Adam Angst:
Adam Angst
Sektenführer Fö wird mächtig sauer sein, denn diese Rezension trifft viel zu spät in den Großraumbüros der bierschinken-Redaktion ein. Nunja, die paar Peitschenschläge werde ich dann wohl verdient haben. Damit erhalte ich dann gleichermaßen meine Absolution.
Womit wir auch beim Thema wären: Adam Angst könnte so etwas wie die Absolution des deutschen Punkrock sein. Oder werden. Als Kunstfigur von Frau-Potz-Sänger Felix geschaffen, vereint diese die dunklen Abgründe und bösen Gedanken, mit denen sich jeder sicherlich schon mal konfrontiert sah. Dementsprechend ist er gleich im ersten Song Jesus Christus, zurückgekommen um die Menschheit endgültig zu vernichten, doch dann geblendet wird von seinen 15 Minuten Ruhm, den "8 Millionen Klicks und eine Show auf Pro7".
Auch die anderen Songs auf dem Album beschäftigen sich mit menschlicher Schwäche und der Abstinenz von Moral. Dabei sollte man stets gut zuhören, um ja keine der vielen scharfzüngig vorgetragenen Doppeldeutigkeiten zu verpassen. Sei es, wenn sich die "Professoren" an den Imbissbuden zwischen Currywurst, Oettinger und Doppelkorn über ihre Lebensweisheiten austauschen, die jüngere außenpolitische Vergangenheit in "Splitter von Granaten" pointiert zerpflückt wird (richtig gut!) oder sich in "Wochenende. Saufen. Geil." die Scheinwerfer auf den Partyfreitag in Friedrichshain (oder jeder anderen Vergnügungsmeile einer beliebigen unrelevanten Stadt) richten. Jedes Lied ist unglaublich gut! Das liegt vor allem auch an Felix' gewaltiger Stimme, die nicht nur beeindruckend seine Wut rausschreien kann, sondern auch beim normalen Gesang angenehm eingängig ist.
Lediglich für das Booklet ziehe ich Punkte in der B-Note ab. Die Texte sind alle in einem anderen Design gedruckt, was zwar weiterhin sehr kreativ bleibt, aber sich meiner Meinung nach mit den tollen Fotos und der großartigen Illustration hinter der CD beißt.
Insgesamt muss ich allerdings Bönx recht geben, der bereits am letzten Wochenende verkündete, dass dies wohl die Deutschpunk-Platte des Jahres sein wird. Hier ergibt sich eine perfekte Symbiose aus einem Talent für Storytelling, einer herausragenden Stimme und Musikern, die hörbar Bock haben zu zocken.
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