Kapa Tult, 19.03.2026 in Dortmund, FZW - Bericht von Fö
Kapa Tult, 19.03.2026 in Dortmund
Es gibt keine Vorband! Das ist schon mal ungewöhnlich. Auf anderen Shows der Tour gab es welche. Ich schiebe es einfach mal darauf, dass Dortmund halt ein kulturelles Loch ist. Im späteren Verlauf der Show wird die Band fragen nach empfehlenswerten hiesigen Bands, und da kommt einiges zusammen! Nächstes Mal dann also zusammen mit Riot But Cute, Kotzschmerztablette, Bärte mit Mädchen und Bass+arts (wer auch immer die genannt hat).
Naja, also dafür dann ein abendfüllendes Programm mit KAPA TULT! Veränderungen seit dem letzten Mal: Da ist wer neues am Bass, ich find das nach vorne gerückte Schlagzeug auch toll, und ansonsten ist das Zusammenspiel der Musiker*innen nochmal deutlich intensiver, nicht nur musikalisch sondern auch zwischen den Stücken, da dürfen alle mal glänzen.
Die Lieder sind weiterhin wunderbar und auch wenn ich eher die "älteren" Songs aufm Schirm hab, die direkten und spitzfindigen Texte und überraschende Reime haben sie sich definitiv bewahrt. Es blitzt immer sehr viel Witz durch, man spart sich aber auch nicht die deeperen Themen, auch wenn es insgesamt eher WG-Küchentisch-tauglich bleibt. Aber wo, wenn nicht da, klärt sich das Schicksal der Menschheit?
Für das abendfüllende Programm einer Einzelshow ohne Vorband muss die Show natürlich auf durchgehendes Entertainment getrimmt werden. Mit anderen Worten: Es gab wirklich viel Publikums-Interaktions-Gedöns. Tanzschritte hier, wedeln da, dann nochmal hinsetzen und mitsingen. Alles auf nem durchaus sympathischen Niveau, keine Frage, aber mir zu viel. Da mach ich mein Kreuzchen lieber bei "kein Bedarf an Animations-Programm".
Nun, ansonsten: Alles wunderbar! Die Band ist toll, die Lieder sind herrlich, die Menschen hier (soweit ich überblicken kann) alle nett. Die Band erlaubt sich nen kleinen Insider und spricht viel französisch (Dortmund wird in "Là-Bas Bouche" umgetauft) oder auch mal spanisch, sehr mondän!
Eines der Show-Gimmicks: Besucher*innen dürfen aus einer Mütze Zettel ziehen, auf denen Songtitel stehen. Was uns vor die Frage stellt, was wir so alles an Songs verpasst haben, die nicht gezogen wurden! Wie viele ungezogene Zettel da wohl drin waren? Eines davon war sogar ein Rap-Song, größtenteils von Schlageugerin Angi vorgetragen. "Runter von der Straße", ein Haiyti-Cover, verrät minutenmusik. Wieder was gelernt
Witzig fand ich noch, als ein Lichtspot den Schatten von Keyboarderin Robin auf den Boden projizierte und wir dafür alle einen Schritt zur Seite machen sollten. Eher nervig hingegen, als in der Mitte alle kreisförmig Platz machen mussten, sowas verstehe ich einfach nicht. Soll das ne Wall of Death sein? Ist die Livebranche so verzweifelt, dass sich ausgerechnet am Metal bedient wird?
Ja, es gibt immer mal solche Momente, die mich ein wenig rausbringen, weil mir das einfach too much ist, aber dann ist da wieder die Musik und die gutgelaunt-sympathische Band, und dann kann man ihnen das eigentlich gar nicht übel nehmen. Viel schöner fand ich die unperfekten Momente - wenn mal eine Textzeile nicht saß oder man mit der Setlist uneins war, das gehört für mich einfach viel mehr zu einem Konzert dazu als einstudierte Choreographien.
Zum Ende noch eine akustische Zugabe, auch das kam sehr gut. Dass Lieder live anders dargeboten werden als auf Platte, ist auch noch son Aspekt der das Konzert besonders gemacht hat. Geht auch ohne alle dazu aufzufordern, mit imaginären Schals zu wedeln!
Zum Schluss noch ein Querflötensolo als Highlight, nebst Danksagung an den Tourtross, wird dieses Königsinstrument doch hier bedient von, äh, Tontechniker Lukas oder so? Oder ich verwechsel das. Egal. Kapa Tult, sehr tolle Band, wer das nicht kennt und mal Indie-Pop in gut hören will, einfach mal ein Ohr riskieren. Live war das natürlich auch toll, nicht dass mein obiges Gemecker falsch verstanden wird. Aber weniger Kirmes und ein kompakteres Set wären mir persönlich einfach besser reingegangen.














