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Warp, 07.10.2019 in Dortmund, Subrosa - Bericht von mrks

Warp, 07.10.2019 in Dortmund

Highlife in Doofmund. Ich hatte mich vor ein paar Monaten mal wieder als Auftrittsvermittlung versucht und der gemütlichsten Hafenschänke jenseits von Hamburg einen kleinen Gourmet-Tipp nahegelegt. Mein Homie Itai, bekannt von Knallerbands wie Sweatshop Boys, Jarada oder den Orions hat ein neues Projekt am Start. Dieses Mal allerdings weder Hardcorepunk, noch Powerpop, noch Surf, sondern so verkiffter Hardrock. Da das Wort so scheiße klingt, nennt sich das aber "Stonerrock" - oder vielleicht auch "Doom" (?). Ich bin in diesen Gefilden nicht so bewandert. Aber die Band WARP liefert auf dem ersten Album, welches jetzt ganz frisch beim Berliner Label Nasoni Records erschien, wirklich ein tonnenschweres Riffgewitter ab, dem auch ich mich schwer entziehen konnte. Also fragte ich in eben jener Kneipe an, ob WARP da nicht einen Tourstopp einlegen könnten. Das Subrosa war natürlich hellauf begeistert und bot an, extra für die Show den Laden ausnahmsweise an einem Montag zu öffnen. Gigageil, meine Vorfreude ging ab. 
Tage zogen ins Land, alles lief gut. Dann plötzlich entscheiden sich die Nazis dazu, jeden Montag durch die Nordstadt zu latschen und rumzuheulen, dass ihre scheiß Grafittis in Dorstfeld übermalt wurden. Eine Woche vor der WARP Show stand fest, das am 07.10 parallel ein Aufmarsch im Hafenviertel stattfinden wird. Von den Cops kam (mal wieder) keinerlei Support für die Menschen im Viertel. Keine Infos über die Route außer "Hafenviertel", einfach Nichts. 
Worauf lassen wir uns ein? Kann ein Konzert stattfinden, wenn eventuell direkt vor der Tür eine Gruppe Faschisten, geschützt von aggressiven Polizisten, abhängt? Wie lässt sich ausschließen, das Konzertgäste auf Hin- und Rückweg zur Kneipe diesen Arschlöchern in die Arme laufen? Wie positioniert sich der Laden? Wie fühlt es sich an, eine Rockshow mit Bierchen abzufeiern während ein paar Meter weiter den Faschisten der Weg freigeprügelt wird (Spoiler: Nicht gut ;) ) und lohnt sich das überhaupt?
So, jetzt ist Montag und schön viel Regen in Dortmund. WARP und das Subrosa sind ziemlich ratlos, wie mit der Situation umzugehen ist. 
Als ich am Laden ankomme, sind überall Cops. Es gab auch schon erste Rennereien. Der Gegenprotest formierte sich unweit am Blücherpark. Während wir vor dem Laden stehen, laufen Aktivisten an uns vorbei, erkundigen sich was im Sub heute geht. Ich sage "Hier spielt heut diese megacoole Stonerband aus Tel-Aviv" und fühle mich richtig unangenehm. Leute versuchen mit allen Mitteln den Nazis den Weg zu versperren und ich steh mit einem Bierchen vor der Kneipe, um mir eine Band anzuschauen. Das Subrosa bleibt dementsprechend auch leer. Die Band spielt vor circa 10 Leuten. Ob das an den Nazis, den Polizeiblockaden auf dem Weg ins Hafenviertel, dem schlechten Wetter oder einfach am "Montag" liegt, weiß ich natürlich nicht.
Aber ich danke allen Antifaschisten von Herzen für ihr Engagement. Danke Danke Danke! Bleibt so stabil und wir sehen uns nächsten Montag in der Nordstadt!!
WARP entspringen der israelischen Punkszene, sind aber meines Erachtens nach die erste Stonerband aus diesem Zirkel. Der erste Song ist der Opener des Albums namens "Wretched". Der bluesige Hauptriff schleppt sich kratzig durch den bis zum Anschlag aufgedrehten Amp. Es ist superlaut und macht richtig Druck.
Alle in der Band übernehmen mal den Gesang. Richtig schön fiese Vocals schweben nun über diesem wüstigen Sound. Dazwischen immer wieder lange psychedelische Instrumentalpassagen, bis alle im Raum hypnotisiert durch die Gegend gucken wie diese Schlange aus dem Dschungelbuch.
Nach und nach wird die Zaubertrickkiste ausgepackt. Das heißt, es wird nach und nach die Fuzzgitarre mit Flanger-, Delay- und Halleffekten gefüttert. Das bringt ordentlich Dynamik in den Auftritt mit den ellenlangen Gitarrensoli. Überhaupt spielt die Band tight wie ne Hose, aber trotzdem mit einer richtig rotzigen Nase. Der Punkbackground schimmert hier und da durch.
Bassist Sefi erweitert die Bühne direkt beim zweiten Song auf den Barbereich und schafft es dabei, NICHT die Kerzen um ihn herum umzustoßen und uns alle abzufackeln. Schade, das wäre für WARP eigentlich ein sehr passendes Bühnenbild, so eine brennende Kneipe.
Es fällt mir schwer, bei dieser Musik nicht irgendwas klischee-beladenes zu schreiben. Ich hab jetzt schon mehrere Sätze hier formuliert über Motorräder, die 70er, Lavalampen und sogar Yoga. Aber ich lösch die dann immer weils so bescheuert klingt. In Dortmund gibts übrigens eine Yogagruppe um so Tattoo-Hippies die Doom- und Sludgerock während ihrer Übungen hören. Wo sind die heute Abend? Kann denen mal jemand Bescheid sagen, das es WARP gibt?
Bis auf eine Ansage in der WARP sich kurz höflich vorstellen ("Hey, we're WARP from Tel-Aviv. Nothing more to say") wird pausenlos durchgebrettert. Richtig cool war das. Der anschließende Tinnitus hat sich wirklich gelohnt.
Zum Abschluss machen wir noch einen Spaziergang mit der Band zur Gegendemo, kommen allerdings erst an, als die Cops schon die Sitzblockade auf der Schützenstraße auseinander genommen haben und kriminalisieren. Sefi bestellt sich auf dem Weg gebratene Nudeln in einem Thai-Imbiss. Ich fotografiere derweil das Klo. Als ich ihn wiedersehe, bezahlt er grade das Essen. Leider ist dem Chef ein Fehler unterlaufen und aus Nudeln wurde Reis. Naja, nicht der Rede wert. Es sind heute weitaus schlimmere Dinge in Dortmund anders gelaufen als sie sollten.

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Band:
Warp
Musikstil: Stoner, Doom, Rock'n'Roll
Herkunft: Tel Aviv
Homepage: https://www.facebook.com/warprnr/
Konzertberichte: 1

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