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Trust #200 Fest: Joseph Boys, Postford, Lügen, 08.02.2020 in Bremen, Schlachthof - Bericht von Fö

Trust #200 Fest, 08.02.2020 in Bremen

200 Ausgaben Trust Fanzine. Heilige Kajüte, das ist ne Hausnummer!  Da gehört schon Einiges an Durchhaltevermögen dazu, sowas so lange bei, ich sag mal, annähernd konstanter Qualität durchzuziehen. Wobei ich mir nicht anmaßen will, das mit der Qualität zu beurteilen, dazu habe ich zu wenig Ausgaben gelesen. Aber nicht umsonst stand das Trust auch immer für einen gewissen Anspruch, vom Ästhetischen her und auch vom Inhaltlichen. Beides Positionen, die ich nur teilen kann, insbesondere die Ästhetik ist bei Bierschinken immer schon integraler Bestandteil gewesen!
Meinen ersten Kontakt mit dem Trust hatte ich, da wusste ich noch gar nicht was das ist und hatte vielleicht auch nur eine vage Ahnung, was überhaupt Fanzines sind. Es begab sich auf nem Punkkonzert in Osnabrück mit den trustigen Bands Massendefekt, Planlos, Schwarz auf Weiss und SFH. Dort gab es einen Trust-Stand, und an diesem Stand gab es gratis Trust-Aufkleber, was ich total super fand, weil sich die Sohle meines Schuhs mal wieder abzulösen drohte. Also hab ich mich fleißig an den Aufklebern bedient, meinen Schuh in Form geklebt und nebenbei den Stand-Menschen ausgefragt, was denn Trust überhaupt für ne Band sei. Als ich irgendwann etwa 200 Aufkleber auf meinem Schuh hatte, hat er dann aber doch interveniert und meinte, die Aufkleber seien ja eigentlich zu schade dafür. Vielleicht hat er auch nur begriffen, dass wir Suffpunx überhaupt keine Ahnung vom Trust hatten und auch nicht vorhatten, ne Ausgabe zu erwerben. Aber wozu auch! Heute, 18 Jahre später, kann man sich schließlich alte Back-Issues für lau abgreifen, wenn man zum Trust-Jubiläum geht. Da ist auch bestimmt die Ausgabe dabei, der ich damals die Aufkleber vorgezogen habe!
Aber das konnte ich damals ja eigentlich noch gar nicht wissen. Das wusste ich nicht einmal heute morgen, als meine Abendplanung noch eine gänzlich andere war. Zwar hatte ich schon mal irgendwann die Tage darüber nachgedacht, irgendwie nach Bremen zu juckeln, aber alleine hatte ich keinen Bock und erst recht hatte ich keinen Bock, erfolglos im Bekanntenkreis rumzufragen, ob wer mitkommen würde. Vorhaben ad acta gelegt, bis Julian sich meldete und meinte, er würde sowieso fahren und es wäre noch Luft auf dem Beifahrersitz. Naaa okay!
Bremen, Schlachthof, Magazinkeller. Zuletzt war ich hier vor 4 Jahren zum 30jährigen Trust-Jubiläum und muss mich erstmal wieder erinnern, wie das hier überhaupt aussah. Ah doch, die Säule, ja, das war das! Wir kommen sogar einigermaßen zeitig an und beobachten, wie sich ziemlich rasch die Räumlichkeiten füllen, bis irgendwann die erste Band los legt.
LÜGEN aus Düsseldorf (stand so im Ankündigungstext) sind natürlich ein guter Grund, nach Bremen zu fahren. Schließlich sehen wir die Band sowieso mehr als regelmäßig und teilen viel Freizeitverhalten mit den BandmitgliederInnen. Ist also eigentlich eher son bisschen Familie hier. Hallo!
Der Auftritt gefällt mir sehr gut! Energisch und druckvoll. Da wippe ich doch gerne begeistert mit dem Kopf und balle ganz mitgerissen meine Fäuste in den Hosentaschen. Das restliche Publikum übt auch durchaus Zuspruch. Der Respekts-Abstand wird zwar gewahrt, aber die Reaktionen sind dankbar.
Sparsame Ansagen, bis auf eine etwas ausführlichere, in der es natürlich um das Trust ging und speziell darum, dass sich Lobhudeleien auf das Trust doch eigentlich gar nicht ziemen würden, da das Trust selbst ja auch kein Raum für substanzlose Lobhudeleien sei. Schön formuliert. Da muss ich mal ein Lob aussprechen.
Ja, Lügen, gute Band. Macht echt immer wieder Laune. Und ich find's auch echt spannend, mitzuerleben, wie sich die Band so entwickelt. Wobei sie eigentlich schon längst auf nem Stand sind, wo alles stimmig ist.
Dann POSTFORD! Aus Bremen, also nebenan. Ebenfalls eine sehr gute Band! Aber dafür eine Band, die ich bisher live irgendwie immer verpasst habe. Dabei fand ich das Demo von 2015 und ihr erstes, selbstbetiteltes Album damals (2017) richtig stark, hab sie dann ein wenig aus den Augen verloren und nur am Rande mitbekommen, dass vergangenes Jahr ein neues Album kam.
Ist so dieser, wie sagt man, emoesk anmutende deutschsprachige Post-Punk-Hardcore-Kram. Ich bin totaler Fan des Wechselgesangs mit Schreien und melodischem Gesang. Soundmäßig auch gut, die Lieder klingen teilweise besser als die Aufnahmen, kommt es mir vor.
Ich freu mich natürlich vor allem über die Stücke vom Debütalbum. Kaltland, Hinfallen/Liegenbleiben, Indikator Ok. Starke Songs. Ansagen zur politischen Situation in "Kaltland" damals und dass es eher, mit Blick auf Thüringen, noch schlimmer geworden ist. Umso wichtiger, die Stimmen zu erheben!
Ist ja ein kleines Heimspiel für Postford heute, was man auch daran merkt, dass hier und da mitgesungen wird. Getanzt wird eher punktuell und auf der Stelle. Vielleicht macht sich da ja doch der hohe Altersdurchschnitt bemerkbar? Egal, mich stört's nicht, aber ich bin ja auch alt.
Es darf und muss auch noch ne Zugabe gegeben werden. Guter Auftritt, ich wurde nicht enttäuscht! Die nächste Zugabe kommt ja auch bald, am 24.04. spielen Postford bei unserem Bierschinken Festival, da freu ich mich drauf!
Eine Band noch: JOSEPH BOYS! Natürlich aus Düsseldorf, aber diesmal wirklich. Kennt jemand außerhalb Düsseldorfs überhaupt den namensgebenden Künstler? Der Name ist aber auch echt beschissen. Würde sagen, dass der Name schuld daran ist, dass ich nie Bock hatte, mich mit der Band zu befassen. Obwohl mir durchaus bewusst ist, dass es total dumm und oberflächlich, Bands aufgrund ihres Namens zu beurteilen. Aber ich bin ja auch nur ein Mensch.
Erstmal fällt auf, dass es sich hierbei um eine Konzeptband handelt, zumindest was die Optik betrifft. Damit wären wir wieder beim Thema, wie wichtig die Ästhetik ist! Joseph Boys sind in weiß gekleidet und lassen Projektionen auf sich und die Bühne strahlen. Finde ich an sich schon mal gut, ich mag Bands die anders sind als andere Bands, und sei es nur durch solch visuelle Kniffe!
Aber die Musik, hm, so wirklich reißt mich das nicht mit, das ist mir irgendwie zu aufgesetzt. Ein wenig artsy und etwas zu sperrig, wobei ich jetzt nicht behaupten würde, dass das nicht zugänglich ist. Ist nett, aber kickt mich halt einfach nicht. Weiß auch nicht, in welche Schublade ich das einsortieren würde. Wahrscheinlich irgendwo in der Nähe von Oiro, mit Querverweis zu Kraftklub. Klingt jetzt aber gruseliger als es ist.
Ich mag den ziemlich stoischen Sound bei einigen Stücken, der recht monoton die Rhythmen raushämmert. Könnte fast schon als Stoner durchgehen, nur irgendwie, naja, deutscher. Kartoffelstoner quasi! Wobei das der Band jetzt auch nicht gerecht wird. Ach, ich weiß ja auch nicht.
Beste Ansage: "Danke an die Bremer Stadtmusikanten, dass sie uns ihren Esel ausgeliehen haben!". Ansonsten kommt die Band auch recht sympathisch rüber. Auch wenn ich mich dabei ertappe, wie meine Abneigung gegenüber Düsseldorfer Bands wieder hochkommt, und das obwohl sie nicht einmal wie die Broilers klingen. Aber diese gekünstelte Hochnäsigkeit, die wurde doch in Düsseldorf erfunden, oder?
So, Egal. Punkt machen. Auftritt insgesamt doch okay, nur etwas zu lang. Damit war's das eigentlich auch schon. Anschließend kommt tanzbare Pop-Musik aus den Boxen, so wirklich Feierlaune will sich nicht einstellen, auch nicht bei uns, aber wir haben ja auch noch zweieinhalb Stunden Heimweg vor uns. Ein Heimweg, der mir einen weiteren Punkt auf meiner Things-To-Do-Liste einbringt: Einmal durch Delmenhorst fahren und dabei den gleichnamigen Song von Element of Crime hören!

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