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Back To Future Festival Tag 1: Acht Eimer Hühnerherzen, Dead Pioneers, Dummy Toys, Maid Of Ace, Johnny Wolga, 16.07.2026 in Glaubitz, Reitplatz - Bericht von der Redaktion

Back To Future Festival Tag 1, 16.07.2026 in Glaubitz

Fö: Nachdem das Back To Future im letzten Jahr ausfallen musste und ich mich nicht zur Ersatzveranstaltung aufraffen konnte, freu ich mich umso mehr, dass es dieses Jahr stattfindet! Irgendwo gab es auch noch die Ankündigung, dass es "kleiner, familiärer, direkter" werden solle - für mich eigentlich der Hauptgrund, wieder hin zu fahren. Kleine Festivals sind einfach immer geiler, demzufolge ist das einzige, was geiler ist als das Back To Future, ein kleineres Back To Future! Muss aber sagen, im Großen und Ganzen waren die Unterschiede marginal, aber wahrnehmbar. Nunja.
Aber zum eigentlichen Thema: was wäre ein ordentlicher Bericht ohne Beschreibung der Anreise? Wahrscheinlich auch kleiner, familiärer und direkter, aber auch einfach langweiliger.
Zunächst mal muss ich kurz erzählen, wie ich morgens wachgeworden bin: nämlich davon, dass eine Katze hinter meinem Kopf entlang taperte. Dabei hab ich doch gar keine Haustiere! Aber ich hatte die Balkontür auf, um nachts etwas frische Luft reinzulassen...ich hoffe ich hab das Vieh nicht aus Versehen eingesperrt als ich mich kurz später gen Bahnhof auf machte.
Ja, also gehen wir rein mit der Zugbuchung: Wie wir vorletztes Jahr feststellten, gibt es einen Direktzug von Dortmund nach Riesa! Nachdem ich mir das Ticket dafür gesichert hatte, meldet kurz später die Bahn-App, dass es diese Verbindung nicht mehr gibt. Auch die Ersatzverbindung dann irgendwie nicht mehr. Also einigen wir uns auf den Zug 2 Stunden später, ebenfalls ein Direktzug. Der wird dann kurz vorher aber ebenfalls gestrichen! Coco und H. kriegen das noch rechtzeitig mit und nehmen nen Ersatz etwas früher, ich hingegen stehe erstmal doof am Gleis. Aber immerhin nicht alleine, F. und J. lungern dort ebenfalls rum - also entern wir gemeinsam diverse Züge an verschiedenen Bahnhöfen, um schließlich etwa 4 Stunden später als geplant anzukommen. Immer gut, Puffer einzuplanen!
Coco: Endlich wieder so richtig Back To Future! Wir waren sogar auch letztes Jahr auf der Ersatzveranstaltung in der Chemo in Dresden. Das war auch schön - aber natürlich nicht das gleiche. Wenn ich Dresden letztes Jahr mal großzügig nicht mit zähle, wird das hier mein 17. Back To Future-Festival. Schön!
Tja, diese Anreise mit der Bahn. Wird irgendwie immer abenteuerlicher. Vor zwei Jahren mussten wir sogar mal Auto fahren, weil gar nichts mehr fuhr. Jetzt stehen wir am Bahnhof in Dortmund und versuchen im 30-Sekunden-Takt Fö anzurufen. Der pennt einfach, mit seinem neuen Haustier. Wir entscheiden uns dann trotzdem für den früheren ICE, der einen Umstieg in Hannover in den ursprünglichen Zug verspricht, auch ohne Fö. Klappt aber dann natürlich nicht, der Umstieg. Wir sollen dann ersatzweise über Berlin und Leipzig fahren. Klappt aber dann natürlich nicht. Wir wollen ersatzweise über Dresden Hbf fahren. Klappt aber dann natürlich nicht. Hey, wenn wir stattdessen ersatzweise in Dresden-Neustadt umsteigen, bekommen wir den Zug doch noch. Klappt aber dann natürlich nicht. Wie viele Sitzplätze wir auf dieser Fahrt noch schnell gebucht haben! Surreal. Immerhin kann ich mir in Dresden-Neustadt dann noch eine Regenjacke kaufen, die ich im Gepäck vergessen hatte. Und einen riesigen Kaffee. A. aus Dresden verpasst natürlich den Zug, den wir dann am Ende nehmen, aber dafür steigt an irgendeinem Bimmel-Bahnhof unerwartet plötzlich J. ein! Der ist mit dem Nahverkehr aus Berlin unterwegs und trotz vieler Umstiege scheint er der Einzige zu sein, dessen Bahnen so fuhren, wie sie sollten. Vielleicht nächstes Jahr dann lieber Nahverkehr von Duisburg aus? Nee, lieber doch nicht.
Jetzt müssen wir nur noch das Taxi aus Riesa meistern! Wir sind schließlich faule Luxuscamper mit zu viel Gepäck. Die Taxi-Genossenschaft scheint schon mal nicht so sehr daran interessiert zu sein, Personen zu befördern. Und bei einem anderen Taxi, das am Bahnhof hält, fragt die Fahrerin sehr erstaunt "Was wollen Sie?", als ich winkend auf sie zu marschiere. Ja was will ich wohl? Meine Antwort ist dann auch sehr zynisch kurz: "Taxi fahren". Nee, das Gefährt ist schon belegt und es gibt auch kein anderes. J. sagt, das sei hier Sachsen, da ticken die Uhren eben anders. Nun ja, irgendwann erbarmt sich die Genossenschaft und fährt zwischen dem Einkauf im Supermarkt und langen, wichtigen Telefongesprächen auch mal Gäste herum.
Horace: Leider kann ich nicht dererlei Abenteuern dienen. Wir reisen trotz der Spritpreise mit dem Auto an und alles klappt wie am Schnürchen. Kein Stau bei +30 Grad bei Nürnberg, der uns schon nach 30min zur Bratwurst im eigenen Saft werden lässt. Keine Baustellen in der sächsichen Provinz, die uns über Wege führen die irgendwo zwischen Landstraße und Trampelpfad rangieren - fast langweilig wie problemlos wie wir in Bestzeit in Glaubitz aufschlagen. Vielleicht das nächste Mal auch mit der Bahn - einfach für den Thrill? (Spoiler: Ich glaube nicht)
Horace: Viele Grüße an die Esso in Hainichen. Hier kann mensch nicht nur beim Kacken einen kleinen Sprachkurs machen, sondern auch die Thekenkraft mit der Frage nach vegetarischem Angebot schockieren. ("An der LKW Raststätte? OHNE FLEISCH?!!"). Mit etwas Fantasie bekam ich dann doch was gezaubert. Volle Empfehlung. 
Fö: Am Zeltplatz hat sich eigentlich nicht viel geändert zu den letzten Jahren. Es ist etwas weniger los und es gibt weniger Dixis, glaub ich. Ansonsten alles fein. Und die Bändchenausgabe befindet sich am Festivalgelände und nicht mehr am Zeltplatz, was uns natürlich noch mehr daran hindert, uns frühzeitig um Bändchen zu kümmern.
Coco: Es wurden ein paar Sachen weg gelassen, z.B. die warmen Duschen am Zeltplatz. Und der Familien-Camping-Bereich befindet sich im vorderen Teil des normalen Zeltplatzes. Da war aber nur ein sehr kleines Schild und ich befürchte, das haben nicht alle gesehen? Zumindest zelteten da viele Menschen, die augenscheinlich keinerlei Kinder dabei hatten.
Horace: Wie immer kommen wir zur fast gleichen Uhrzeit im gleichen Bereich an. Oft treffen wir sogar die gleichen Leute und/oder andere Leute aus dem Süden. Letztes Jahr Winnenden, dieses Jahr schlagen wir unser Lager neben einer quasi Nachbarin aus dem Schwarzwald auf. Änderungen suche ich mit der Lupe. Waren die Wassercontainer schon immer da? War das jetzt Löschwasser oder Trinkwasser?
Fö: Die berüchtigte Bändchenschlange! Kurz bevor wir am Schalter sind, heißt es, dass die Bändchen alle sind und irgendwer wird losgeschickt, neue zu holen. Die kommen dann auch. Und dann sehen wir einen weiteren Punkt, an dem gespart wurde: Tyvek- statt Stoffbändchen, zum Teil sogar noch welche aus 2022. Immerhin ein Schritt weiter zum nachhaltigen Festival!
Horace: Wer ist bitte schön so diszipliniert und holt sich nach dem Zelt aufbauen erstmal Bändchen? KEINER! Ergebnis siehe oben. Dann auch noch nur ein Häuschen für VVK-Tickets, Tagestickets und Gästeliste. Sorry, aber das war ein Flop.
Coco: Das ist ja hier auch kein Dienstleistungsunternehmen! Mir war klar, dass wir um die Uhrzeit in der Schlange stehen würden. Aber ich werde auch weiter leben, ohne die Bouletzz gesehen zu haben. 
Fö: Ja, durch die Bändchenschlange verpassen wir die erste Band The Bouletzz, aber glücklicherweise dafür nur wenige Minuten der DUMMY TOYS!
Coco: Puh, ja, vor drei Jahren für sehr gut befunden und vor zwei Jahren dann leider in der Bändchenschlange verpasst! Dieses Jahr klappt es. Ich bin einfach immer noch wahnsinnig begeistert von der Schlagzeugerin! Die spielt so krass schnell und trotzdem sieht alles so aus, als wäre es gar nicht anstrengend. 
Fö: Rotziger Trümmer-Streetpunk aus China. Das geht ordentlich nach vorne, perfekt so zum Warmwerden. Mir mangelt es lediglich etwas an Eingängigkeit und Alleinstellungsmerkmal, aber das Problem hab ich bei diesem Genre generell.
Horace: Die waren 2023 auch schon da glaube ich. Auftritt ok, aber mich holts nicht ab.
Fö: Achja, noch eine Neuerung: Die Zeltbühne ist umgedreht! Also die Bühne befindet sich jetzt da wo früher die Bar war, und die Bar dort wo sonst die Bühne war. Keine Ahnung warum. War das günstiger so rum?
Horace: Hat mich anfangs sehr irritiert, aber nach zwei Gängen zur Theke kam ich klar.
Coco: Ich gebe zu, dass ich mir die Dummy Toys vermutlich zuhause nicht anhören würde, aber live finde ich das wirklich ganz famos! Die werden auch immer besser, finde ich. Können gerne jedes Jahr hier spielen!
Coco: Hier sieht man sehr schön, wie die Schlagzeugerin ihre Zöpfe schüttelt! Und dabei sehr tight weiter spielt. Wahnsinn! 
Fö: FOH oder Cagefight?
Horace: Die Verkabelung im Zelt sah etwas exotisch aus. Hielt aber besser durch als es der Anschein vermuten ließ. 
Coco: Aber der Sound war mal wieder nicht so der allerbeste im Zelt, euphemistisch ausgedrückt...
Fö: Dann MAID OF ACE. Als ich die das erste Mal sah, war ich noch ganz beeindruckt, mittlerweile ist mir das doch irgendwie zu abgebrüht
Horace: Ha, ich hatte die noch nie gesehen und fand es entsprechend cool. 
Coco: Meins ist das auch nicht. War mir irgendwo mal etwas sauer aufgestoßen wegen Patriotismus. Aber zum Glück gibt es dieses Jahr endlich wieder einen Kicker! Da ist das gar nicht so schlimm, wenn man mal eine Band nicht sehen will.
Horace: Kickoooorrrr. Der sollte aber mal dringend überholt werden. Der letzte gute Ball hat sich bei uns an Tag 2 desintegriert und wurde ob Börnys hartem Schuss über die Quantenebene in ein Paralleluniversum transportiert. Grüße an unsere Kicker-Partner und bis bald im AJZ Erfurt...
Coco: Ihr habt den guten Ball auf dem Gewissen! Soso... 
Mir egal, wie baufällig der Kicker ist, hauptsache, es gibt überhaupt einen! Spielsucht ist nicht zu unterschätzen! 

Horace: Sorriiiiii! Wir haben echt lange gesucht und auch die zwei semi-beschäftigten Mitarbeiter dazugeholt.
Fö: Mein Highlight des Donnerstages: ACHT EIMER HÜHNERHERZEN! Die hab ich mittlerweile echt ne Weile nicht mehr gesehen und hatte auch etwas die Befürchtung, da mittlerweile raus zu sein weil zu lange nicht gehört. Aber Pustekuchen: Einfach toller Auftritt!
Horace: Auch noch nie live gesehen und war sehr positiv überrascht. Live echt nochmal ne Nummer druckvoller und (meiner Meinung nach) generell besser als auf Platte.
Fö: "Weniger Licht auf der Bühne", bestellt Jacho noch. Ja wat denn, seid ihr ne Horrorpunkband? Am Licht wurde dieses Jahr wohl wirklich gespart, meine Fotos in der Zeltbühne verbleiben alle in generischem Dunkel und die Bands sind schemenhafte Silhouetten. Naja, geht bestimmt als Kunst durch!
Horace: Licht war eh so ein Thema. Zum Teil war es komplett weg oder es gab halt die Vollbedienung wie beim Zirkus.
Coco: Es wurde ja angekündigt, dass es Sparmaßnahmen geben würde! 
Und es ist zumindest eine melancholische bis geradezu depressive Band - da ist Dunkelheit das passendere Licht.
Fö: ich fand's auch okay so mit dem Licht. Meine Kamera nicht, aber die hat eh nix zu melden. Ist ja nur für bierschinken.
Fö: Dafür dass ich die letzten beiden Alben eigentlich kaum gehört hab, kenn ich erstaunlich viele Songs - waren dann wohl viele ältere dabei? Vor der Bühne herrscht durchweg hohe Textsicherheit. Erwartet man von so nem Punkerpublikum ja gar nicht!
Coco: Ich gebe zu, ich hab etwas gebraucht, um mit der Band warm zu werden. Das lag vor allem an den überaus nervigen Ansagen des Bassisten. Aber da die Lieder alle kleine melancholische Hits sind, und melancholische Musik meine Lieblingsmusik ist, hab ich dann doch öfter rein gehört. Auf der Fusion hab ich dann auch ein sehr tolles Konzert gesehen, auf dem der Herr zum Glück nicht so viel bis gar nicht geredet hat. Heute schaffe ich es gekonnt, alle nervigen Ansagen zu ignorieren und nur die Lieder zu genießen.
Tolles Konzert! Und eigene*n Mischer*in dabei, d.h. der Sound ist auch prima.
Fö: Dann DEAD PIONEERS. Standen auf meiner Wunschliste an Bands, die ich unbedingt mal sehen wollte, nachdem die Videos zumindest ganz interessant waren. Kommen aus den Staaten und haben zum Teil indigene Mitglieder, was ein Thema ist das sich in den Texten niederschlägt.
Coco: Die wollte ich auch unbedingt sehen, nachdem ich viel über die Band gelesen hatte. 
Fö: Musik ist erstaunlich rockiger Hardcore-Punk, meist eher im Midtempo, während der Gesang eher im Spoken-Word-Bereich bleibt. Bestimmt spannend, wenn ich die Texte verstehen würde. Wirkt ein bisschen als würde ich mir Poetry Slam auf einer mir fremden Sprache anschauen. Ich wünsche mir Untertitel oder Textblätter. Nun ist es zwar zum Großteil englisch (wenn Sänger Gregg Deal nicht gerade die Sprache seiner Ahnen bemüht), aber so schnell kann ich dem trotzdem nicht folgen.
Coco: Mir hat das im Großen und Ganzen ganz gut gefallen. Hat mich sehr an Jello Biafra erinnert, nur ohne Allüren. Die schnelleren Songs gefallen mir aber auch besser, als die sehr Midtempo-Gesprochenen.  
Fö: Für Bewegung sorgt das trotzdem!
Fö: Da bemüht man sich, keine Fotos von Gesichtern zu machen, und dann springen einem ständig irgendwelche Leute vor die Kamera!
Fö: Zum Abschluss JOHNNY WOLGA, die wir nur von hinten schauen. Ich dachte irgendwie das sei so Ost-Oi, ist aber eher ne gar nicht so verkehrte Toy-Dolls-Kopie, nur eben ohne Hits - dafür mit Wasserbällen und Teddybären. Also auch ein bisschen Adicts light. Gar nicht so verkehrt!
Coco: Toy Dolls und Adicts machen furchtbar nervige Musik, nämlich das Gegenteil von Melancholie, und deswegen gefallen mir Johnny Wolga auch so gar nicht! Aber es ist auch schön, hinten rum zu stehen und zu quatschen, dafür eignet sich die Musik hintergrundmäßig ganz famos. 
Oh no, der Teddybär. Das rüttelt verdrängte Erinnerungen wach. Dieser Riesenteddy kam uns später Arm in Arm mit einem mitteilungsbedürftigen Betrunkenen auf der Bierbank besuchen...
Und jetzt legt mir Fö sicherlich wieder irgendeinen Satz in den Mund, den ich so nie geschrieben habe, irgendwas mit "bis morgen" oder so, damit er den Bericht vom nächsten Tag verlinken kann: ... 
Fö: Quatsch, sowas würde ich doch nie tun! Aber vielleicht mach ich's ja morgen.


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