Gedrängel, MinusVierGrad, The Vageenas, Death Love And Acid, Wegbier, Teenage Bottlerocket, DeeCracks, 17.-18.01.2026 in Mönchengladbach, JZ Westend & Essen, Don't Panic - Bericht von Gerdistan
Gedrängel, 17.01.2026 in Mönchengladbach & Teenage Bottlerocket, 18.01.2026 in Essen
Ihr kennt das Spielchen inzwischen. Gerd fährt irgendwohin und schreibt einen Bericht ohne Fotos über mehrere Tage in einem. Kam im Jahresrückblick gut an, deshalb behalte ich das jetzt so bei!
Tag 1: Ich sitze im ICE und habe wieder die blöde Verbindung mit Umstieg in Mannheim gebucht. Man muss nur auf demselben Bahnsteig aufs direkt gegenüberliegende Gleis, hat dafür allerdings auch nur sieben Minuten Zeit. Das klappt so gut wie nie – so auch heute. Ulm wird aus irgendeinem Grund weiträumig umfahren, mehrfach bleibt der Zug stehen und in Stuttgart haben wir bereits eine halbe Stunde Verspätung. Der Anschlusszug ist bei sowas ja grundsätzlich pünktlich.
Als ich es dann eine Stunde später als geplant nach Köln geschafft habe, hat auch der Zug von Köln nach Krefeld Verspätung, ich hole mir Dosenkölsch bei Rewe to go und werde dann in Meerbusch-Osterath von Jenz mit dem Auto eingesammelt. Insgesamt 90 Minuten später als gedacht, leider habe ich trotzdem keinen Anspruch auf eine Rückerstattung der Bahn, weil ich das Ticket zum sagenhaften Preis von 13,49€ erwarb und damit die zu erstattenden 25% unter die Auszahlungsgrenze fallen. You get what you pay for.
Noch paar Bier und ab ins Bett.
Tag 2: Aufstehen, Mittagessen, Supernintendo zocken. Bereits gestern erfuhr ich, dass die Chefdenker wohl aus gesundheitlichen Gründen absagen müssen (gute Besserung, Caddy), heute steht dann der Ersatz fest: Ein Getränkegutschein und die Band „Wegbier“. Wenn man den Getränkegutschein am Schluss einlöst und dann geht, könnte man so quasi 2x an Wegbier kommen.
Der Versuch, mich auf die Gästeliste zu mogeln, schlägt fehl, weil es anscheinend keine Gästeliste gibt. Vielleicht auch Schutzbehauptung. Egal, 25 € Solibeitrag für den guten Zweck abgedrückt und auf geht's.
Der RB33 trägt uns zuverlässig von Krefeld nach Mönchengladbach und der Bus 007 (sein Name ist Bus. ÖPNV-Bus.) in die Nähe der Location. Bereits im Bus treffen wir gleichgesinnte und darunter sogar eine Person, die den Weg kennt. Man geht nämlich heute nicht nur auf der anderen Seite ins Jugendhaus Westend, man ist auch drinnen im großen Saal – dort war ich bei meinen bisherigen Besuchen noch nie. Der letzte Soundcheck läuft gerade und mit nur einer halben Stunde Verzug beginnt dann um sieben die erste Band und die nennt sich MINUSVIERGRAD.
Der geneigte Spaßvogel denkt bei diesem Bandnamen natürlich daran, dass diese Temperatur üblicherweise aussieht wie ein kackendes Strichmännchen (-4°), derart gaggig ist die Performance der Band aus NRW allerdings nicht. Es wird eher ziemlich ernster Post-Hardcore geboten, das bisher eher spärlich vorhandene Publikum wippt mit dem Fuß, aber so richtig will der Funke nicht überspringen – wohl auch, weil es nicht so recht zum Stil der anderen Bands passen will. Ich meine, den Bassisten aus dem Aachener La Familia/Borgzinner/usw-Umfeld zu kennen, aber ich bekam leider keine Chance mehr, diesem Verdacht zu späterer Stunde mit gelockerter Zunge auf den Grund zu gehen, da ich die Bandmitglieder später nicht mehr gesehen hab.
Als zweites betreten DEATH LOVE AND ACID die Bühne. Auch hier wird der klassische Deutschpunker enttäuscht, denn es wird sehr waviger Punk geboten. Die Sängerin hat keine Schuhe an, dafür aber ziemlich gute Laune, die sich auch aufs Publikum überträgt. Bierschinken verrät mir, dass ich die Band 2024 beim Untergang schon mal gesehen habe. Ist leider musikalisch nicht so meins, wird aber engagiert dargeboten.
Vor der nächsten Band gehen wir beim Westend Grill und Pizza abendessen. Der Besitzer sieht aus wie Johnny Bottrop und das Essen schmeckt hervorragend.
Zurück im JZ springen gerade die VAGEENAS auf die Bühne. Noch nie gesehen, aber durch regelmäßigen Konsum des Bierschinken-Fanzines bin ich ausreichend gut informiert, um zu wissen, dass die Sängerin Babette heißt. Der erste Bericht wird demnächst 20 – also keine ganz junge Band mehr. Energie ist aber noch vorhanden – flott gespielter 77er Punk mit englischen Texten fließt gefällig ins Ohr. Kann man machen!
Danach wie bereits erwähnt WEGBIER als Ersatz für Chefdenker. Das sind natürlich große Fußstapfen, in die sie da treten. Immerhin gibt’s überhaupt ne Ersatzband. Allerdings bedeutet das auch, dass Gedrängel als letztes spielen werden und der ursprüngliche Plan, während des zweieinhalbstündigen Sets von Chefdenker einen Zug zu nehmen, so nicht mehr wahrnehmbar ist.
Wegbier sind zu fünft, Gitarre, Schlagzeug, Bass, Gesang und Posaune. Der Gesang ist sehr oi-ig und in Kombination mit der Posaune braucht es nicht erst das „rien ne va plus“-Cover, um einen Vergleich mit Oxo 86 heranzuziehen – nur mit mehr Haaren und etwas jünger. Da schon reichlich Hansa (2€!) in uns hineingeflossen ist, wirkt es doch recht gefällig, obschon ich zugeben muss, das mir jetzt nicht unbedingt auf Platte zu geben.
In der letzten Umbaupause versucht Jenz, Sonderpreise für Pfeffi rauszuhandeln. Nachdem sein erstes Angebot (8 € für 20 Pfeffi) nicht konsensfähig wurde, schafft er es immerhin, die letzte Flasche zum Sonderpreis austrinken zu dürfen.
Danach ist es dann so weit: GEDRÄNGEL aus Köln stehen auf der Bühne! Laut Coco hat die Band zwar nur zwei Hits, aber ich würde mich so weit aus dem Fenster lehnen, zu behaupten, dass diese Band eigentlich NUR Hits hat. Vielleicht zwei Nicht-Hits, aber nach denen müsste ich jetzt auch aktiv suchen. Die drei Herren knallen uns hier das best of both worlds aus Deutsch- und Skatepunk vor den Latz, mit Texten, die ihresgleichen suchen. Es folgt Hit auf Hit, nach ner halben Stunde noch zwei zur Zugabe und dann ist Feierabend im Karton. Ganz ganz toll, hat sich mal wieder wirklich gelohnt, quer durch Deutschland zu reisen. Ich bin Fan!
Ab nach Hause und ins Bett.
Tag 3: Beginnt erstmal wie der Vortag, nur dass man sich heute die Zeit für ein Frühstück gönnt und nicht bis Mittags ohne Nahrung ausharrt. Am Nachmittag machen wir uns dann auf den Weg nach Essen, der leider aufgrund von Schienenersatzverkehr nicht so einfach machbar ist wie sonst üblich (in den RE42 einsteigen und aus dem RE42 wieder aussteigen). Stattdessen fahren wir mit der U76 von Krefeld nach Düsseldorf und von dort nach Essen. Jenz hat zum Glück Whiskey Cola in der Dose eingepackt und so vergeht die Fahrt wie im Flug. When in Rome, do as the Romans do, also muss nach Einfahrt ins Ruhrgebiet standesgemäß Currywurst verzehrt werden und dann geht’s auch schon weiter zum Don’t Panic. Kuriose Parallelen zum Vorabend ergeben sich: Auch heute hat es nicht geklappt, mich auf die Gästeliste zu mogeln, aber Mike lässt mir immerhin eine Karte am Einlass zurücklegen, was sehr gut ist, denn wir kommen erst kurz vor Beginn an und der Laden war dann tatsächlich ausverkauft. Ich muss so allerdings den Abendkassenpreis i.H.v. 30 € entrichten und nicht wie Jenz 26,95 VVK.
Zweite Parallele: Auch hier war ich schon mal, aber im anderen Raum. Vor Ewigkeiten haben in dem kleinen Hinterzimmer mal Supernichts gespielt – ihr merkt ja, wie lang das her sein muss, wenn es da Supernichts noch gab.
Das Don’t Panic wird nicht mein Lieblingskonzertclub werden. Klos neben der Bühne, Merch im Obergeschoss, irgendwie ist alles komisch geschnitten und alles ein massives Gedränge, gut, dafür, dass es ausverkauft ist, kann der Laden ja nichts. Für die von Betontod unterschriebene Gitarre an der Wand aber schon. Ob es ne Garderobe gab, weiß ich nicht, aber irgendwie behalten alle ihre Jacken an, was der Gemütlichkeit auch ein wenig abträglich ist.
Aufgrund der Gemengelage treffe ich viele Leute nur sehr kurz, bspw. Andy, der ein T-Shirt der Band SACK trägt (bei der u.a. Kody und Ray von TBR spielen) oder Szenegrößen wie Stefan von Punkrockers Radio und Götz Schaffrin-Schneider.
Wir haben gerade genug Zeit, ein Bier zu bestellen (welches nur zweieinhalb mal so teuer ist wie gestern, dafür aber immerhin gezapft), da legen die DEECRACKS ja auch schon los. Mit dieser Band verbindet mich der kuriose Zusammenhang, dass ich sie schon zweimal für den Bierschinken-Podcast interviewt habe (liebe Grüße an Renate Lohse an dieser Stelle), sie aber heute zum ersten Mal live sehe. Musik: Ramonescore! Live stets ein Genuss, solche Bands. Jedes Lied wird mit one two three four angezählt und dann in affenartiger Geschwindigkeit runtergeholzt. Die beiden Österreicher Mike und Matt erzählen dazwischen auch viel, der Schweizer mit dem kuriosen Namen Yeahman sagt nicht so viel, sondern bedient lieber seinen Bass. Für einen Coversong wird dann auch Ray von Teenage Bottlerocket auf die Bühne gebeten und der Coversong ist, wie könnte es anders sein, von den Ramones – Pet Sematary. Wunderschön. Nach einer halben Stunde ist es dann auch wieder vorbei und nach kurzer Umbaupause spielen TEENAGE BOTTLEROCKET zum Tanze auf.
Diese vier Männer kommen aus Wyoming. Der ganze Bundesstaat Wyoming hat ziemlich genau so viele Einwohner wie Essen, und ihre Heimatstadt Laramie hat ungefähr so viele Einwohner wie Oer-Erkenschwick (kein Witz, ich habe das jetzt nachgeguckt).
Auch hier wird standesgemäß eingängiger Weaselcore geboten, der in Kombination mit den energiegeladenen Liveshows und endlosem Touren der Band zu immerhin so viel Ruf verholfen hat, dass sie an einem Sonntag das Don’t Panic in Essen ausverkaufen.
Los geht’s mit „Necrocomicon“ vom 2013er Album „Freak Out!“, dessen Titeltrack später auch verheizt wird. Allgemein bedient sich die Band stark aus ihrer mittleren Schaffensphase von 2009 bis 2015, in der die Songs von banalen Themen wie Zu-viel-Pizza-Essen, Headbangen, Superhelden oder Minecraft handeln. Nach dem Tod des originalen Schlagzeugers (und Zwillingsbruder des Sängers) mischte sich ein Hauch mehr Melancholie in die Musik, wenngleich die Texte auf einem ähnlichen Niveau verblieben sind.
Heute und hier wird jedenfalls ohne Kompromisse rausgeballert. Erwischt hat es glaub ich auch den Hochtöner der PA vor uns, vielleicht war Kody Templemans geknödelte Kopfstimme einfach einen Tick zu viel für das alte Kautschuk – da knackt und knarzt es schon mal ganz ordentlich.
Die Stimmung im Publikum ist gut, aber doch auch irgendwie verhalten – vielleicht wegen der Uhrzeit, des Wochentags oder aufgrund des doch recht hohen Altersschnitts. Spaß haben alle, diverse Stagediver fliegen durch die Luft, aber ein richtiger Moshpit will sich nicht entwickeln, vielleicht ist es dafür auch einfach zu eng.
Nach vielleicht 20 Songs in 45 Minuten wird die Zugabe angekündigt, welche mit „Ich bin Ausländer und spreche nicht gut Deutsch“ beginnt. Die drei Lieder danach waren mir persönlich unbekannt, gingen aber auch gut nach vorne. Als wir dann den Laden verlassen, ist es gerade erst 20 Uhr und wir treten die Reise zurück nach Krefeld an. Auch mal ganz nett zur Abwechslung!
Tag 4: Aufstehen, duschen, Straßenbahn, RE7, ICE 572. Quer durch Deutschland und auf die Minute pünktlich, was ist denn da los, Deutsche Bahn?!
Bis zum nächsten Mal
Euer Gerd
