Zerfallsdatum, Plöpp, Lärmprozess, 06.06.2026 in Bochum, SK Bochum - Bericht von Mandela
Zerfallsdatum, 06.06.2026 in Bochum
Angekommen an der genannten Adresse, treffe ich Gärtner Rudolf Ernst vom Altenbochumer Kleingartenverein. Scheinbar die falsche Adresse
Vor Ort entdecke ich einen Fußballplatz, in dem ein kleiner Raum zur musikalischen Entfaltung am Eingang neben einem Kassenhäuschen genutzt wird. Falsche Band falscher Raum. Ein paar Bierbänke sind aufgebaut, ein paar Leute kicken Fußball, es gab wohl eine Tombola, aber nichts von einem möglichen Konzert zu sehen. Auf einmal spricht mich ein Vereinsmensch mit leicht angeheiterter Stimme an "Bier gibt's da hinten", sehr gut. "Wissen Sie wo das Konzert stattfindet?" "Darunter irgendwo"
Jetzt habe ich es gefunden. Mittlerweile ist es halb 9. Von Musik ist allerdings auch noch nichts zu hören oder zu sehen. Nur diese Gitarre verweist einsam neben einem kalten Verstärker, während die Luxussuite langsam in einem Rauch von Zigaretten und Süßlichanmaßendem verhüllt wird
Um die Zeit totzuschlagen, geht das vorherige Fußballturnier in die dritte Halbzeit. Wir müssen ja alle fit bleiben vor der bevorstehenden Prüfung
Die Band Plöpp beginnt mit schrecklichen Heuschnupfen oder eher Oischnupfen und was mit Oi! Oi! OKI! Dafür aber noch erschreckend viele Haare auf dem Schädel. Und die Meute verlagert ihre sportlichen Einheiten ins Vereinsheim.
Während wir alten Männer nach Sauerstoff und Frieden ächzen, geht es für eine sportliche Zwischeneinheit auf den Platz. Vorsicht, hier wird hart geschossen
Die Tombola haben wir leider verpasst, dafür das letzte Bier ergattert, vom Platzwart, wir nennen ihn jetzt einfach Mal Benny. Der uns erzählt wie der Verein durch einen Spielboykott, wegen so einem Nazihonk bis in die Sport-Schau gekommen ist. Stabile Aktion muss ich auf jeden Fall sagen. Dem Boykott haben sich einige andere Vereine angeschlossen und der besagte Reichskriegsflaggenfanboy wurde suspendiert. Stabil
Als nächstes kommen Lärmprozess. Mittlerweile ist die Hütte rappelvoll und ein einziger Pogo. Wer Bier oder andere Kaltgetränke erwerben will, muss sich durch eine schwitzige, verrauchte Truppe kämpfen und den ein oder anderen blauen Fleck in Kauf nehmen. Zum Glück federn in fast alle Richtungen gut gepolsterte Schlafmöglichkeiten das schlimmste an Stürzen ab und man landet weich und geschmeidig. Der ein oder andere beschließt bereits, einfach liegen zu bleiben
Das Publikum über 30 ist leicht dominant, was erklärt, dass das alkoholfreie Bier tatsächlich als erstes alle ist. Da will man einmal mit gutem Beispiel voran gehen und dann sowas. Dann gibt's halt noch ein Pilsken in den Schlund
Scheinbar ist das Datum schon etwas länger abgelaufen (schlechter Wortwitz), da nach den anderen Bands gesucht wird. Es fehlt wohl ein Verstärker
Nach einem weiteren Soundcheck mit Verstärker, wird wohl als nächstes einer der beiden Gitarristen vermisst. Trotzdem füllt sich bereits der Raum und eine Truppe stimmt schon einmal "Ole Ole Ole, viva Lokalmatadoreeeh" an.
Und nach dem dritten Anlauf geht's richtig los. Zwischendurch nicht ganz synchron und der ein oder andere Text wird vorsichtshalber aus der Kirchenlektüre abgelesen, aber damit es nicht sofort vorbei ist, werden die Songs einfach doppelt oder dreifach gespielt. Irgendwann sitzt auch alles und das Publikum will und will die Band einfach nicht gehen lassen. Als dann noch von Toxoplasma Vakuum gecovert wird, eskaliert das Publikum komplett. So sehr, dass der Song direkt drei oder vier Mal gespielt wird. Scheiss egal! Dat is Punk. Geiler Abend, geile Leute und ich freue mich schon, die Truppe demnächst im Wageni wieder zu sehen.

























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