March, The Photsans, 28.11.2025 in Berlin, Privatclub - Bericht von matsch
March, 28.11.2025 in Berlin
Berlin, Ende November. Die Auswahl groß, die Temperaturen niedrig. MARCH haben mich im letzten Jahr vor CLOWNS mächtig elektrisiert, sodass ich mir diesen Termin früh im Kalender notiert habe. Und wer bekommt bei diesem mächtigen Flyer nicht Lust auf eine geballte Ladung Premium Punkrock? Schnell durch die Kälte zum alten Postamt geflitzt und kurz vor acht im Privatclub angekommen, wundere ich mich über die doch recht übersichtliche Zahl der Anwesenden und die abwartende Stimmung. Zu viel Auswahl für einen Freitagabend?
Über THE PHOTSANS konnte ich im Vorfeld nicht allzu viel herausfinden. Bei der Begrüßung nach dem ersten Song checke ich den Witz im Namen. Habe noch auf dem Hinweg überlegt, ob ich mir das mal übersetzen lasse. Nicht mehr nötig. Damit oute ich meine Unkenntnis dieser Band, bin aber 80s/90s Schrottcoverbands aus Tempelhof grundsätzlich nicht negativ gegenüber eingestellt.
Das ist doch der eine von DEADLY HABIT. Hatte der im Tommyhaus bei Chefdenker nicht kürzere Haare? Mit Hilfe des Bierschinkenarchivs wird meine vage Erinnerung faktengecheckt: Es ist "The-Photsans-Gitarrist (aka Holle become Kratos)".
Im Trendviertel Tempelhof hat man sich eine exquisite Auswahl an Coversongs getroffen, die hier mit super Stimme (und Stimmung) vorgetragen wird. Skaterboy, Genie In A Bottle, Breaking The Law, Ich find' dich scheiße, Barbie Girl - eine Auswahl, die sich für Punkcover hervorragend eignet, weil man gar nicht mehr so viel machen muss, damit es abgeht. Punkcover sind jetzt kein neues Konzept, aber eine bessere Auswahl als Me First und Co haben THE PHOTSANS auf jeden Fall, bzw. sich die Perlen der Mainstream Pop-/Rocksongs eingangs erwähnter Jahrzehnte rausgesucht.
Das Publikum ist zugewandt, aber immer noch ein bisschen abwartend. Vielleicht bin ich aber auch noch nicht ganz da und ein bisschen zu abgelenkt, um mich richtig auf die mir allesamt bekannten Songs einzulassen. Diesmal habe ich nämlich die Akkus meines alten Fotoapparats aufgeladen, merke aber, dass ich den seit 15 Jahren nicht mehr bedient habe und stelle während ich munter knipse fest, dass die Technik das Teilchen längst überholt hat. Außerdem ist hier schon wieder nur rotes Licht.
Während ich probiere bei der Kamera noch irgendwas über die Einstellungen rauszuholen - die PHOTSANS sind schließlich so gut angezogen - tanzen und singen MARCH in der ersten Reihe mit.
Ebenfalls in rotes Licht getaucht: MARCH. Die freuen sich beim Spielen 'nen Ast ab und werden mindestens drei neue Songs schmettern, die durchweg gut sind.
Das gefühlt weniger gewordene Publikum packt erst nach der Hälfte die Dancemoves aus, nur links neben mir die Leopardenkleidfrau und rechts von mir die pinken Haare sind gleich voll dabei. Perlen vor die Säue, außer uns Trüffelschweinchen, die wir hier sind und MARCH huldigen.
Für einen neuen Song ("Sisters Of Rage") macht Sängerin Fleur einen Ausflug ins Publikum und brüllt den an RATM erinnernden Song vor der Bühne zwischen uns. Dabei macht es sich der Lichtmensch die volle Songlänge über auf dem Stroboknopf bequem und ich falle von dem An/Aus fast um.
"Put it all on red / All in / On red (...) Red / Everything on red"... MARCH haben auf jeden Fall auch einen Song dabei, der zur vorherrschenden Lichtstimmung passt.
Wegen einer Folgeveranstaltung gibt es keine Zugabe, dafür durften MARCH vermutlich sieben Minuten überziehen. Zumindest spielt um 22:07 Uhr "Take On Me" vom Band aus den Boxen. Die CDs am Merch sind leider sold out (nicht so loud, wie ich erst verstehe und zufrieden erwartungsvoll nicke), so muss ich hoffen, dass sie sich nächstes Jahr wieder auf den Weg von Breda nach Berlin machen. Ich werde wieder da sein.














