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Die Wände, 28.03.2019 in Oberhausen, Druckluft - Bericht von mrks

Die Wände, 28.03.2019 in Oberhausen

Es ist Donnerstag. Leicht bewölkt, vor meiner Tür weht mir eine frische Brise den altbekannten Duft von Asbest, alten Elektrogeräten und Teppichboden aus dem Jäckchen und ich atme die laue Frühlingsluft ein. Mmmmh hach, was eine Wohltat. Langsam schlendere ich Richtung Bahnhof, vorbei an einer Gruppe junger Mütter, die schlecht gelaunt ihre großen Kinderwägen vor sich herschieben wie Mistkäfer einen Haufen Scheiße. Vorbei am Supermarkt, am Kik, an den Häusern, Schluchten und Tälern. Ich bin bereit, mich in den Flausch zu begeben. So steige ich in einen Zug Richtung Oberhausen zum heutigen Konzert der Berliner Musikgruppe Die Wände.
Als ich ankomme, befindet sich sage und schreibe ein (1) weiterer Gast im Raum. Happy Happy Oberhausen. Was ist los hier? Wie konnte das denn passieren? Es gab doch schließlich eine Facebook-Veranstaltung und auch die Sound- und Lichtanlagen scheinen von feinstem Tuch zu sein. Meine These: Es liegt am völligen Verzicht auf jegliche Bewerbung des Konzerts. Keine Flyer, keine Ankündigungen, nicht mal eine verkackte Vorband. Kein Schwein weiß, dass hier heute Abend Musikgeschichte geschrieben wird. Aber das ist natürlich bloß eine Vermutung. 
Den Wänden ist das scheinbar ziemlich lachs. Sie betreten die absolut leere Halle, nehmen kurz die zwei Doppelsofas vor der Bühne mit inzwischen zumindest drei Leuten drauf zur Kenntnis und los geht's. 
Da sich der erste Teil der Tour zum aktuellen Debut-Album "Im Flausch" langsam dem Ende nähert, wirkt das Ganze hier sehr routiniert, ohne herzlos oder unaufgeregt zu erscheinen. Der Auftritt zieht vom ersten Song an direkt tief hinein in den vom Album schon gekannten flauschigen Abgrund. Ich zünde mir viele Zigaretten an.
Ausnahmsweise mal ein Bassistenfoto. Ich habe beschlossen, mir mal eine Digitalkamera zu besorgen. Diese Handyaufnahmen hier braucht echt kein Mensch. Sorry Sorry nochmal Sorry. Lässt der Chef sowas springen? Hier sehen wir auf jeden Fall Bassist Jann Petersen, wie er einen Riemen auf die Orgel spannt.
Die Wände machen Rockmusik zwischen Tocotronic und Sonic Youth. Wie die sympathische und realere Version der DIE NERVEN. Und weil diese Vergleiche einfach zu oft auf sie angewändet werden, muss ich betonen, wie eigensinnig und unverkennbar sich ihr Sound entwickelt hat. Starteten sie doch als GIRLIE, einer zwar guten aber doch eher austauschbaren Powerpopband, so scheinen sie sich jetzt gefunden zu haben in diesem süßen verstörenden Postpunk Film.
Live kriegen sie mich fast noch schneller als auf Platte, da sich zwischen dem treibenden Schlagzeug, den hypnotischen Basslines und dem immer wieder durchbrechenden Lärm zwischen Fuzz und Schreng Schreng ein wunderschöner Sog entwickelt. Die Texte behandeln die Themenspektren Lethargie, Depression, Prokrastination .. was will ich mehr? Achja, ab und zu geht's auch um die Liebe natürlich.
Ein trauriger Abend für Oberhausen, ein großartiger Abend für uns im Druckluft. Es wird die komplette Choreo geboten. Vom One/two-Step bis zum Rumpelstilzchen-Kreiselsprung, alles dabei. Nach der Show kaufen sich Menschen das Album und wünschen sich Autogramme auf dem Cover. Der Filzer geht rum. Unglaublich, aber so ist das im Rockbusiness. Das Druckluft stellt noch eine Runde Schnaps für alle Menschen im Haus und ich bin sehr froh, hier zu sein.
Danke Wände, ich liebe euch! Kommt doch mal wieder vorbei, zum Beispiel am 11. Mai im Rekorder in Dortmund. Das ist sogar ein Samstag.

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