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Kraftklub, 30.11.2025 in Königsbrunn, Rewe Wurm - Bericht von Gerdistan

Kraftklub, 30.11.2025 in Königsbrunn

Es muss ungefähr 2010 gewesen sein, ich saß auf dem Campingplatz des Ruhrpott Rodeo auf einem Klappstuhl und dachte mir nichts Böses, als irgendwann der Kollege und Frank Kremer auftauchten. Der Kollege erzählte uns von einer sensationellen neuen Band, die er in Berlin irgendwo gesehen hatte: Kraftklub. Seine Beschreibung war ungefähr: "fünf so dünne Typen aus den neuen Bundesländern in Collegejacken machen ne geile Kombi aus Rap und Indierock. Klingt erstmal beschissen, aber die Texte reißen das raus! Hört euch das mal an". Da das ganze vor dem Zeitalter von ubiquitär vorhandenem Breitbandinternet auf mobilen Endgeräten war, musste ich bis zu Hause warten, um mir das auch mal reinzufahren. Fand ich dann aber doch irgendwie ganz geil und spätestens bei "Scheißindiedisko" hatten sie mich.
Wenig später wurde in Münster, wo ich damals zu wohnen pflegte, ein Konzert mit Kraftklub angekündigt, in irgendeinem hippen Club am Bahnhof, den es inzwischen auch schon nicht mehr gibt und dessen Namen ich nicht mehr weiß. Ich war da, aber weil bis 22 Uhr so rein gar nichts passiert war (nicht mal andere Gäste sind aufgetaucht), bin ich wieder gegangen. Es soll Gerüchten zufolge aber stattgefunden haben. Im November 2011 jedenfalls war ich dann mal auf einem "richtigen" Konzert im Skaters Palace, danach ging die Karriere von Kraftklub durch die Decke und parallel zur Häufigkeit im Radio ging mein Interesse dann auch irgendwann wieder flöten.

Fast Forward ins Jahr 2025, ich wohne inzwischen am anderen Ende der Republik und sitze auf einem Esszimmerstuhl bei meinen Nachbarn und denke mir nichts Böses, als mein guter Freund Jakob auf sein Handy guckt und mit der Info ankommt, morgen würde eine bekannte deutsche Indierockband in einem Rewe-Supermarkt im Augsburger Vorort Königsbrunn auftreten. Das war gestern. Ich hätte nicht gedacht, dass mich das irgendwie tangieren würde, aber als es dann heute hieß, dass es Kraftklub wären und es auch nix kosten würde, war ich auf einmal voll da - Konzerte an ungewöhnlichen Orten sind ja eigentlich immer sehenswert, und so fahre ich mit der Straßenbahnlinie 3 von Augsburg nach Köbrunn und treffe einige bekannte Gesichter auf dem Parkplatz. Nach ca. einer halben Stunde dürfen wir den Supermarkt betreten, in dem schon ein Drumkit, eine komplette Backline und eine mittelgroße PA neben dem Gewürzregal aufgebaut ist. 

An Getränken gibts nur Wasser, aber das ist, wie der Chef uns später erklärt, so gewollt, um eine Eskalation zu vermeiden. Naja, ok, am Sonntag Abend kann man das mal so hinnehmen.

Ein weitere halbe Stunde später kommt eine Durchsage über das Lautsprechersystem des Supermarkts und dann flitzen die fünf Herren in weißen Poloshirts durch die Regale und auf die improvisierte "Bühne". Der Sänger muss dann nochmal zurück, sein Mikrofon holen, aber dann geht's los. Die meisten Songs kommen vom aktuellen, vor drei Tagen erschienenen Album, werden aber vom doch zahlreich erschienenen Publikum (ich schätze mal so 200-300 Leute) schon textsicher mitgesungen. Die Features von Popgrößen wie Faber oder Nina Chuba muss dann der Gitarrist übernehmen, tut dem Ganzen aber keinen Abbruch. Überhaupt ist der Sound erstaunlich gut, dafür, dass wir uns in einem Supermarkt befinden und das alles innerhalb weniger Stunden aus dem Boden gestampft wurde.

Die Absurdität der Situation wird in zahlreichen Ansagen aufgegriffen. Ganz alltägliche Dinge wie das Toastbrotregal werden aufgrund des kuriosen Settings zum Running Gag. Herrlich. Zum Song "Halts Maul und spiel" kommt eine absolute korrekte Ansage über Nazis auf Konzerten, bevor sich dann tatsächlich sowas wie ein Pogopit entwickelt. Im Supermarkt. 


Auch das Spiel "abhauen, das Publikum Zugabe rufen lassen, wiederkommen" lässt man sich nicht nehmen und beim letzten Song ("Songs für Liam", das einzige Lied von der Setlist, welches ich vor dem Konzert kannte) gibt's sogar nen Stagedive. Im Supermarkt. Dann ist nach einer Stunde Feierabend. 

Fazit: Ein tolles Konzert in ungewöhnlicher und doch vollkommen gewöhnlicher Umgebung. Das Verrückteste bleibt aber, nach 20 Uhr in einem bayrischen Supermarkt gewesen zu sein.

Bis zum nächsten Mal

euer Gerd


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speedtom
(speedtom)
02.12.2025 12:35
Sagenhaft, auch stabil vom REWE!

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