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Handwritten Rockfest: Keele, Awesome Scampis, Another Suggestion, 24.02.2018 in Schwerte, Rattenloch - Bericht von Zwen

Handwritten Rockfest, 24.02.2018 in Schwerte

Handwritten und Bierschinken kreuzten in der Vergangenheit ja mehrmals ihre Weg. Eigentlich machen wir ziemlich exakt das gleiche. Einziger Unterschied: Das Handwritten kommt seriöser rüber und sollte deswegen kein Medium der Straße sein. Also liebe Punker, wenn ihr mit eurem Hund mal wieder in der Innenstadt mit einem von Starbucks geklauten Pappbecher in der Fußgängerzone am Schnorren seid und euch langweilt, dann könnt ihr, um richtig real zu bleiben, auf eurem iPhone X nur den Bierschinken lesen. Trotzdem müssen wir natürlich, um immer up to date zu bleiben, auch mit anderen weniger authentischen Fanzines gut vernetzt bleiben. Aus diesem Grund geht es heute mal wieder ins Rattenloch, wo Handwritten heute Wandertag hat und sich aus dem hohen Norden mal ins beschauliche Schwerte bewegt. Das ist natürlich eine gute Möglichkeit um etwas Street-Credibility zu sammeln und auf Schnupperkurs mit der örtlichen Punkszene zu gehen.
Diese hat tatsächlich große Lust auf ein Kennenlernen, so ist das Rattenloch seit Langem mal wieder richtig gut gefüllt. (Hörte ich da etwa ausverkauft?!). Das freut uns natürlich sehr. Vor allem sieht man viele Gesichter, die man sonst nicht unbedingt sieht. Somit also zunächst viel Spaß gehabt und dann auch direkt den Anfang verpasst.
Zumindest, wenn man bei ANOTHER SUGESTION überhaupt irgendwas verpassen kann. Die noch jungen Typen spielen nämlich Rock. Mehr Schülerband geht nicht. Die langsame Dudelmusik wäre so im Hintergrund wohl ertragbar. Zumindest, wenn sich die Band darauf beschränken würde, nur eigene Songs zu spielen.
Leider covern sie auch noch. So werden Blur - Song 2, Ramones - Blitzkrieg Bop, Green Day, The Subways - Rock'n'Roll Queen und die Ärzte - Schrei nach Liebe gnadenlos durch den Schredder gedreht. Das alleine wäre schon schlimm, aber auch sonst werden Soli, Screams, Geschwindigkeit und alles, was den Songs eben ihre Eier verliehen hat, von Another Suggestion komplett wegkastriert. Das tut wirklich weh! Ich weiß nicht mehr was am Schlimmsten war: Dieses viel zu hohe und schiefe "Uuuhuuu" bei Song 2, dieses verhunzte Solo bei Schrei nach Liebe oder dass Blitzkrieg Bop nicht mal halb so schnell gespielt wurde wie das Original.
Dann passiert endlich etwas: Das Banner von handwritten löst sich nämlich und fällt seitlich auf den Drummer. Ist das die Revolution? Steht hier gleich alles in Flammen? Nein, die Band dudelt noch den Song zu Ende und dann wird das Backdrop wieder aufgehangen.
Schnell weiter zu den AWESOME SCAMPIS. Über die kann man ja auch sagen, was man will, aber die wissen immerhin was sie tun. Außerdem ziehen sie mittlerweile gut Leute und wissen diese auch zum Tanzen zu bringen.
Meins ist es halt nicht und wird es wohl auch nie, dafür gehen mir die ganzen Festivalspielchen a la "und jetzt nur die Mädels" oder dieses ganze komische Selfie-Gedönse zu sehr aufn Sack, aber immerhin widerspricht mir da vorne ein voller Pool mit einer tanzwütigen Menge, welche die Schalentiere gerade ordentlich feiern.
Die stürmt bei "Dau Dau" sogar auf die Bühne.
Hier ein bisschen Fancontent. Die Awesome Scampis schreiben wohl gerade an neuen Songs. Eine kleine Sneak-Preview gab es somit heute mit "Tanzen auf Trümmern". Klang gar nicht so schlecht.
Joa, beste Band des Abends.
Zu guter Letzt spielen dann noch KEELE. Die hat das handwritten-mag aus dem hohen Norden mitgebracht und sich somit Spritkosten gespart. Kluger Move. Leider scheint es im Norden keine anständige Musik zu geben, da alle, wenn sie nach ein paar anstrengenden Tagen auf dem Kutter nach Hause kommen, den Fischgeruch am Liebsten bei einer kleinen Portion deutschsprachiger, pseudo-intellektueller Heulmusik loswerden. Genau, ich spreche von der Hamburger Schule.
Ich weiß ja, dass sich viele an dieser Musikrichtung erfreuen und das ist ja auch irgendwie schön. Es gibt ja auch genug Menschen, die sich an sowas wie Fußball erfreuen und nüchtern betrachtet sind Turbostaat-Fans ja sogar ein Stückchen weniger nervig als Fußball-Fans, aber trotzdem kann ich Texte, die klingen, als hätte sie ein Taschenrechner auf Meth geschrieben, einfach nicht ernst nehmen.
Ich meine, Keele geben sich ja wirklich Mühe. Der Sänger hüpft ziemlich euphorisch über die Bühne und ständig wird sich bei allen bedankt. Von mir aus können sie auch gerne die beste Hamburger Schüler-Band aller Zeiten sein, ist mir aber egal.
Ich merke hier jedenfalls, wie ich so langsam ins Koma falle. Immer wieder rütteln mich meine Freunde besorgt hoch, messen meinen Puls und verziehen besorgt das Gesicht. Ne, ich muss hier raus, sonst überlebe ich das nicht.
Sorry Leute, ich bin weg.

"Und die Stadt aus gold ist morgen nichts mehr wert"

Jaja, ihr mich auch, auf Wiedersehen.
Apropos, Wiedersehen: Handwritten, auch wenn wir musikalisch scheinbar auf keinen grünen Zweig kommen, kommt gerne wieder, war ein schöner Abend und es war schön das Rattenloch mal wieder ordentlich voll zu sehen.

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