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Youth-Brigade Festival 2016: Princess of Tremonia, MadHatter, Fighting Chance, Abschaumbad, Gin Catatonic, Blizzard, Basic Error, Battra//, Kickstern, Senor Karoshi, Tante Mayer, Die Deislers, Außer ich, Tweak Machine, Our Burden To Prevail, Dickes Gebäude, EKG, Dices Fallen, Chefdenker, ATOA, Brookland, Egotronic, 08.07.2016 in Dortmund, FZW - Bericht von der Redaktion

Youth-Brigade Festival, 08.07.2016 in Dortmund

Zwen: Heute ist endlich wieder Youth Brigade im FZW. Mit diesem Festival verbinde ich nur emotionale Erlebnisse. Hmm...das klingt jetzt so ironisch, ist es aber gar nicht, schließlich habe ich hier selbst auch schon drei Mal mit insgesamt zwei unterschiedlichen Bands gespielt und bin heute zum zweiten Mal in meinem Leben als ganz normaler Besucher da. Außerdem habe ich hier die Leute kennengelernt, die immer noch zu meinem intimsten Freundeskreis zählen. Krass, oder? Dafür hebe ich dann selbst meine Ich-gehe-nie-wieder-ins-FZW-Einstellung auf. Stattdessen habe ich heute ein neues Dogma: Immer, wenn eine Schülerband mit 5-10 Leutchen vor der Bühne anfängt, extremst nervige Partyspielchen a la "Und jetzt mal alle hinsetzen" oder "Der ganze Raum jetzt mal die Hände hoch!" oder "Auf der drei macht ihr alle pups!" zu machen, verlasse ich selbst den Raum. Ich bin gespannt, wie viele Bands ich heute komplett sehe bzw. nach dem wie vielten Song ich bei einigen Kandidaten den Raum verlasse.
Fö: Mein, wenn ich richtig gezählt habe, sechstes Mal beim Youth Brigade (ist ja auch die sechste Ausgabe) und das zweite Mal, bei dem ich auch Mitglied des Orga-Teams bin. Was dazu führt, dass ich zwar bei jeder Band kurz mal ein paar Sekunden reinlinse, aber mir keinen Auftritt so wirklich voll geben kann, weil ich entweder damit beschäftigt bin, Arbeit zu suchen, oder damit, der Arbeit zu entfliehen.
tenpints: Puh, das war ein hartes Brot. Dafür, dass ich mich eigentlich gar nicht mehr für Musik interessiere, sondern nur noch für die kommunistische Weltrevolution, komme ich ganz schon früh, nämlich vor 18 Uhr. Vor 18 Uhr kostet der Eintritt nur fünf Euro, danach das Doppelte! Trotzdem ist kein Schwein da. Oder, na ja, es wirkt halt so, weil sich alles verläuft. Das Konzept dieser Veranstaltung erschließt sich mir nicht.
Schlossi: Hätte nicht gedacht, dass ich das mal schreibe, aber ich schließe mich der Meinung meines Vorredners an...minus den Teil mit der Musik und der kommunistischen Weltrevolution.
Fö: Schon 150 Zahlende vor 18 Uhr. Das Orga-Team patscht sich erleichtert gegenseitig auf die Schultern, während die Besucher zurück zum Kiosk latschen, oder kurz nach Hause, oder was man sonst so außerhalb des FZW machen kann.
Zwen: Als ich reinkomme, spielen gerade PRINCESS OF TREMONIA. Bei denen weiß ich jetzt schon, dass sie einen Platz im Bierschinken-Jahresrückblick bekommen, nämlich in der Kategorie dämlichster Bandname. Ich sehe auch nur ein oder zwei Songs und weiß einfach nicht so recht. Es ist nicht mal so peinlich wie ich gedacht habe, nein, es ist nicht mal schlecht, sondern einfach nur langweilig und uninspiriert. 
Fö: "Uninspiriert" vielleicht deswegen, weil Coversongs dargeboten werden? Coverbands ist zwar die Zukunft, wie der geneigte Chefdenker-Fan weiß, aber was das Thema betrifft, bin ich eher ein wenig no-future eingestellt. Mir fehlt da auch ein wenig die Ironie, die man eigentlich an den Tag legen sollte, wenn man Liquido covert.
Zwen: Die nächste Band, die ich mir anschaue, ist der MAD HATTER, die ich ja auch schon vor ein paar Wochen hier gesehen habe.
Zwen: Heute machen sie auch weitestgehend das Gleiche, aber immerhin hat man sich meiner Kritik angenommen und hat ein wenig mehr Hut-Action in die Show gebaut.
Fö: Hm. Irgendwie Musik, die son paar Jahrzehnte Rockgeschichte vereint, was, gemessen am vermuteten Alter der Bandmitglieder, schon verwunderlich ist. Soweit ganz nett.
tenpints: Ich komme also rein und setze mich an den Tresen, denn dazu laden Mad Hatter musikalisch sehr ein. Leider laden sie mich nach fünf bis zehn Minuten aber auch schon aus, da in den Liedern einfach so gut wie gar nichts passiert, nicht einmal ein Aufruf zur Revolution. Was will diese Band? Warum macht sie Musik? Ich verstehe es nicht.
Fö: FIGHTING CHANCE. Eine Band, wie man sie sich als Veranstalter wünscht. Wollen freiwillig möglichst früh spielen und hauen ab, ohne nach Gage zu fragen.
Fö: Musikstil: Metalcore. Kann ich einfach absolut nichts mit anfangen. War übrigens der Musikstil, der (gefühlt) unter den Bewerbungen fürs Youth Brigade am Häufigsten vertreten war. Stirbt dieser Musikstil denn nie aus?
Zwen: Und nun der wahre Headliner, der auf den Namen ABSCHAUMBAD hört. Diese bringen dem geneigten FZW-Publikum eine Punkrock-Show der Avantgarde. Würden Lemmy und Freddie Mercury noch leben, würde ihnen definitiv das Herz aufgehen.
Zwen: Das ist einfach ehrlich vorgetragener Punkrock, der seinesgleichen sucht. Die Band hat seit einem halben Jahrzehnt nicht mehr geprobt und ist geil wie eh und je. Auch wenn man mittlerweile, wegen der Familie, ein bisschen kürzer treten muss, heißt das nicht, dass man in den 45 Minuten, die man noch hat, nicht richtig Gas geben kann.
Zwen: Außerdem ist die Band gegen Dosenpfand, was die Jungs direkt mal unterstreichen, indem sie der Meute eine Dose zum Zerstören geben. Das sind dann die Showeinlagen mit denen auch ich mich anfreunden kann. Um die Streetcredibility zu unterstreichen, gibt es übrigens die hier im Bild zu sehende Capi mit dem Aufdruck "Sorry, I'm punk". 
Fö: Ich fand die auch ganz gut! Hatte mir aber, offen gestanden, dilettantischen Rumpelpunk erhofft, stattdessen kommen die doch recht versiert rüber, was meine Begeisterung etwas schmälert.
Zwen: Ansonsten wird sich auch manchmal professionell verspielt, was natürlich auch zur Show gehört. Aus meiner Warte ist das hier definitiv ein würdiger Nachfolger für den sich auflösenden Der Gierige Diktator
tenpints: Na ja. Der Gierige Diktator sah gut aus und versuchte nicht witzig zu sein. Also, jedenfalls nicht auf diese Art. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie sehr mich Abschaumbad mit ihren "ironischen" Ansagen deprimieren. Und die Musik taugt auch nichts. Jetzt kann mich nur noch der Kommunismus retten!
Zwen: Meiner Meinung nach ist der Skandal heute nicht, dass Chefdenker und Brookland zeitgleich spielen, sondern dass Abschaumbad Überschneidungen mit GIN CATATONIC haben.
Zwen: Aus diesem Grund kriege ich von der Band auch nur noch die letzten beiden Songs mit. Eigentlich schade, wirken sie doch heute deutlich fitter, als im Rattenloch.
Fö: Ich kriege zwischendurch ein wenig mit und bin durchaus angetan. Irgendwie so dreckiger Grunge-Punk. Grunge ist ungefähr so wenig meine Musik wie Metalcore, aber irgendwie haben Gin Catatonic das gewisse Etwas. Mir gefällt das jedenfalls!
Zwen: Im Gegensatz zum Rattenloch-Auftritt hat Fynni sich heute auch nicht die Hand zerstört, was seinem Schlagzeugspiel natürlich stark zu gute kommt.
Zwen: Auf besondere Empfehlung von Fö schaue ich mal kurz in den große Halle rein, wo gerade die Band BLIZZARD spielt. Die hier zum Tanze spielenden Bands tangieren mich generell eher peripher, da mir die Aufstellung doch etwas zu core-lastig ist.
Zwen: Blizzard machen jedenfalls keinen Metalcore, sondern Pop-Rock/Stadion-Rock. Zwar mit nur halb so viel Testosteron, wie Audiospace oder The Klit Korea, trotzdem reicht es immer noch für eine verdammt peinliche Show vor verdammt und ich meine wirklich VERDAMMT wenigen Leuten.
Zwen: An der Gitarre übrigens der uneheliche Sohn von Thomas Gottschalk und Tyrion Lannister.
Zwen: BASIC ERROR ist eine Band, die ich mir heute wirklich anschauen möchte, da wir 2012 mal zusammen in Fröndenberg vor insgesamt fünf zahlenden Gästen gespielt haben, die alle von Basic Error mitgebracht wurden. Ich glaube das Rock Cafe in Fröndenberg hat danach nie wieder Live-Konzerte gemacht. Musikalisch hatte ich die Band als Pop-Punk eingespeichert, das kann man sich ja unter Umständen ganz gut reintun.
Zwen: Joa, Pop-Punk ist das, jedoch weniger der neue, erfrischende Pop-Punk, den Bands wie Maskede Intruder und Teenage Bottlerocket zelebrieren, sondern viel mehr dieser Schüler-Pop-Punk, der sich 2012 in der Region Dortmund, Unna, Kamen durchaus großer Beliebtheit erfreute. Wer selbst aus dem Kreis kommt und noch Bands wie Independet Noise oder Muted Noise kennt, der weiß Bescheid.
Fö: Warum heißen sie dann nicht Basic Noise?
Zwen: Wirklich viel kann ich aber zum Auftritt selbst nicht sagen, schließlich folgt schon im zweiten Song ein nerviges Mitmach-Spiel an das ich mich heute nicht mehr erinnern kann.
tenpints: BATTRA// klingen von draußen vorm Fenster unglaublich geil, und da dort ein Loch im Vorhang ist, kann man sogar reinschauen. Ich sehe den Schlagzeuger richtig geil präzise brettern und Fö lässig am Tresen lehnen. Was will ich mehr?
tenpints: Na ja, gut, die kommunistische Weltrevolution halt.
Fö: Super Band! Bass-Schlagzeug-Gröl-Krach. Brachialer Hardcore-Punk-Krams. Vorbeilaufende Leute (neben der Bühne ist der Durchgang zum Biergarten) reagieren mit verschreckten Gesichtern, panischen Blicken und Händen auf den Ohren. Das mag ich. Musik muss weh tun. Musik muss Angst machen.
tenpints: Hier im Bild: der Vorhang!
Schlossi: Ich glaub, das war dieser infernalische Krach, zu dem ich die heiligen Hallen des FZW betrete. Passt ja irgendwie, höhö.
Zwen: Ne, ich geh' jetzt erstmal vor die Tür, da gibt es gerade Frei-Hansa. Auch wenn die Bierpreise heute mit 2 € für 0,3l für FZW-Verhältnisse ja wirklich noch klar gehen, ist das natürlich reizvoller.
Fö: Nun in der Halle: KICKSTERN! Heute Geburtstagsshow von Sänger Jörg, dazu findet sich sogar mehr Publikum vor der Bühne ein als bei den sonstigen Acts, die auf dieser so spielen. Eigentlich schade, diesen Kontrast zwischen großer Bühne und wenig Zuschauern finde ich immer ziemlich witzig.
Fö: Das Youth Brigade ist ja ein Festival für junge Leute und junge Bands, auch wenn sich da nicht alle dran halten. Immerhin auch ne Möglichkeit, die neuesten Trends auszuchecken. Und der Trend geht eindeutig zur hippen Hippie-Hose, Heff von Gin Catatonic überzeugte auch schon mit so nem Teil!
Schlossi: Wunderschöner Gitarrenamp, mit zwei Mikrofonen, einer zielt auf die Kalotte für die Höhen, das andere ist eher auf den Rand augerichtet, für den Bassanteil. Ist aber nur geschätzt.
tenpints: SENOR KAROSHI. Love-A-Shirt und Hornbrille, das muss Emo-Punk sein. Ist es auch! Wirkt sympathisch, erzeugt in mir aber keine besonders angenehmen Emotionen. Macht nichts, leg ich mich halt draußen in die Sonne, vor einen Bauzaun, in Schutt und Scherben rein. Direkt siebzehn Jahre jünger, ach, herrlich, als ich siebzehn war, war der Zusammenbruch der Sowjetunion gerade mal neun Jahre her! Wie die Zeit vergeht...
Schlossi: Schlagzeugerfoto.
Schlossi: SENOR KAROSHI find ich gut, bin ja auch ein emotionaler Typ. 
Fö: Als ich reinschaue, covern sie gerade Schreng Schreng & La La. Ich weiß, ich mag keine Coverbands, aber so zwischendurch mal La Schreng covern kann man doch durchaus machen.
Fö: Auf der kleinen Bühne: TANTE MAYER. Zwei Akustikgitarren, ein Cajón, und somit der Albtraum der meisten Bierschinken-Schreiber. Kriege ich nur so im Vorbeigehen mit, scheint den Leuten aber zu gefallen.
Zwen: Ich komme wieder zurück zu den DIE DEISLERS. Die spielen in der Halle und machen keinen Metalcore, sondern Fußball-Punk. Was ist das für 1 Genre? Ne, mal ernsthaft, ich habe noch nie von den Deislers gehört, aber ich stelle mir in etwa eine Mischung aus Knochenfabrik und Sportfreunde Stiller vor und damit liege ich auch gar nicht mal so verkehrt.
Zwen: Tatsächlich gibt es immerhin musikalisch ziemlich rotzigen Deutschpunk zu hören. Das Fußball hingegen bezieht sich eher auf die Texte, die man trotz gutem FZW-Sound eh nicht so gut versteht.
Fö: Angeblich mögen sie gar keinen Fußball und meinen das alles voll ironisch. Eine Ironie, die ich nicht verstehe. Wie bei allem, was mit Fußball zu tun hat, nehme ich lieber Reißaus.
Zwen: Was soll das eigentlich mit diesem zu niedrigen Mikro? Das ist jetzt irgendwie auch so eine neue Deutschpunk-Mode, oder? 
Fö: Alle Trends erreichen früher oder später auch das Youth Brigade.
tenpints: AUSSER ICH haben mit Senor Karoshi zusammen eine Split aufgenommen und feiern heute hier, ausgerechnet hier, ihre "Release-Party". Unglaublich.
tenpints: Auch Außerich machen Emopunk, aber eher der Sorte Düsenjäger, also etwas ruhiger, nicht ganz so aufgedreht, wunderbar melancholisch und warm, und genau so wird es mir auch ums Herz dabei. Tolle Band! Sicherlich auch Fans der Revo.
tenpints: Die Texte handeln, soweit ich sie mitbekomme, von psychischen Krankheiten und Problemen, die man halt so kriegen kann, wenn man im Kapitalismus groß wird. Sehr gut, weitermachen, danke für den Auftritt!
Fö: Ich dachte, die singen ausschließlich übers Saufen?
tenpints: Das nächste Mal möchte ich die Band aber dann gerne in einem AZ sehen oder so. Das wird dann noch schöner! Es ist gut, wenn man sich auf was freuen kann.
Schlossi: Was macht das blaue Licht? Es leuchtet blau. Und ich kapituliere, so kann ich keine Fotos machen. Ich lasse mir aber von einem Professionellen bestätigen, dass mit meinem Equipment nicht mehr rauszuholen ist, liegt also nicht an mangelndem Talent...oder gar mangelnder Motivation. Davon aber mal ab, war's ein guter Auftritt.
Schlossi: Manchmal ist alles einfach nur düster und leer.
Zwen: Die nächste Band auf die ich sehr gespannt bin ist die TWEAK MACHINE, bei denen teilweise alte Bekannte aus dem Rattenloch-Umfeld spielen. Ich bin ein bisschen überrascht, dass Markus singt, kenne ich ihn doch bisher nur an verschiedensten Instrumenten. Macht er aber hervorragend und Rockröhre kann er auch, wenn er denn möchte. 
Zwen: Apropos Rock, genretechnisch nenne ich das Ganze jetzt einfach mal Alternative Rock. Hat etwas von den Red Hot Chilli Peppers, aber zugleich gibt es auch einen schönen Garage-Sound, der die Stücke nach vorne bringt. Die EP Supernova kannste hier hören.
Fö: Mir ist es etwas zu grungig und zu sehr Rockröhre, geht aber ganz gut nach vorne und man merkt, dass die Typen da einfach wissen, was sie tun.
Zwen: Markus empfiehlt uns auch "Tweak Machine" einfach mal zu googeln. Ich habe gerade "Twerk Machine" gegoogelt. Das ist auch sehr interessant.
Fö: OUR BURDEN TO PREVAIL. Das war, äh, Metalcore mit Deathmetal-Schrei-Attacken. Auch wieder sowas, was meinem Musikgeschmack eher wenig entspricht, aber zum Glück hab ich genug zu tun, um nicht lange vor der Bühne verweilen zu müssen.
Fö: Wir haben übrigens für jede Bühne einen eigenen Stagemanager, der sich um die Belange der Bands kümmert und natürlich auch um unsere Belange (den Zeitplan einzuhalten beispielsweise). Damit er seine Zöglinge auch immer erkennt, hat der Hallen-Stagemanager sich Notizen gemacht. Zu Our Burden To Prevail beispielsweise, dass der Sänger langhaarig und tätowiert ist. Eine Beschreibung, die auch auf die nachfolgende Band Dices Fallen zutrifft, woraufhin unserem Stagemanager der Kopf platzt.
Schlossi: Die fand ich für zehn Minuten ganz unterhaltsam. Und die jungen Leute hatten Spaß, vor der Bühne wurde getanzt. Oder war das bei der Metalcore Band danach?
Zwen: Im Club wird gerade total dramatisch das Licht gedimmt und spätestens als dann so ein Fraggle in roter Latzhose die Bühne betritt und an seinem MacBook rumfrickelt ist klar, dass dies schon das Intro zu DICKES GEBÄUDE ist.
Schlossi: Hier wurde auf jeden Fall getanzt!
Zwen: Joa, eigentlich war im Vorfeld ja schon klar, dass die Band entweder witzig oder total peinlich wird. Was es dann am Ende geworden ist, sagt doch schon ein Blick auf die Latzhosen.
Zwen: Der erste Song "Alles kaputt" ist wohl sowas wie der große Hit der Band und wird auch von fünf Leuten artig gefeiert. Danach gibt es ein Lied gegen Nazis bei welchem -ACHTUNG!- alle "Hände nach oben" gehen sollen. Ich schaue mich um und sehe jede Menge erhobene rechte Arme - wenn auch wahrscheinlich unbewusst. Irgendwie eine Szene, bei der ich wirklich ein ungutes Gefühl habe und mich frage, ob das der richtige Umgang mit derartigen Thematiken ist. Beim dritten Song und -ACHTUNG!- einem Mitmachpart, wo sich alle hinsetzen sollen, verpisse ich mich nach draußen.
tenpints: Mir war die Gruppe bisher komplett unbekannt, und gerne möchte ich in diesen Zustand der Gnade zurück. Aber man kann nicht alles haben, die Lektion lernt man in diesem Scheißsystem ja spätestens im Kindergarten. Tut trotzdem immer wieder weh.
Fö: Auch nicht so meins. Hatte da eigentlich ziemlich viel drauf gesetzt, das vorherige Reinhören weckte Interesse, aber irgendwie ist mir das zu prollig.
tenpints: Im Ernst: Das ist so ziemlich das Peinlichste und Erniedrigendste, was ich jemals... nein, gut, ich habe auch schon schlimmeres gesehen. Junggesellinnenabschiede z.B. Die sind aber nur marginal schlimmer. Wenn ich auch nur eine Sekunde länger diesen grausamen Deichkind-Abklatsch ertragen muss, beginne ich aus Fremdscham mit selbstverletzendem Verhalten.
tenpints: Man kann natürlich darüber streiten, ob hastiges Einverleiben von Bier, viel Bier, immer noch mehr BIER, auch eine Art von selbstverletzendem Verhalten darstellt. Eigentlich schon. Ja, ganz bestimmt sogar. Ich sprinte zum Bierstand!
Schlossi: Ich fand die tatsächlich gar nicht so schlimm. Unheimlich. Und das trotz des Deichkind-Vergleiches. Die lösen in mir mit ihrem bekackten Krawallundremmidemmi normalerweise eher Brechreiz aus. Vielleicht bin ich aber mittlerweile einfach so abgestumpft, dass selbst Partymusik keinen Hass mehr in mir auslöst. Was ist das für 1 life?
Zwen: Wenn ich dem Mischpult so nah gekommen wäre, hätte es eventuell seien können, dass ich versehentlich auf den Off-Switch gekommen wäre.
Schlossi: Aber sieht hübsch aus, nicht wahr? Mit diesen ganzen bunten Lichtern.
Zwen: Beim nächsten Mal rausgehen fragt mich der Drummer von EKG, ob ich nicht Lust hätte, dem grausigen Geheule eine 2. Chance zu geben. Da er so nett fragt, kann ich das natürlich nicht ausschlagen und finde mich vorne im Cafe ein.
Zwen: Heute finde ich die Band jedenfalls spitze. Schöner Punkrock aus der Garage mit einer großen Portion The Clash. 
Fö: Ich bin nur hier, damit der Drummer später nicht behaupten kann, ich hätte sie ignoriert. Vom Auftritt kriege ich aber mal wieder viel zu wenig mit - schade, klang echt ganz amtlich!
tenpints: EKG begeistern mich ebenfalls! Endlich mal eine wirklich positive Überraschung hier. Mir ist zwar nicht ganz klar, wieso man sich nach einem medizinischen Gerät benennt, aber was auf der Bühne rüberkommt, ist geradezu rührend ehrlich, leidenschaftlich und bodenständig. Als hätte man alle Klischees übers Ruhrgebiet in Punkrock gegossen. Schön!
Zwen: Hier der O-Ton eines begeisterten Herrens, der mir gegenüber seine Sympathie für diese Band ausdrücken wollte: "Jedenfalls besser als alle Bands in denen du jemals gespielt hast."
Zwen: Hier sollten eigentlich noch 50 Fotos vom Schlagzeuger folgen, aber der Chef hat sie leider fast alle wieder raus genommen.
Zwen: Dann stellen wir heute halt keinen Rekord auf mit den meisten Drummerfotos in einem Bericht. Toll...
Zwen: ...und hier ist auch schon das letzte Drummerfoto. Viel Vergnügen beim Weiterlesen...
Schlossi: Kurz reingehört, für langweilig befunden, weitergegangen zu der Metalcoreband in der großen Halle.
tenpints: Ich bin mir aufgrund meines SVV (s.o.) nicht mehr ganz sicher, welche der zahlreichen Metalcore-Bands mit peinlichen Namen ich mir ungefähr zehn Sekunden lang angeschaut habe. Vielleicht waren es DICES FALLEN, die mir das Konzept dieser Veranstaltung plötzlich haben einleuchten lassen: Alle Metalcore-Bands spielen vor möglichst wenigen Leuten in der riesigen Halle, damit sie sich gedehmütigt fühlen, die harten Kerle mit den fetten Riffs!
Fö: Dices Fallen machen eigentlich ganz gut Laune, zumindest gibt der Sänger eifrig Gas und tanzt auch mal über die Absperrung. In so ner großen Halle muss man ja irgendwie Nähe schaffen.
tenpints: Allerdings gehört es in der Metalcore-Szene vermutlich zum guten Ton, nicht gedemütigt werden zu können oder so. Das geht einfach nicht. An die Stelle des Gefühls, das normalerweise entsteht, wenn man vor einer leeren Halle fleißig am Rumgröhlen und -posen ist, tritt die realitätsgetreue Halluzination einer tobenden Menge aus harten Kerlen, die sich gegenseitig rhythmisch verprügeln, so ähnlich wie bei mir, wenn ich mich auf dem Balkon sitzend plötzlich in einer Datscha wähne, 1985, irgendwo bei Berlin...
Schlossi: Ich fand die für zehn Minuten ganz unterhaltsam. Der eine Typ kann sehr beeindruckend schreien. Und die jungen Leute hatten Spaß, vor der Bühne wurde getanzt. Oder war das bei der Metalcoreband davor?
Zwen: Und nun eine weitere Schülerband...ach ne, sind ja CHEFDENKER. Man könnte es bei dem ganzen Rumgepose aber tatsächlich denken.
tenpints: Chefdenker sind und bleiben seit vielen, vielen Jahren meine Lieblingsband. Das Konzept "Lieblingsband" hat ja so seine Tücken, ich z.B. benenne ständig unterschiedliche Bands als meine Lieblingsband.
Fö: Das hast du schön gesagt. Du bist einfach mein Lieblingsschreiber.
tenpints: Heute aber zeigen Chefdenker wieder einmal, warum sie zu Recht von Kommunisten in aller Welt als "Lieblingsband" bezeichnet werden: Schneidige Riffs, schneidige T-Shirts, schneidige Bäuche, schneidige Lieder, einfach alles ist schneidig heute bei Chefdenker.
Zwen: Ich glaube dieser Bericht wäre einfach noch mal doppelt so lang geworden, wenn ich alle Momente, in denen irgendwer mit seinem Instrument rumpost, fotografisch festgehalten hätte.
Zwen: Ich muss ja gestehen, dass ich Chefdenker von allen Claus-Lüer-Projekten am Schlechtesten finde. Auf das gesamte Deutschpunk-Segment gesehen heißt das, dass man immer noch erste Liga spielt, aber eben nicht unter den Top 10 ist.
tenpints: Ich sehe das diametral entgegengesetzt anders: Chefdenker sind musikalisch abwechslungsreich, intelligent und humorvoll - also alles, was Deutschpunk üblicherweise nicht ist. Aber lass uns nicht streiten, lass uns Revolution machen!
tenpints: Dieses Foto ist von mir. Es besitzt, das wage ich an dieser Stelle einfach mal in den Raum zu stellen, eine ähnlich visionäre Strahlkraft wie die Schriften von Karl Marx. Die Begeisterung in den leuchtenden Augen der jungen Dame vorne! Die Leidenschaft der Musiker! Die Bühnenstrahler an der Decke!
tenpints: Eins meiner Lieblingselemente des Gesamtkunstwerks Chefdenker ist der Kontrast zwischen Claus und Dominik. Ich werde auch nach gefühlten einhundert Konzerten nicht müde mir das anzugucken und abzufeiern, was die da machen, also z.B. Dominik hier. Dazu das Shirt! Ach, ich bin in diesem Moment einfach nur sehr glücklich über meine Fünf-Euro-Investition.
Zwen: Für mich war der beste Moment des Sets Claus' Blick während des total verkackten Solos zu "Zu cool für Rock'n'Roll". Herrlich!
Zwen: Claus erklärt uns heute, dass es bei Chefdenker üblich ist, dass, immer, wenn ein Musiker stirbt, man einen Song von diesem zum Besten gibt. Leider ist in letzter Zeit kein Musiker gestorben, sondern nur Bud Spencer, weshalb es ein Schellencover gibt. Dazu wird ein Punker auf die Bühne geholt, der auf lustige Art und Weise vermöbelt wird. Sehr gut! Gerne mehr davon!
Fö: Beste Ansage: "Der nächste Song ist gegen Nazis, mach das Keyboard lauter!". Oder war das bei der Band davor?
tenpints: Neulich hab ich Chefdenker ja in Essen gesehen, mit einem deutlich betrunkeneren Claus Lüer, einem wesentlich längeren Set und einem abwesenden Caddy. Dessen Anwesenheit pusht die musikalische Qualität Chefdenkers sofort sehr deutlich, das sei an dieser Stelle dann auch mal ganz fachmännisch festgehalten.
Fö: Letzte Band in der Halle: ATOA. Metalcore mit deutschen Texten, was schon fast ein Alleinstellungsmerkmal ist. Naja, zumindest ist man damit in der Szene, glaube ich, immer noch was Besonderes. Allerdings verströmen die Texte dermaßen viel Wir-Pathos, dass ich mich schon fast auf nem Oi-Konzert wähne.
Fö: Knallt soweit aber eigentlich ganz gut. Nur schade, dass davon kaum jemand was mitbekommt, und auch ich bekomme kaum was mit, weil die Zeitplan-Verantwortlichen (Schweinerei!) parallel zu ihnen ziemlich tolle Bands auf den anderen Bühnen versteckt haben. So wie Chefdenker und Brookland.
tenpints: Chefdenker sind fertig, meine Lieblingsband BROOKLAND spielt noch. Geil! Ich kriege zwei Songs mit, glaube ich, und außerdem wird jemandem gedankt, der überhaupt nicht versteht, was er dafür getan hat. Aber egal! Gerne doch!
Fö: Es haben sich ja sauviele Leute beschwert, dass Chefdenker und Brookland nahezu parallel spielen. Ich wusste gar nicht, dass sich da die Fans so überlagern! Auf der einen Seite feingeistiger Traumtänzer-Pop, und auf der anderen, naja, Brookland halt.
tenpints: Brookland wirken deutlich energiegeladener als neulich in diesem kleinen Künstlerladen an der Rheinischen Straße. Die werden mal ganz groß, ich sag es euch!
Fö: Die können gerne klein bleiben und jedes Wochenende in meinem Wohnzimmer spielen, die Schnuffis.
Fö: Heutiger Headliner: EGOTRONIC! Und weil das Youth Brigade auch zum Nachdenken anregen soll, spielt der Headliner nur auf der zweitgrößten Bühne. Oder der zweitkleinsten. Will irgendwie keiner verstehen. Warum eigentlich nicht?
Zwen: Häh? Ich dachte, dass wäre eine weitere Schülerband die einfach nur einen späten Slot bekommen hat.
tenpints: Den Anfang von Egotronic gönne ich mir noch, und das hat sich auch gelohnt, denn sie spielen "Exportschlager Leitkultur", das kenne ich noch aus einer Zeit, als sie noch 8bit-Musik gemacht haben. Damals, es muss so 2004 gewesen sein, haben sie live gespielt vor etwa zehn Leuten im Druckluft, und ich war gerade frisch nach Dortmund gezogen und mit der S-Bahn (!) angereist. Komischer Abend war das! (Das Geile am Älterwerden ist ja, dass man solche Sachen erzählen kann, um damit anzugeben. Es macht einfach Spaß. Sorry!!)
Fö: Gib nicht so an. Ich bin auch schonmal S-Bahn gefahren, das kann jeder.
Zwen: Da würde ich jetzt mal entschieden widersprechen!
tenpints: Als zweites spielen sie "Raven gegen Deutschland", und da hau ich dann ab. Nicht, dass ich Deutschland mögen würde, um Himmels Willen, aber dieser merkwürdige Party-Antipatriotismus ist einfach nicht meins, da steckt mir zuwenig Witz, Geist und Marxismus drin.
Zwen: Hah! Ich tue exakt dasselbe. Ich finde es einfach nur noch albern. Vor allem weil wir uns hier in einem Laden befinden, in dem vor ein paar Tagen noch die WM-Spiele übertragen wurden. Gestern Deutschland und heute Anti-Deutschland. Das ist zu viel für mich und ich fahre ebenfalls nach Hause. Nicht ohne Marius von Abschaumbad vorher noch darauf aufmerksam zu machen, was man für unbegrenzte Möglichkeiten hätte, wenn man die elektronischen Klänge, die der Computer aus dem Drumbeat macht, in Furzgeräusche umwandeln würde.
Fö: Du meinst also, dass politische Botschaften, seien sie auch noch so platt, ausschließlich in Räumlichkeiten gehören, in denen man diese Meinung zu 100% teilt? Dann wird's wohl doch mal Zeit für die Revolution...
Zwen: Zum Schluss noch ein paar Verbesserungsvorschläge für das nächste Mal: Eine der drei Bühnen (am besten die Halle) muss dringend zur Garderobe umfunktioniert werden. Das nächste Mal könnte als Ausgleich für Egotronic doch eine Oi!-Band spielen. Wird auf jeden Fall auch stumpf, erschließt einen ganz neuen Publikumsmarkt und dein Meinungsargument überzeugt mich. Beim Eintrittspreis ist definitiv noch Luft nach oben. Wie wäre es mit 3€ vor 18 Uhr und 25€ danach. Ansonsten wäre es cool, wenn man wieder etwas Back To The Roots geht und mehr Schülerbands holt. Konkret denke ich da an Metallica, Slayer, NoFX, AC/DC und The Offspring. Als bekannter Headliner könnte ja Betrunken im Klappstuhl oder Frau Mansmann spielen. Ansonsten alles super, sogar die Securitys und ich sind mittlerweile best friends und überlegen uns ein Crewtattoo zu stechen. 

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Schlossi
(Schlossi)
12.07.2016 19:38
oh, rechtschreibfehler meinerseits...das sollte bei den mikrofonen natürlich "eines" heißen nicht "einer". ich weiß, dass das niemanden interessiert, aber egal.

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