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nötheater, 19.08.2019 in Bernau, Dosto - Bericht von heinzzweidrei

nötheater: Die vergessene Revolution, 19.08.2019 in Bernau

Ja ihr seht richtig, ne Theaterrezension. Die vergessene Revolution, so der Name des Stücks. Das nötheater aus Köln kennen die ein oder anderen vielleicht durch die Stücke Inside AfD oder V wie Verfassungsschutz oder A wie Aufklärung. Und das Tolle ist, sie kommen zu einem. Sie reisen rum, oft auch in die Provinz und spielen Theater mit politischem Impetus. Und weil sie wie ne Rockband auf Tour sind, besprech ich das jetzt einfach mal.

Diesmal Bernau und ein Stück von 2018 zum hundertjährigen Jubiläum der Revolution von 1918. Was ist geblieben? Warum wird im Geschichtsunterricht in der Schule so wenig darüber gestritten? Wenn ich an meine Unterrichtszeit zurückdenke, bleibt immer nur der Satz mit: Philipp Scheidemann rief vom Balkon die Republik aus und Karl Liebknecht och, aber was er bedeutete, was die Möglichkeit einer Räterepublik bedeutete, ich kann mich nicht erinnern, darüber gesprochen zu haben.

In sieben Szenen und anhand der Figuren: Friedrich Ebert, Hugo Haase, Gustav Noske, Karl Liebknecht und Philipp Scheidemann werden die Ereignisse von 1918/19 beleuchtet und es ist kein Spoiler wenn die SPD dabei nicht ganz so gut weg kommt. Surprise, surprise. Immer wieder werden auch Parallelen zu 1968 gezogen, das Jahr, welches genau in der Mitte zum Heute liegt. Eindrucksvoll, als nach der Darstellung der Ermordung von Luxemburg und Liebknecht auch noch Rudi Dutschke hingerichtet wird.

Und wer jetzt denkt: das hört sich voll anstrengend an, es ist erstaunlich, wie gut mensch dem szenischen Plot folgen kann, wie komplexe historische Verstrickungen aufgelöst und in Bilder und Minidialogen gezeigt werden. Alles fängt an mit der Frage: Und haben Sie noch Fragen? Und einen Augenblick später sitzen wir Friedrich Ebert gegenüber und verfolgen seinen Weg von der Bewilligung der Kriegskredite über die Spaltung der SPD bishin zu seinem Geheimabkommen mit mit dem OHL-General Wilhelm Groener zur Entmachtung der Rätebewegung. Und immer wieder stellen die Protagonisten die Frage: Was sagt eigentlich die Friedrich-Ebert-Stiftung dazu? Abgespielt werden dann eingelesene Zitate, wahrscheinlich aus der Selbstdarstellung der Stiftung.

Ebenfalls abgespielt werden Beatlessongfragmente, immer passend auf den Punkt. Besonders Spaß macht es zuzusehen, wenn die fünf Darstellerinnen aus der Rolle der alten Männer heraustreten und in andere Rollen schlüpfen und/ oder dabei singen.

Zum Ende des Stücks werden die Handlungen von Ludendorf, Hindenburg und Max von Baden beleuchtet sowie der zweite Tag der Novemberrevolution dargestellt und die Konterrevolution und der weiße Terror thematisiert. Es endet blutig, traurig und mit einem Brecht-Zitat:

„Immer schreibt der Sieger die Geschichte der Besiegten, Dem Erschlagenen entstellt der Schläger die Züge. Aus der Welt geht der Schwächere und zurück bleibt die Lüge.“
Ihr seht, ich bin begeistert. Also hin da, wenn es Euch möglich ist.

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