Willy Fog, junejunejuly, Pennwood Rd., 20.12.2025 in Dortmund, Heimathafen - Bericht von Oberbüscher
Willy Fog, junejunejuly, Pennwood Rd., 20.12.2025 in Dortmund
Dortmund hat eine neue Veranstaltungsreihe, hattivatit shows, für Emo, Screamo, Hardcore und Post-Punk. Erste Show in der neuen HirschQ war schon gut, primär letzteres Genre vertreten. Insbesondere das seit ein paar Jahren hartnäckige Screamo-Defizit in Dortmund soll jetzt mit der zweiten Veranstaltung bearbeitet werden. Hierfür sind kurz vor Weihnachten Gäste aus Leipzig und Ostwestfalen angereist und treffen heute auf die Dortmunder Willy Foicht Coverband namens Willy Fog. Bravo an das Booking vorweg!
Die Location „Heimathafen“ gefällt sehr gut. Klein, überschaubar, gemütlich und voll! Krass wer alles hier ist! Es gibt Merch, Getränke und zur Toilette muss man in die erste Etage ins Integrationsbüro. Aber wir können uns ja benehmen. Und Sticker kleben wir auch nicht.
Los geht es mit junejunejuly (lt. Poster kleingeschrieben, aus OWL). Insbesondere in der Gegend waren die im vergangenen Jahr viel unterwegs, aber auch in Berlin und Tschechien. Ich muss gestehen, dass ich die vorher noch nicht kannte und habe auch nichts auf den gängigen (kommerziellen) Streaming-Plattformen gefunden. Deswegen bin ich zu Beginn noch ein bisschen abgelenkt, weil spät dran, Hallo, lange nicht gesehen. junejunejuly ist das egal und die haben sichtlich Spaß auf der kleinen Bühne.
Schnell wird deutlich, dass ich durch meine Ignoranz offenbar Einiges verpasst habe. Die Band liefert trotz jungem Alter ein solides Set ab. Schlagzeug wechselt zwischen monoton atmosphärisch und Knüppelscreamo, Bass bleibt relativ smooth, Gesang und Gitarre schreien um die Wette. Der Sänger packt irgendwann eine Melodica aus. Passt vom Sound ganz gut und bringt nochmal was Eigenes rein.
Kleine Sidenote: Insbesondere die beiden Sänger wirken auf mich jung und ich bin beeindruckt, dass so ein Genre wie (Midwest-)Screamo, das ich eher in den 90ern verorte, bis heute neue Generationen hervorbringt. Ich stehe auf dem Konzert neben einem 14(!)-Jährigen, der mir erklärt, dass er zwar wegen junejunejuly hier ist, aber auch sonst zu allen möglichen Emo- und Screamo-Shows fährt. Seine Mitreisenden tanzen leidenschaftlich vor der Bühne, er chillt bei uns.
Dann Willy Fog — oder Insta-Name: Wilhelm Nebel. Marcin gehört zu hattivatit und hat sich kurzerhand selbst gebucht. Wahrscheinlich, um die ganzen alten, müden, Lehreremos kurz vor den Weihnachtsferien nochmal vor die Flinte zu bekommen. Hat geklappt und der Laden ist randvoll. Jonas ist im Laufe des letzten Jahres Papa geworden, was vermutlich nur ein Grund dafür ist, dass die seit der letzten Show vor ziemlich genau einem Jahr keine weitere Show auf die Kette bekommen haben. Nicht, dass sie vorher mehr gemacht haben. Das Konzert in Kamen war überragend und im Prinzip sind jetzt wieder genau dieselben Leute da. Waren aber auch schon 2015 im FZW, 2013 bei Bochum Total und 2012 im Unten Linx… Bisschen wie Klassentreffen.
Vor lauter Klassenkamerad:innen kommt man zu Beginn des Konzertes auch gar nicht bis zur Bühne durch. Egal, die Soundwall steht und vielleicht ist es gut, dass sich vor der Bühne die jüngere Generation austoben kann. Wir Old-Dogs platzieren uns im Mittelfeld und fühlen erstmal rein. Opener: Halsüberkopfsteinpflaster. Die Soundwall steht, Band wirkt super tight, Jonas ist bei Stimme, toll. Ich bin eigentlich noch heiser vom Hartkern-Festival, aber das packt mich immer noch und muss mitschreien: „Was soll das alles hier?“ Zum Glück bin ich nicht alleine und den Menschen um mir rum fällt das Gewicht des letzten Jahres von den Schultern. Ich blicke lächelnde, zitternde und weit aufgerissene Münder. Manche haben glasige Augen.
Für Ojibwa setzt die Band gleich zwei Mal an, was witzig ist weil der Song von der ersten Zeile „ISOLATION“ lebt. Kann man ruhig mehrmals singen. Jonas fängt sich und taucht in die tiefsten Abgründe unserer Jugend… „und ich will da nicht mehr hin.“ Ich kann meine Augen schließen, vergesse aber zu atmen. Für einen Moment hatte ich vergessen, wie oft mich solche Nächte umgebracht haben.
Aus der Schockstarre erwache ich dann bei den Viva-Singles Felis, Stracic und Lupus. Das waren noch Zeiten als der Schnaps noch 4,30€ gekostet hat und man dann um 5:36 Uhr auf die U46 gewartet habe, meistens am Stadtgarten. In meiner Erinnerung war Lupus auf der zweiten Hälfte der Bravo-Hits 2013, die ich dann auf meinem Discman gehört habe. Kann mich aber auch irren.
Noch flotter wird’s bei den älteren Hits, von denen es heute nicht so viele gibt, wie vor einem Jahr. Die haben es damals aber auch noch nicht auf die gängigen Sampler geschafft haben, aufgrund der charmanten, aber doch ausbaufähigen Aufnahmequalität. 2022 gab es eine erfolgreiche Crowdfunding-Aktion, um das Birthday-Tape endlich auf LP zu pressen. Mit neuem Artwork und dann wann auch auf Spotify. Eingefleischte WF-Fans hatten die Songs schon 10 Jahre vorher auf dem MP3-Stick, die gab’s nämlich umsonst bei Bandcamp. Anders als die Harlekingeisterpfeifenfisch, die man sich heute umsonst mitnehmen kann. Wenn man schnell genug ist. Am Ende der Show sind alle weg.
Ich bin schockiert, dass ich immer noch nicht verstehen kann, dass ihr das Leben nennt. Bei Gunther Grau stehe ich neben Seibel. Der hat seit damals „Eure Worte sind wie Messer“ auf den Oberschenkel tätowiert. Wie siehts eigentlich aus mit ner Rivershores-Reunion? Willy Fog wären da bestimmt dabei.
Das Publikum fordert lauthals „der Igel“, aber spielen die nicht. Auch nicht die alleinerziehende Mutter von Kasse 3. Dafür zum Abschluss, wie schon in Kamen, Arthur Auwers, den alten Liebesmörder. Jonas kommt zu uns und wir zu ihm. Jetzt is auch egal mit den Stimmbändern. Kann man ja über die Feiertage ausruhen. Ich kann nicht sagen, welche Version die spielen und habe auch nie verstanden, warum zwei Versionen auf der Birthday sind, aber macht mal. Dann war's das auch schon wieder mit Wilhelm Nebel für dieses Jahr und ich habe das Gefühl, es war wieder zu kurz. Müssen wir jetzt wieder ein Jahr warten?
Danach bin ich irgendwie verbraucht. Glücklich, aber leer. Pennwood Rd. sind toll und spielen in der deutschen Emo/Screamo-Szene sehr weit vorne mit. Die sind sogar bei TikTok! Auf Spotify gibt es eine EP und die Band sucht wohl nach einem Producer für 2026. Also gerne bei denen melden!
Von dem was ich aus dem hinteren Drittel der Venue mitbekommen, würde sich das auch sehr lohnen. Die Sängerin/Gitarristin beeindruckt mich durch eine solide Performance zwischen Clean und Screamo-Vocals. Bass sticht raus und spielt zwischen den Songs immer wieder poppige Skits wie Waiting Room oder The Less I Know The Better. Erfrischend.
Ich muss aber gestehen, dass ich hier auch leider nicht alles mitbekommen habe. Zu viele bekannte Gesichter, zu lange nicht gesehen, zu viel passiert im letzten Jahr. Danke an Lou für die (grünen) Fotos! Pennwood Rd. kommt gerne wieder nach Dortmund! junejunejuly auch! Wilhelm Nebel sind eh da. Hattivatit hoffentlich auch. Die nächste Show im Heimathafen ist bereits für den 27.12. angekündigt. Dann Fokus auf HC. Ich begebe mich derweil in den Winterschlaf und freue mich auf weitere Klassentreffen in 2026. Guten Rutsch!














