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Bane, Comeback Kid, Stay Free, 30.06.2024 in Schweinfurt, Stattbahnhof - Bericht von alexanderdavide

Bane, Comeback Kid, Stay Free, 30.06.2024 in Schweinfurt

Die US Hardcore-Legende Bane verkündete 2023 ihr Comeback und ist derzeit mit den Kanadiern Comeback Kid auf Co-Headliner-Tour durch kleine Clubs in Europa. Die schweißtreibende Angelegenheit kann ich mir nicht entgehen lassen. Nachdem das JuHa West in Stuttgart binnen wenigen Minuten ausverkauft war, zieht es mich nach Schweinfurt. 
Um 10:47 Uhr fahre ich in Ulm Hbf los und brauche erst mal 'ne Falafel - eine effektive Maßnahme gegen den Kater, den ich vom gestrigen Guntiafestival mitgenommen habe. Währenddessen schaue ich dem Fahrgast vor mir beim Solitaire zu. In Schweinfurt häufen sich dann die Ereignisse: Bier am Bahnhof, Einchecken im Hotel, Bier bei so einem Stadtteilfest und kurze Besichtigung geleitet von Kollegen, die Ex-Schweinfurter und Wahlstuttgarter sind, wenn man das überhaupt so sagen kann. Stuttgart ist echt so gar nicht Long Beach.
Hallo Stattbahnhof Schweinfurt! Die besagten Kollegen hatten dermaßen vom Aufwachsen an diesem Ort geschwärmt, dass ich gar schon Fremd-Nostalgie spürte. Ich kann sie verstehen, denn in den ehemaligen Schalter- und Wartehallen riecht es förmlich nach Subkultur. Geboten wird alles, was man sich so wünscht: schöne Gastro-Kneipe mit Außenbereich, Fassbier, faire Preise, Tischkicker, freundliche Mitarbeiter und natürlich gutes Programm. Wenn's von mir zu Hause nicht 5 Stunden Regionalbahn wären, hätte mein erster Besuch nicht so lange auf sich warten lassen. Zufällig treffe ich noch eine Person aus Würzburg, mit der ich mich auf dem Wasted! Open Air gut verstand. Die Welt in der Szene ist mal wieder sehr klein. Schön!
Stay Free aus Saarbrücken, von ihnen liebevoll Saarbrooklyn genannt, machen Support. Die Supportankündigung ging irgendwie voll an mir vorbei, umso mehr freue ich mich darüber. Die 2018 gegründete Band spielt Hardcore der alten Schule mit knüppelhartem Sound und enorm aggressiven Vocals. Trotzdem vermitteln sie positive Stimmung. Den Ansprachen zwischen den Songs kann man entnehmen, die Band hat Haltung und steht mit Herzblut für die Community. Einen kurzen Gastauftritt gibt es außerdem auch. Selbst wenn mir Stay Free persönlich zu hart knüppelt, hinterlässt die Vorstellung bei mir einen guten Eindruck. Das Publikum ist ebenfalls angetan, denn der große Saal füllt sich bereits. Die ganz kleine Clubshow wird das demnach nicht werden.
Weiter geht es mit Comeback Kid, meine ursprüngliche Motivation für die Anreise. Ich kann es kaum abwarten, suche mir ein lauschiges Plätzchen vor der Bühne und leere in weiser Voraussicht mein Bier. Als es dann losgeht, ist sogar etwas Luft vor der Bühne. Das hält kaum für zwei Songs an, bevor die ganze Sache zur wilden Achterbahnfahrt wird. High Fives und Stage Dives ist angesagt. Beim Hardcore Punk Tribute G.M. Vincent & I fliege selbst ich von der Bühne. Man muss sagen, bis auf ein paar Ausreißer kann sich die Meute echt benehmen. Ein Knie findet dennoch den Weg in meine Visage. Alles Shits and Giggles, bis mal was Ernsthaftes passiert. Dass unter den Umständen nur bestimmte Menschen ins Pit können und wollen, ist selbstredend. In jedem Fall versprüht Comeback Kid live, genauso wie auf Scheibe, wahnsinnig viel Energie. Das Publikum ist voll am Start, Sänger Andrew schwitzt sich jegliche Flüssigkeit aus dem Leib und ich muss, bis auf einige meiner Lieblingssongs, nichts vermissen.
Bane macht den Abschluss. Das scheint fix zu sein, zumindest wie ich es den Medien der vergangenen Stationen der Tour entnehmen konnte. Die Band aus Worcester versteht man schnell als Vertreter des Old School Hardcores. Ganz falsch ist das bestimmt nicht, doch dehnt sie die Grenzen immer wieder merkbar aus. Gute Beispiele sind die 2009 veröffentlichten EPs. In der Form weckt Bane mein Interesse, während für mich die klassischen Sachen eher abfallen. Ich sortiere mich weiter hinten in der Menge ein und mache die Bahn für Menschen frei, denen deutlich mehr an der Band liegt. Davon gibt es nämlich viele, sodass die Stimmung unverändert gut ist, nur vielleicht etwas weniger eskalativ.
Der Konzertabend ist vorbei. Zum Abschluss esse ich noch eines der köstlichen Sojaschnitzel im Brötchen, gespült wird mit Pils. Es folgt eine ausschweifende Diskussion mit meinem Kollegen über Rücksichtnahme auf Konzerten, FLINTA*-Pits und ähnliches. Wir einigen uns darauf, dass wir uns nicht einigen können. Mir will es partout nicht in den Kopf, wie man nicht daran interessiert sein kann, dass jeder Mensch Teil des Spaßes ist. Nachdem der Stattbahnhof mittlerweile geschlossen hat und ich mal wieder um einen Pfandchip reicher geworden bin, würde ich am liebsten in die nächste Kneipe gehen. Es stellt sich heraus, dass es Sonntagnacht ist und Schweinfurt nicht gerade die Metropole ist. So bin ich gezwungen, meiner Gesundheit etwas Gutes zu tun und mich aufs Ohr zu hauen. Immerhin gehe ich mit dem Gefühl, dass es in jeglicher Hinsicht ein lohnenswerter Ausflug nach Schweinfurt war.

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