Karmesin, Act The Fool, 30.01.2026 in Langenau, Proberaum - Bericht von alexanderdavide
Karmesin, Act The Fool, 30.01.2026 in Langenau
Mit Kollege und Google-Maps-Skeptiker Wazi treffe ich am Ort des Geschehens ein. Die auf Bier stehen gebliebene Uhr ist nur ein Beweis dafür, dass die ehemalige Tuchmacherei längst das Handtuch geschmissen hat. Heutzutage werden in diesen Gemäuern krachende Künste praktiziert, die in Sachen Schönheit mindestens gleichwertig sind.
Das Dachgeschoss einer alten Fabrik: im Sommer Sauna, im Winter Sibirien. Nicht dass ich das je in Wirklichkeit erlebt hätte, denn natürlich schaff ich nix. Wie auch immer, die Bands haben sich nicht lumpen lassen, extra für uns den Kachelofen einzuschalten.
KARMESIN machen sich bereit und schon vor dem ersten Ton eine Überraschung: Matze an den Drums anstelle vom Bass. Läuft. Hervor sticht unmittelbar der rege Einsatz eines Drum Pads und einer Snare, die auch aus einem Arcade-Game stammen könnte. Das Konzept geht auf und harmoniert gut mit den Einlagen vom Synthesizer, der auf dem von Kerzen beleuchteten Pult thront. Räucherstäbchen á la Shoreline wären eine gute Ergänzung für karmesins Sound, der Post Punk, Indie und Emo miteinander vereint. Angetan hats mir die Gitarre, die immer wieder einen auf Streichinstrument macht und insgesamt eine schöne Stimmung hat. Wenn bloß ihre Saitenüberstände gekürzt wären. Über Melancholie hinaus kann die Band sogar Hits wie der Closer Sause 2.0 beweist. Lost, wer den aus dem Repertoire nehmen will. Summa summarum: Ich freue mich über die traurige Musik und auf die nächste Begegnung am 20.03. in Ulm.
In der Pause studiere ich Act The Fools Konzerthistorie ab 2017, welche sie in einem Fotobuch mit mal mehr, mal weniger ernsten Aufnahmen dokumentiert haben. Das ist so eine wunderbare Idee und selbst für Außenstehende cool anzuschauen.
Hier also ein weiteres Bild für ACT THE FOOLs Sammlung. Marathonmann Fischi ist selbstverständlich unscharf, aber das musikalische Bollwerk dahinter ist ganz gut erwischt. Damit habe ich im 5. Bericht über die Band womöglich einen treffenden Begriff für ihren Sound gefunden, der sich in Einklang mit den Inhalten grundsätzlich auf der schwermütigen Seite bewegt und die BPMs gerne auch zurückfährt. Umso fetter wirkt der Geschwindigkeitsboost, wenn Missstand losbricht oder es in die erste Strophe von Haben oder Sein geht. Bei dieser ersten Show nach dem Jahreswechsel müssen ATF allerdings feststellen, dass manches wieder geprobt werden möchte. Um sie zuhause in Bestform hören zu können, nehme ich eine Soli-Platte von Nebel mit, deren Einnahmen an UNICEF "Kinder im Krieg" gespendet werden. Totale Ehrenaktion der Band! Übrigens arbeiten Act The Fool aktiv an einem neuen Release, der in nicht allzu ferner Zukunft erscheinen soll.






