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No Surprising News:
s/t
An No Surprising News musste ich neulich erst denken, nachdem ich in Dorstfeld irgendwie auf einen uralten Friedhof geraten war, der so uralt ist, dass viele Gräber nur noch Grabsteine und andere gar nicht mehr da sind. Und richtige Gruften und riesige Grabmäler gibt es da, es war faszinierend, vor allem, da es halt tiefster November war und man im Hintergrund das U und den RWE Tower sehen konnte mit ihren bunten Bildern und grausamen 9-to-5-Job-Realitäten, die für die unter der Erde liegenden Ehemaligen ja nur noch eine äußerst marginale Bedeutung haben dürften.

Und danach steht man dann ja auf einer Bahnbrücke, von der aus man diese andere Bahnbrücke sehen kann, auf der +++ NO SURPRISING NEWS +++ steht.

Stimmt ja auch: Die großen Nachrichten von Geschäft und Gewalt sind selten überraschend, überrascht bin ich aber trotzdem immer mal wieder, von den kleinen Meldungen, und ich bin gerne überrascht, also lese ich in erster Linie den Lokalteil: "Polizei stoppt Ausflug eines ausgerissenen Schweins", heißt es da z.B., außerdem ist zu erfahren, dass über „ein Klo für Husen“ diskutiert wird; wird aber auch Zeit, dass diese zivilisatorische Errungenschaft da mal ankommt! Kommunalpolitiker müsste man sein.

Robert, der junge Mann mit Gitarre, der sich das Ganze zu Herzen genommen und sein Projekt daher No Surprising News getauft hat, ist schon ein paar Mal in Dortmund und woanders aufgetreten und hat jetzt ein erstes Tape gemacht. Er will den Finger in die Wunden legen, nicht wegsehen, keine Phrasen dreschen, also, auf jeden Fall ist er sehr engagiert und wütend, das sieht man, wenn er live spielt, und das hört man hier auch. Leider verfehlt er damit bei mir so ein bisschen sein Ziel, was daran liegen mag, dass manches Motiv, z.B. die gemeinsame Kleinstadtjugend mit einem guten Freund, nicht (mehr) so einen großen emotionalen Stellenwert für mich hat, und ich auch zu anderen Motiven wenig Bezug aufbauen kann, u.a. weil die Texte nicht wirklich lyrisch sind, sondern eher sowas wie Tagebucheinträge; ein weit verbreitetes "Problem" in der DIY-HC/Punk-Szene: Ich kann nicht gut mitfühlen, wenn jemand einfach nur "Mir geht's schlecht!" brüllt oder - wie in „schaltern“ - "klar könnte ich das alles ignorieren / aber warum sollte ich", ich brauche da Bilder und Geschichten für und auch irgendeinen nachvollziehbaren Sprachrhythmus. Am Ende von „wetter“, heißt es z.B. „eigentlich möchtest / du achterbahn fahren / doch dir fehlt jeglicher bezug“ - das Achterbahnfahren ist ein schönes Bild, aber was um alles in der Welt hat der „jegliche Bezug“ da verloren? Andere empfinden das aber vielleicht ganz anders, und vielleicht bin ich einfach nicht mehr die passende Zielgruppe. Ist ja nicht schlimm.

Musikalisch orientiert sich Robert an Captain Planet und (in „phrasen“) an mevrsavlt, was ganz hervorragende Orientierungspunkte sind, aber ich werde beim Hören das Gefühl nicht los, dass die Lieder (außer „phrasen“) eigentlich einer kompletten Band bedürfen, weil sie doch recht rhythmusbetont und sperrig sind. Teilweise habe ich auch das Gefühl, dass einzelne Parts recht willkürlich aneinandergereiht worden sind, was mit kompletter Band wahrscheinlich anders oder einfach besser wirken würde. Trotzdem ist das alles sehr sympathisch und schön und gut, auch die altbekannte Phrase, wogegen man alles ist (z.B. Faschismus, Homophobie usw., leider fehlt mal wieder Kapitalismus in der Aufzählung, auch das Problem ist ja nun nichts neues, na ja, was soll's, mir ist mittlerweile auch schon wieder alles egal), z.B. auch gegen die „diskreminierung (sic!) aller lebewesen“, das lässt mich nicht los, ich muss mir jetzt immer vorstellen, wie z.B. aus Leberwurst, also einer Creme aus den Resten toter Tiere, durch den Vorgang der Diskreminierung wieder ganze, lebendige... nun ja. Nichts für ungut. Ich geh dann mal.
tenpints 11/2013
Hörprobe:
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No Surprising News - s/t

Stil: Emopunk, Akustik
VÖ: 11/2013, Tape, Free Download


Tracklist:
01. wetter // stefan
02. alt
03. schaltern
04. phrasen

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