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Talco:
Silent Town
"Silent Town" ist eine fiktive Kleinstadt irgendwo im Süden Italiens. Touristen gibt es hier schon lange nicht mehr. Die Fassaden sind grau und heruntergekommen. Die kleinen Lädchen, die einst das Stadtbild prägten, sind nun mit Brettern verrammelt oder kooperieren mit der italienischen Mafia. Der Alltag ist geprägt von Rassismus und Stammtischattitüde. Geringe Bildung und allgemeine Hoffnungslosigkeit haben ihr übriges getan, die Bevölkerung einem populistischen, wie chauvinistischen, aber charismatischem Anführer hörig zu machen. Früher, ja es muss so in den 90ern gewesen sein, da pulsierte hier das Leben, da klang Musik und Lachen durch die Straßen, aber das sind nun, dank Berlusconismus und Misswirtschaft, nur noch Geschichten einer besseren Zeit.

Den einzigen Ausweg aus diesem Teufelskreis scheinen Talco aus Marghera gefunden zu haben. Auf ihrem neuesten Machwerk wird ganz schön in die Rohre geblasen, um Silent Town nun endlich zu Fall zu bringen. Die Mauern der Stadt erschüttern hierbei zunächst einmal unter den druckvollen Openern "Il tempo", "Neverdad" und "Sombra". Hier gibt es sogleich drei typische Talco-Songs. Flüssige Strophen wechseln sich ab mit eingängigen Chorussen, die immer Platz lassen für sinnvoll und gut gestreute Instrumentierung. Diese ist auf dem Album sehr vielfältig gehalten. Neben zwei Gitarren, bei denen der einen die Off-Beats und der anderen die Punkrock-Akkorde vorbehalten sind, Bass und Schlagzeug, gibt es verschiedene Blasinstrumente, ein Akkordeon, eine Mandoline und vielleicht noch ein, zwei andere Sachen, die ich jetzt nicht herausgehört habe. Bei den nachfolgenden Songs "Nel Varieta", "Rotolando", "Silent Town", "Via da qui", "Intermondo", "Dalla pallida Miro" und "Nella Strada" kommt die Bewegung im ersten Moment aufgrund starker Widerstände seitens des Agoniesystems etwas ins stocken, um dann jedoch dank taktisch klugem Aufbau den Gegner Straße für Straße aus der Stadt zu drängen. Bei der Ballade "Ovunque" heißt es dann noch einmal durchatmen. Noch einmal Kraft schöpfen, um dann mit einem lauten Knall auf dem letzten Song "Malandia" endgültig auch die Grundmauern dieser verfluchten Stadt nieder zu reißen. Wochenlang sollen die Bewohner noch auf den Trümmern der Häuser getanzt haben, aus deren Überresten nun wilde Blumen sprießen.

Fazit: Großartige Platte. Momentan wahrscheinlich das Beste, was es an schnellem Party-Ska-Punk so zu hören gibt. Sehr schade, dass man Rassismus und Homophobie in der echten Welt nicht mit guter Musik einfach wegtanzen kann.
Zwen 11/2015
Hörprobe:
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Talco - Silent Town

Stil: Skapunk
VÖ: 06.11.2015, CD, LP, Destiny Records (Link)


Tracklist:
01. Il tempo
02. Neverdad
03. Sombra
04. Nel Varieta
05. Rotolando
06. Silent town
07. Via da qui
08. Intermondo
09. Dalla pallida Miro
10. Nella strada
11. Ovunque
12. Malandia

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