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Tocotronic, Charlotte Brandi, Sophia Kennedy, 19.08.2022 in Hamburg, Stadtpark - Bericht von kraVal

Tocotronic, 19.08.2022 in Hamburg

Tocotronic sind die wirklich allerbeste Band der Welt für mich. Sie zeigten mir mehr als Deutschpunk es könnte, was drei Akkorde ausmachen können, dass es nur cool und uncool und wie mensch sich fühlt gibt und sie hatten einen vermeintlichen Masterplan. Macker-Attitude Fehlanzeige und Textzeilen wie „Mein Hass auf all die Deppen, ist nach wie vor sehr groß, auf den Gipfeln der Verzweiflung ist immer noch was los“ pusten mein Gehirn mehr durch als die meisten Polit-Punk Bands es so können. 

Vor drei Jahren kündigten Tocotronic an, ein Konzert in Hamburg mit nur Songs aus der Hamburger Schaffenszeit von 1993 bis 2003 und ursprünglich am Tag darauf ein Konzert in Potsdam (warum auch immer) mit den Lieder der Berliner Zeit ab 2004 fortlaufend zu spielen. Es war sofort klar und ohne meinen Terminkalender zu überprüfen, dass ich zu beiden hin muss. Tja, Kalender wäre gut gewesen, dann hätte ich gesehen, dass da eine Hochzeit eingetragen ist…aber zum Glück kam ja Corona und sowohl Hochzeit als auch Konzerte wurden zweimal verschoben. Mal was Gutes an dem Quatsch und es hob die Terminkollision auf.

Jetzt hat das erste „the Hamburg years“ betitelte Konzert stattgefunden und es war einfach nur wundervoll! Hits Hits Hits in chronologischer Reihenfolge und wenngleich meine Wunschliste den einen oder anderen Song mehr drauf hatte, strahlte ich die gesamten 2 Stunden wie ein Honigkuchenpferd übers ganze Gesicht, meine Stimme wurde heiser und ich kann nur sagen „Gott sei dank haben wir beide uns gehabt“. Diese eine Liebe wird nie zu ende gehen. 
Stadtpark ist eine schöne Location, aber der Bierpreis von 5,5€ pro halben Lieder lässt einen fühlen, Mensch würde Platin trinken. Und dann auch noch König Pilsner, wobei mir das egal ist. SOKO LiNX haben ja klar gemacht, dass mensch ausschließlich Hasseröder trinken darf. Die Pommes für 4 € sind aber ok, weil relativ große Portion (bin froh, dass ich nicht die XXL Variante gewählt habe) und vernünftig!
Es beginnt im Hellen und wir bleiben relativ weit hinten. Aber die Aussicht ist fantastisch und das Publikum 40+ so wie ich. Mensch merkt, das diese es verlernt haben, auf Konzerte zu gehen (Alter oder Pandemie) - entweder sehr zurückhalten bis irritierend, wenn ich alle Songs lauthals mitsinge, oder so besoffen, dass es vermuten lässt, dass stehen und trinken nicht (mehr) ihre Stärke ist.
Schlagzeugerfoto des grandiosen Arne Zank.
Die Farben des Backdrops werden durch eine ausgeklügelte Lightshow schön in Szene gesetzt. Ich fühle mich sehr hingezogen zu diesem Ambiente und beschließe, eine Tocotronic-Coverband zu gründen. Menschen aus Berlin, die mitmachen wollen schreiben an kraVal@bierschinken.net 
Tocotronic sparen sich heute mehrheitlich ausufernde Noise-Instrumental-Parts, die sie ja sonst gerne mit rein basteln, vermutlich damit sie mehr Lieder spielen können. Ich empfinde das als unfassbar aufmerksam und möchte dies an dieser Stelle wertschätzen!
Überhaupt wird alles relativ Platten-nah gespielt, auch dies trifft sichtlich den Geschmack des Publikums, das an den Lippen des sympathischen Entertainers Dirk von Lowtzow klebt. 
Die Begeisterung für den Abend ist sichtlich gegenseitig. Es wird gescherzt, geherzt, Jan Müller wagt vorsichtig Hüpfer beim Spielen und es wird gemenschelt!
Mit dem wunderbaren „So jung kommen wir nicht mehr zusammen“ als dritte oder vierte Zugabe endet der Abend in Hamburg. Herrlich beschwipst von Bier auf Aperol Spritz steigen wir zurück in den ICE nach Berlin - nicht ohne vorher noch ein lekker Franzbrötchen mit Streuseln zu verdrücken, das vor Zimt nur so trieft. So mag ich Tocotronic! Love you 

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Thruntilldeath
(Thruntilldeath)
22.08.2022 12:36
Abgesehen davon, dass aufgrund deiner Liebe zu Tocotronic eh von fehlendem Geschmack ausgegangen werden muss, aber Franzbrötchen mit STREUSELN? Was soll das denn sein und wo gibt es das? Frechheit!
kraVal
(kraVal)
22.08.2022 12:50
Am Hamburger HBF kannst du alles auf dein Franzbrötchen haben - das solltest du doch als zugezogener Hamburger wissen, oder fährst du immer Auto...

Kabl

22.08.2022 13:30
Habe sie in Augsburg gesehen und muss zustimmen: Eine geniale Band, live als auch auf Aufnahme. Hoffe, es geht noch lang mit Tocotronic weiter!
Thruntilldeath
(Thruntilldeath)
22.08.2022 15:49
Steige immer Altona ein, Hbf machen nur Touris.
h*einz_zweidreI
(h*einz_zweidreI)
22.08.2022 18:52
Danke für den Bericht. Und Buuuh, das macht nochmal schmerzlich bewusst, nicht dabei gewesen zu sein...
kraVal
(kraVal)
23.08.2022 09:59
@thrun: diggi, ich war schon altona, da warst du noch Kreis Ostholstein!
Thruntilldeath
(Thruntilldeath)
23.08.2022 10:07
Ich bleibe immer Kreis Ostholstein! Durch meine Adern fließt FaKo!
kraVal
(kraVal)
23.08.2022 11:05
@h*einz - dann grüne endlich eine verdammte Tocotronic Cover Band mit mir!

h*einz_zweidreI
(h*einz_zweidreI)
23.08.2022 22:50
Würde ich doch sofort, wenn ich was könnte! Backgroundgesinge und/oder Triangel. Werde mich aber als Dauergast im Proberaum anmelden, kannste wissen!
Tröt

31.08.2022 18:08
Da wird die tocotronische Schulter ja ganz wund vom vielen Klopfen.

Meine subjektive Erfahrung dieses Konzerts war (abgesehen vom hervorragenden Anlass und der dazugehörigen Setlist) eher guter Durchschnitt.
Begründung: 1) die stagedivende Prollmeute und im speziellen dem tierhaarbehaarten Mann im LSD-Regenbogen-Anzug unmittelbar vor der Bühne (Bitte! Wir sind hier weder in Seattle noch in Berlin).
2) die pandemiebedingte Verschiebung und die damit einhergehende Verzögerung dieses ja doch mit viel Vorfreude verbundenen Konzert-Konzepts. Kann mir vorstellen, dass noch mehr Funken (auch von Bandseite) hätten sprühen können, wäre das nicht mitten in eine bestehende Tour zum aktuellen Album gelegt worden.
3) Das Konzert tags drauf in der Berliner Columbiahalle mit der 'Nie wieder Krieg'-Setlist hatte für mich den Vibe, den ich mir in Hamburg erhofft hatte. Alle hatten Bock, und die Band ebenfalls mehr als am Vortag, bei ähnlich aufs wesentliche reduzierter Rockshow. Aber vielleicht bin ich im Stadtpark auch überwiegend von einem unangenehmen Schlag Menschen umgeben gewesen und hätte mich zum funky-Designerbrillen-Publikum auf den Hügel stellen sollen, aber das möchte man sich bei einem solchen Konzert auch nur ungern eingestehen.

Fazit: Angesichts der Setlist immer noch ein extraordinäres Konzert, angesichts der Hitdichte der Hamburg Years unmöglich alles Relevante zu spielen (zu wenig von K.O.O.K., z.B.). Die Location Hamburger Stadtpark (abgesehen vom Bier) ganz wunderbar. Die im Bericht unerwähnten Künstlerinnen Charlotte Brandi und insbesondere Sophia Kennedy haben den Abend angemessen schön eröffnet. (In Berlin durfte die isländische Band BSÍ ran, eine wahre Lust!) Verzeiht das aus Versehen ausführlich gewordene Koreferat.
kraVal
(kraVal)
02.09.2022 10:50
Lieber Tröt,

danke für deinen Kommentar.
Deine Beobachtungen bzgl. des Publikums kann ich in einigen Punkten teilen. Ich bin auch deswegen eher hinten geblieben. Dennoch möchte ich mildes Urteil über eine Vielzahl der anwesenden Menschen sprechen, denn sie waren wie ich sichtlich bewegt und nicht nur wegen des Alkohols leidenschaftlich mitgenommen!

Die Setlist war in meinen Augen prima, ich hätte mir mehr Songs von ‚Nach der verlorenen Zeit‘ gewünscht, eine Platte die ich sehr liebe und schätze.

Die pandemiebezogene Verschiebung halte ich auch für sehr unglücklich - die ursprüngliche Planung 1 Tag Hamburg und 1 Tag Berlin (was ja in unerklärlicherweise und Potsdam stattfindet) hintereinander an einem
WE hätte der Idee m.E. eine unglaubliche Dynamik gegeben.

Den Tag danach in der Columbiahalle kann auf Grund meiner Abwesenheit nicht beurteilen.

Etwas unglücklich macht mich, das Tocotronic jetzt spontan noch ein Hamburg Years Konzert in Berlin im About Blank spielen - eine wunderbare Location und m.E. der bessere Stadtpark.

Zuletzt: solltest du in Berlin leben und Schlagzeug spielen, wir sind drauf und dran eine Coverband zu gründen und bräuchten noch eben jenen. Melde dich gerne.

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Band:
Tocotronic
Musikstil: Hamburger Schule, Indie, Rock
Homepage: www.tocotronic.de
Konzertberichte: 9

Location:

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