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Back to the Roots (der Samstag): Rawside, Cheap Stuff, Sick Times, Piefke, Teenage Love Guns, 28.08.2021 in Leisnig, AJZ - Bericht von verSemmelt

Back to the Roots (der Samstag), 28.08.2021 in Leisnig

Bevor ich den Bericht starte, muss ich mir nochmal den Frust von der Seele reden, denn Sachsens Regierung muss die Kultur- und Veranstaltungsbranche hassen. Perfide dabei empfand ich die Presse-Ankündigung von Lockerungen zum 26.08., dass Veranstaltung ab dann inzidenzunabhängig und draußen bei 100% Kapazität stattfinden könnte. Alles wird gut, dachte ich. Dann klatschen die neben den ganzen Öffnungs-bla-bla (alles schön und gut) noch dieses 18-seitige-Hygieneauflagen-PDF hinterher, welches allein schon eine mögliche 100% Kapazität völlig unmöglich macht. Wer Lust hat, kann sich vielleicht mal die Punkte I.5 sowie II.6 bis 8 geben. Das ist nach deren Lockerungsankündigung einfach nur schwierig vermittelbar. Klar ist Sachsen bei Impfungen Bummelletzter und der Tod hat schon mal die Sense gewetzt, aber andererseits kann man die Leute auch psychisch verletzen. Ein kleines Highlight im Hygienewisch find ich die Bezeichnung: "Vorgaben zur Begrenzung des Alkoholausschanks". Das ist so typisches CDU-Geschwurbel - völlig unkonkret - trinkt man statt einem Kasten nur 19 Bier? [merkt man, dass ich ab und zu zur Übertreibung neige?] Gibt's nur Light-Bier? Wie siehts aus mit Rhabarbera? Kann man ins Konzept reinschreiben, dass kein Primasprit ausgeschenkt werden darf, und das Ordnungsamt segnet den Blödsinn ab? Tja - und das prominente Opfer wird jetzt erstmal das Back-To-Future - und ich war regelrecht schockiert ob der Absage...

Und so hatte ich auch etwas Bock. ein etwas adäquates BTF-Lineup zu sehen. Heut war man eigentlich mit Optionen reich gesät. In Berlin war u.a. Telekoma für lau, in Polen Punkfestival, in Sorbistan Metalfestival, in Radebeul Geballer sowie weitere Konzerte in DD und LE. Das Radebeuler Paranoya wurde durch Wechsel in meiner Begleitung ein Skip und es geht für mich tatsächlich zum ersten Mal nach Leisnig, wo das AJZ überregional (insbesondere in der Hardcore-Szene) bekannt ist. Irgendwie bin ich da nie gelandet, aber für reine Hardcore-Shows beweg ich mich auch maximal 10 Kilometer von zu Hause weg und bei den Punksachen hats auch noch nie richtig gepasst. Und das AJZ ist akut bedroht! Irrerweise weil die Stadt zu viel Geld zur Verfügung hat für Kultur und Sport. Da soll wohl alles schön in dem Sport- und Freizeitareal, in dem auch das Jugendzentrum liegt, wild verbaut werden. Konzepte der Jugendlichen wurden wohl gekonnt ignoriert, das Haus einfach für baufällig erklärt und letzte Woche zum Abriss freigegeben. In den kommenden Tagen will man da so bisschen Medienkampagne starten. Haltet eure Augen auf und Klickfinger bereit... Was passiert wenn nix mehr ist, kann man denk ich ganz gut im Vogtland oder meinetwegen Limbach-Oberfrohna sehen.

Angekommen gibt's 'nen schönen Regenbogen übern Areal, allerdings ist der Akku im Fotoapparat tot. Ich nötige Mitfahrer Henne, den Abend abzulichten. Danke. So steht etwas vor den Bands angekommen noch einer mit Ukulele auf der Bühne und bespaßt die Gesellschaft mit (ich bilde mir ein) einem "Fuckin' Faces"-Song und sowas wie "ZZZ-Zeit zum Zaufen". Ich bin wertfrei. Über einem hängt eine verrückte Planenkonstruktion, die tags zuvor bei Dauerregen wohl extrem gute Dienste geleistet hat. Die matschigsten Stellen vor der Bar wurden mit Europaletten sicher gemacht, es gab Flaschenbier und soweit mich meine Beobachtung nicht täuscht, ging auch in den kommenden 6 Stunden keine einzige zu Bruch. Der/Die/Das einzige was in Folge einen reibungslosen Ablauf immerzu etwas verzögerte, war dieses eine störrische Mikrofonkabel. Hey Kabel, was läuft falsch mit dir?
TEENAGE LOVE GUNS aus Hannover begannen dann den regulären Part für heut und da kam so Cali-Punk mit Hall überm Gesang. Das hatte was von THE GENERATORS. Ich fand persönlich die ersten zwei und die letzten zwei Songs etwas schwächer. Rest erstaunlich gut. Kannte die überhaupt nicht.
Allerdings waren so gut wie alle Ansagen überflüssig. 4-5 Mal erwähnt wurde, dass man den letzten Gig vor 4 Jahren auf dem Punkrockholiday hatte. Was bringt es denn, dass man die Info einem mehrmals ins Gehirn meißelt? Soll es eine Entschuldigung für einen eigentlich guten Auftritt sein? Einem Sachsendude reißt auch irgendwann der Geduldsfaden und der haut ein gepflegtes "Schnauze" in den Raum bei der Frage, ob se noch eine Zugabe spielen sollen. Ich grinse innerlich. Und dann auch noch die Ankündigung aller folgenden Bands mit "dumm-dumm-dumm-dumm-dumm" auf der Bass-Drum. Peinlich. Aber die Musik entschädigt weitestgehend. Umbaupause: mehrmals Christian Steiffen mit "Ja, ja, die Punkmusik"
PIEFKE begann dann den ersten Song mit Hall übern Mikro. Merke: Macht keinen Sinn. Wurde dann aber auch recht schnell gefixt. PIEFKE selbst erneut Ersatz und kurzfristig reingerutscht für u.a. BARETTA LOVE. Stilgerecht hat die Band zwei Shirts ebenjener Band an.
Und das war anschließend klar der stärkste Gig (Nummer 4), den ich von den Leipzigern bis dato gesehen hab. Jetzt im direkten Vergleich merke ich, dass die 360°-Konzerte im Garten der Chemiefabrik womöglich gut zum Entzerren des Publikums sind, aber es geht einfach auch eine gewisse Präsenz und Interaktion verloren. Heut kommt einfach viel mehr rüber. Ganz groß! Auch das Ende mit S - T - U - M - P - F kommt so gut... Umbaupause: Mehrmals Christian Steiffen mit "Ja, ja, die Punkmusik"
Die halbwegs lokalen SICK TIMES enterten die Bühne. Ich glaube auch ein recht kurzfristiger Ersatz. Mein Fotograf meinte sinngemäß: "Die sind bestimmt großartig, wenn mir die Musik gefallen würde." Kann man ja eigentlich auch schon fast so stehen lassen.
Es gab ein doch recht langes Set mit 20 Songs würd ich sagen - okay - geschätzt. 80s HC-Punk in Reinkultur. Da kommt wohl demnächst eine Split LP mit BUG ATTACK. Kann man bestimmt blind vorbestellen?! Eins muss ich mal loswerden - ist auch keine Kritik oder so. Aber ich finde das irgendwie witzig (vielleicht passt auch ein anderes Adjektiv besser), wie die Bassistin mittig grinsend und entspannt wie auf einer Wolke schwebend eine Art Ruhepol zwischen dem aggressiven Rest darstellt. Kann man das so schreiben? Ach egal. Es folgt: Umbaupause: mehrmals Christian Steiffen mit "Ja, ja, die Punkmusik". Derweil versucht sich noch einer mittels kaputtem Feuerzeug an einer Selbstentzündung. Der kurze Schreck wird mit allerlei Bier erstickt.
Weiter dann mit Sing-A-Long-Streetpunk, nämlich CHEAP STUFF und die liefern auch ab mit Songs aus allen Schaffensperioden.
Gute prägnante Ansagen, ein grölendes Volk. Ich hätt die so gern auf dem BTF gesehen in der Hoffnung, Gastmusikanten auf der Bühne zu sehen. Ein-zwei Einsätze (Ancient Swords?!) wurden verrissen, aber anschließend gekonnt überspielt - Profis unter den Amateuren. Meinem Mitfahrer sind die heut auf Platz 1 gerutscht. Umbaupause: Christian Steiffen diesmal ohne dem einen Song.
Vor Beginn des Hauptacts gab es die oben angesprochenen Probleme von Leuten des AJZs präsentiert. Ich hoffe mal, dass ich das ziemlich gut auf den Punkt gebracht hab. Ist ja alles nur aus meinem Erinnerungsprotokoll... Und direkt danach scheppert RAWSIDE los. Zuletzt 2017 auf dem BTF gesehen.
Und die Leute hatten Bock drauf. Manche schauten auch mal, wie es sich denn noch so anfühlt, wenn man auf DDR-Betonfliesen kracht. Nach 20 Minuten Gig wurde die Bewegung arg ruhiger. Na? Habt ihr auch so Coronabäuchlein mit fehlender Kondition? Ansonsten gab's von allen Platten was zu hören. Heut und hier soll "Totgesagte Leben Länger" das einzige Mal live gespielt worden sein?! Einer meiner Lieblinge: das melodische "Sagt Nein" ist dabei, ein schönes "Zusammenhalt-Youth Of Hate-Zusammenhalt" Medley usw. usf. und irgendwie ["Ehe ich Söder wähle, scheiß ich mir lieber freiwillig in die Hosen"] find ich es persönlich aktuell ganz gut, dass "Wahlboykott" nicht gespielt wird.
Starke Show. Ich weiß noch, dass die Zugaben mit dem persönlichen "(Nie) Wieder Frei" begannen. Nach dem letzten Takt drohte schon wieder der Herr von und zu Steiffen. Kein Ausfall - alles toll, aber Abfahrt!

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Captain

01.09.2021 21:29
Na ja ..... Ich weiß ja nich , ob der Schreiberling selbst schon mal in einer Band gespielt hat? Würde mich mal interessieren. Ich galube , am wichtigsten war an diesem WE , dass sich alle Bands schon viele Jahre kennen. Berlin Blackouts , DBS , Piefke, Kettenfett , Teenage Love Guns , Modge ... Usw usw...
Alles alte Freunde und das war so ziemlich das wichtigste an diesen 2(!) Tagen. Das diese ganzen Mucker , die sich eben teileweise schon 3-4Jahre nicht mehr gesehen und zusammen gespielt haben , sich wieder sehen konnten und für einen guten Zweck alle echt schöne Sets spielen konnten. Ein richtig fettes Familientreffen, die alle den anderen schätzen und jede Minute der 2-3 Tage genossen haben. Echte Leute . Schöner support. Rockstroh Drums auch dabei . Ordentlich Geld gespendet und gezeigt , dass eine Musikszene funktionieren kann , auch wenn alle unter PunkRock andere Musik verstehen . Ein Open Air mit sehr viel Tiefgang und Niveau. Genau die Portion Support und Hingabe und Freude , die man hier vergeblich sucht. Back to the Roots.Absut Top
verSemmelt
(verSemmelt)
01.09.2021 23:32
Ich entschuldige mich, dass ich im obigen Text direkt im zweiten Satz "Veranstaltung" fälschlicherweise im Singular geschrieben haben. Das darf so nicht passieren. Ansonsten weiß ich überhaupt nicht auf was du hinaus willst. Fühlst du dich irgendwo getriggert von meinem Schreibstil? Du kannst unten auf meinem Namen klicken und andere Konzertberichte von mir lesen. Vielleicht hilft dir das mehr?!
Captain

02.09.2021 10:48
Jeder ist bei irgendwas getriggert 😅
Ich kenn eure Texte. ;)
Ich hab auch mit dem Text weiter kein Problem. Bisschen flach halt , aber wie gesagt , jeder hat zum Glück seine eigene Sicht der Dinge. Ansonsten weiter so ihr Knaller 🏴‍☠️
verSemmelt
(verSemmelt)
02.09.2021 11:42
Da bin ich ja beruhigt. Die Floskel "sehr viel Tiefgang und Niveau" werde ich vielleicht demnächst für Asselpunkfestivals klauen. Danke dafür. Die Worte "fett" und "Mucker" eher nicht.

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