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Smithscetera, Phoasis, 11.04.2026 in Ho Chi Minh City (VN), Golden Bird's - Bericht von Zwen

Smithscetera, 11.04.2026 in Ho Chi Minh City (VN)

Ferien! Auf geht's! Nach einem dreiviertel Jahr geht es für mich wieder zurück nach Vietnam. Diesmal aber nur für 2 Wochen und nicht 11 Monate. In Ho Chi Minh ist gerade absolute Trockenzeit und dementsprechend erwartet mich statt kaltem Prä-Frühling Temperaturen an die 40° und eine Luftfeuchtigkeit wie in der Dampfsauna. Let's Go!
Um Geld zu sparen (und um möglichst viele Klimazonen mitzunehmen), muss ich auf meiner Hinreise 2x umsteigen. Der erste Umstieg findet in Helsinki statt, welches sich noch im tiefsten Winter befindet. Natürlich sehe ich aber trotzdem einen Einheimischen ein Bad nehmen. Selbstverständlich, warum auch nicht?
Helsinki ist definitiv eine der entspanntesten und ruhigsten Hauptstädte, die ich je besucht habe. Außerdem haben die Finnen einfach mal einen der coolsten Airports der Welt. Wer braucht schon so einen bescheuerten Wasserfall, der dann nicht mal pünktlich angestellt wird. Hier in Vantaa ist alles nicht nur gut organisiert, sondern auch ästhetisch ansprechend und die Kooperation mit dem Opernhaus sorgt für zusätzlichen Charme.
Besucht habe ich in Helsinki das Zivilschutzmuseum, das nur samstags geöffnet hat und absolut empfehlenswert ist und außerdem die Zentralbibliothek. An diesem Ort scheint absolut alles möglich. Während oben in der Bücher Chillout-Ecke gerade eine vietnamesische Familie picknickt, nimmt im ersten Stock eine Metal-Band ihr Album auf. Warum stinkt dagegen eigentlich jede deutsche Bücherei eigentlich so krass ab?
Egal, nächster Stop: Shanghai. Hier war ich schon mal und auch bei diesem Besuch bin ich schon wieder überrascht wie viel Leute hier in der City Deutsch sprechen. Ansonsten steht bei angenehmen 20 Grad und Sonnenschein (beim letzten Mal war es doppelt so heiß) ein entspannter Stadtspaziergang an. Mein erstes Ziel ist die 50 Moganshan Road, ein kleines Kunstviertel mit vielen Gallerien. Im Anschluss gab es dann noch geiles Tempelessen (Geheimtipp für alle, die in China vegetarisch essen wollen) für seeehr wenig Geld. 
Noch schnell bei dem ehemaligen Schlachthof 1933 Old Milfun vorbeigeschaut. Das Gebäude strahlt starke Ruhr Uni-Vibes aus. Zum Glück habe ich aber bereits gegessen. Veganes Gyros gibt es hier nämlich leider nicht. Ist euch eigentlich mal aufgefallen, dass Starbucks-Filialen mittlerweile voll oft in schönen oder zumindest interessanten Gebäuden zu finden sind. Ich weiß tatsächlich nicht, ob das jetzt eher positiv oder negativ zu bewerten ist. Auf der einen Seite ist es natürlich schade aus offensichtlichen Gründen, auf der anderen Seite ist dadurch die im Kapitalismus obligatorische Wirtschaftlichkeit und somit auch die (Weiter-)Existenz des Gebäudes - zumindest vorerst - gesichert. 
Nachdem ich am Freitag Abend in Frankfurt losgeflogen bin, komme ich in der Nacht von Sonntag auf Montag endlich in Ho Chi Minh an. Jetzt erstmal 67 Stunden pennen, oder was?!
Über Ostern verlasse ich dann die Stadt mit dem Flieger in Richtung Phang Nha. Die Gegend ist für ihre weltweit einzigartigen Höhlensysteme bekannt. Leider hätte man hierfür vorab eine Tour buchen müssen, was wir selbstverständlich nicht getan haben.
Aber auch ohne Höhlen, ist die Gegend hier absolut schön und sehenswert. So kann man im botanischen Garten ein wenig wandern und schwimmen oder sich mit den Mopeds auf die Ho Chi Minh Road begeben. Das war vor gut 50 Jahren der Versorgungspfad über den Nordvietnam die Genoss*innen im Süden mit Waffen, Nahrung und Vorräten versorgt hat. Außerdem ist es eine der am stärksten bombardierten Gegenden der Welt. Eine unglaubliche Zerstörung, deren reine Kraft sich heute noch erahnen lässt, wenn man den Blick über die zerklüfteten Karstfelsen schweifen lässt und hier und dort noch die schwarzen Flecken erspäht.
Ausgesucht haben wir uns für diesen Trip selbstverständlich den Höhepunkt der Trockenzeit. Da kommt jede Möglichkeit zur Abkühlung mehr als gelegen.
Während hier früher Männer und Frauen ohne Rücksicht auf das eigene Leben durch Flammen und Schutt gebrettert sind, können wir es heute deutlich entspannter angehen lassen. Der Fluss wird immer blauer. Internetsignal und Tankstellen sind rar gesäht, weshalb wir einen Reservekanister dabei haben. Zwar hätten wir diesen gar nicht gebraucht, da wir dann doch noch auf eine Tankstelle gestoßen sind, aber besser haben als brauchen.
Wir müssen abends zurück nach Ho Chi Minh, haben aber bis dahin noch den ganzen Tag Zeit, also entschließen wir uns die neu eröffnete Commander Cave zu besuchen. Viele Besucher sind hier nicht, dafür ist das Gelände absolut riesig und gut gemacht. Zuerst gibt es eine VR-Fahrt im Militärtruck und dann kann man sich noch eine Art Freilichtmuseum anschauen.
Die Kommandante-Höhle selbst ist riesig und verfügt über mehrere Stockwerke, die von der Befreiungsarmee als Waffenlager und Kommandozentrale genutzt wurden.
Wir hätten hier gut und gerne noch ein paar Wochen zubringen können. Dann wäre auch eine ordentliche Höhlenexpedition und natürlich noch mehr Moped fahren drin gewesen. Jetzt geht es aber wieder zurück in den Lärm der Großstadt.
Relativ zum Schluss steht noch ein Besuch im Suoi Tien Theme Park an. Bei diesem Freizeitpark kann man Achterbahn fahren oder auf der Piratenschaukel hin- und herschwingen. So wirklich vertrauenserweckend sind die rostigen Fahrgeschäfte nicht wirklich, dafür kostet dieser Park etwa ein Drittel des Preises europäischer Parks.
Die Gestaltungselemente und Figuren sind aber teilweise ein absoluter Fiebertraum und halten sicherlich nicht mal der oberflächlichsten kulturkritischen Betrachtung statt. Erwähnte ich, dass es unglaublich heiß ist? Zum Glück gibt es hier einen Wasserpark zum Abkühlen. Nichts wie hin da!
Mittlerweile ist Samstag und heute Nacht steht tatsächlich auch schon der Rückflug an. Vorher geht es aber noch auf eine Konzert ins Golden Birds. Eine schöne Location, die von Thao Dien aus auch perfekt zu erreichen ist. Leider spielen diesmal nicht viele geile Hardcore-, sondern nur zwei Coverbands. Immerhin sind die Namen halbwegs kreativ.
PHOASIS spielen als erstes, wie dermaßen Name bereits vermuten lässt, handelt es sich hierbei um ein paar Leute aus Saigon, die sich zur Aufgabe gemacht haben das Opus der Gallagher-Brüder zu spielen. Das Original selbst hat sich seit kurzem ja wieder zusammengerauft und spielt jetzt selbst wieder Konzerte, was ja für Coverbands immer problematisch ist. Glücklicherweise haben Oasis noch keine Vietnam-Tour angekündigt und bis dahin dürfen Phoasis noch ein bisschen wonderwallen.
Auftritt ist okay, ich bin alles andere als ein Oasis-Fan, aber das Publikum wirkt sehr happy und liegt sich Zigarette rauchend in den Armen. Toll, ich weiß schon, wer auf dem Rückflug gleich famos nach Eckkneipe stinken wird.
Als nächstes spielen dann SMITHCETERA, eine The-Smiths-Coverband. Ich habe mich nie wirklich mit The Smiths und ihrem vorsichtig gesagt komischem Sänger beschäftigt. Das ist so eine Gruppe von UK-Punks, denen meine UK-Punk-Helden immer ins Bier gespuckt haben. Gut, dass Smithcetera meine Bildungslücke zunächst mit einer kleinen Doku versucht zu füllen. Zumindest werden dokumentarische Snippets zu den Smiths eingespielt. 
Dann betritt die Band die Bühne und findet auch schnell in den Auftritt. Auch wenn ich anmerken möchte, dass die beiden Gitarren ein wenig zu leise sind und somit Eds Bass ziemlich im Vordergrund steht. Dadurch kommt ihm die Aufgabe zu, die Band durch das Set zu leiten. Das macht er aber sehr souverän.
Die Band spielt gut nach vorne und vor allem Gitarrist Theo, Bassist Ed und Sänger Jonathan tänzeln wie kleine Wirbelstürme über die Bühne. Der zweite Gitarrist und der Drummer sind dabei deutlich introvertierter und zurückhaltender. 
Übrigens ist das der erste Auftritt seit langem und in neuer Besetzung. Funktioniert auch ganz gut. Nur mit dem Neuen an den Drums werde ich noch nicht so warm. Der hat aber auch wirklich riesige Fußstapfen zu füllen und wahrscheinlich sollte man ihm da einfach noch ein wenig Zeit geben.
Apropos Fußstapfen: Starkes Schuhwerk!
Am Ende wird dann noch das Lied mit den "Doppeldecker"-Bussen gespielt, das ALLE mitsingen können. Also, alle außer mir. Dementsprechend beteiligen ich mich auch nicht an dem Bühnensturm. Kann man aber als letzten Song echt mal machen. Da ich weder Fan von The Smiths noch von Morrissey bin, kann ich an dieser Stelle einfach mal sagen, dass ich Smithcetera besser finde als das Original.
Zugabe kann ich mir noch anschauen, fürs DJ-Set reicht es nicht mehr so wirklich. Stattdessen geht es um 2 Uhr in den Flieger nach Shenzhen, wo ich nach einer extrem kurzen Nacht aufwache und erstmal die sanitären Einrichtung aufsuchen werde.
Dann geht es in den Yangtaishan-Park. Dieser ist sehr schön, die Wege bestehen aber ausschließlich aus Treppen und so geht es mit einem ordentlichen Kater rauf und runter und runter und rauf. Wie die Leute es hier hinkriegen mit den spindeldünnen Waden hier so hochzujagen, wird mir wohl immer ein Rätsel bleiben. Außerdem ist Shenzhen eine komplett andere Welt als Beijing oder Shanghai. Hier habe ich außerhalb des Flughafens noch keinen einzigen Ausländer gesehen und der Exotenstatus bei der Wanderung ist mitunter etwas nervig. Zumindest muss ich das ein oder andere Mal als Fotomotiv herhalten. Da aber alle nett und freundlich fragen, lasse ich den Leuten ihr Trophäenfoto mit der Kartoffel.
Der Abstieg war auch schön und beim Verlassen des Parkes verstehe ich nicht, wieso ich heute vormittag eine komplette Stunde gebraucht habe, um den Eingang zu finden. Eigentlich geht hier auf dem Vorplatz voll das Festival mit Zelten und Fresständen.
Dann hatte ich noch extremste Probleme ein vegetarisches Restaurant zu finden. Das ging in Shanghai und in Beijing irgendwie deutlich einfacherer. Ansonsten war es aber wirklich super und ja, auch mal schön, ein etwas weniger europäisch diversifiziertes China zu sehen. Als mein Arsch den Sitz des China Airlines Fluges nach Frankfurt berührt, fallen meine Augen übrigens sofort zu. Das ist auch bitter nötig, schließlich darf ich morgen vom Flughafen direkt zur Arbeit fahren. Yay!


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Cover
aus Ho Chi Minh City (VN)
Cover
aus Ho Chi Minh City (VN)
Location:
Golden Bird's
142 Đường Trần Não, Phường Bình An, Quận 2, Thành phố, Thủ Đức
00700 Ho Chi Minh City (Vietnam)

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