Auxes:
Boys In My Head
"Boys in my head", nun ja, liegt jetzt drei Monate auf meiner Festplatte rum und wurde in der Zeit ungefähr sechs Mal durchgehört. Wenn ich an die Platte denke, entsteht in mir eine furchtbare Leere. Mir fällt einfach nichts ein. Nur das Wort "Post-Punk" manifestiert sich in meinem Kopf. Handwerklich ist alles top, aber musikalisch will einfach nichts hängen bleiben. Texte liegen auch nicht bei. Deshalb erzähle ich euch jetzt einen Schwank aus meiner Jugend: Als ich ein elfjähriger Steppke war, erfuhr ich aus der "Bravo", dass Holly Johnson, der Sänger der von mir wegen ihres Liedes "Relax" hochgradig verehrten Band Frankie Goes To Hollywood, schwul war und HIV-positiv, ebenso wie Freddie Mercury. Ich war begeistert. Dann las ich, dass auch Hape Kerkeling und Alfred Biolek schwul waren, und war erschüttert, war ich doch davon ausgegangen, dass man als Schwuler automatisch ein cooler Sänger sein würde. Als ich meinem Vater die erschreckende Neuigkeit verkündete, zeigte er keine spürbare Reaktion. Auch die Pet Shop Boys waren schwul, also setzte ich mich vor die Stereo-Anlage und spielte die von meinem Onkel, der ansonsten nur Heavy Metal hörte, abgezockte Pet-Shop-Boys-CD "Discography", ab. Sie war mir von allen 300 CDs und Schallplatten in seinem Regal am Interessantesten erschienen. Danach ging mein Leben weiter, obwohl ich meiner Kinderärztin beim nächsten Besuch empfahl, mich auf HIV zu testen. Sie war eine dicke Frau aus dem Iran, und ihre Praxis war klein und eng, und sie stank und lag im Osten der Stadt, da wo die Armen wohnten; als gute protestantische Sozialdemokraten lag es unter der Würde meiner Eltern, mich zum katholischen Kinderarzt zu bringen, den alle meine Freunde und Feinde besuchten. Während ich also zitternd im Unterhemd vor ihr stand, erklärte sie mir in gebrochenem Deutsch, dass ich aus gewissen Gründen vermutlich kein HIV haben würde, und was soll ich sagen, sie hatte Recht. Holly Johnson übrigens lebt auch immer noch, geil, oder?
Kommentare:
Was ich so schön an bierschinken finde, ist übrigens gerade das, was hier "kritisiert" wird: die gnadenlose Subjektivität. 08/15-Reviews á la "Der Sound war gut, der Gitarrist kann Gitarre spielen" oder "Die Scheibe ballert ordentlich in die Fresse rein, Anspieltipps: ..." braucht in Zeiten von YouTube und Bandcamp doch kein Mensch mehr (auch hier kann man z.B. einfach unten drunter auf "Play" klicken), und gerade bei Konzertreviews ist es der subjektive Eindruck (die Erlebnisse und Gefühle, die man so hatte), der sie überhaupt erst lesenswert macht. Inhaltlos ist das nicht, egozentrisch muss es sein.
Das mit der Negativität kann ich aber dann nicht mehr nachvollziehen, die meisten meiner Texte sind gnadenlos positiv.
Ansonsten: Zweitschlechteste Rezi die tenpints je geschrieben hat, aber beim Drumherumgeschwafel irgendwo weit vorne!