter Technik aufgrund der Traktate seines Gegners seinen Titel abgeben.
Peter: John kann sich nach einem verunglückten "Pile-Driver" aus den Pranken von Pit retten und verlässt kurzzeitig den Ring um zu schmollen und sich lautstark beim Schiedsrichter wegen "Foulspiels" zu beschweren. Dieser wiegelt ab, "alles regelkonform". Wieder im Ring versucht sich John an seiner Spezial-Attacke der "Manitou-Flame", diese wird aber mit einem "Beer-Spit" von Pit gekontert.
Zwen: Aber nichts da! John gelingt der vernichtende Schlag gegen Pit und dieser sinkt zu Boden. K.O. nach dem fünften Song. Die Menge tobt. John wartet sehnsüchtig auf den nächsten Gegner. Was ist denn mit dir, Peter?
Peter: Ich hab es kommen sehen. Pit hat seine ganze Energie in den ersten vier Runden verblasen und liegt nun nass und ausgeknockt in der Ringecke und wird von seinem Trainer angeschrien.
Ich kann den zahlreichen Aufforderungen an seiner Stelle in den Ring zu steigen in Hinblick auf meine  Rückenschmerzen und meiner langen Trainingspause so gerade widerstehen.
Zwen: Vor lauter Feierei verabschiedet sich dann noch der PC des Lichtmischers. Wup! Dunkel! 5 Minuten Pause. Dann geht's weiter.
Peter:  Ich dachte mit Ende des Kampfes endet auch die musikalische Begleitung und gehe mir ein Bier holen.
Peter: Als ich wieder rein komme, spielt schon wieder eine Band. Hören sich genauso an wie "Kokosnuss Grün", sehen auch so aus. Irgendwie seltsam.
Peter: Immer noch "Kokosnuss Grün". Immer noch ganz in Ordnung, aber das Set ist viel zu lang.
Zwen: Aufgrund des gerade losbrechenden Kanonenhagels sehe ich von GIN CATATONIC nicht mehr so viel. Der kurzhaarige Drummer wurde aber auf jeden Fall quer durch den Raum geschmissen. Oi! 
Peter: Wat denn für Kanonen? Der katatonische Gin macht wohl Grunge-Punk. Hab ich bei der Beschreibung eigentlich schon gar kein Bock drauf.
Zwen: Ich mache dieses Foto mit Blitz. Hef nimmt seine Gitarre, holt aus und dann gingen für mich die Lichter aus...
Peter: Für mich gehen zwar gerade erst die Lichter bzw. die Lampe an aber ein Blick auf die Uhr verheißt nichts gutes, in 20min fährt meine letzte Bahn zurück.
Peter: Noch ein kurzer Blick auf den katatonischen Gin. Die fangen mit einem Cover von Jimi Hendrix "Purple Haze" an. Boah echt jetzt? Warum das denn? Dann verkacken sie es auch noch komplett. Zwen ist auch ganz neben der Spur und faselt nur noch was von "Kanonen und Kolonialisten", hat vielleicht wieder Engelstrompete und Küstennebel gemischt. Ich bin raus, verabschiede mich von dem Rest der Gang und mache mich auf zum Bahnhof.
Zwen: "Come On, Party People. Let's get ready to rock!" sind die ersten Worte, die ich wieder höre. Irgendwie weit weg und irgendwie dumpf. Ich blinzle. Grelles Scheinwerferlicht schlägt mir entgegen. Mit zittrigen Händen greife ich meine Kamera und bleibe aufgrund des Dauerfeuers erstmal flach liegen. Mein Schädel schmerzt. Irgendwer drückt mir sein Kaltgetränk in die Hand, ich nehme einen Schluck und so langsam klärt sich mein Blick.
Zwen: FUCK'IT'HEAD scheiden jedenfalls die Geister. Immerhin hat sich der Ring, zumindest was die Besetzung angeht, vergrößert. Ein bunter Knäuel an Gestalten haut sich gerade munter eins auf die Zwölf. 
Zwen: Der Auftritt ist auch in Ordnung. Auch das Sham 69-Cover "If The Kids Are United" geht klar, aber "Heart Full Of Pride" von Perkele? Ernsthaft?! Das gibt Krieg. Die Kolonialisten greifen endgültig an.
Zwen: ...und wie jeder Krieg dauert auch dieser einfach viel zu lange und ist viel zu verlustreich.
Zwen: ...und an die Hunde denkt schon lange keiner mehr.
Zwen: Das Hoffen auf Frieden scheint ein realitätsfernes Träumen zu sein.
Zwen: Am Ende jedoch steht das Bier. Das bringt zusammen und die Menschen besinnen sich auf ihre Gemeinsamkeiten, da sitzt dann der Skinhead, neben dem Punkrocker und der Metalhead neben dem Hippie und alle ziehen an der Friedenspfeife. Happy End.
Peter: Du lügst doch! Da waren doch nur zwei Punkrocker und zwar "Matze" und "der Messias" und die rauchen doch beide gar keine Pfeife.

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