BSÍ, 13 Year Cicada, 21.10.2021 in Dortmund, FZW - Bericht von der Redaktion
BSÍ, 21.10.2021 in Dortmund
Ist das eigentlich das erste Konzert, das unten im Club des FZW stattfindet? Also das erste seit anderthalb Jahren oder so? Zuletzt war ja eher Halle, wenn überhaupt. Aber bei ca 30 Personen wäre die Halle dann doch etwas überdimensioniert. Und ich weiß nicht obs ein Corona-Nebeneffekt ist oder am Musikstil liegt, aber die Leute verteilen sich so gut im Raum, dass es nicht einmal leer aussieht. Krass!
Stimmt, der Raum ist nach meinen Maßstäben angenehm gefüllt, für die Bands wäre es wahrscheinlich schöner gewesen, wenn sich noch ein paar mehr Leute ins FZW gewagt hätten. Aber ist ja ein Donnerstag und draußen ist Wetter. Etwas unangenehm finde ich immer diese Stille zwischen den einzelnen Songs, da ist es ungelogen so ruhig, dass man die berühmte Stecknadel fallen hören könnte, dieses Grundrauschen eines gut besuchten Konzerts fehlt einfach. Dafür sind die Leute, die da sind, aber auch wirklich an der Musik interessiert und nerven während des Auftritts nicht durch anderweitige Gespräche.
So, kommen wir zur ersten Band: 13 YEAR CICADA! Labelkolleg*innen von BSÍ bei Tomatenplatten, wo sie vergangenes Jahr eine auf einem Vierspurrekorder aufgenommene EP rausgebracht haben, die mal ne Weile hier in den Redaktionsräumen rumflog, ich aber nie gehört habe (sorry). Besprochen wurde sie natürlich trotzdem.
Zunächst mal fällt auf, dass hier nicht unbedingt die klassische Rockkapellen-Besetzung steht. Schlagzeug, Bass und Synthie. Wobei da sehr viel draus gemacht wird, das Tastenkramdingen arbeitet mehr mit irgendwelchen Samples als mit herkömmlichen Tönen, der Bass durchläuft auch noch irgendwelche Effekte und das Schlagzeug ist halt auch mehr als Uffta-Uffta. In der Besprechung stand damals was von Weird-Pop-Indie, das passt soweit.
Irgendwo hab ich noch die Bezeichnung Math Pop gelesen, was ich bei den komplexen Songstrukturen auch ziemlich passend finde. Wer zählen kann ist hier klar im Vorteil. Aber weird gefällt mir...und seit ich vor kurzem mal wieder meine Sowjet-Prog-Jazz-Platte gehört habe, klingt eigentlich alles andere irgendwie melodiös und eingängig.Vielleicht liegt es daran, dass mich 13 YEAR CICADA heute direkt abholen. Es gibt hier soundmäßig viel zu entdecken, mal tanzbar, mal vertrackt.
Irgendwo hab ich noch die Bezeichnung Math Pop gelesen, was ich bei den komplexen Songstrukturen auch ziemlich passend finde. Wer zählen kann ist hier klar im Vorteil. Aber weird gefällt mir...und seit ich vor kurzem mal wieder meine Sowjet-Prog-Jazz-Platte gehört habe, klingt eigentlich alles andere irgendwie melodiös und eingängig.Vielleicht liegt es daran, dass mich 13 YEAR CICADA heute direkt abholen. Es gibt hier soundmäßig viel zu entdecken, mal tanzbar, mal vertrackt.
Ist tatsächlich ein bisschen abgedreht, gleichzeitig aber auch nicht zu "drüber", eher verspielt mit ein paar kreativen Ideen. Gefällt mir! Sie kriegen uns aber dann doch irgendwie am meisten bei den Lachmuskeln, oder vielleicht auch umgekehrt, ich bin mir manchmal nicht ganz sicher wer hier gerade über wen oder was lacht, auf jeden Fall ist es unterhaltsam. Apropos unterhalten: das wurde im Publikum eher wenig getan, was auch wieder Anlass war, darüber zu lachen. "Der Raum hier ist ja eher trocken, vielleicht ist dann ja auch der Humor...trocken..." versucht die Sängerin, uns aus der Reserve zu locken. Wäre gar nicht nötig gewesen, aber klappt.
Sehr treffend fand ich auch die Ansage, dass es ziemlich widersprüchlich ist, erst einen Song darüber zu spielen, wie schlecht Geld und Kapitalismus sind, um dann im nächsten Atemzug zu erwähnen, dass man Platten dabei hat.
Sehr treffend fand ich auch die Ansage, dass es ziemlich widersprüchlich ist, erst einen Song darüber zu spielen, wie schlecht Geld und Kapitalismus sind, um dann im nächsten Atemzug zu erwähnen, dass man Platten dabei hat.
Ein Text wurde anscheinend unter Zuhilfenahme einer Künstlichen Intelligenz geschrieben, was auch wieder zeigt, dass die Band eher unkonventionelle Wege bevorzugt. Ja doch, fand ich irgendwie total gut den Auftritt!
Ich kann mich da nur anschließen, spannende Band für die sich der Blick über den Tellerrand lohnt...aber ich erweitere meinen musikalischen Horizont auch sehr gern.
Ich kann mich da nur anschließen, spannende Band für die sich der Blick über den Tellerrand lohnt...aber ich erweitere meinen musikalischen Horizont auch sehr gern.
Anschließend BSÍ aus Reykjavík. Benannt nach einem dortigen Busterminal und damit auch schon mal prädestiniert für diesen Weirdo-Kosmos. Von ihnen kam vor ein paar Monaten das Album "Sometimes depressed... but always antifascist" raus, vertrauter ist mir allerdings die 2018er EP, die heute immerhin im Opener und in der Zugabe berücksichtigt wurde. Besetzung hier: Schlagzeug, Telefon-Mikro, Bass und "Zehen-Keyboard". Es hört nicht auf mit ungewöhnlichen Bandbesetzungen!
Im Vorfeld hatte ich gedacht, dass hier tatsächlich jemand mit seinen Zehen Keyboard spielt, aber letztendlich war es nur eine Art Fußschalter, wie bei einer Gitarre. Oder habe ich was übersehen?
Im Vorfeld hatte ich gedacht, dass hier tatsächlich jemand mit seinen Zehen Keyboard spielt, aber letztendlich war es nur eine Art Fußschalter, wie bei einer Gitarre. Oder habe ich was übersehen?
Das sorgt dann auch hier und da direkt für die ersten Tanzschritte im Publikum. Wobei ich mir jetzt unsicher bin, was die adäquaten Tanzschritte dafür wären. Musik ist jedenfalls bestenfalls wieder irgendwas mit Indie und Pop, so aus dem Lofi-Segment und leicht verträumt. Heißt das nun, dass das Dream Pop ist? Ich weiß es nicht! Jedenfalls auch ein bisschen weird, aber nicht so weird wie die erste Kapelle.
Ein Song kommt nahezu ohne Schlagzeug aus, beziehungsweise muss dieses als Tisch für das Keyboard herhalten. Dazu erzählt die Sängerin, dass ihr Album eigentlich eine Doppel-EP ist und der gespielte, eher traurige Song halt auf der "Sometimes depressed..."-Seite ist. Und so bekommen wir hier nach und nach beide Seiten präsentiert, dazu aber auch noch neues Material.
Und ein Cover von "Wannabe", dem 90er Hit der SPICE GIRLS. In dieser eher minimalistischen Version von BSÌ ist er sogar erträglich.
Ein gelungener Konzertabend mit zwei tollen Bands, definitiv eine Wohltat für meine Ohren, nachdem ich mich heute während der Arbeit schon durch diverse schlechte Metalkapellen gehört habe. Wie furchtbar sind denn bitte SABATON?
Sabaton - haben wir die nicht mal, oder irgendeine Inkarnation von denen, beim exklusiven Presse-Showcase im Wacken VIP-Bereich gesehen? Naja, ist nicht viel hängen geblieben.
Sabaton - haben wir die nicht mal, oder irgendeine Inkarnation von denen, beim exklusiven Presse-Showcase im Wacken VIP-Bereich gesehen? Naja, ist nicht viel hängen geblieben.













