Night Court, Neon Bone, 29.01.2026 in Dortmund, Speicher100 - Bericht von der Redaktion
Night Court, 29.01.2026 in Dortmund
Heute lockt uns aber noch eine weitere Besonderheit: Die Show findet statt im Traforaum des Speicher100! Da war ich sogar schon mal drin, der Raum war winzig und voller Gerümpel. Und den haben die jetzt zu nem Konzertraum ausgebaut? Mega! Beim "Soft-Opening" im November konnte ich leider nicht, aber seitdem hat sich eh nochmal viel getan. Tatsächlich, es gibt sogar ne Bühne und ne Theke, was willste mehr. Dafür haben die Beteiligten die letzten Tage und Wochen aber auch ordentlich geschuftet. Um dann heute nachmittag festzustellen, dass das alles die Sicherungen nicht mitmachen. Strom kommt heute also über ein Kabel aus den Klos. Ich hoffe ihr habt fleißig die Toiletten genutzt, um den Dynamo anzutreiben!
Ich kam direkt von einer Weiterbildung an und war sofort entzückt! Sehr nette Location, auch wenn es kein Hansa gibt. Street credibility in der Nordstadt verspielt!
Wegen dem Chaos im Vorfeld dementsprechend auch ein wenig Zeitverzug und ich komme pünktlich zum Soundcheck von NEON BONE, was Zeit gibt, jeden Quadratzentimeter dieser Konzerthalle genau zu inspizieren. Der eigentliche Auftritt folgt dann aber auch irgendwann. Dieses Foto übrigens, wie einige andere auch, von Sebastian Sellhorst, vielen Dank!
Eins muss schon mal gesagt werden: Es ist bestialisch laut vor Ort! Ohne Ohrstöpsel haste verloren! Vielleicht spricht da auch der Punkopa aus mir.
Die Livemusik bildet aber eigentlich nur den Rahmen um eine Kunstperformance, bestehend aus einem Fotografen, der die ersten 5 Reihen (und damit den halben Traforaum) für sich beansprucht. Leider kenne ich mich mit Kunst nicht so aus und weiß daher nicht im Detail, was der Zweck dieser Performance sein sollte. Vermutlich ging es darum, den Konzertbesucher*innen aufzuzeigen, wie sehr sie in ihren starren Vorstellungen von Konzertgeschehen verhaftet sind. Mich zumindest irritiert es sehr, dass da die ganze Zeit jemand sitzt, wo normalerweise getanzt werden sollte.
Der Blick auf die Bühne, wenn die Kamera in Action ist. Wer will denn schon die Live-Performance der Band sehen, wen dieses hypnotische Plastikteil einen nicht mehr loslässt. An der Größe der Leuchte hätte Freud seinen Spaß gehabt!
Apropos Fotos, hier wieder eins by Selle! Aber zurück zur Musik. Die Band dort heißt, wie gesagt, NEON BONE, sie kommen aus Münster und es gibt sie seit über 15 Jahren. Trotzdem hab ich sie bisher nie live gesehen! Da weiß ich selbst nicht, wie das passieren konnte. Aber sie spielen auch zum ersten Mal in Dortmund, von daher ist das für uns beide ein bisschen blind date.
Ich finde den Opener unglaublich gelungen und lässt einen schön in die Anfänge des Punks zurückreisen. Also: Bier auf, Augen zu und die Reise beginnt!
Besonderheit: Hauptgesang kommt vom Schlagzeuger. Sowas find ich immer beeindruckend. Also, ich finde es auch beeindruckend wenn Leute Schlagzeug spielen, oder singen können. Aber beides zusammen? Irre. Ich hab in Erinnerung, dass die Band ursprünglich eher ein Soloprojekt von Drummer Lars war, also kann er wahrscheinlich noch viel mehr. Zum Beispiel hat er mal bei der Bauarbeiter-Konzeptband ABSORBOR gespielt!
Wieder ein Actionfoto von Selle! Musik bewegt sich im Themenkomplex des Pop-Punk, aber gar nicht so eintönig wie ich gedacht hätte. Die meisten Lieder sind ganz flott und gehen gut ins Ohr, und zwei waren sogar wirklich veritable Hits! Aber da ich die Songs der Band nicht kenne, kann ich euch nicht verraten, welche das waren. ätsch.
Manche raunen schon im Publikum zum Bassisten: "Mensch, friert der nicht!" Bei der Energie auf der Bühne stellt sich diese Frage allerdings nicht.
Was macht eigentlich die Kunstperformance? Spielt weiterhin mit unserer Erwartungshaltung. Normalerweise geht man ja davon aus, dass Fotograf*innen sich nach 2-3 Liedern eh ne andere Position suchen, oder Rücken kriegen. Aber unser Held schafft es tatsächlich, vom ersten bis zum letzten Song, hier vor der Bühne auf dem Boden sitzen zu bleiben. Das ist mindestens so beeindruckend wie singend Schlagzeug zu spielen. Erinnert mich an eine Konzerterfahrung im ehemaligen Underground Köln, das Konzert war eine Aufzeichnung für den WDR Rockpalast - dementsprechend viele Leute mit Videokameras vor der Bühne, die klar gemacht haben, dass das Konzert nicht fürs Publikum vor Ort gedacht war, sondern für die TV-Aufzeichnung.
Dann NIGHT COURT! Über die kann ich weniger Historie darbieten als über Neon Bone, aber unvorbereitet bin ich trotzdem nicht: So hab ich die Band erst vor knapp 2 Wochen in Berlin gesehen. Da gab es keinen Bericht von, weil ich mir eh dachte, dass ich meine Begeisterung ja eh in den heutigen Bericht komprimieren kann. Dieses Foto ist übrigens wieder von Sebastian Sellhorst.
Was für eine Band! Die Platte wird doch mal direkt gekauft.
Was für eine Band! Die Platte wird doch mal direkt gekauft.
Diese Mischung aus Punk, Pop und Garage Rock. Wenige Songs überschreiten die 2-Minuten-Grenze und das ist auch unglaublich gut so. Die Band schafft es in dieser kurzen Zeit, bei jedem Song eine unglaubliche Energie auf der Bühne zu entfachen.
Night Court kommen aus Vancouver, Kanada und packen musikalisch einfach mal alles rein was in kleine enge Traforäume passt. Schrammel-Garage mit Ausflügen in Post-Punk, Pop-Punk oder auch einfach nur puren Rock, aber das alles vermengt in kleine Häppchen. Sie behaupten, heute 30 Lieder zu spielen - hab nicht gezählt, aber wundern würde mich das nicht. Ich mein, hört euch mal das aktuelle Album an. 26 Lieder in ungefähr ebenso vielen Minuten. Stark!
Macht total Bock! Sehr druckvoll, gleichzeitig catchy, unterhaltsame Ansagen. Voll geil auch dass alle drei mal singen, das bringt nochmal mehr Abwechslung rein. Besungene Themen? Keine Ahnung! In einem Song ("Johnny Rocket") ging es um ihren ehemaligen Chef und dessen Autowaschanlage, aber Night Court wollten glaube ich nur erzählen, dass sie den Begriff "Kleiner Hosenscheißer" mögen.
Was macht eigentlich unser Fotograf/Performance-Artist? Tatsächlich sitzt er jetzt etwas seitlicher vor der Bühne und nimmt dort weniger Platz ein. Gut fürs Publikum, schlecht für die Kunst-Performance. Außer, diese Änderung des Settings sollte auch irgendeine Message haben. Diesmal blieb der Künstler auch nicht bis zum Schluss sitzen. Enttäuschend. Aber dafür können bei dieser Band Leute vor der Bühne stehen! Wieder ein Foto von Selle übrigens.
Die drei Kanadier*innen hauen weiter fleißig in die Instrumente. Ich bin begeistert, dass sie bei all dem Geschrammel immer noch nen Haufen Melodien raushauen. Sehr tanzbar.
Müde, ab nach Hause! Das war ein gelungener Abend!
Müde, ab nach Hause! Das war ein gelungener Abend!
Noch ein Selle-Foto! Am Schluss wird noch verhandelt, wie viele Zugaben die Band spielen soll. Diverse Vorschläge kommen aus dem Publikum. Ich glaube, geeinigt wurde sich auf fünf. Waren es fünf? Keine Ahnung! Ist auch egal. Toller Abend. Livemusik & Performance-Kunst, wo kriegt man schon solch ein vielfältiges Angebot?


















