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The Soap Girls, 15.10.2019 in Dortmund, Subrosa - Bericht von der Redaktion

The Soap Girls, 15.10.2019 in Dortmund

Fö: Das Tolle an diesem Hobby "auf Konzerte gehen": Egal wie viele man schon gesehen hat, man erlebt doch immer wieder Neues! Auch wenn man sich manchmal dazu zwingen muss. Auf die SOAP GIRLS hat mich eigentlich nur Cocos explizite Empfehlung aufmerksam gemacht, sonst hätte ich mir das wohl gespart. Und dann noch wenige Minuten von der Haustür entfernt. Apropos Haustür, vor dieser treffe ich Nachbar Aleks, der sich spontan auch noch anschließt, vor Ort stolpern wir noch über Nachbar Mrks - Jungejunge, unsere Straße ist aber wirklich präsent heute! Zu präsent sogar, weswegen sich Mrks entschließt, doch lieber proben zu gehen.
Triggerwarnung: Die folgenden Fotos könnten Spuren von Nacktheit enthalten.
Aleks: Komplett ohne Erwartungen habe ich mich kurzfristig Fö angeschlossen und war gespannt, was das Subrosa an diesem Abend zu bieten hat.
Fö: Wir müssen noch ein wenig bis zum Beginn warten, da die Soap Girls im Stau standen. Aber dann sind sie da und es werden explizit Männer gesucht, die ihnen beim Reintragen des Equipments helfen. Diese und einige weitere Sprüche der Anwesenden bereiten uns schon mal darauf vor, dass wir heute wohl unsere Gleichberechtigungs-AZ-Blase verlassen müssen.
Aleks: Neben uns steht gefühlt ein Ultra, der die Soap Girls vor drei Jahren schon gesehen hat und die Stimmung aufheizt...
Und die erste Reihe ist mit älteren Herren besetzt, sie sich mit ihren Kameras die besten Plätze erhascht haben und wie die Jäger auf der Lauer liegen.
Fö: Es eilt ihnen ein Ruf voraus: Die SüdafrikanerInnen spielen gerne leicht bekleidet und geizen nicht mit Haut. Die Ästhetik bedient sich außerdem noch ein wenig an Voodoo-Zauberei gepaart mit Artistik und Rock'n'Roll. Musik bedient sich am 90er-Sumpf aus Punk, Metal, Pop und Grunge und steht somit sicherlich auch ein wenig im Riot-Grrrl-Fahrwasser.
Fö: Eines muss ich vorab schon mal sagen: Lange kein Konzert mehr gesehen, dass mich so nachhaltig beeindruckt hat und gleichzeitig auch so ratlos zurück gelassen hat. Was jetzt weniger an der Band und an nackten Brüsten lag, sondern eher daran, was für ein Publikum sie sich damit heran gezüchtet haben: Nämlich ein zu 90% männerdominiertes, darunter auch einige, die ganz offensichtlich nicht wegen der Musik hier sind, sondern dafür, sabbernd verwackelte Handyvideos von nackten Brüsten zu machen. Irgendwie ist es mir unangenehm, Teil dieses Publikums zu sein. Damit ich das auch ganz bestimmt nicht bin, darf der Schlossi heute Fotos machen. Gewieft, nicht wahr?
Fö: Blendet man das aus, bekommt man aber eine wirklich starke Show geboten. Mitreißende Musik, kraftvoll dargeboten, dazu Ansagen die sich unterschreiben lassen (für Konzertkultur & DIY, gegen Repressionen etc.) und das alles irre authentisch dargeboten. Und, klar, zu gucken gab es auch, was ich unter Performance-Maßstäben aber auch absolut cool fand.
Aleks: Die Mädels rocken den Laden, nicht zu vergessen der junge Mann, der den Sound stetig und auf den Punkt mit seinem Schlagwerk anschiebt.
Fö: OKF-Diskussionen bitte ins Kommentarfeld.
Fö: Stimmiges Gesamtkonzept! Und die Message, Nacktheit als Symbol der persönlichen Freiheit zu sehen, kommt auch sehr ehrlich rüber - trotz aller Gelenkigkeit eben nicht pornographisch. In nem anderen Rahmen und vor anderem Publikum wäre das hier ein sehr starkes Statement für Feminismus und Empowerment.
Aleks: Es ist schwer, sich bei so viel Nacktheit auf die Musik zu konzentrieren. Sie sind nackt, rebellisch, präsent und authentisch.
Fö: Und die Band? Steht da wirklich komplett drüber! Also, über den Reaktionen des Publikums und über die Handykameras. Was einerseits cool ist, andererseits aber vermutlich genau solche Aktionen provoziert. Finde ich dann schon wieder irgendwie grenzwertig.
Fö: So, ihr merkt, das alles beschäftigt einen doch ziemlich und ich muss mich auch während des Auftrittes immer wieder zusammen reißen, mich doch jetzt bitteschön auf die Musik und die Show zu konzentrieren und nicht auf die Handyfilmer (die waren übrigens durchaus in der Minderheit, keine Sorge).
Aleks: Es ist Punk, Rock, Metal, Pop und Grunge. Der Sound ist dreckig und doch wieder klar...und wenn Millie, Bass spielend mit ihren statuenhaften Bewegungen und Posen singt, entsteht der Eindruck, es käme aus der Tiefe Ihrer Seele.
Aleks: Schaut man nach links, sieht man Mie, mit klarer Stimme und dreckigen Riffs über der Bühne schweben, und man erkennt, dass die Schwestern sich ergänzen.
Fö: Musik gefällt, kommt um Einiges rotziger und druckvoller rüber als das vorherige Reinhören vermuten ließ. Die Lieder sind noch dazu recht abwechslungsreich gehalten, kann sich hören lassen und wird auch nicht langweilig. Oder anders formuliert, dieses ganze Aufsehen um ihr Auftreten hätten sie eigentlich gar nicht nötig - aber nehmen es vermutlich in Kauf.
Schlossi: Eigentlich hat Fö alle Eindrücke schon relativ gut zusammengefasst, so dass ich jetzt anschließend nur noch ein paar Ergänzungen hinzufügen möchte.
Ich war anfangs auch skeptisch, ob dieses Konzertes und was das Publikum betrifft, haben sich meine Befürchtungen teilweise bestätigt, den ein oder anderen Typen trifft man sonst sicherlich auch bei der Venus in Berlin.
Von dem Vorurteil, dass es nur von der mittelmäßigen Musik ablenken soll, wenn im Vorfeld so viel Wirbel um das Auftreten/Aussehen der Band gemacht wird, kann ich mich ebenfalls nicht frei sprechen.
Schlossi: Aber ich sehe heute Abend nur drei Musiker*Innen, die Bock auf eine gute Show haben und sich auf der Bühne wohl fühlen. Generell ist es, meiner Meinung nach, als weiblich gelesene Person eh egal, wie du dich präsentierst, irgendwas ist immer. Sieh bitte gut aus, sei gerne auch ein bisschen kokett, aber nicht zu sexy oder gar nackt und dazu noch selbstbestimmt, das verstört das Patriarchat.
Wenn du das doch tust, musst du dich nicht wundern, wenn alle nur dein Aussehen beurteilen und nicht deine Fähigkeiten als Künstlerin*.
Schlossi: Da zumindest Bassistin Camille sich als Nudistin bezeichnet, die Band, nachdem sie von sich aus ihren Vertrag mit Universal gekündigt hat, sich selbst vermarktet, denke ich, dass die einfach Bock auf Selbstdarstellung haben. Und wer will ihnen das Recht dazu absprechen. Finde den Auftritt, die Texte oder gar die Ansagen zu keiner Zeit irgendwie sexualisiert (im Sinne, dass sie gezielt das männliche Publikum anmachen wollen) und, wie immer, ist es ein gesellschaftliches Problem, dass man weibliche Nackheit offenbar nur mit Stripclubs oder Pornografie in Verbindung bringt.
Schlossi: Daher widerspreche ich Fö auch, dass das in diesem Rahmen kein Statement für Feminismus/Emanzipation und Empowerment ist. Klar, mit lauter coolen Frauen (und Typen) in der ersten Reihe hätte mir das auch mehr Spaß gemacht, wär irgendwie "preaching to the converted" gewesen, aber zumindest ein Schritt in die richtige Richtung. Aber das Statement bleibt ja dasselbe.
Fö: Naja, aber es wurde ja nicht "gepreached", eher wurde die stattfindende Objektifizierung geduldet. Das ist genau der Punkt, der mich den ganzen Abend irritiert hat.
Schlossi: Vielleicht haben sie das nach der Show am Merchtisch ausdiskutiert oder der Punkt steht bei denen einfach nicht ganz oben auf der Agenda. Oder es ist ihre Art den Leuten einzutrichtern, dass Brüste nur ein Körperteil sind und wir damit klarkommen sollen. 
Aleks: Starke Bilder, die sich einbrennen! Verkündet wird Liebe, Freiheit und Selbstbestimmung.
Schlossi: Das einzige, was mich richtig nervt, ist der Typ, der zum Schluss, nachdem er für die Zugabe auf die Bühne geholt wurde und bei Gitarristin Noemi abgeblitzt ist, an Camille rumgrabbelt. Nur weil eine Frau nackt ist, heißt das nicht, dass man sie ungefragt anfassen darf. Dazu hätte ich mir tatsächlich mal eine Ansage erhofft.
Ja, ist halt noch ein langer Weg und eine gleichberechtigte Gesellschaft werde ich wohl nicht mehr erleben. Schade eigentlich.

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Band:
The Soap Girls
Musikstil: Punk, Alternative, Grunge
Herkunft: Südafrika
Homepage: http://thesoapgirls.band/
Konzertberichte: 2

Location:

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