Hete, Noise Church, 28.11.2025 in Aulendorf, CaBa Schlossgarten - Bericht von Lux
Hete, 28.11.2025 in Aulendorf
NOISE CHURCH dürfen starten und das Schlosscafé bzw. die Café Bar vom Schloss Aulendorf sieht an diesem Abend seine erste Punkrockshow. HETE geben sich mit der Gestaltung ihrer Plattentaufe sehr viel Mühe. Das Gruft-Klimbim fügt sich hervorragend ins historische Ambiente ein.
Ca. 50 Leute finden den Weg am kalten Novemberabend ins Schloss und biegen nicht zuvor zum zeitgleich stattfindenden Klavierkonzert in den Marmorsaal ab. NOISE CHURCH liefern ordentlichen Oldschool-Hardcore-Punk und der Sänger jellobiafrat sich durch eine kurzweilige Setlist. Ich überlege mir das ganze Konzert lang wann wohl die Entscheidung fiel, sich diesem Gesangsstil anzunehmen. Steht man da einfach morgens auf und denkt sich: "Alder, ab sofort singe ich nur noch wie der Typ von den DEAD KENNEDYS, komme was wolle!" Jedenfalls eine sehr sympathische Band die offenbar ziemlichen Spaß an der Sache (Rockmusik) hat.
Die Cafébar, kurz CaBa ist eigentlich ein ungewöhnlicher Ort für Subkultur in Aulendorf. Normalerweise spielen im nahegelegenen irReal die Punkbands auf und im Café verweilen tagsüber Kurgäste und Rentner*innen, doch ich muss sagen: Top-Laden! Außerdem gehört er sowieso zum IrReal-Kosmos und könnte möglicherweise in Zukunft für noch mehr musikalische Szenetreffen sorgen. Auf dem Land in Oberschwaben sind unabhängige Undergroundkonzerte noch lange nicht tot. Im Gegenteil: Ich sichte mindestens 50% Menschen unter 30 (unverhohlen geschätzt), davon ein beachtlicher Teil Flinta-Personen. Bockstark!
HETEs Debutplatte wird ja an jeder Ecke und jedem Ende gelobt, dass man fast den Eindruck bekommen könnte, hier nach BERLIN 2.0 the next big post-punk-thing aus Süddeutschland zu erleben. Die Leute fangen zumindest sofort an mit waschechtem Pogo, nach einem Song gibt es sogar direkt Scherben (trotz Teppich) und alle haben Bock. Textsicherheit, auch bei neuen Songs, ist ebenfalls zu erkennen. Das Album bewegt die jungen Menschen im Landkreis Ravensburg offenbar.
Auf die Lieferung der Platte mussten HETE übrigens sehr lange warten, unter einem Insta-Post zur Band vom OX Fanzine kann man einen spannenden Dialog zwischen dem Label und dem Presswerk verfolgen. Leidgeprüfte DIY-Labelmenschen wie ich zucken bem Lesen direkt nervös zusammen. Gottseidank kam das Vinyl noch rechtzeitig an und so konnte locker und gelöst gefeiert werden. Und das wurde es auch, trotz gelegentlichen technischen Ausfällen die die Band nur charmanter wirken ließen.
Eine großartige Setlist: Die neueren, fast schon progressiven Düsterpunksongs gepaart mit den teilweise holprigen, geradlinigeren alten Sachen funktionierten für meinen Geschmack sehr gut. Nach etwa 40 Minuten (perfekte und angemessene Länge für eine Punkrockshow) war Schluss und alle waren happy und froh und Aulendorf hat nun eine (sehr schöne) Subkultur-Location mehr. Hallelujah!






