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Glitterminister, 22.07.2016 in Dortmund, Westpark - Bericht von Fö

Glitterminister, 22.07.2016 in Dortmund

Gestern bin ich aufm Heimweg an so nem Glaskastenwagen vorbei gekommen (wer in den letzten Wochen am Dortmunder U rumhing, kennt ihn) und dort auf einen unscheinbaren Zettel aufmerksam geworden, auf dem nichts weiter stand, als dass Glitterminister am 22.7. im Westpark spielen. Geil! Das muss diese subversive Konspirativität sein, von der immer alle reden. Redet da überhaupt jemand von? Keine Ahnung.
Das Motto der Veranstaltung hat irgendwas mit Kunst und Currywurst zu tun, findet statt im Rahmen der Emscherkunst, eine Bündelung von Kunstaktionen, die irgendwie entlang der Emscher stattfinden. Der letzte Satz enthielt nun schon dreimal das Wort "Kunst", also könnte ich da ja auch noch weiter drauf eingehen. Irgendwas als Kunst zu bezeichnen, ist immer der einfachste Weg, eine Daseinsberechtigung dafür zu finden. Denn wer der Daseinsberechtigung nicht zustimmt, der hat eben die Kunst nicht verstanden und ist ein Kunstbanause, und auf sowas steht (im künstlerischen Aspekt) natürlich die Todesstrafe. Deswegen bin ich auch leicht angenervt, wenn ständig irgendwelche Sachen als Kunst verkauft werden, nur weil sie irgendwie "anders" sind. Und natürlich stellt sich auch die Frage, was die Kunst bewirken soll. Was soll es zum Beispiel bewirken, Currywurst als Kunst zu bezeichnen? Oder geht es nicht um die Currywurst an sich? Ist ein Auftritt der Gruppe Glitterminister Kunst? Ja, schon eher.
Das kostenlose Verteilen von 500 Currywürsten sowie ein paar Freibier bilden das Fundament der heutigen Veranstaltung. Da kann man natürlich schon ansetzen. Gratis essen verteilen, wo kommt man denn da hin, wer macht denn sowas, das sind bestimmt irgendwelche Kunstspinner. Man könnte sich auch einen anderen Deckmantel geben und das ganze als Aktion dafür auszeichnen, dass Essen und Trinken Menschenrechte sein sollten, aber das würde wahrscheinlich nen ganzen Rattenschwanz an Argumentationslöchern mit sich ziehen, also ist das alles ganz einfach Kunst und jeder macht sich selbst nen Kopf, was das Ganze soll. Und sei es nur "Äy geil, gratis Currywurst und Bier".
Jetzt weiß ich endlich, warum diese neon-orange angemalten Gitter im Westpark rumstehen. Die haben auch irgendwas mit Kunst zu tun! In dem Fall trennen sie die Kunstkenner (also Leute, die Currywurst essen) von Kunstbanausen, die einfach so durchs Leben (oder durch den Westpark) gehen, ohne Currywurst zu essen. Auch hier geht es also darum, verschiedene Lebensweisen voneinander zu isolieren.
Und da ist dieser Glaskastenwagen! In oder an dem finden ständig irgendwelche Kunstsachen statt, wie heute ein Konzert der German Acid Pop Legende GLITTERMINISTER, die Hamburger Avantgarde-Pop mit sanftem Schlager vermengen und dadurch ihren Platz auf der Musiklandkarte irgendwo zwischen Mallorca und Mailand gefunden haben, nämlich in Dortmund.
Dass sie tatsächlich im Glaskasten spielen, macht die Sache noch etwas interessanter, das ist nämlich echt mal was anderes, oder, wie Kunstbefürworter sagen würden, das ist Kunst. Ich fände es zwar schöner, wenn der Glaskasten fortwährend vom Publikum mit beispielsweise Currysauce beworfen werden würde, oder wenn die Band selbst das von innen machen würde, aber so kommt das interaktive Element irgendwie zu kurz. Es findet also schon wieder eine Separation statt.
Gegen 19:34 geht ein Raunen durch die Menge: Das Bier ist alle! Scharen von traurigen Gestalten machen sich auf den Weg zum nächsten Kiosk. Das Bier das zuvor feilgeboten wurde, ist, wie hier zu erkennen, auch wieder irgendwie künstlerisch verfremdet, man könnte auch sagen individualisiert worden. Wohl auch wieder ein Puzzlestück innerhalb dieser Kunstaktion, deren Sinn sich mir immer noch nicht erschlossen hat.
Vor dem Glaskastenwagen tanzen Leute, stehen Leute, sitzen Leute. Manche gucken auch weg oder trinken Bier oder essen Currywurst. So entsteht zumindest kein allgegenwärtiges Gemeinschaftsgefühl, wie man es sonst von Glitterminister-Konzerten kennt. Aber, wie ich ja schon zuvor reininterpretiert hatte, Kunst ist ja nicht unbedingt immer dazu da, Menschen zu verbinden.
Unterbrochen wird der Auftritt durch ein Gewinnspiel, beziehungsweise einen Wettbewerb, was mich in meiner These noch weiter verstärkt, denn Wettbewerbe fördern ja nun wirklich nicht das Miteinander. Es gibt, wie originell, ein Currywurstwettessen, bei dem es aber leider nicht um künstlerische Ästhetik, sondern lediglich um Schnelligkeit geht.
Kurze Zeit später geht abermals ein Raunen durch die Menge: Die vegetarischen Currywürste sind alle. Fleischige gibt es noch reichlich, Toastbrot bekommt man irgendwann sogar zwei Scheiben dazu, was darauf hinweist, dass davon auch noch jede Menge da ist. Plüschcurrywurst ist auch da, wurde aber nicht verspeist.
So also sieht eine subversive Kunstperformance aus. Irgendwie wie ein Hipster-Treffen. Kein Wunder, dass keiner Fleisch essen will. Ich finde ja, die Kunst könnte durchaus noch provokanter dargeboten werden. Beispielsweise, wie Matze vorschlägt, indem die Currywurst mit Acid versetzt wird. Aber dann würde man wahrscheinlich irgendwelche Fördermittel verlieren.
Fazit: Ich verstehe diese Kunst nicht und hole mir noch ne Currywurst.

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