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Freitag, 08.05.2020: Punk in Australien Teil 1

When The Algorithm Brings You Down Under! A Not So Short Guide To Current Aussie Punk Part I

Eigentlich war der Plan, im Februar 2020, dem zweiten Monat meiner Elternzeit, mit Kind und Kegel den Flieger zu besteigen, alle Flugscham zu verdrängen und ein paar Wochen den Kontinent am unteren Ende der Weltkugel zu bereisen. Die aktuelle Lage vor Ort und ein mehr oder minder spontaner Jobwechsel und dadurch bedingte Ebbe im Portemonnaie machten mir allerdings einen dicken Strich durch die Reiseplanung. Stattdessen sitze ich seit einigen Wochen im heimischen Dortmund, jetzt auch noch quasi in Quarantäne und lasse mich durch die Bands CLOWNS und DUNE RATS in Gang gesetzt, immer tiefer in den Strudel der auf den hiesigen Musikplattformen gängigen "was anderen Fans gefällt"-Funktion treiben. So statte ich dem Heimatland von Crocodile Dundee wenigstens im musikalischen Sinne einen Besuch ab. Bei allen schlechten Nachrichten die uns von "down under" erreichen wie: brennende Landstriche, brennende Flora und Fauna, Koalas mit Rauchvergiftung, sterbende Korallenriffe, asozialer Umgang mit Flüchtlingen usw. kann ich zumindest die gute Nachricht vermelden, dass die Punkszene in Australien quicklebendig ist und hervorragend floriert. Im Folgenden möchte ich euch einen Überblick über diese geben. Zuvor sei noch erwähnt, dass für diese Liste nur Bands berücksichtigt wurden, die in den letzten drei Jahren einen Tonträger veröffentlicht haben. Eine gewisse Freshness war also Einstellungsvorrausetzung. Das ist wie im Supermarkt, wer greift denn schon zum gammeligen Obst von letzter Woche? Da diese Liste zu einem Monster, was das Ausmaß betrifft, angewachsen ist, hab ich sie in mehrere Teile geschnitten und werde sie euch Stück für Stück präsentieren. Mir ist ja vollkommen bewusst, dass die Bierschinken-Leserschaft nur ein begrenztes Aufmerksamkeitspotenzial besitzt. Los geht's mit Teil 1. Wer zu faul ist, den Verlinkungen und Anspieltipps zu folgen, kann auf die folgenden Links oder oder auf mein Spotify-Profil gehen, auf dem ihr die Playlist unter dem Namen dieses Artikels findet und damit auch schon mal einen kleinen Vorgeschmack bekommt, welche Bands in den nächsten Teilen behandelt werden.

LOS SCALLYWAGGS:
In meiner Fantasie hängen die ganzen coolen Kids aus Australien 24/7 am Strand ab und warten darauf, mit ihren Brettern die nächste Welle zu reiten. Dazu könnten sie dann diesem quierligen Trio aus Pacific Palms lauschen, das einen rauen Mix aus Garage, Punk und Surf spielt. Ich sag mal wie FIDLAR mit weniger Punk und mehr Surf. Die Band besteht schon seit über fünf Jahren und hat in der Zeit schon vier Longplayer hervor gebracht.

Anspieltipp: New Sense

https://losscallywaggs.bandcamp.com

DICKLORD:
Die drei Femme Fatale's und der Drummer lassen mit ihrem harten und klassischen Punkrock kein Stein auf dem anderen und werden dabei textlich des Öfteren ausfallend. Die Gitarren knarzen heftig, manchmal deutlich metallisch. Dazu krakehlt Frontfrau 4677 ätzend, so dass PLASMATICS Sängerin Wendy O. Williams vor Neid im Grab rotiert. Zunächst kam eine handvoll Singles raus, die sich nun alle auf ihrem ersten Album It's soooo boring wiederfinden.

Anspieltipp: Boring

https://dicklord.bandcamp.com

GOOCH PALMS:
Nach zehn Jahren des gemeinsamen Musizierens kündigte dieses Duo, bestehend aus Drummer und Sängerin Kat Friend und Sänger und Gitarrist Leroy McQueen, vor kurzem an, ihre Indie/Garage-Punk Band aufzulösen. Schade, sie werden fehlen, spielten sie doch herzerweichende und mitreißende Pop-Songs für alle Underdogs dieser Welt, mit denen sie sich schon lange einen Namen gemacht haben.

Anspieltipp: Marfa Lights

https://thegoochpalms.bandcamp.com

GRINDHOUSE:
Mittelalte, zum Teil dicke, weiße Männer spielen hochtourigen, rock'n'rolligen Garage- und Proto-Punk. Die Band singt auch gern gern mal über Dad's alte Speedos und Drogen und hat eine Obsession mit schnellen Autos. Sie erzürnten bei einem Auftritt in Dortmund durch ihre oben-ohne-Show die Gemüter einiger Anwesenden, sollte aber auch nicht zu ernst genommen werden, denn ich glaube, die nehmen sich selbst nicht allzu ernst!

Anspieltipp: Peter Brock built my Hot Rod

https://grindhousepeeps.bandcamp.com

CLOWNS:
Wer diese Band nicht kennt, hat die letzten Jahre verpennt, kein Festival besucht oder zumindest nicht einmal einen kurzen Blick auf die Line-Ups ebenjener geworfen. Waren sie doch in der letzten Zeit omnipräsent auf den Festivals und Clubbühnen des Landes. Vier starke Alben, das letzte verdienterweise auf Fat Wreck, haben sie mittlerweile heraus gebracht. Auf allen wirbeln sie einem wilden Hardcore-Punk ins Gehör, der neuerdings mit psychedelischen Elementen angereichert wird.

Anspieltipp: Prick

https://clownsband.bandcamp.com/

DUNE RATS:
Hier gilt, was ich auch schon über CLOWNS geschrieben habe. Diese Band sollte dem oder derjenigen, die sich für aktuellen Punkrock interessieren, in letzter Zeit schon mal aufgefallen sein. Mit ihren Party Hymnen "Scott Green" und "Bullshit" vom ersten Album wurde ihnen schnell einiges an Aufmerksamkeit zu Teil. Vor kurzem erschien nun Album Nummer zwei, das dem ersten in nichts nachsteht.

Anspieltipp: Bullshit

https://www.dunerats.tv/

SKEGSS:
Wir bleiben noch etwas in Byron Bay und werfen mal einen Blick auf noch so eine langhaarige Strandhänger-Gruppe, mit salziger Haut und sonnengebleichten Gitarren. Die Band fungiert für mich als die kleinen Brüder der DUNE RATS, mit denen sie sich ein Label teilten. Mit weniger Party Attitude und dafür mehr laid-back und Lo-Fi gelagertem Sound sind sie ebenfalls in die Surf/Alternative/Punk-Schublade zu stecken.

Anspieltipp: Road Trip

https://skegss.bandcamp.com/

DRUNK MUMS:
Mensch könnte meinen, diese Band stammt aus den 70ern, so dermaßen oldschool ist ihre Musik. Mit dem besten was Brit-Punk und Rock aus dieser Dekade zu bieten haben und einer fetten Portion DIY-Spirit spielen sie sich im Moment nach ganz oben in der Australischen Szene.

Anspieltipp: Phantom Limb

https://drunkmums.bandcamp.com

GARLIC NUN:
Wir sind zurück in Melbourne und nehmen uns diesen lauten und wütenden Vierer vor. Heavy Power Chords, Gang Shouts, ein Bass der einen wegbläst und ein Sänger der Frank Carter in seinen besten Zeiten bei GALLOWS Konkurrenz machen kann. Die Knoblauch-Nonnen schaffen easy den Spagat zwischen wuchtigem schwerem HC mit viel Groove und rotzigem Punkrock. Zwei Singles haben sie draußen. Ich warte auf das erste Album.

Anspieltipp: High Society

https://garlicnun.bandcamp.com

GRIDFLEX:
Noch eine sehr frische Hardcore-Punk-Band, die erst eine EP, eine Split-Platte mit den SPITN NAILZ und ein paar digitale Singles raus gehauen hat. Guter altbekannter HC/Punk mit Betonung auf den Hardcore. Es geht kurz und knackig zur Sache, ohne dabei zu vergessen ein paar Haken zu schlagen, etwas Groove zu erzeugen und nach einem kurzen Break wieder wie ein Juggernaut alles platt zu walzen.

Anspieltipp: Anti-Fascist Allstars

https://gridflex.bandcamp.com/

HARD-ONS:
Die Band aus Sydney ist sowas wie das Bernsteinzimmer des australischen Pop-Punk und hat sich mittlerweile auch weltweit einen Legenden-Status erspielt und gilt als die kommerziell erfolgreichste Independent Band. Auf ihrem 2019er Album mixen sie immer noch cheesy Pop-Punk mit Heavy Metal. Am besten trifft es immer noch die schon oft herangezogene Beschreibung "Motörhead trifft auf die Beach Boys". Zwar erreichen sie auf ihrem neuen Material nicht mehr durchgängig die Genialität wie auf den Klassikeralben "Yummy" und "Love is a Battlefield of Wounded Hearts", mit "So I Could Have Them Destroyed" schafften sie es trotzdem, ein gutes Spätwerk aufzunehmen.

Anspieltipp: A Whole Lotta Tooth

https://wallriderecords.bandcamp.com/album/so-i-can-have-them-destroyed

AMYL & THE SNIFFERS:
Eines der besten Pferde im Stall der australischen Rock-Welt tritt mit dieser Band an den Start. Das Befand auch wohl die Jury der ARIA Music Awards, das sie mit dem Preis für den besten Rock-Act 2019 belohnte, noch vor den gerade erwähnten SKEGGS. Auch hierzulande bekam die Vokuhila tragende Band um Sängerin Amy schon einiges an Aufmerksamkeit. Vollkommen zu Recht, wenn man mich fragt. Ihr Debüt-Album zieht mir immer wieder die Wurst vom Brot. Roh, direkt und eingängig, wildern sie im Jagdgebiet des harten Rocks und des frühen Punk. Platinblondine Amy sorgt dabei mit ihrem wütenden Gesang dafür, dass man diese Band so schnell nicht wieder vergisst.

Anspieltipp: Some Mutts (can't be muzzeld)

https://amylandthesniffers.bandcamp.com/

HACK THE MAINFRAME:
Für alle die noch immer nicht genug neue (australische Skatepunk) Entdeckungen in dieser Liste gefunden haben, gibt’s hier noch einen Nachschlag. Auferstanden aus der Asche der Aussie Punkbands WISEHEIMER und PANTS OPTIONAL spielen sie wie all ihre Label-Mates schnellen und energischen Melodic-Punkrock mit frickeligen Solos.

Anspieltipp: Col

https://peerecords.bandcamp.com/album/disorders-of-consciousness

NERDLINGER:
Wieder Skate-Punk, wieder sehr schnell und voll 90er, auch schon mal mit Tröte so dass sie in diesen Momenten an die MAD CADDIES erinnern, diesmal jedoch aus Sydney. Genau wie HACK THE MAINFRAME auf PEE RECORDS, dem führenden Label für australischen Melodic-Punk. Auf eben jenem Label erschien im Juli 2018 ihr Album „Happy Place“.

Anspieltipp: Fat Gav

https://nerdlinger.bandcamp.com/

BLIND MAN DEATH STARE:
Das erste Mal aufmerksam wurde ich auf diese Band, die als eine der am härtesten arbeitenden DIY-Bands Australiens gilt, durch ein Konzert in meinem langjährigen zweiten Wohnzimmer, dem Rattenloch Schwerte. Das trinkfeste Quartett aus Melbourne spielt rasanten Skate-Punk der härteren Gangart, aufgepeppt durch stellenweise kurze Metal-Riffs und humorvolle Texte (s. „I can see the way you look on my mom“). Derzeit pausiert die Band, mal sehen ob da noch was kommt!

Anspieltipp: My Choice

https://blindmandeathstare.bandcamp.com/

STABBITHA & THE KNIFEY WIFEYS:
Vierköpfige Riot-Grrrl Band aus Aderlaine, die es versteht, ernste Themen rund um Sexismus, häuslicher Gewalt und Bigotterie mit wildem Party-Punk zu verknüpfen. Die vier haben es sich auf die Fahne geschrieben, FLINT-Menschen eine Stimme zu geben. Mit ihrer Stimme kann Sängerin und Bassistin Eb definitiv Stza von LEFTÖVER CRACK als kratzigste des Genres ablösen. Als ihre Einflüsse nennen sie ANTI FLAG, BAD RELIGION und AGAINST ME!. Für mich eine DER Neuendeckungen unter all den Bands die ich hier bereits gelistet habe. Sollte Mensch im Auge behalten!

Anspieltipp: Worriers

https://stabbithaandtheknifeywifeys.bandcamp.com

WHITE DOG:
Ihr braucht es eine Nummer härter und wartet beim Lesen schon die ganze Zeit darauf, dass endlich mal etwas mit viel mehr Biss und Kawumms kommt? Dann nehmt euch mal WHITE DOG vor, die Band aus Sydney knallt euch oldschooligen HC-Punk der Marke BLACK FLAG und Konsorten in die Visage. Besonders gut gefällt mir ihr Debüt, auf dem sie sich in 15 Song mit einer Spielzeit von 27 Minuten schwallartig über ihre Heimatstadt auskotzen „A cesspit of High Costs and Low Value“ heißt es da über die von Superreichen aufgekaufte und gentrifizierte Stadt.

Anspieltipp: Downhill

https://whitedogmusic.bandcamp.com

COMMON ENEMY:
Das war dir noch nicht hart genug? Dann hört in COMMON ENEMY aus Northern Rivers rein. D-Beat / Crust / Hardcore, mit einer Spur Metal und weiblicher* Shouterin, der zwar nicht wirklich Genre-Grenzen sprengt oder sonst wie aus dem Rahmen fällt, sondern ganz im Gegenteil genau das liefert was sich der Allerwelts-Crustie gern auf die von Dreadlocks ummantelten Ohren tut. Ihre letzte Veröffentlichung war eine EP im März diesen Jahres, davor gab es einige Splits, unter anderem eine mit OI POLLOI im Juli 2016.

Anspieltipp: Keiner. Ich mag eigentlich keinen Crust

https://commonenemydiy.bandcamp.com

FLANGIPANIS:
Party-Pop-Punk wie er im Buche steht und ursprünglich fest in der USA verwurzelt ist, allerdings auch mit Texten voller Sex & Drogen und viel FickiFicki-Humor, so dass in "god‘s own country" wohl kein Label anbeißen würde, ohne den Rotstift anzusetzen. Die Gitarristin, Texterin und Sängerin kann neben zahlreichen Quatsch-Texten aber auch mal ernste Themen wie über Polizeigewalt anreißen (Make This City Safe). Der Band ihre musikalischen Fähigkeiten abzusprechen ist trotz allem textlichen Geblödel schwer, man höre sich nur ihr letztes Album von 2018 an, mit dem sie sich nicht hinter den amerikanischen Vorbildern verstecken müssen.

Anspieltipp: Make This City Safe Again

https://flangipanis.bandcamp.com

STIFF RICHARDS:
Poah machen die einen geilen Krawall! Dieser Fünfer macht sich von der Südküste Australiens auf, um unser aller Leben mit 1A Krach zu versüßen. Mit einer Intensität wie die „Raw Power“ der STOOGES und gesanglicher Gewaltausbrüche wie von Henry Rollins auf BLACK FLAG`s „Damaged“, fetten Riffs und ganz viel Zunder im Arsch springt dir diese Band schon nach wenigen Sekunden des Hörens nur so ins Gesicht, dass dir der Scheitel bis in den Nacken verrutscht. Unbedingte Hörempfehlung, mit der noch unbedingteren Anweisung, den Volume-Regler ganz, ganz, ganz weit Richtung Maximum zu drehen.

Anspieltipp: Taste

https://stiffrichards.bandcamp.com



Peter 05/2020
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Zwen
(Zwen)
08.05.2020 13:46
Keine Cosmic Psychos?!?!? WILLST DU UNS ALLE VERARSCHEN?!?!!?!??!
Zwen
(Zwen)
08.05.2020 13:50
Oh, hehe, kommt alles noch...damit wäre das mit der Aufmerksamkeitsspanne wohl bewiesen.

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